Ausgabe 
18.5.1903
 
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Ter Konstabler in der Stube oben blickte, Stimmeck hörend, heraus.

Ist sie zu sich gekommen?" fragte er.

Ja!" sagte Clifford unsicher.

Tann wieder lag sie mit unbeweglichen Lippen da. M8 er es jedoch sagte, kam ein Ausdruck tiefster Qual über die zusammengekniffenen dünnen Gesich-tstzüge, und er er­kannte, daß mit der Rückkehr zu vollem Bewußtsein auch die volle Empfindungsfähigkeit des Schmerzes zurückgss- kommen war.

Gehen Sie hinunter, den Obersten um etwas Brannt­wein zu bitten!" rief Clifford.

Ter Konstab el aber schien nicht zu hören Er stand Noch immer am Fenster uitb blickte hinunter.

Clifford wiederholte die Worte, und der Mann ging mit sichtbarem Widerstreben vom Fenster. Miß Bostal blickte heimlich hinaus und wendete sich dann mit einer raschen, vogelähnlichen Bewegung zu Clifford.

Ist noch- jemand von der Polizei in der Nähe?" fragte sie schnell.

Clifford war im Begriff, zu verneinen, als der Konstabel, den er nach, Brandy geschickt und der sich mit erstaunlicher Schnelligkeit seines Auftrages entledigt hatte, wieder an der Ecke des Hauses erschien

Hier kommt er mit Brandy", sagte Clifford.

Doch Miß Bostals Ausdruck des Schmerzes wich auf einmal einem des Ekels.

Brandy?" rief sie aus.Ich werde um keinen Preis ihn berühren. Ich habe, so lange ich lebe, dem Genüsse geistiger Getränke entsagt."

Tiefe plötzlichen Ausbrüche von Willenskraft brachten Clifford etwas außer Fassung, daher er sich etwas erleichtert fühlte, als er den Obersten dicht hinter dem Konstabel sah,

Theodora! Bist Du verletzt? Ernstlich verletzt?" fragte er in einem fast gleichgiltigem Tone, als ob er noch zu sehr von dem drohenden Unglück überwältigt wäre, um sich über irgend etwas anderes beunruhigen zu können.

Verletzt?" rief sie empfindlichNatürlich bin ich verletzt. Ich verlor, als iif). mich zum Fenster hinauslehnte, das Gleichgewicht und stürzte heraus und habe ein Bein, und wie ich glaube, auch eine Rippe gebrochen."

Sollen wir Dich hineintragen?"

O nein! nein!" sagte sie mit Entschiedenheit.Man wird mir zu weh tun. Laßt mich hier, bis der Doktor; kommt."

Ter Oberst drehte sich um, ebenso Clifford und der Konstabel, denn sie alle vernahmen die Töne eines hef­tigen Wortwechsels bioit männlichen Stimmen und wurden zugleich zwei Männer gewahr, von denen der eine sich tote es schien, von dem andern loszureißeu suchte, und dieser sich anstrengte, jenen zurückzuhalten. Für die drei Männer im Garten war in der Dunkelheit wenig mehr als dies

Montag den 18. Mal.

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1903. Nr. 73.

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v (Nachdruck verboten.)

Das Gasthaus am Strande.

Roman in zwei Bänden von Florence Warden. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.

(Fortsetzung.)

Ter Sergeant fuh!r ohne jeden Zeitverlust zum Hause hinaus, während der Mann, der ihm die Weisung gegeben batte, die Tür des Schlafgemachs mit ein paar Schlägen seines Schlägers aufbrach Clifford- eilte bestürzt und erregt dem Sergeanten nach. Er kam ziemliche so schnell an Ort und stelle tote der Mann, dem er folgte und den er zwischen den immergrünen Gebüschen herumtasten sah, die so dicht unter der Mauer des alten Hauses wuchsen.

Eine Reihe matter Klagelaute wie von einem schwächten Geschöpf, das mit schrecklichen Qualen rang, schlug ihm ans Ohr, als er um die Ecke des Hauses kam.

Und in demselben Augenblick sah er den Konstabler, der die Tür des Schlafgemachs erbrochen hatte, sich- zum Fenster von Miß Theodoras Zimmer herauslehnen.

Was? Sie ist doch nicht heruntergefallen - sie hat sich doch nicht herabgestürzt" stammelte Clifford.

Doch gerade, als er es sagte, bog der Sergeant mit den Armen die Büsche auseinander, und indem er das volle Licht der Laterne, oie er in Händen hielt, auf den Boden darunter fallen ließ, wurde die Gestalt der armen Miß Theodora sichtbar, die in einem unförmlichen Haufen hier lag.

O rührt v rührt mich nicht an!" wisperte sie kraft­los, als sie das scharfe Licht auf ihrem Gesicht fühlte. Rührt mich nicht an. Ich, habe das Bein gebrochen und hier etwas, hier!"

Sie erhob die rechte Hand matt nach der Brust, worauf ihr der Kopf zurückfiel.

Sie ist ohnmächtig geworden!" sagte Clifford.Armes kleines Wesen! Was ist da zu tun? Soll ich den Arzt holen?"

Nein, Sir! Ueberlassen Sie das mir", entgegnete der Polizeisergeant raschBleiben Sie hier, während ich Hilfe w 'd?" jemand in der Nähe, der's für mich tun

®c eilte d avon, seine Laterne zurücklassend. Clifford bltckte auf d as kleine welke Gesicht nieder und glaubte ein Zucken der Augenlider zu bemerken. Als er sich herabneigte, um besser zu sehen, wurde er überrascht, zu hören, wie sie rhin lerse zuflüsterte:Ich bin froh, o so froh", murmelte sie noch ohne die Augen zu öffnen,daß dies sich ereignet hat. Tenn jetzt können sie rneine Zeugenaussage gegen die grme Nell ja nicht fordern!"

Mein liebes Fräulein", sagte Clifford ebenso leise, vrtte, beunruhigen Sie sich deshalb jetzt nicht. Nell wird sich schon rechtfertigen. Ich bin dessen ganz sicher."