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„Versteht die Fürstin russisch?" fragte Katharina plötzlich.
Sie stand neben denk Toilettetisch, wo sie sich bisher zerstreut mit den Kerzen beschäftigt hatte: jetzt wandte sie sich um und blickte Nelly an, die auf einem niedrigen Stuhl neben dem Feuer satz.
Nelly tat die Einsamkeit dieses Mädchenlebens leid; sie hatte nicht das Herz, sie hinauszuschicken, und sah mit einem Lächeln zu ihr auf, das langsam wieder von ihrem Munde verschwand.
„Nein", antwortete Nelly.
Katharina trat näher und beugte sich über ihre Gefährtin, indem sie ihr voll ins Gesicht blickte.
„Verzeihen Sie; ich sah, daß sie eine Bemerkung verstand, die ich zu einem der Diener machte. Sie nahm sich nicht genug in acht. Ich sah es deutlich"
„Sie müssen sich irren", antwortete Nelly ruhig, „sie war wohl schon einmal in Rußland, aber nur auf ein Paar Wochen, und erlernte die Sprache nicht. Sie hat es mir selbst gesagt. Warum sollte sie leugnen, russisch zu können, wenn sie es doch kann?"
Katharina antwortete nicht, sondern ließ sich schwer auf einen Stuhl sinken. Ihre Bewegungen/waren plump und kraftvoll, ein Anlaß fortwährenden Aergers für die Gräfin. Sie stützte den Ellenbogen aufs Knie und starrte ins Feuer.
„Ich wollte sie nicht hassen, ich wollte es nicht", murmelte sie vor sich hin. „Wären Sie es gewesen, Sie hätte ich nicht gehaßt."
Nellys klare Augen trübten sich für einen Augenblick, eine schwache Röte stieg in ihr Gesicht, und sie lehnte sich zurück, so daß der Schein des Feuers sie nicht traf.
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
„Tapezierte Zimmer vor Ungeziefer zu schützen. In tapezierten Simmern kommt es häufig vor, daß sich besonders wenn die Tapeten etwas schadhaft, werden oder losgesprungen sind, Ungeziefer, Wanzen, Ameiseil nsw. hinter den Tapeten etnntften. Um diesem Uebelstande vorzubeugen, setzt man dem beim Tapezieren verwendeten Kleister etwas Koloquintenpulver zu und zwar ungefähr auf 3 Kilogramm 50 bis 60 Gramm.
Vermischres.
* Ungalante Sprichwörter. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, schreibt die „Modern Society", daß gerade tn den Ländern, wo man den Frauen am meisten Galanterie^ bezeugt, in Frankreich Italien und Spaiiien, dosten Sprichwörter gegen sie geprägt sind. Viel- lercht. das Schlimmste, was überhaupt von Frauen qe- ch, hat der Franzose erfunben: „Eine Frau au§ Gold ist ebenso viel wert, wie ein Mann aus Stroh." Daun heißt es, auch nicht liebenswürdig: „Eine schöne Frau — ein schwacher Verstand." Gelinder verfährt man schon in den Sprichwörtern: „J-rauen, Wind und Glück wechseln stets" oder „Schwiegermutter und Schwiegertochter sind ein Sturm und Hagelwetter." Die Italiener sind sehr klug in ihren Misogynen Sprichwörtern. So ist z. B. viel Weitsichtigkeit in dem Sprichwort: „Ein Mädchen heiraten und ein Pferd kaufen soll man von seinem Nachbar." Oder es heißt: „Eine Frau, die gern am Fenster steht, ist wie eine Traube und „Wer Schererei in seinem Leben Kr Eß sich ein Schiff oder ein Weib nehmen." Ni unzweideutige Bosheit liegt in folgenden beiden
T M°un eine Frau und einen Cen- £ ~irb er den Centesimo vermissen", und: ^^^atur hat die Frauen und die Kirsche zu deren eigenen rn", s gemacht. Wie Frauen sein sollten, ist schwer
r n V Flauen des „duftenden Paradieses" bei den Türken bestehen nur aus Moschus und Rosenduftessenz- "brr selbst dort ist es fraglich, ob die Männer nicht irgend L°s a sf'ndig machen worüber sie brummen können. Der Schotte legt sein Bekenntnis nieder in dem Sprichwort: „Mädchen sollen sanft und bescheiden sein, schnell zum Horen, langsam zum Redeu." Im selben Sinne heißt es. „Traurig ist die Frau, die keine Zunge hat- aber wohl dem Mann, der sie bekommen hat." Doch die Schotten urteilen nicht so streng über Frauen, tote viele andere Nationen. Sie erkennen zwar, daß Mädchen und Gläser
spröde Ware sind; daß es „Besser ist, halb gehängt, als unglücklich verheiratet zu sein"; aber sie sagen wenigstens nicht so viel Über die Falschheit der Frauen. Die Spanier sind am sarkastischsten in ihren Sprichwörtern: „Es ist wahr, es giebt viele gute Frauen; aber sie sind alle schon unter der Erde." Eine Frau soll nur dreimal im Leben das Haus verlassen: wenn sie getauft, verheiratet und begraben wird." „Wer einen Aal beim Schwanz und eine Frau beim Wort nimmt, kann wohl sagen, daß er nichts hat." Besonders die Witwen kommen schlecht weg. „Eine Witwe mit drei Kindern heiraten heißt vier Diebe heiraten", oder: „Eine muntere Witwe mutz entweder verheiratet, begraben oder in ein Kloster gesperrt werden."
Silbenversteckrätfel.
(Nachdruck verboten.)
Niedergang, Spitzwegerich, Zurichtung, Schöllkraut, Leim, Baumeister, Geheinimittel, Gutzkow, Stendal, Vorwitz, Nachsätze, Katzen, Geist, Pflaume, Geistertanz.
Es ist ein bekanntes Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht ans deren Silbenteilung. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Gleichung in vor. Nr.:
Armbrust, (a Astern, b Stern, c Neun, d Ei, e Brust.)
Modenbericht über Sportkostüme.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- Manufaktur Dresden-N. — Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmuster- buch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich.
Nicht ohne Berechtigung ergreift die Vorliebe für die verschiedenen Sportarten immer weitere Meise, ist doch jeder Sport, der die Ausbildung der Glieder zu Gewandtheit und Mast zum Zwecke hat, ein Ansporn zu größerer Energieentfaltung, gesteigerter Leistungsfähigkeit und zur Entwickelung der vollsten Körperkraft. Sucht der Sport beim Manne die Muskelkraft zu steigern, so ist es beim weiblichen Geschlechte neben der Leibesübung die Grazie und Anmut des Körpers, welche einzelne Sportarten fördern sollen. Dazu gehört aber vor allem eine zweckmäßige Kleidung, die vollste Bewegungs- und Atmungsfreiheit gestattet, bequem, praktisch, und nicht in letzter Reihe kleidsam ist. Wie das ResormÜeid, so erfordert auch das Sport- kostüm eine andere Art Unterkleidung. Statt des Korsetts diene ein Sportgürtel aus durchlässigem Stofs; ferner erweist sich für Rad- und Bergpartien das mit ober ohne Unterrock zu trageube Reformbeinkleid als gerabezu unentbehrlich; soll es die Stelle des Rockes mit ersetzen, so empfiehlt es sich, einknöpfbare, waschbare Beinkleider darunter zu tragen.
Für die Touristik muß die Kleidung, soll sie sich zweckdienlich und brauchbar erweisen, ganz besonders praktisch sein, da die Temperaturen im Gebirge oft schroff wechseln. Ter Anzug hat in Berücksichtigung dessen am besten aus drei Teilen zu bestehen, der leichten Hemdbluse aus Flanell oder Waschstoff, dem fugfreien Rock, der innen statt des Rockschweifes einen Lederstreifen erhält, und der halb-ober ganz anliegenbeu Jacke, bie wärmer hält als bie lose Sack- fa?on. Vorsorgliche Leute führen int Rucksack außerdem noch ein imprägniertes Cape oder ein wärmendes Plaid mit sich, das der Kälte und dem Regen Widerstand leistet. Zweckmäßig und praktisch für derartige Kostüme sind vor allem bie bauerhaften groben Loben. Seit jedoch jene Aeußerung eines losen Spötters, baß bie beutschen Tarnen sowohl int Gebirge, wie überhaupt auf der Reise nichts anderes zu tragen wüßten, als jene monotonen graugrünen und graubraunen Töne, wie sie zu den Hauptfarben des Loden gehören, die Runde durch die Presse machte, scheint man zu der Einsicht gekommen zu sein, daß es außer dem geschmähten Loden noch andere Farben und Stoffe giebt, in denen man sich sehen lassen kann. Da sind in erster Linie starkfädige karrierte Herrenstoffe, die mit abgesteppten Tuchblenden und -Patten besetzt io erb en, kräftige Panamas unb Cheviots, sowie berbe Homespüns, bie Passe- poiles oder Streifen von farbigem Leder oder Tuch erhalten unb außerbem für Touren, bie nicht bis ins Gletschergebiet führen, bie beliebten groben Leinen- unb starken Drellstoffe. Sehr gediegen unb korrekt wirkt ein solcher Anzug aus einem! ber w&engenannteu Wollstoffe, zu dem ein Ledergürtel, Panama- oder Tirolerhut und Nagelschuhe unerläßlich find, tvenn er int Jacket etwas herrenmäßig gehalten ist. Ein hübsches und praktisches Tourenkleid aus kräftigem Drell,


