Ausgabe 
18.5.1903
 
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eisung Europas eine zweite nicht f» ausgedehnte, und viele Geologen sprechen gar noch von einer dritten, aber unseren Enzian vertrieb kein widriges Naturereignis mehr von seinem heutigen Standort. Im Gegenteil: das feuchte und kühle Wiesenland sagte ihm zu und so erhielt er sich bei uns bis auf den heutigen Dag. Es ist also ge­wissermaßen eine uralte Erbschaft, die uns Gie­ßenern von der Eiszeit übermacht worden ist; die Wissen­schaft nennt dies einenRelict aus der Eiszeit". Nun bleibt nur noch die Frage nach dem Verbleib der Verbindungsbrücke, die der Enzian sich von Oberbayern Schritt für Schritt bis nach Gießen damals schlagen mußte. Da hat neben den schaffenden und vernichtenden Natur­gewalten unzweifelhaft auch! der Mensch mitgewirkt. Da, wo die Natur Laub- und Nadelwälder entstehen ließ, und da, wo der fleißige Mensch sein Ackerland zu bestellen anfing, da verschwand auch der Enzian. Mso diese beiden Faktoren haben die Wegspuren des Engzians verwischt und wir können sie uns nur noch unter Zuhilfenahme der Erdgeschichte wieder rekonstruieren.

Das wäre in kurzem dasWoher" undWie" des kleinen Frühlingsenzians. Wer ihn von den Lesern noch nicht kennen gelernt hat, der muß sich sputen, das jetzt zu tun; denn mit der von Tag zu Tag höher steigenden Sonne verliert er seine Blütenpracht und verbirgt seine kleinen Blättchen und Zweige dem neugierigen Auge des forschenden Wanderers.

Wilhelm Zang, Assistent.

Vermischtes.

* Allerlei aus der Frauenwelt. Zur Sache der Sitzgelegenheit für Verkäuferinnen in Ladengeschäften nahmen die.Vorstände der verschiedenen Frauenvereine in Tilsit Stellung. Sie beabsichtigen keine Angriffe gegen die Geschäftsinhaber bezüglich der vom Bundesrat vor- geschriebenen Sitzplätze, sondern toiollen darauf sehen, daß die vorhandenen auch wirklrch benutzt werden dürfen. Es komme nicht selten vor, daß der Prinzipal den Verkäuferinnen erklärt:Sie dürfen sich setzen, meine Damen, nur nicht wenn Publikum im Laden ist und ich im Laden bin." Ge­schäfte, wo solche zweifelhafte Vergünstigung herrsche, müßten gemieden und hierdurch Wandel geschasst werden. Nach einer eingehenden Diskussion, an welcher auch die städtischen Behörden teilnahmen, wurde eine Resolution in genanntem Sinne angenommen und beschlossen, das Vor­gehen d er Frauenvereine zur Kenntnis der betreffenden Geschäftsinhaber zu bringen und diese zu ersuchen, ihre Stellung zu der Angelegenheit einem Ausschuß der Frauen­vereine mitzuteilen. Die bereits seit fünf Jahren in Berlin praktizierende Frl. Dr. med. Jenny Springer, welche in Zürich promovierte, wurde an der Berliner Uni­versität als erste Vertreterin des weiblichen Geschlechts zum Staatsexamen in der medizinischen Fakultät zugelassen. Tie vier Damen, welche vor kurzem ihr Abgangsexamen in der Gart en bau schule in Marienfelde bei Berlin ablegten, haben dasselbe bestanden; zwei derselben erhielten Prämien. Die vier Damen fanden Stellungen, in die sie sofort eintraten. An der WienerUniversität waren im verflossenen Winterhalbjahre weibliche Studierende, und zwar 70 ordentliche und 236 außerordentliche Hörerinnen. Von den 70 ordentlichen Hörerinnen waren 19 in der medi­zinischen und 51 in der philosophischen Fakultät einge­schrieben. *

* Ein Armband der Kaiserin. Ein eigenartiges Armband besitzt die deutsche Kaiserin. Es ist ein Geschenk des Kaisers und besteht aus sieben Gliedern, je von der Größe eines länglichen Einmarkstückes. Die Glieder, in Gold gefaßt und mit Brillanten besetzt, zeigen in Emailbrand die Bildnisse der kaiserlichen Sprößlinge, und zwar in der Mitte das der Prinzessin Luise Viktoria; nach rechts folgen die Bildnisse des Kronprinzen Wilhelm, des Prinzen Oskar und des Prinzen Joachim, nach links die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert und August Wilhelm. Ani Mittelstück befindet sich ein herzförmiger Anhänger, der das Porträt des Kaisers zeigt. Das Schmuckstück wird von der Kaiserin mit Vorliebe getragen.

* Ein fatales H o chzeits g e s chen k. Eine tragi­komische Szene spielte sich kürzlich am Eingang des Schöne­

berger Rathauses ab: Munter plaudernd wollte ein Braut-, paar die Vorhalle des Rathauses durchschreiten, um das Auf­gebot im Standesamt zu bestellen, als dem Paare plötzlich ein Mädchssn entgegentrat und dem verblüfften Heirats­kandidaten ein Paket übergab, aus dem ein lächelndes Kindergesicht heraussah.Hrer hast Du mein vorläufiges Hochzeitsgeschenk!" sagte das Mädchen und verschwand eiligst,. Die Braut fiel in Ohnmacht, aus welcher sie der gerade das Rathaus verlassende Schularzt erst nach längeren Be­mühungen erwecken konnte. Die nun aus den Besuch des Standesamtes verzichtende Braut verließ! leichenbläß das Rathaus nach; 'dler einen Seite, während der beschenkte Bräutigam mit seinem Paket nach der anderen Seite hin sich entfernte. Laute Zurufe aus der zahlreich versammelten Menge begleiteten ihn.

* Ein en glischer Pastor in einer Frauen­rolle. Um eme Theateraufführung zu retten, übernahm! dieser Tage ein englischer Pastor eine eigenartige Rolle. Inj der kleinen Stadt Ramsey in Hungtindonshire sollte zum Besten eines wohltätigen Werkes eine Aufführung eines Stückes'Das Wachsfigurenkabinett von Mrs. Jarley" ge­geben werden, als die Darstellerin der Hauptrolle plötzlich erkrankte. Da sich niemand fand, der einspringen konnte^ waren alle Beteiligten in großer Aufiegung. In dieser verzweifelten Lage opferte sich der Pastor, der Reverend Thomas Normandale, und übernahm hte Rolle. So sah mark' den braven Geistlichen in Frauenkleidern auf der Bühne er­scheinen. Der Bericht sagt leider nichts darüber, ob sie ihm gut gepaßt haben. ~

Literarisches.

Kunst im Hause: Wer sich sein eigenes Heim wirklich künstlerisch schmücken oder ein hübsches Konfirma- ttons-, Geburtstags- oder Hvchzeitsgeschenk "machen wilh der sei auf R. Voigtländers Künstlerlithogra- phien aufmerksam gemacht. Ganz aktuell ist des weit-, gereisten Malers Ivo Puhonny : Japanische Fischer. Die' beiden neuesten Bilder find des Müncheners Angelo Jankt Eiserne Wehr, ein Matt von geradezu hinreißender Wirkung^, und des Karlsruher Künstlers Karl Langhein fein gestimm­tes Friesisches Küstenstädtchen. Die Preise der bis jetzt erschienenen Blätter halten sich zwischen 2,50 und 6 MH Mel Kunst für wenig Geld! Kataloge und Rahmen- Preisliste erhält man von R. Voigtländers Verlag in Leipzig. ____________

Schachaufgabe.

Von Ch. Meyer in Bremen. (Nachdruck verboten.)

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Weiß. (6 + 12)

Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge matt. «Auflösung in nächster Nummer.)

Auflöstlng des Quadraträtsels in vor. Nr.r KIND ISAR NASE DREI

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Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Vuch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

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