Mittwoch den 17. Juni.
Nr. 88
1903.
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Sie blieb
zu haben, daß man auch wegen geschäftlicher Sachen meine« bedürfe. Speise nur ruhig weiter, ich komme sobald wie ^o^^Wie"entsetzlich unangenehm!" ries Frau Wilson ganz! niedergeschlagen. „Tie ersten Rebhühner und die letzten! Pfirsiche des Jahres und man läßt sie Dich nicht einmal ge- tiicßcit */z
„Sie werden sich halten", versetzte ihr Gatte leichthin und knöpfte seinen Ueberrock zu. „Aber erwarte mich mcht, ich muß vielleicht bis nach Mitternacht bleiben, wenn sonst niemand dort ist. Lebe wohl!" „ .
In voller Hast eilte er weg und überließ ferne Frau ihrem Grübeln. Diese beschäftigte sich weniger mit befc medizinischen Krisis — diese war lange vorauszusehen! —i als mit den gesetzlichen Bestimmungen dieser vielleicht letzten Stunde: mit anderen Worten, mit der möglichen Verfügung über Frau Grahams mächtiges Besitztum, ein Gegenstand der Neugierde für viele und des ganz besonderen Interesses für Frau Tr. Wilfon.
Tenn, überlegte sie für sich, die arme alte Dame schien wirklich vom ersten Tage ihres Hierseins an eine Vorliebe für ims zu fassen, obschon wir uns gewiß nicht um rhre Gunst bewarben. Sie war meinem Manne so dankbar, daß er ihre Behandlung übernahm, obschon er sich eigentlich! bereits zur Ruhe gesetzt hatte. O, wenn sie wüßte, daß er das ärztliche Honorar stets seinein armen Kollegen Polt überläßt! Ich glaube, ihr Sohn ist tot, oder wenigstens enterbt; so würde ich 'mich nicht wundern, — iify würde mich vielleicht nicht wundern — ich würde mich vielleicht nicht wundern, wenn — —
Es schienen in der Tat sehr angenehme Gedanken zu sein, die der guten Dame durch den Sinn gingen; denn ihre, Miene drückte große Befriedigung aus. Tas Erbauen von Luftschlössern war ihre Leidenschaft und half ihr, im Verein mit einem lebhaften Interesse für anderer Leute Angelegenheiten — böse Zungen nannten es „Einmischen" — über manche einsame Stunde leicht hinweg. Aber dres- mal hatte ihre Phantasie sie in die Irre geführt; die Rückkehr ihres Gatten sollte sie hierüber belehren.
Während Tr. Wilson mit dem Verwalter durch das still« Dörfcheu fuhr, erkundigte er sich, was wohl den neuen Anfall der Dame herbeigeführt haben könnte, und hörte, daß Fräulein Basset, die Gesellschafterin, ihn einer Erkaltung
% „Sehen Sie, Herr Doktor", erzählte der Mann treuherzig, „Frau Graham hat ihren eigenen Kopf. Sre blreb abends zu lange draußen, als es schon kühl und nebelig wurde. Aber d a hilft kein Einreden, sagen läßt sie sich nichts, das wissen wir alle. So hatte sie denn ihren Willen und muß setzt dafür büßen — tote es früher schon oft gegangen , fügte er nachdenklich bei. „Mehr als einmal hat sie ihren Willen durchgesetzt und wie teuer mußte sie es bezahlen! St« erinnern sich unseres jungen Herril nicht mehr, Str?" .
„Mcht gut möglich, Harris. Wrr sind seit achtzehn
(Nachdruck verboten.)
Die Namensschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
1. Kapitel.
Ein milder, stiller Septembertag ging zur Neige, ein Tag, der mit seiner warmen, einschläfernden Luft den entschwundenen Sommer vortäuschte, bis der scharfe Wrnd, der sich am Abend erhob, daran erinnerte, daß man einer andern traurigen Jahreszeit entgegen gehe.
In einem Torfe in der englischen Landschaft Norfolk
Bridgeham mit Namen — hatte sich in den hohen Ulmen, die die Kirche umstanden, eine Schar Krähen niedergelassen und ein eintöniges Abendlied angestimmt. Hter und da schimmerte ein Licht durch die rasch hereinbrechende Dunkelheit Tie Stille der kommenden Nacht legte sich über dre einfachen Heimstätten, Menschen und Tiere gaben sich der wohlverdienten Ruhe hin. ~ v ,
Eine volle Stunde herrschte tiefes Schweigen in dem Dörfchen. Da schreckte plötzlich das Rollen von Wagenrädern auf der Landstraße fast sämtliche Bewohner aus. Neugierige Gesichter erschienen an den kleinen Fenstern, leder wollte sehen, wer die späten Reisenden wären.
„Es ist ein graues Pferd und ein leichtes Wägelchen", sagte Witwe Brunton zu der alten Frau, die ihre Hütte mitbewohute. „Gewiß von Wistfields ! Frau Graham wird schlimmer geworden fein, die arme Seele!"
„Meinetwegen!" war die scharfe Entgegnung der Alten. „Viele werden sich nicht um sie grämen, ich wenigstens tlicfit/'
„Aber sie tat itiemand etwas zu leide, wenn sie sich auch nicht viel um uns bekümmerte", fuhr die junger« Fran sort, das erlöschende Feuer noch einmal anfachend. „Traurig ist's (bodj, so verlassen däzulieaen, im letzten Stündchen niemand von seinem eigenen Fleisch und Blut bei sich zu haben." „ ,
„Sie ist nicht verlassener als ich", versetzte dre Andere hart, und eine solche Bitterkeit sprach aus ihrer Stimme, daß Frau Brunton schnell das offenbar gefährliche Thema abbrach.
Inzwischen war das Fahrzeug, das die Bewohner von Bridgeham in solche Aufregung versetzte, an dem bescheidenen Hüttchen vorübergefahren und hielt jetzt vor dem Tore eines stattlichen Hauses an. Ter Kutscher stieg eilends ab, zog heftig die Schelle an und schickte dem Hausherrn eine Botschaft, die diesen rasch von dem soeben begonnenen Mahle abschreckte.
„Es ist nicht zu ändern, meine Liebe", sagte Tr. Wilson, nachdem er mit dem Boten Rücksprache genommen hatte. „Frau Graham hat einen neuen Schlaganfall erlitten und ich muß sofort zu ihr. Ter Verwalter ist selbst herüber gefahren; er glaubt, Fräulein Bassett verstanden


