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Sie lieben es, Ihrer Eitelkeit zu schmeicheln, indem Sie glauben, daß Sie mich in Ihrer Macht haben; aber ich fürchte mich nicht vor Ihnen."

Herr von Chauxville lehnte in anmutiger Haltung am Fenster; er hielt sein Gewehr noch immer in der Hand.

Denken Sie ein wenig nach", sagte er mit seinem kalten Lächeln.Mir scheint es, daß Sie sich über Ihre Lage nicht ganz klar sind. Frauen sind das selten. Unser Freund, Ihr Gatte, hat in Bezug auf die Ehre etwas beschränkte Ansichten; außerdem habe ich ihn im Verdacht, daß er echt slavisches Feuer besitzt, das er verbirgt. Glim­mendes Feuer, Madame, Sie kennen unser französisches Sprichwort. Er ist nicht der Mann, der Ihr kleines Ge­schäft mit Herrn Wassili von einem rationellen, nachsich­tigen Standpunkt aus betrachten wird, umsoweniger als sein Freund, Stephan Lanowitsch nebenbei der Besitzer dieses Hauses, dadurch in die Verbannung kam. Die Art und Weise, wie er diese Nachricht aufnehmen würde, könnte unangenehm werden für Sie."

Was wollen Sie?" unterbrach ihn Etta.Geld?"

Ich bin kein armer Abenteurer."

Und ich, Herr von Chauxville, bin keine solche Närrin, mich in eine gewöhnliche, einem französischen Roman ab­gelernte Jntrigue verwickeln zu lassen, um Ihre Eitelkeit zu befriedigen."

Die trüben Augen Chauxvilles flammten plötzlich auf.

Madame", sagte er mit leiser, fester Stimme,ich muß Sie bitten, zu glauben, daß ein solcher Gedanke mir auch nicht entfernt in den Sinn kam. Ein Herr von Chaux­ville ist rein Handlungsreisender, das bitte ich gefälligst zur Notiz zu nehmen. Nein, vielleicht wird es Sie über­raschen, aber mein Gefühl für Sie enthält mehr Gutes, als Sie anscheinend einzuslößen vermögen. Gott allein weiß, wie es kommt!, daß ein schlechtes" Weib eine gute Liebe einflößen kann."

Etta blickte ihn erstaunt an; sie vermochte Herrn von Chauxville nicht immer zu verstehen. Das war vielleicht nicht wunderbar, denn er verstand sich selbst nicht immer.

Was wollen Sie also von mir?"

Vorläufig unbedingten Gehorsam."

Wozu wollen Sie mich benützen?"

Ich habe Zwecke, denen Sie dienen müssen", ant­wortete der Baron, der seine gewöhnliche, halb spöttische Ruhe wiedergewonnen hatte.Aber Sie werdden von diesen Zwecken ebenso Nutzen ziehen wie ich selbst, und ich werde Sorge tragen, daß Sie keinen Schaden nehmen; denn Sie sind das Hauptziel von allem. Am Ende von allem sehe ich immer nur Sie."

Und wenn ich mich weigere?" fragte Etta, die sich genau bewußt war, daß dieser Mann durch seine Liebe zu ihr gehemmt wurde.

Dann werde ich Sie zum Gehorsam zwingen."

Etta^ zog spöttisch die feinen Augenbrauen in die Höhe.

Ja", wiederholte Chauxville mit unterdrückter Wut.

.Ich werde Sie zwingen, mir zu gehorchen."

Die Fürstin sah ihn mit leichtem, spöttischem Lächeln an und fuhr sich mit sinnender Miene durchs Haar, als ob eine Haarnadel ihr wichtiger wäre, als seine Worte.

Er zog die Uhr aus der Tasche.

In fünf Minuten muß ich gehen", sagte er.Vorher habe ich Ihnen einige Instruktionen zu geben und muß Sie bitten, mir Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken."

Er blickte auf und erwiderte Ettas trotzigen Blick mit einem Lächeln des Triumphes.

. für mich von höchster Wichtigkeit, daß ich

erne Einladung nach Osterno erhalte", fuhr er fort.Ich ttnU dort nicht lange bleiben. In der Tat, ich habe gar kerne Lust dazu, aber ich muß das Schloß in Augenschein ''ehmen See können mir wohl die Erlaubnis verschaffen, Fürstin?"

Es wird schwer sein."

Umsomehr der Mühe wert für Sie. Ich habe vor ^hrer diplomatischen Geschicklichkeit den größten Respekt und lege dm Angelegenheit ruhig in Ihre Hände." er 8uc^e die Achseln und sah an ihm vorbei zum Fenster hinaus. Der Baron beobachtete aufmerksam ihr Gesicht. 1 '

. "^dnzweiter Punkt, den Sie nicht vergessen dürfen, ist das tägliche Leben Ihres Gatten in Osterno", fahr ei­

fert.Die Behörden haben Argwohn gegen den Fürsten gefaßt und behalten ihn im Auge. Man hat ihn im Ber- daacht, daß er unter den Bauern revolutionäre Ideen ver­breitet. Es wäre mir lieb, wenn Sie soviel als möglich darüber herausbekämen. Vielleicht wissen Sie bereits etwas darüber, vielleicht hat er es Ihnen erzählt. Fürstin, ich kenne dieses schöne Gesicht! Er hat es Ihnen erzählt! Gut. Interessiert er sich für die Bauern?"

Etta antwortete nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Einrichtung staubfreier Straßen?)

Von Max R. Zechlin, Ziv.-Jngen., Charlottenburg.

Während im Laufe des verflossenen Jahrhunderts auf allen Gebieten der Technik die weitestgehenden Fortschritte gemacht worden sind, steht die Technik des Straßenbaues heute zum größten Teil auf demselben Entwicklungsstand­punkt, wie vor hundert Jahren. Sieht man von der Ein­führung asphaltierter und gut entwässerter Straßen in den größeren Städten ab, eine Einrichtung, die im hohen Alter- tume bereits in ähnlicher Vollendung vorhanden war, so wird es schwer zu sagen sein, welche Fortschritte in den letzten hundert Jahren im Straßenbau gemacht worden sind.

Landstraßen mit fester Decke, also Chausseen, die sich' quantitativ, dem gesteigerten Berkehrsbedürfnis ent­sprechend, allerdings gegen früher vermehrt haben, zei^ qualitativ noch dieselben Mißstände: starke Staubentwick­lung bei trockenem Wetter, Schmutz und Schlüpfrigkeit bei nassem Wetter, unvergleichlich schnelle Abnutzung und ent­sprechend starke Reparaturbedürftigkeit, widersinnige Quer- gesälle ost von einer so unverantwortlich großen Neigung, daß der auf einer Seite fahrende Wagen umzustürzen droht. Mit der allgemeinen Einführung zentraler Wasserversorg­ung und den gesteigerten hygienischen Anforderungen trat die Straßenbesprengung in die Erscheinung: Ein sehr un­vollkommenes Verfahren, denn aus der festen, allerdings staubigen Straße wurde eine schlüpfrige, schmutzige Straße. Statt der Staubteilchen beschmutzten nasse Spritzflecke oie Passanten. Die mit leichtem Schuhwerk und Heller empfind­licher Sommerkleidung ausgerüsteten! Spaziergänger scheuten sich, einen gesprengten Straßendamm zu überschreiten. Motorwagen und Fahrräder konnten nur mit äußerster Vorsicht und in einem ihrer Bestimmung geradezu wider­sprechenden langsamen Fahrtempo vorwärts kommen, unter steter Berücksichtigung der Gefahr des Ausgleitens und Schleuderns.

Dieser Umstand der Nichtentwicklung der Straßenbau­technik findet seine Erklärung betritt, daß sich unser Haupt- verkehr im letzten Jahrhundert neben bett Straßen ab­gewickelt hat, nämlich auf bett Eisenbahnschienen, sobaß ein zwingendes Bedürfnis für eine technische Weiterentwicklung der Straße nicht vorlag.

Aber heute ist ein solches vorhanden. Der Automobilis- mus hat es geschaffen. Unter den vielen Forderungen, welche der automobile Straßenverkehr an die Beschaffen­heit der Straße stellt, interessiert uns heute vor allem diejenige der S t a u b b e s e i t i g u tt g. Die Staubbeseitig­ung durch reute Wässerbespr engung hat eine Berechtigung bei Straßen mit Asphalt-, Stein-' ober Holzbeckung als Mittel zur Reinigung. Bei Deckungen mit Sanb ober mit Kies, also bei Chausseen, kann ihr auch biefe nur bebingt zugesprochen werden. Denn sie schwemmt die mit vielen Kosten heraufgebrachten Sandmaterialien allmählich wieder herunter oder versetzt sie in einen solchen kittförmigen kleb­rigen Zustand, daß der Verkehr erschwert wird, und daß Wegearbeiter diesen Kitt mit Kratzen entfernen müssesn, um später wieder neues Deckuugsmaterial aufzuschütten.

Das Sprengen bezw. die Straßenwäsche wirb meist in ber Weise ausgeführt, baß ein Wasserwagen dünne Wasserstrahlen über die Straße rieseln läßt. In wenigen größeren Städten nur folgt diesem «Sprengwagen eine Ar­beiterkolonne mit Besen und Gummischiebern, um den auf­geweichten Schmutz von dem Damme zu entfernen. In Berlin und Charlottenburg unterscheidet man zwischen Sprengen, einer einfachen leichten Berieselung der Straßen mit Wasser, und dem Abwaschen der Straße. Zu letzterem Zwecke werden zunächst größere Wassermengen aus einem

*) Vortrag, gehalten gelegentlich des deutschen Auto-- mobiltages in München am 5. Juli 1903.