Ausgabe 
19.8.1903
 
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Wasserwagen über den Damm gegossen in der Absicht, den angetrockneten und festgefahrenen Pferdeschmutz und Staub zunächst aufzuweichen und zu lösen. Erst nach einer ge­wissen Zeit folgen die mit Gummiwalzen ausgerüsteten Straßenwaschmaschinen, welche den aufgelösten Schmutz zur Seite schieben, von wo er später mit eisernen Handkarren entfernt wird.

Derjenige, welcher gezwungen ist, den Damm in der Zwischenzeit zwischen der ausweichenden Wasserflut und der eigentlichen Wäsche zu passieren, kann die Unvollkommenheit dieser Reinigungsart am eigenen Leibe zur Geniige aus- probieren. Den Beschwerden darüber ist städtischerseits ent- gegengehalten worden, daß der Straßenschmutz eine ge­wisse Zeit braucht, um durch das übergegossene Wasser anfgeweicht zu werden, daß also die Wüsche nicht unmittel­bar der dem Wasserwagen entströmenden Sintflut folgen arst Jedoch sollte man diese Wäsche dann in die Zeit des ciugsten Verkehrs, die frühen Morgenstunden, verleget!, und nicht in die Stunden von 8 bis 10 Uhr vormittags, iote das leider in Berlin und Umgegend zu beobachten ist.

Lassen sich die Ablagerungen von Staub auf der Straße nicht überhaupt beseitigen oder wenigstens einschränken?

Antwort: So lange noch die Straßen aus Stoffen hergestellt werden, die durch ihre Abnützung Staub er­zeugen, und so lange noch Pferde die Straße betreten, wird Staub erzeugt werden.

Rechnet man mit dieser Voraussetzung, so empfiehlt sich folgendes Verfahren:

1. E i n e z e i t w e i s e v o r z u n e h m e n d e S t r a ß e n- wäsch e.

Die Zeiträume richten sich nach der Art der Straßen- befcstigung und der Stärke des Verkehrs.

2. Eine Festlegung des Staubes in der Z w i s ch e n z e i t.

Bei sehr verkehrsreichen städtischen Straßen mit fester Decke wird man demnach nachts eine gründliche Straßen­wäsche vornehmen und darauf eine Einrichtung treffen, um den sich während des Tagesverkehrs bildenden Staub bis zur nächsten Nacht festzulegen. Bei Landstraßen mit ge­ringen! Verkehr wird man die periodische Reinigung unter Umständen den gelegentlichen Regengüssen überlassen können, mit oder ohne Nachhilfe durch Wegearbeiter oder Reinigungsmafchinen. Dafür aber ist für die längere Zwi­schenzeit der Staub mit geeigneten Mitteln festzuhalten.

Hiermit kämen wir zu den Einrichtungen und Mitteln, den Straßenstaub festzuhalten und vor dem Anfwirbeln durch Wind, Pferdehufe und rollende Räder zu schützen.

Von den bereits angestellten Versuchen nach dieser Richtung hin seien folgende erwähnt:

In Kalifornien hat man einige Chausseen mit gutem Erfolge mit Petroleum, welches etwa 16 Mk. pro Tonne kostet, bestrichen. Das schwere Oel mischt sich hierbei innig mit dem Staub und bildet eine feste Bindemasse, ähnlich wie Asphalt, nur daß sie weniger haltbar ist als dieser.

Dr. Guglielminetti hat an der Riviera eine gut chaus- sierte und vorher geebnete und gereinigte Straße auf fünf Meter Breite mit Goudron (welches dort bedeutend billiger ist als Petroleum) bestrichen, indem er die Masse erwärmte und mit Gießkannen auf die Straßenfläche verteilte. Die Kosten sollen sich auf etwa 300 Fr. pro Kilometer bei 5 Meter Breite stellen. Die Straße zeigte eine dunkle, glatte Oberfläche, welche nach Einigen Tagen völlig geruchlos sein soll. Der Regen soll abfließen, ohne einzudringen, Schniutz und Stanbbildung vermieden werden.

M. G. Rimini hat bei Lugo eine Straße mit Stein­kohlen teer bestrichen, den er von der Gasanstalt in Ra­venna zu 5 Fr. pro 100 Klgr. bezog. Er behauptet, die Kosten stellen sich auf 7,5 Centimes pro Quadratmeter, oder auf 300 Fr. pro Kilometer bei 4 Meter Breite für die erst­malige Anlage, später, bei Wiederholung der Teerung, seien die Kosten entsprechend geringer. Diese Straße soll bereits em Jahr lang zur Zufriedenheit standhalten. Wie häufig der Teerbelag erneuert ivorden ist, wurde nicht gesagt.

Auf einer Straße bei Champiguy in Frankreich beab- sitchigt man folgende Parallelversuche:

1. Belag mit Goudron, 2. mit Teeröl, 3. mit kaliforni­schem Petroleum, 4. mit französischem Petroleum.

Es ist hier nicht allein das reine Brennpetroleum ge­

meint, sondern auch seine Derivate und billigeren Roh­produkte.

Zwei Vergleichsversuche sind unter der Anweisung von Dr. Guglielminetti auf Veranlassung des Schweizer Touren­klubs von Her Genfer Straßenbauverwaltung ausgeführt worden, und zwar ein Belag mit Steinkohlenteer auf der nach Lausanne führenden Straße, und eine Petroleum-Im­prägnierung eines Teiles der Fahrbahn der Place Neuve.

Der Teerbelag aus der Rue de Lausanne hatte die Straßenoberfläche in stärkerem Maße hart gemacht als das Petroleum, doch lag der Staub von den Fußsteigen und der angrenzenden unbedeckten Fahrstraße lose auf der ge­teerten Fläche. Das Petroleum auf der Place Neuve hatte sich mit der Straßenvberstäche innig vermischt, die Decke war völlig staubfrei und fester als die angrenzenden un­bedeckten Straßenoberflächen. Der von letzteren darauf ge­wehte Staub und Sand schien sich sofort mit der Pe­troleumdecke zu vermischen, sodaß diese keinen losen Staub zeigte. In den ersten drei Tagen soll sich ein leichter Pctroleumgeruch bemerkbar gemacht haben, der sich aber dann verflüchtigte.

Durch diese Versuche ermutigt, beabsichtigt der Schweizer Tourenklub, sich die billige Einfuhr von soge­nanntem Texas-oil (einer Petroleumart), auf welcher sehr hoher Zoll liegt, zu sichern.

B. H. Schelling hat in Rotterdam, und in Arnheim die städtische Behörde ähnliche Versuche mit sogenanntem Scotch shale-oil angestellt, welches eine harte Kruste mit der Straßendecke bildete und nach einem Tage befahrbar war.

I. W. Metcals, der Straßenchef von Newmarket, stellte im April dieses Jahres in der Nähe dieser Stadt analoge Versuche an. Er verteilte Rohpetroleum, und zwar eine Gallone auf 10 Quadratyards, über eine Strecke von 300 Parbs. Die Unkosten betrugen y2 Pence (gleich cci. 5Pfg.) pro Qnadratyard. Es zeigte sich, daß dieser einmalige Ueberzug genügend war, 'und daß während des ganzen Sommers weder eine Besprengung mit Wasser, noch mit Oel o der dergleichen zur Staubbeseitigung erforderlich wurde.

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

* Der Neger Heiland. Aus Topeka, der Haupt­stadt des Staates Kansas, wird berichtet, daß Pensions­kommissar Eugene F. Ware mit den Behörden von Har­pers Ferry in Virginien Unterhandlungen angeknüpft hat, die daraus abzielen, den Galgen in seinen Besitz zu bringen, an dem im Jahre 1859 der Negerheiland John Ossawatomie Brown starb. Herr Ware wünscht die geschichtliche Denk­würdigkeit ausbessern zu lassen, um sie dann der Histo­rischen Gesellschaft des Staates Kansas zum Geschenk zu machen. John Brown, ein Neuengläuder, der seine zweite Heimat in Kansas gefunden, unternahm auf eigene Faust die Befreiung von Negersklaven. Mit seinen sieben Söhnen zog er aus in dem Wahne, alle Gegner oer Sklaverei würden sich sofort erheben und sich ihm anschließen. Seine Hinrichtung beschleunigte den Ausbruch des Bürgerkrieges und die Abschaffung der Sklaverei. Die Bataillone der Nordstaaten marschierten unter den KlängenJohn Browns body lies moldring in his grave, his foul is marching ott."

Bilderrätsel.

«Nachbildung verboten.)

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in nächster Nummer.)

Auslösung des Silbenversteckrätsels in vor. Nr.r Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

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