1903. Nr. 121

s Lira

MoiUag den 17. August. /

- ' 3

»SBÄKSaJii'. MW

(Nachdruck verboten.)

Schloß Osterno.

Roman von S. M e r r i m a n.

(Fortsetzung.)

Katharina antwortete nicht. Erst nach einer langen Panse fragte sie in ihrer seltsamen, abgebrochenen Weise:

Was werden Sie dadurch gewinnen?"

Ter Baron zuckte die Achseln.

Wer kann das wissen? Ls gibt vieles, was ich erfahren möchte, viele Fragen, deren Beantwortung man nur durch, eigene Beobachtung finden kann. Ich möchte die beiden beisammen sehen. Sind sie glücklich?"

Katharinas Gesicht wurde wieder hart.

Wenn es einen Gott im Hiinmel gibt, der unsere Gebete hört, dürfen sie es nicht sein", antwortete sie schneidend.

Sie haben in Petersburg ziemlicki glücklich ausge­sehen", meinte der Franzose, der auf die Wahrheit keine großen Stücke hielt.

So oft er der Meinung war, daß Katharina einer Anfeuerung bedurfte, erwähnte er Ettas Namen.

Ich hätte noch andere Fragen zu stellen, von denen Sw einige beantworten könnten, wenn Sie Lust hätten, gnädiges Fräulein."

Katharinas Gesicht drückte kein besonderes Entgegen­kommen aus.

Man spricht so viel von der Armenliga", sagte er, indem er sie scharf beobachtete.Tie Sache macht mich neugierig. War vielleicht auch unser Freund, Fürst Pawel in die unselige Affäre verwickelt?"

Katharina errötete plötzlich. Sie hielt die Augen auf ihre Ponnys gerichtet, war sich aber der ungewohnten Farbe ihrer Wangen bewußt, die unter den erbarmungs­losen Blicken ihres Gefährten langsam wieder erbleichten.

Sie können sich die Antwort sparen, gnädiges Fräu­lein", sagte der Baron, mit einem finsteren Lächeln.Ich habe sie bereits."

Katharina brachte die Ponnys mit einem Ruck zum Stehen, wandte den Schlitten um und fuhr heimwärts.

Sie war unruhig und verstört; denn vor der Neu­gierde dieses Mannes schien nichts sicher zu sein, und Vor­sichtsmaßregeln, Ausflüchte hatten nicht den geringsten Nutzen.

Ich hätte noch andere Fragen zu stellen, aber nicht jetzt", sagte der Baron ruhig.Gnädiges Fräulein sind ohne Zweifel etwas ermüdet."

Er lehnte sich in die Kissen zurück und fing an, über- alltägliche Dinge zu sprechen. In dieser Kunst war er Meister,

26. Kapitel.

Auf Schloß Thors.

Eiue Woche später sah Katharina vom Fenster ihres kleinen Zimmers aus, tote Paul Etta aus dem Schlitten hob, und der Anblick ließ sie die Fäuste ballen, bis ihre Knöchel tote poliertes Elfenbein glänzten.

Sie wandte sich um und betrachtete sich im Spiegel. Kein Mensch wußte, daß sie sich nach dem Frühstück in ihrem Zimmer eingeschlosseit und ein Kleid nach dem an­deren probiert hatte; kein Mensch hatte eine Ahnung von der Bitterkeit int Herzen dieses Mädchens, während es. sein Spiegelbild betrachtete.

Als sie in den langen, trübe erleuchteten Salon trat, hörte sie die Stimme ihrer Mutter.

Ja, Fürstin", sagte die Gräfin eben,es ist ein wunderliches altes Haus, nicht viel mehr als ein befestigtes Banernhaus. Aber die Vorfahren meines Mannes waren seltsame Lente, die sich um die kleinen Bequemlichkeiten nud Behaglichkeiten des Lebens nie gekümmert zu haben scheinen."

Es ist höchst interessant", antwortete die Stimme Ettas, nnd Katharina trat näher.

Eine förmliche Begrüßnng fand statt, wobei Katharina! bemerkte, daß Etta ängstlich nach der Tür blickte, durch! die sie eben gekommen war. Sie glaubte, daß sie ihren Gatten suchte, alleiit Etta wartete auf das Erscheinen Claude von Chauxvilles.

Paul und Steinmetz traten gleichzeitig durch eine anders Tür ein, nnd Katharina, die in einem Winkel des Zimmers, mit Nelly sprach, verstummte plötzlich.

Ah, Katharina, wie geht es?" sagte Paul.Wir haben Ihnen einen neuen Weg gebahnt. Von hier nach Osterno führte keine fahrbare Straße durch den Wald, aber heute nachmittag habe ich Ihnen eine gemacht, so daß Sie also keinen Vorwand haben, uns nicht zu besuchen."

Ich danke Ihnen", antwortete Katharina, indem sitz ihre kalten Finger hastig seinem freundschaftlichen Händen druck entzog.

Fräulein Nelly bewundert unser Land gerade so wie Sie."

Das habe ich Fräulein von Lanowitsch eben gesagt"^ meinte Nelly.

Paul nickte und ließ die jungen Mädchen allein.

Die kurze Dämmerung senkte sich bereits herab, uttbi das nur von kleinen, viereckigen Fenstern erhellte Zimmer wurde immer dunkler, so daß Katharina um die Lampen klingelte.

Ich hasse ein dunkles Zimmer", sagte sie kurz zN Nelly.

Als Herr von Chauxville ein paar Minuten später eintrat, saß Katharina am Klavier. Das Zimmer war jetzt glänzend erleuchtet, und auf dem Tische funkelten unft glitzerten die silbernen Teegeräte; beim die Tee stunde war