Ausgabe 
18.7.1903
 
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Gemsinnütziges.

* Zigarrenasche gegen Insektenstiche. Von dem Salmiakgeist, dessen günstige Wirkung aus frische In­sektenstiche allgemein bekannt ist, kann man auf Wander- ungen vielfach keinen Gebrauch machen aus dem einfachen Grunde, weil derselbe nicht Kur Hand ist. Gin einfacheres Mittel, um die infolge eines Insektenstiches auftretenden Schmerzen und die Schwellung zu verhüten oder zu be- seitigeu, bietet die Zigarrenasche, die meist eher zur Hand ist. Man bringt etwas Asche von einer Zigarre, Zigarette oder aus einer Pfeife auf dre Stichstelle, fügt einen Tropfen Wasser hinzu (im Notfall auch Bier, Wein, Kaffe) und reibt den entstandenen Brei tüchtig aus die Stelle ein. Am besten ist es natürlich, frische Asche zu verwenden, da dieselbe infolge des vorher erfolgten Ausglühens am besten Garantie dafür bietet, daß eine Verunreinigung aus­geschlossen ist. Die Wirkung der Dabaksasche beruht auf dem Gehalt an Kaliumkarbonat, welches die von dem Insekt beim Stechen in die kleine Wunde beförderte Säure ab- stumpst und wirkungslos macht.

* Gewittersurcht. Die Gewittersurcht macht sich allsommerlich bei vielen, besonders bei nervösen .JeuteU geltend, und da mögen einige Winke nicht unwillkommen sein, wie man sich bei einem Gewitter am zweckmäßigsten zu verhalten hat, d. h. welche Vorsichtsmaßregeln mau gegen die Blitzgefahr zu treffen vermag. Vor allem hüte man sich, tvenn man von einem Gewitter auf freiem Felde über­rascht wird, schnell zu laufen, da erfahrungsgemäß! der Luftzug und die verstärkte Ausdünstung der Haut eine Anziehungskraft auf den Blitz ausüben. Ebensowenig suche man, wenn man sich während eines Gewitters im Walde befindet, direkten Schutz unter einem Baum; die vielen Unglücksfälle, die aus dieser törichten Maßnahme ent­standen sind, geben alljährlich in den Zeitungen zu den ein­dringlichsten Warnungen Anlaß. Gerade die entsprechende Entfernung von einem Baum macht es wahrscheinlich!, daß derselbe für uns zum Blitzableiter wird. Auf einer baum­losen Ebene vom Gewitter überrascht, tut man am besten, sich! auf den Erdboden zu fetzen oder zu legen. Lieber ein wenig naß, als vom Blitz getroffen werden. Heuhaufen oder Korngarben zum Schutz aufzusuchen- vermeide man, vor allem aber hüte man sich, den Schirm aufzuspannen, dieser würde eine große Gefahr mit sich bringen. Da der Blitz sich stets die höher auf der Erde gelegenen Punkte aussucht, darf man sich auch nicht allzu nah an einen Mastbaum, eine Fahnenstange, einen Eisen- oder Draht- zann begeben. Dies sind, die wesentlichsten Vorsichtsmaß­regeln, deren man sich zu bedienen hat, wenn man sich bei einem Gewitter im Freien befindet. Für den Aufent­halt inr Hause ist jedoch folgendes zu beachten. Hier hat man sich zunächst von der Gaskrone, der Wasserleitung und dem Schornsteine fernzuhalten, speziell letzterer zieht als hervorragendster Punkt des Hauses leicht den Blitz an und führt ihn mit den Regentropfen, die bekanntlich ein guter Letter sind, ins Innere. Zug ist unter allen Umständen zu vermeiden, ebensowenig soll aber in den Zimmern, namentlich wenn sich viele Personen darin be- findeir, eine dumpfe, stickige Atmosphäre herrschen. Man lasse während eines Gewitters stets das Fenster offen, setz« sich aber nicht an dasselbe, sondern halte sich in einer gewissen Entfernung davon auf. Zum Schluß noch einige Worte über die sachgemäße Behandlung vom Blitz Ge­troffener. Man bringe den Verunglückten zunächst so rasch als möglich an einen kühlen Ort. Hier befreie man ihn von beengenden Kleidern, bespritze sein Gesicht mit frischem Wasser und nehme eilte kühle Abwaschung des Körpers vor, wobei man aber kein Tuch oder Schwamm gebraucht, sondern mit deß wärmen Händen die Haut reiht. Das wird bei Betäubung oder Ohnmacht genügen. Ist aber be­reits Scheintod eingetreten, so versuche man in erster Linie und mit großer Beharrlichkeit mittelst künstlicher Atmung die Lungen- und Herztätigkeit wieder zu wecken, bürst« Handflächen und Fußsohlen; auch eine kräftige kühle Ganz- abreibung ist von großem Nutzen. Die Wiederbelebung er­folgt gewöhnlich unter Konvulsionen und heftiger Pulsa­tion am Kvpfe und Halse. Etwa sich einstellender Schweiß tmd Schlaf müssen ungestört bleiben.

* Sommerkleider zu reinigen. Bei Waschbären stoffen ist die Reinigung mit Wasser und Seife sehr einfach,

nicht so bei hellest wollenen oder auch halbwollenen Klei­dern und Blousen, die meist nur durch die chemische Wasch­anstalt wieder tadellos herzustellen sinh. Solche hellen Stoffe kann man indessen auf folgende Weise leicht und sicher sauber erhalten. Man kauft in der Drogenhandlung pulverisierten Gips, füllt ihn ist einen leinenen! Beutel und legt die zu reinigenden Sachen möglichst glatt aus ein Plättbrett. Mit dem mit Gips gefüllten Beutel reibt man den Stoff strichweise stark ab und schüttelt ihn dann gut aus, damit der Gipsstaub entfernt wird. Wenst man schwerere Helle Stoffe, wie z. B. die unteren Kantest Heller Regenmäntel, auf diese Weise reinigt, muß mast außerdem die Sachen gut nachbürsten, wozu man eine! vorher sorgsam gereinigte Kleiderbürste nimmt. Diese Bürste taucht man zum Reinigen vorher in erhitztes Kartoffelmehl und streicht sie auf weißem Papier aus, bis dieses kein« Spur von Schmutz mehr nach dem Mstreichen zeigt.

Vermachtes«

* Aus dem Tagebuch von Leo Tolstoi, das seit mehreren Jahren angefaitgen ist und später in chrono­logischer Ordnung herausgegeben wird, teilt uns zum ersten MaleLa Revue Parisienne" einige Bruchstücke mit. Daraus ist äußerst interessant folgendes aus einem Briefe Tolstois Vom März 1903, an eine Dame gerichtet:Seit mehr als 20 Jahren habe ich mein Vertrauen auf Gott gelegt. Und je länger ich lebe, desto fester wird! dieses Vertrauen und während ich mich meinem Ende nähere und täglich daraus warte, bin ich völlig ruhig und ebenso froh zu leben wie zu sterben. Mein Glaube stimmt mit dem Ihrigen nicht überein, aber ich vermahne Sie nicht und bitte Sie nicht, dep Ihrigen aufzugeben, um den meinigen anzu­nehmen; ich weiß, daß dies für Sie ebenso unmöglich wäre, wie Ihre physiologische Natur zu ändern, wie das zu lieben, was Ihnen zuwider ist, und umgekehrt. Infolgedessen, rate ich Ihnen nicht, Aehnliches zu tun, sondern ermahne Sie, an Ihrem Glauben festzuhalten und ihn stets weiter zu ent­wickeln. Der Mensch kann nur das glauben, wozu er ge­führt wird durch das Zusammenwirken aller Kräfte seiner Seele. Ein jeder von uns sieht die Welt und ihre Grund­sätze durch das kleine Fenster, das er nach freier Wahl für sich selbst aufmacht. Deshalb kann es auch, vorkommen, daß ein Mensch, welcher nicht klar sieht und dessen Fenster verdunkelt ist, sich aus eigenem Antrieb dem Fenster eines anderen nähert. Wer einen Menschen, der zufrieden ist mit dem, was er durch sein eigenes Fenster sieht, zu einem anderen Fenster zu rufen, ist unvernünftig und, gelind« gesagt, unhöflich. Wir suchen alle denselben Gott. Wir leben alle durch seinen Willen, und wenn wir ihn von verschiedenen Seiten sehen, können wir seine allge- meinen Gebote erfüllen und einander lieben, trotz der verschiedenen Verhältnisse, in welchen wir zu ihm stehen.

Literarisches.

Das Preisausschreiben zur Erlangung eines modernen, künstlerisch aufgefaßten Frauenkostüms mit Silberschmuck, ausge­schrieben von derDeutschen Goldschmiede-Ztg." und des BlattesSchmuck Und Mode", war zum Teil mit ganz prächtigen Entwürfen von 139 Künstlern und Künstlerinnen, beschickt und gelangten drei Preise in Höhe von 400, 250 und 150 Mk. für die besten Arbeiten zur Verteilung. Außer­dem wurden 13 Entwürfe lobend erwähnt und zum Ankauf empfohlen. Das Preisausschreiben hat den Beweis er­bracht, daß unsere deutschen Künstler an der künstlerischen Ausgestaltung des Frauenkostüms lebhaften Anteil nehmen. Es berechtigt dies zu der Hoffnung, daß mit der Zeit doch ein spezifisch deutscher Geschmack sich einbürgern und für die elegante deutsche Fran bestimmend sein wird. Auch die Verbindung der Mode mit passendem künstlerischen Schmuck bleibt eine ^weitere vornehme Aufgabe. .

Kapselrätsel.

Fliedertee, Arbeit, Kohlrübe, Kanone, Schachtel, Verwaltung, Geist, Vernichtung, Landauer, Sterndeuter.

Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Mtye nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Suven- teilung. _____(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Lachtaube.

Redaktion: Auaust Götz. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universttiits-Buch« und Stcindrnckerei. R. Lange, Gießen.