Ausgabe 
17.4.1903
 
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Vermischtes.

Aus der Sammlung von Briefen des Fürsten Bismarck an seine Gattin während des Krieges 1870/71, die in derGartenlaube" zurzeit erscheinen, sei das folgende Schreiben abgedructt:

Clermont, 28. Aug. 70.

Mein geliebtes Herz

ich schickte Dir heut einen Bleibrief eilig durch den Feld­jäger, jetzt am Abend habe ich Zeit und meine Gedanken tuenden sich zu Dir, ich schreibe in Vorrat, weil ich- nicht weiß, ob in den nächsten Tagen Zeit dazu sein wird. Ich hoffe, daß wir morgen aufbrechen, es werden nur noch Meldungen erwartet von denen die Richtung abhängt. Sehr nett ist es hier nicht, mit dem einzigen Binsenstuhl, Generalstab mit Nachtdienst unter mir, Bureau mit dito über mir, 20 Leute, die in dem dünnen schallenden Hause wohnen, 5 schreiende Kinder neben mir, und nicht einmal ein-----; man muß sich daran gewöhnen, an­

gesichts des Publikums schamlos zu Verfahren wie es eben geht und die Schildwachen zu bewegen, daß sie wenigstens nicht mit präsentiertem Gewehr dabei stehen. Verzeih dieses Detail, aber es ist mir die unangenehmste der kriege­rischen Entbehrungen. Seit dem 19. habe ich keine kriege­

Ja, während man zu dem großen Tage, da das Kind zum ersten Male das Elternhaus verläßt und ins Leben tritt, in ganz andere Verhältnisse, unter vollständig fremde Menschen, während man zu diesem Tage alles daransetzen müßte, das Kind so vorhubereiten, daß es ein wenig selbständig ist in seinem Handeln und Denken, ver­gißt man diese wichtigste Vorbereitung ganz und denkt nur an das Einstudieren des Einmaleins und anderer Kenntnisse.

Wie viele Kinder giebt es, die sich in der Schule noch nicht einmal ihr Mäntelchen allein aus- und anziehen können! Wie viele, die nickt den Weg von und zur Schule allein gehen können! Wie vielen Kindern muß noch jeden Morgen die Mutter die Schulmavpe packen, damit sie nichts vergessen! Und dies letztere rst sogar noch bei sehr vielen Kindern der Fall, die über die unteren Klassen weit hinaus sind.

Bei allen solchen Dingen haben die Vorbereitungen für die Schulzeit vor allen Dingen einzusetzen. Aber auch das soll mit Vernunft geschehen.

Man soll zum Beispiel beizeiten die Kinder an ein pünktliches und frühes Aufstehen gewöhnen und nicht etwa, wie es viele Mütter tun, den Kindern vor der Schulzeit sagen:Jetzt dürft Ihr nock recht lange schlafen; später müßt Ihr armen Würmer ja ohnedies früh aufstehen!"

Dies so oft beobachtete, durchaus falsche Treiben hat zur Folge, daß das Kind die Schule vom ersten Tage an als eine lästige Quälerei empfindet; daß es, un­gewohnt des zeitigen Aufstehens, schläfrig und müde während des Unterrichts ist.

Aber die unklugen Mütter tun noch mehr, als Vor­bereitung für die Schulzeit, den Kindern die Schule so viel wie möglich zu verekeln. Insbesondere Knaben wird, wenn sie einmal unartig sind, zugerufen:Na, warte nur! Wenn Du erst in der Schule bist, da wirst Du schon stillsitzen lernen! Der Lehrer wird's Dich schon lehren! Da mußt Du artig sein, oder Du kriegst Prügel!"

So empfängt das Kind von der Schule, bevor es dieselbe aus eigener Anschauung kennen lernt, den Ein­druck einer Stätte des Grauens und Schreckens, vor der es mit Recht Furcht und Widerwillen haben muß, und im Lehrer, den es als Freund ansehen, zu dem es mit Liebe und Vertrauen aufblicken soll, sieht es nur den Rohr­stock schwingenden Schulmeister, gegen dessen strenge Zucht es sich unbewußt auflehnt, bevor es ihn noch kenne» ge­lernt hat.

Diejenige Mutter, die ihr Kind recht vorbereiten will für die Schulzeit, wird es nicht unnötig mit Lernen plagen, sondern das Beibringen der Elementarkenntnisse getrost dem Lehrer überlassen, der es denn doch noch besser versteht, als die Mutter, und wird dem Kinde die Schule als diejenige Stätte schildern, mit welcher die herrlichsten Freuden der Kindheit verknüpft sind, wenn man seine Pflicht redlich erfüllt.

rischen Erlebnisse in meiner Nähe beobachtet, ziemlich viel politische Arbeit, einige sächsische Kavallerie-Gefechte, Märsche und Gegenmärsche, mit denen wir uns bemühn die Fran­zosen zum Stehn zu bringen, d. h. Mac-Mahon; die Haupt­armee, die Bazaine's, ist in Metz eingeschlossen, und wir haben zu verhüten, daß die andere unter Mac-M. sie be­reit. Deshalb der Marsck von Bar-le Duc hierher, und vielleicht weiter nach Norden. Diese strategischen Opera­tionen sind von weniger unmittelbarem Interesse für Euch wie die Schlachten, aber sie bereiten das Schicksal der letz­teren vor. Das Regenwetter greift die Jnfanteriestiefol an und das ist eine ebenso wichtige Frage wie eine Schlacht; auch in der Marschierfähigkeit zeigen sich die Deutschen den für ihre Leichtfüßigkeit bekannten Franzosen überlegen, und wir sind nicht nur besser mit Schuhzeug versehen wie die Gegner, sondern haben auch bessere Beine darin stecken. Ich muß jetzt zum Thee zum Könige, um ihm den langen Abend verleben zu helfen; morgen füge ich einige Zeilen hinzu, falls wir nicht zu früh aufbrechen, ich werde es beim Könige erfahren."

In einem Briefe aus Pont ä Mousson vom 17. August heißt es mit bezug auf den Kampf bei Marslatour:Die 3 Schwadronen, die attaquierten, verloren 12 Offiziere, Leute noch ungezählt. Jeoer ein Held! Die 3. Husaren, 13. und 16. Ulanen und meine armen gelben Kürassiere haben bei den unsinnigen und unmögnchen Kavalierie- Attaken, die Voigts-Rheetz befohlen, Vs ihrer Leute und alle mehr als die Hälfte der Offiziere verloren. Ich will nach Gottes gnädiger Erhaltung unserer Beiden nicht bitter sein, aber die Führung der 1. und 2. Armee ist ungeschickt tm Mißbrauch der todesmutigen Tapferkeit unserer Leute, nur Faust, ohne Kopf, und doch siegen wir. Wir haben aber soviel, Offiziere namentlich, wie wir verlieren, nicht übrig, wenn wir noch nach Paris wollen. Es ist Verschwendung der besten Soldaten Europas. Moltke ist gut, aber Steinmetz kein Feldherr!"

Zur Geschichte des Landesvaters führt Dr. FabricinS in den Akademischen Monatsheften unterBeiträgen zur Korpsgeschichte" interessante Belege für die Sitte des Hutdurchstechens mit dem Landesvater und dem Brnder- schaftsmachen an. Otto Günther teilt in seinem Aufsatz Zur Geschichte des Leipziger Musenkrieges 1768" über die Unruhen in Plagwitz am 28. Juli 1768 aus einem gleich­zeitigen Bericht mit:Sie (die Leipziger Landsmann­schaften) schwärmten einige Stunden nacheinander, sangen alle ihre Lieder, besonders den Landesvater, während welchem die Hüte wie gewöhnlich auf die Degen gestochen und an die Stubendecke nack der Reih gesteckt wurden, biß nach Mitternacht." Der zweite Beleg hat ein literar­historisches Interesse; er findet sich in den Briefen von Johann Heinrich Voß, herausgegeben von Abr. Voß I S. 95. Voß schreibt an Brückner, Göttingen, den 3. November 1772 über den Abschiedsschmauß des Engländers Rodney, zu dem er (Voß) hingerufen wurde:. . . Bis um Mitternacht cham- pagnerten und burgunderten wir und nun gingen wir mit Musik aus, Ständchen zu bringen. . . Nun mußte noch ein Landesvater gemacht werden, der erste für mich. In einer halben Stunde hatte ick Grafen und Freiherrn und meinen Bote zu Brüdern. Den letzten hätten Sie sehen sollen, mit dem behüteten Schwert in einer und dem Hut in der anderen Hand, wie er seinLandesvater" hersang. Er konnte nicht Melodie halten und ich sang mit ihm. Glock drei schlichen wir beide uns weg und schliefen bis halb sieben, wo uns die Herren Brüder aufweckteu."-

Zahleurätsel.

(Nachdruck verboten.)

12 3 4 5 6 Freude der jungen Damen.

2 8 8 5 6 Deutscher Fluß.

3 5 2 Altbiblis - er Name.

4 2 6 Mächtiger Fürst.

5 3 3 2 Borname.

6 2 2 Teil der Schiffsausrüstung.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Charade in vor. Nr.r Fußball.

Redaktion: Auciust Göb. Rotationsdruck und Berloa der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Cteindruckcrci iMetsch Erben) in Gießen.