1903.

Mittwoch oen 19. August.

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(Nachdruck verboten.)

Schloß Osterno.

Roman von S. M e r r i m a n.

(Fortsetzung.)

, ®rt() ziemlich lange Pause entstand, während welcher Nelly eins ihrer Armbänder durch einen leichten Druck auf d:e Feder öffnete. Katharina hörte das Geräusch nicht, sie schien sich ihrer Umgebung gar nicht mehr bewußt'zu sem- Nelly öffnete geräuschvoll ein zweites Armband: wahrscheinlich bereute sie ihre frühere Freundlichkeit. Ka­tharina war ihr zu nahe gekommen.

Urteilen Sie nicht etwas übereilt?" fragte Nelly endlich mit einer ruhigen Stimme, die den Gegensatz zwischen den beiden Mädchen noch erhöhte.Ich finde daß es immer einiger Zeit bedarf, bis man genau weiß' ob neue Bekannte einem gefallen oder nicht."

Ja, ihr Engländer seid so kalt und berechnend, ihr rvißt nicht, was es heißt, zu hassen oder zu lieben."

Vielleicht doch, aber wir reden weniger darüber"

Katharina wandte sich um und sah sie mit einem selt­samen Lächeln an.

. leichte sie.Nichts Sie reden gar

nichts. Paul ist gerade so. Ich habe Sie beobachtet, ich weiß alles. Seit Sie nach Thors kamen, haben Sie kein gesprochen; Sie haben geplaudert und gelacht, über viele Tinge Bemerkungen gemacht, aber gesprochen haben Sie nicht. Sie sind gerade so wie Paul. Man kennt euch niemals aus. Ich kenne Sie nicht, aber Sie gefallen Mir. Sind Sie ihre Cousine?"

Ja."

Ich hasse sie."

Nelly lachte. Sie war immer gerecht und ehrlich.

Vielleicht werden Sie Ihre Meinung ändern, wenn Sie fte näher kennen lernen.

Vielleicht kenne ich sie jetzt schon besser, als Sie." Nelly lachte wieder.

M«?sÄS«tom e'mWa> W- b- ich fi' l°u VvJÄröta zuckte die Achseln.Ich werde sie imnier W£n' fft8te He-Es tut mir leid, daß sie Ihre Cousine ist, etwas an ihr ist nicht nt Ordnung etwas, das Metz? Meist" alle« außer Herrn Steinmetz. Herr Stein- mvp WLl p UllL».

"i' ber weiß sehr viel", gab Nelly zu.

'st er, tlstG so traurig, nicht wahr?"

^aE.ttt0 ft.arrte tn§ Feuer, und ihre seltsam ernsten ugen hatten einen fast wilden, konzentrierten Ausdruck.

.sie plötzlich f 8§ ßtebe SU ihm geheuchelt?" fragte sie keine Antwort erhielt, schaute sie auf und richtete ihren forichenden Blick auf Nellys Gesicht. Diese

starrte gerade vor sich hin in das Feuer und ertrug die Prüfung, ohne mit der Wimper zu zucken. Sobald Katha- rmas Augen von ihr wichen, ließ die maskenhafte Ruhe ihrer Zuge nach. ' '

Jetzt gibt sie sich nicht mehr diese Mühe", fuhr die junge Russin, ihre eigene Frage beantwortend, fort. t'A./n Sm sie heute beobachtet, während wir Klavier spielten? Herr von Chauxville weiß etwas über sie: sie haben etwas gemeinsam, das weder Paul, noch einer von uns kennt. Warum redeu Sie nicht? Warum sitzen Sie da und starren nut so fest zusammengepreßtcn Lippen ins (ji- 1-lCL 11

Weil ich der Meinung bin, daß es keinen Zweck für uns hat, über Paul und seine Frau zu reden."

Katharina brach in ein leises, freudloses Lachen aus.

Das sagen Sie, weil sie Ihre Cousine ist- er n u'chts für Sie; es kümmert Sie nicht, ob er glücklich ist oder nicht."

Necky wandte sich ab, um ihre Armbänder aufzuheben, die von ihrem Schoß zu Boden geglitten waren.

Sw Übertreiben", sagte sie ruhig.Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, daß Paul unglücklich ist. Das kommt irur von Ihrer grundlosen Abneigung gegen sie."

Es dauerte lange, bis sie die drei Armbänder qe- hatte. Dann erhob sie sich und legte sie ans den

Soll ich gehen?" fragte Katharina in ihrer derben Weise.

"Nein" antwortete Nelly höflich, aber sie zog ziem­lich auffällig ein paar Haarnadeln heraus.

Katharina achtete nicht darauf.

Gefällt Ihnen Herr von Chauxville?" fragte sie un­vermittelt. 1

Nein."

Gefällt er Paul?"

Ich weiß nicht."

Katharina sah nur einen Augenblick ctitf, dann kehrten zurück ®etrad[)tun9 der brennenden Fichtenscheit«

Ich möchte wissen, warum Sie von Paul uicht reden wollen?" sagte sie in einem Don, der keine Antwort forderte.

Nelly machte eine unmutige Bewegung.

Ich bin leider überhaupt ein etwas schwerfälliges Gefcyopf", antwortete sie.Ich verstehe nie viel Wort« zu machen."

Airch nicht über Paul?"

Nein. Sprachen wir nicht von Herril von Chauxville?^

Ja. Ich verstehe Herrn von Chauxville nicht. Er kommt nur wie die Verkörperung der Nnaufrichtigkeit vor. Er posiert sogar vor sicy selbst und beobachtet immer, welchen Eindruck er macht. Welchen Eindruck er wohl auf sich selber macht?" 1

Nelly lachte.