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Redaktion: Au rüst ßSöfc. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schcn Universitäts-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Kinder, Arbeit, Fasten Anbau, Tier, Ausziehtisch, Manchester, Maler, Krumbach, Blaunieife, Furcht, Schenke.
Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der R.ihe nach in vorstehenden Wörtern versteckt sind, ohne Rücksicht ans deren Silbenteilnng (also wie die Silbe la in Blau, Landmann oder Ella).
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r
Geld, Geduld.
starke Verstimmung Rußlands rief das Bekanntwerden des Geheimvertrages zwischen England und der Türkei hervor, worin die Pforte Cypern an seinen britischen Gönner abtrat, wogegen dieser die Integrität der türkischen Besitzungen in Asien gewährleistete. Wer auch da wußte Bismarck die Gegensätze zu versöhnen. Am hartnäckigsten zeigten sich die Pfortenvertreter, als sie der Okkupation Bosniens und der Herzegowina durch österr.-ungarische Truppen zustimmen sollten. Beaconsfield, der warm für die Erteilung des Mandats an Oesterreich-Ungarn eintrat, nannte die Okkupation die „Annexion zur linken Hand".' In der achten Sitzung vom 28. Juni verlangte Graf An- drassy die Stellungnahme des Kongresses zur bosnisch- herzegowinischen Frage und erhielt das erwartete „europäische Mandat" mit Vorbehalt der türkischen Zustimmung. Allein erst in der 12. Sitzung vom 4. Juli trat die Pforte dem Okkupationsmandat bei. Sie willigte — freiwillig auch in diese Selbstverstümmelung, hatte ihr doch der Kongreß wenigstens so viel vom Raube von San Stefano wiedergegeben, daß ihr, wie man glaubte, Raum blieb in „Schönheit zu sterben". Lord Beaconsfield rühmte int Oberhause dem Kongresse, der eigentlich die Erhaltung der Türkei zur Ausgabe hatte, nach, daß ihr 30000 Quadratmeilen tm Bereiche des Balkan mit gutem Boden und loyalen Unterthanen wiedergegeben werde.
Man mag das Werk des Berliner Kongresses noch so skeptisch beurteilen, so bleibt es doch unleugbar, daß es rhm gelungen war, die gefährliche Liquidation der Türket um Jahrzehnte hinauszuschieben. Wohl ließ der Kongreß manche Frage offen und in den 64 Artikeln des Berliner Friedensvertrages waren so manche, die den Keim künftiger Verwicklungen in sich trugen; wohl konnte nicht alles! Unrecht, nicht alles Gewalttätige vermieden werden, aber wenn ein Weltbrand 'verhindert werden soll, darf nicht darüber gejammert werden, daß die Axt des Feuerwehrmannes manches niederreißt, um dem Umsichgreifen der Flammen Einhalt zu tun. Der Kongreß hatte Bulgarien, das dem Wunsche Rußlands gemäß nach 485 Fahren als Großbulgarien wieder erstehen sollte, kleiner gemacht, indem er Ostrumelien als autonome türkische Provinz abtrennte. Die Vereinigung erfolgte zwar schon nach acht Jahren, inzwischen war doch dem russischen Einflüsse ein Riegel vorgeschoben. Die Wünsche Griechenlands, das vor dem Kongreß den hungrigen Mund sehr weit geöffnet hatte, wurden mit einer Zukunftsanweisung abgespeist, und erst im Jahre 1880 fand eine Konferenz in Berlin statt, die Griechenland fast ganz Thessalien und einen Teil Albaniens zusprach. Aber diese Nachoperation hatte den Vorteil, daß sie in einer politisch sicheren Zeit vorgenommen wurde. Man hatte dem Fürsten' Bismarck vorgeworfen, daß der Berliner Kongreß die Sanktion seiner „Blut- und Eisenpolitik" war. Mit Unrecht; während Rußland sür die ihm durch den Pariser Kongreß auferlegte Enthaltsamkeit mit Blut und Eisen gefügig gemacht werden mußte, waren die Einschränkungen des Berliner Kongresses Ergebnis bloß diplomatischer Strategik. Dem Genie Bismarcks ist es zu verdanken, daß im Jahre 1878 ein europäischer Krieg vermieden wurde und daß das gegen die Türkei siegreiche Rußland so manches Blatt aus seinem Lorbcer- kranz sich rauben lassen muhte. Diese Enttäuschung hat nicht wenig dazu Leigetragen, daß die russische Diplomatie ihr Augenmerk lebhafter als früher Asien zuwendete und seine Balkanhegemonie mit Oesterreich-Ungarn zu teilen bereit war. Das russisch-östreichische Abkommen vom Jahre 1897 war eine Spätfrucht des Berliner Kongresses.
Otto Fein,
kannten Kongreßbild von Anton v. Werner, weiches die Stadt Berlin zur Erinnerung an ihr Avancement in der Geschichte hatte machen lassen, ist Bismarck allerdings ohne Vollbart dargestellt. Er steht dort stolz aufrecht neben der eleganten Gestalt Andrassys, der die Uniform eines Honved- generals trägt und reicht pem auf ihn zutretenden Grafen Peter Schuwalow die Hand. Ties ist die Mittelgruppe. Tie Drei dominieren das Bild, das ihrem Verdienste um das Zustandekommen des Kongresses entspricht. Beaconsfield und Gortschakofs müssen sich mit einem Platze auf der linken Seite begnügen.
Als Beratungssaal diente der große Festsaal im Mitteltrakte des Bismarckschen Palais. Der Saal hatte stattliche Timensionen — 69 Meter Länge, 16 Meter Breite — und war von einfacher Eleganz; zu ihm führte eine große mit Pflanzen geschmückte Freitreppe. Man betrat ihn durch eine als Garderobe eingerichtete Vorhalle, an die rechts die Appartements des Reichskanzlers stießen. Aus der Vorhalle gelangte man in einen Borsaal, der den Sekretären angewiesen war. Zwei andere Säle dienten den Kongreßmitgliedern als Konferenzräume für vertrauliche Besprechungen. Ter große Saal stand in Verbindung mit den Speisesälen, in denen Buffets für die Dauer des Kongresses aufgestellt waren.
Zur ersten Sitzung, die einen vorwiegend formalen Charakter hatte, erschienen die Delegierten in Uniform, für die späteren Beratungen zog man das zwanglose Civil- kleid vor. Nur der letzten Sitzung wurde wieder durch Trageu der Uniform ein festlicherer Anstrich gegeben. In der ersten Sitzung stellte Gras Andrassy den Antrag, den Fürsten Bismarck mit dem Vorsitze zu betrauen, was selbstverständlich als Voraussetzung des Kongresses angenommen wurde. Ter Vorsitzende hielt darauf eine kurze Ansprache, an die sich eine Art Debatte knüpfte. Es soll dabei zu einer etwas gereizten Kontroverse zwischen Beaconsfield und Gortschakow gekommen sein. Um derartige Divergenzen zu vermeiden, hatte Fürst Bismarck den Kongreß- mitgliedern nahegelegt, sich vorerst vertraulich über strittige Fragen auseinanderzusetzen, damit bloß möglichst spruch? reife Angelegenheiten zur Plenarberatung gelangten. So fand denn ein fortwährender privater Gedankenaustausch zwischen den Diplomaten statt, wobei Fürst Bismarck unermüdlich den „ehrlichen Makler" machte. Tie diplomatischen Fäden wurden so von Wohnung zu Wohnung gej- sponnen und der Kongreß als solcher hatte dann nur diese Fäden zu verweben. Infolge dieser Zwischenberatungen fand die zweite Sitzung des Kongresses erst am 17. Juni statt; sie dauerte von 2 bis halb 5 Uhr nachmittags. Im allgemeinen umfaßte die Sitzungsdauer der Kongreßberatungen zwischen zwei bis drei Stunden. Tie dritte Sitzung wurde am 19., die vierte nach zweitägigem Intervall, die fünfte am 24. Juni abgehalten. Von da ab wurde ein etwas flotteres Tempo eingeschlagen und fast täglich konferiert. Im ganzen hielt der Kongreß bloß neunzehn Sitz- nngen ab, was mit Rücksicht auf das zu erledigende gewaltige Material eine geniale Arbeitseinteilung voraussetzt. War doch ckuch Fürst Bismarck der Leiter des Kongresses. Ter geniale Staatsmann, der wußte, wie leicht im gewöhnlichen seichten Tiplomatengeplätscher Fragen „versumpfen", hatte such geäußert, man müsse „unter Trommelwirbel" arbeiten. Ter Wiener Kongreß, bei dem allerdings die gesellschaftliche Ablenkung eine größere war, und dem auch eine kompliziertere Aufgabe vorlag, hatte vom 30. September 1814 bis zum 9. Mai 1815 gewährt. Gleich dem Berliner hatte der Pariser Kongreß für seine Arbeiten einen Monat — 25. Februar bis 30. März 1856 — gebraucht.
Co glatt nun scheinbar die Kongreßberatung vor sich ging, weil alle Schwierigkeiten hinter die Kulissen verlegt wurden, so fehlte es doch nicht an mehr oder minder bedenklichen Reibungen. Einen Gegenstand der Kontroverse bildete auch die Zulassung der „kleinen Staaten" deren Vertreter sich nach Art römischer Menten um die Gunst des Kongresses bewarben. Man traf schließlich das Anskunftsmittel, einige von ihnen zu den ihre Länder speziell betreffenden Fragen vorzuladen. So konnten die griechischen, rumänischen und persischen Vertreter, feierlich eiugeführt, vor bett hohen Senat treten. Nachdem sie thr Sprüchlein gesagt, durften sie wieder abtreten. Eine


