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Samstag den 18. Juli.

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(Nachdruck verboten.)

Schloß Osterno.

Roman von S. Merriman.

(Fortsetzung.)

Paul, der vor ihr stand, blickte nachdenklich auf das schöne, zu ihm emporgewandte Gesicht hinab. ®r' hielt die Hände auf dem Rücken, und fern kräftiger Mjund unter dem großen, blonden Schnurrbart war fest geschlossen. In Ruß­land haben die Männer schöne Augen: blau, stolz, intelli­gent. Solche Augen hatte auch der Sohn der Fürstin Alexis.

Es giebt Frauen, die den Wunsch besitzen, allen Männern etwas zu bedeuten, stätt einem alles. Das war der Stein des Anstoßes auf dem Wege Etta Beaumonts. Ihr Instinkt leitete sie, allen um jeden Preis zu gefallen, und oft gehorchte sie diesem Instinkte ganz unbewußt. Viel­leicht wußte sie gar nicht, daß sie ein in unseren Zeiten gar seltenes Gefühl der Ritterlichkeit ausbeutete; aber selbst wenn sie es gewußt hätte, würde sie es nicht mit größerem Geschäftsgeiste getan haben.

Ich möchte die Vergangenheit am liebsten ganz ver­gessen, aber das fällt Frauen schwer", sagte sie.Es ist ein furchtbares Gefühl, daß man das ganze Leben lang mit einer Person in Verbindung gebracht wird, die von nie­mandem respektiert wurde. Gr war weder ehrenhaft, noch"

Sie hielt inne. Das Ahnungsvermögen mancher Frau ist wunderbar. Eine leise Veränderung seiner Züge hatte sie daraus aufmerksam gemacht, daß Barmherzigkeit, beson­ders gegen Tote, eine sehr rühmliche Eigenschaft ist.

Die Welt ist unbarmherzig, nicht wahr?" fuhr sie ziemlich, hastig fort.Gr war wohl leicht zu verführen, und die Leute redeten Dinge über ihn, die nicht wahr waren. Hat man Ihnen in Rußland je von ihm erzählt, von dem, was man über ihn sagte?"

Sie schien mit unterdrückter Unruhe auf seine Antwort zu warten.

Nein, ich bekam nie russischen Klatsch zu hören; ich kenne niemanden in Petersburg, und nür wenige Leute in Moskau."

Sie stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus. Dann sind! die Irrtümer des Armen vielleicht schon ver- gessen. Heutzutage wird in einem halben Jahr alles ver- gessen. Sre wissen, er ist erst seit einem halben Jahre tot. Er starb in Rußland."

, Die ganze Bett über betrachtete sie sein Gesicht. Sie hatte sich stets in einem Kreise bewegt, wo man alles weiß, Er wo die Männer Gesichter aus Eisen und Herzen aus Stahl haben, um alles zu verbergen, was sie wissen. Sie konnte es kaum glauben, daß Wexis so unwissend war, wie er sich, stellte.

Das hat man mir vor einem Monat erzählt."

Wie ein Blitz durchzuckte Etta die Erkenntnis, daß dieser Bewunderer seine Bewunderung erst vor vier Wochen zu zeigen begonnen hatte. Konnte er wirklich, jenes Phä­nomen sein, das die Romane schildern: ein Ehrenmann?

Sie sah ihn neugierig an.

Und jetzt wollen wir von etwas anderem reden", fuhr sie heiter fort.Ich habe Ihnen heute genug von meinen Angelegenheiten erzählt, erzählen Sie nun von sich selbst. Warum waren Sie im vorigen Monat in Rußland?"

Ich bin selbst ein halber Russe. Meine Mutter war Russin, und ich bin in Rußland begütert."

Ihre Ueberraschung war ein Triumph der Kunst.

Was, Sie sind doch, nicht Fürst Paul Alexis?"

Ja, der bin ich"

Meine Hochachtung, mon prince!" sagte sie, aber gleich darauf brach sie in ein fröhliches Lachen aus, denn sie hatte einen mißvergnügten Ausdruck über sein Gesicht ziehen sehen.Nein, so werde ich Sie nicht nennen, denn ich weiß, daß Sie es hassen. Ich habe von Ihren Vorurteilen ge­hört, und wenn es das geringste Interesse für Sie hqi> so will ich Ihnen gestehen, daß ich diese Vorurteile be­wundere."

In diesem Augenblicke langten andere Gäste an, und kurz darauf zog Paul sich, zurück.

5. Kapitel.

Der Baron.

Unter den Besuchern, die Paul in dem kleinen Salon Ettas zurückließ, befand sich der Baron Claude von Chaux- ville, Baron von Chanxville und Chauxville-le-due in der Provinz Seine-et-Marne, Attache der französischen Botschaft am Hose von St. James, in den Augen der Menschen ein anfsteigender Diplomat, in den Augen Gottes wer kann das sagen? Dieser Herr blieb zurück, nachdem die anderen Besucher sich entfernt hatten; als Fräulein Nelly sah, daß er die Absicht hatte, seinen Besuch zu verlängern, murmelte sie irgend einen unzureichenden Vorwand und verließ das Zimmer.

Fräulein Nelly Delafield, eine vernünftige junge Dame von jener Schlichtheit, die eigentlich gar nicht Schlichtheit, sondern Herzensunschuld ist, machte sich ihre eigenen Ge­danken darüber, wie ein Mann beschaffen sein muß, und Herr von Chanxville hatte das Unglück, dieser Vorstellung nicht zu entsprechen. Er war ihr zu epigrammatisch, und zuweilen hatte sie das Gefühl, daß sich unter dem Glanze seiner Epigramme etwas Dunkles und Widerwärtiges ver­berge. Ihr Verhalten gegen ihn war jedoch vollkommen höflich.

Trotzdem Herr von Chanxville den Ruf hatte, einen gefährlichen Zauber zu besitzen, vermochte er Fräulein Nelly weder zu bezaubern, noch einzuschüchtern. Aus diesem Grunde konnte er sie nicht leiden. Seine Eitelkeit war gewaltig, und wenn ein Franzose eitet ist, so ist er es vt kindischem Maße.