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gnügtc sich in besonders geräuschvoller Weise mit Klavier­spiel, Singen und Tanzen. Tie kleinen Kinder tobten und schrieen, und die ganze Gesellschaft verführte einen ohren- zerreificnden Lärm. Nur der Vater, ein kleinejr unter­setzter Wann mit schwarzen unruhigen Äugen, und seine stattliche suwelenfunkelnde Gattin verhielten sich ruhig und schienen sich, eifrig mit ihren Zahnstochern beschäftigt, von dem Getöse nicht im Geringsten belästigt zu fühlen.

Anders war es mit unserem schweigsamen Engländer Mr. Morgan. Ihm erschien das Ganze wie eine Szene aus erneut Irrenhaus, und er überlegte, ob er auf der nassen Straße oder int Rauchzimmer bis zur Stuude des Mahles sich die Zeit vertreiben sollte. Als er den Saal verlassen wollte, lenkte aber eine Gestalt, die er unter der lärmenden Menge bisher übersehen hatte, feine Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine junge Tante an dem Tische in der Mitte, deren bleiches feines Gesicht sich im Profil ihm zuwandte, während sie sich über den Jüngsten dieser halb wilden Rotts neigte, ängstlich bemüht, den kleinen Schlingel von ernstem Unfug zurtickzuhalten. Mit unendlichem Geschick vereitelte die junge Tame verschiedene Versuche, das Schachbrett um­zustoßen, mit id'em seine Brüder spielten, zog ihn von der angenehmen Beschäftigung zurück, das Tintenfaß über die umherliegenden Bücher auszuleeren und tat ihr bestes, ihn sestzuhalten, als es ihm ein herrlicher Zeitvertreib schien, seine geschmeidigen Glieder vom Stuhl auf den Tisch zu schwingen nnb seinen freien Sitz mit lautem Gepolter um- zustoßen. Tas erstemal lachten die beiden Jungen am Schachbrett helllaut auf und überließen es der Gouvernante ihres ungezogenen Bruders, den Stuhl aufzuheben. Als dtes geschehen war, ergriff das junge Mädchen rasch eine illustrierte Zeitung und versuchte, den Kleinen für die, hüb- stheu Bilder zu interessieren, um ihn von seinem plumpem Spiel abzulenken. Doch vergebens! Wie eine Feder schnellte die kleine Gestalt in die Höhe und der schwere Stuhl polterte abermals zur Erde. Aber diesmal eilte der fremde Herr herbei, um ihn an feinen Platz zu stellen.

Mit glühenden Wangen, aber noch immer ruhig und gelassen, hielt die junge Dame den Knaben jetzt gewaltsam auf seinem Sitze fest und begann in französischer Sprache eine Strafpredigt, die jedoch völlig unbeachtet blieb. Wie em Aaal glitt der ungezogene Junge hin und her, um sich ihrem Griffe zu entwinden; dann drehte er sich plötzlich um, preßte ihr Handgelenk mit aller Gewalt und neigte sich schließlich herab, um seine weißen Zähne hinein zu bohren, eine Rohheit, die der jungen Tame einen leisen Schmerzensschrei entlockte.

Ties war mehr, als einer der Zuschauer ertragen konnte. Ta von zuständiger Seite keine Strafe erfolgte, nahm der Isländer die Verteidigtmg seiner jungen Landsmännin als solcye hatte er sie an ihrer Aussprache erkannt! in ferne eigenelHand, «erfaßte den kleinen'Tyrannen beim Gürtel Und schüttelte ihn, daß ihm Hören und Sehen verging.

Ein zorniger Ausrrrf entfuhr Madame, und selbst der phlegmatische Vater sprang rasch auf die Füße. Tie ver- schredenen Gruppen stellterr ihr Geplapper ein und lauschten ergötzt,, als der Fremde in kurzen Worten den Eltern, die sagt ei,e ^nzige Silbe verstanden, feine, Meinung Empörend!" wiederholte der wütende Vater mit finsteren Blicken, bald- den stattlichen Engländer, bald das junge Mädchen betrachtend, das sich, obschon bleich vor Schmerz und Angst, doch durch seine Anwesenheit beschützt fühlte.Empörend! ich verstehe das Wort nicht. Mamsell", stuhr er auf französisch fort,sagen Sie mir, was er meint. Rasch, rasch!"

Stockend und in möglichst schonender Weise übersetzte die Gefragte die Worte ihres Schützers. Aber Madame unterbrach sie mit einem herrischen Befehl, den ihr Gatte augenblicklich ausführte.

.Basta!" rief er ungeduldig aus, fuhr mit der Hand in die Tasche und brachte einige Dutzend Goldmünzen zum Vorschein, von denen er zwei über den Tisch hinüberschleu- berte:Für Ihre Dienste, Mamsell und" ein drittes Goldstück nachschiebend,als Entschädigung."

Das junge Mädchen errötete, nahm ihre Bezahlung an, lteß aber die goldeneSalbe" unberührt. Kein Wort kam über ihre Lippen, aber ihre Augen füllten sich- mit Tränen. Ihr bisheriger Dienstherr ließ sich schwer auf das Sofa neben feine Gattin niederiallen und setzte seinen

Zahnstocher wieder in Tätigkeit, während die Uebrigen unter Scherzen und Lachen den Vorgang besprachen, ohne noch die geringste Notiz von der jungen Dame zu nehmen, die, so summarisch ihre Entlassung erhalten hatte.

Erzürnt und doch ernstlich befürchtend, durch sein Ein­mischen Unheil angerichtet zu haben, beobachtete Herr Mor­gan schweigend, wie die junge Engländerin unter dem Stoße kostbarer Kleider, die man achtlos auf den Boden geworfen hatte, ihren eigenen einfachen Hut und Mantel! hervorzog. Als sie beides angelegt hatte, verneigte sie sich zuerst sehr schüchtern vor ihrem Retter, dann mit einer ruhigen Würde vor der ausländischen Gesellschaft, die ihren Gruß vollständig übersah, und verließ den Saal.

Einen Augenblick zögerte Herr Morgan, dann folgte er. Sie stand auf der äußeren Treppe der Halle, gegen den Wind ankämpfend, der ihren Negenschirnr zu zerbrechen drohte, als er sich ihr eilends näherte, um feine Entschul­digung vorzubringeu.

Ich muß um Verzeihung Bitten", sagte er,daß ich mich eingemischt habe, wo ich mich vielleicht besser ruhig verhalten hätte. Es tut mir aufrichtig leid, dieses Zer­würfnis herbeigeführt zu haben."

Ein ernstes, aber sehr einnehmendes Gesichtchen blickte unter dem Schein der Hotellampen zu ihm auf: ,Sie meinten es ja nur gut, mein Herr. Es hat nicht viel zu bedeuten, und ich danke Ihnen sehr."

Ich fürchte, ich kann Sie für die grobe Unhöflichkeit jener Leute in keiner Weise entschädigen", fuhr Herr Morgan fort.Aber giebt es nichts, das ich für Sie tun könnte?"- Sie schüttelte den Kops.Tarf ich nicht wenigstens eine Troschke für Sie herbeiholen? Bei diesem Wetter können Sie unmöglich zu Fuß gehen. Ich fühle mich schuldig, Sie in diese unangenehme Lage versetzt zu haben."

Bitte, denken Sie nicht mehr daran", bat die Eng­länderin.Es hat nur ein wenig beschleunigt, >vas ohne- hm kommen mußte. Es war sehr gütig von Ihnen, meine Partei zu ergreifen, ich werde mrch stets dankbar daran erinnern. Guten Abend."

Sie hier in Regen und Wind zurückzuhalten, war un­möglich; sich ihr als Begleitung anzubieten, wäre eine un­verzeihliche Zudringlichkeit gewesen. So kehrte denn Herr- Morgan, als die schlanke dunkle Gestalt seinen Blicken etttschwunden war, ziemlich unbefriedigt in die Halle zurück und fragte den Pförtner, der gerade mit bestürzter Miene den Salon verließ, wer eigentlich die Gesellschaft da drinnen

Monsieur, sie find von Spanisch-Amerika, sie wollen ganz Europa bereifen. Ihr Gepäck ist" mit ausgebreiteieN Armenganz außergewöhnlich. Ihre Ansprüche find grenzenlos, aber ihr Reichtum ist riesig."

Und dies Geld giebt ihnen das Recht, unverschämt zu fein, wie mir scheint", bemerkte der Engländer, aus seiner! gewohnten Zurückhaltung aufgerüttelt.

Der Pförtner zuckte die Achsel:Was läßt sich da tun, Monsieur, sie bezahlen fürstlich. Zwei schwarze Diener führen sie mit sich und benehmen sich gerade, tote in ihrem eigenen Lande, wo ihnen vermutlich- alles zu Gebots

steht."

Mit diesen Worten eilte der Pförtner weg, und auch Richard Morgan begab sich trotz Sturm und Regen auf die Straße hinaus, um bei einem kleinen Spaziergänge seine Entrüstung über des brasilianischen Millionärs hochmütiges Gebühren niederzukämpfen und bei der angenehtnen Er­innerung an das süße traurige Gesichtchen zil verweilen, das er sehnlichst wieder zu sehen wünschte. Schon der nächste Tag sollte feinen Wunsch erfüllen. Bei herrlichem Wetter ging er auf den belebten Boulevards spazieren und bemerüe plötzlich seine junge Bekannte von gestern, die in Begleitung einer älteren Dame ihm gerade entgegen! kam. Er fühlte sich merkwürdig befriedigt, als bei seinem ehrerbietigen Gruße eine Helle Röte das liebliche Antlitz übetgoß und ein sonniges Lächeln die feinen Züge ver­klärte. ' Als sie vorüber war, blieb er einen Augenblick un­entschlossen stehen, ernstlich überlegend, ob diej gute Sitte ihm erlaube, sie anzureden. Ta legte sich plötzlich eine! Hand auf feine Schulter, unbeeitte heitere Stimme rieft Bist Tu es wirklich, alter Junge? Ich traute weinen Augen kaum, als ich Dich fo urplötzlich vor mir auftauchen sah. Was führt Dich hierher in die belgische Haupt­stadt?" , t _

Etwas zerstreut blickte der Anaeredete auf und in da.