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Spemanns Kunst-Kalender für 1904, Verlag von W. Spemann, Berlin, Stuttgart und Wien. — Wohlbekannt und sehr beliebt ist dieser künstlerische Blätterblock )er in der Form eines Abreißkalenders ein ganze Mu- eum van Abbildungen hervorragender Werke der maler- schen und plastischen Kunst gibt. Die Absicht des Verlegers, eben Tag einen andern künstlerischen Eindruck, eine andere künstlerische Erinnerung zu bringen, einen anderen künstlerischen Nachweis zu geben, ist glänzend erreicht. Eine Fülle künstlerischer Belehrung sowie eine wvhlausgewähke Anzahl von Sprüchen der Lebensweisheit begleitet die tadellos wiedergegebenen Meisterwerke der Kunst, die hier dein deutschen Hause täglich nahegebracht wird.
Tie Kun st. Monatshefte für freie und angewandte Kunst. (Verlagsanstatt I. Bruckmann A.--G, München, vierteljährlich 6 Mk.) Tas soeben erschienene Novemberheft enthält den Schluß des Artikels „Das,Wie' und das,Was' in der Kunst" von Dr. H. Eckener; Hermann Eßwein gibt eine interessante Untersuchung über „Bild und Bildgröße"; Hans Rosenhagen plaudert über „Deutsche Kunstzustände" (Affäre St. Louis) sowie „Berliner Kunstsalons". Illustrativ sind zunächst in zwangloser Zusammenstellung einige Wiener Künstler besonders berücksichtigt, z. B Moll, Engelhart, Tichy, Nowak, Mehner, Rößler, der mit einer farbigen Sonderbeilage vertreten ist, dann folgen Proben „moderner Präraffaeliten", wie de Morgan, Bell, Brickdale, Gvtch, Linton, Stillman, Shaw, Southall, Waierhouse, zu denen Jarno Jessen den Text geschrieben hat, in dem nach kurzem historischem Ueberblick jeder einzelne der Neueren kurz und treffend gezeichnet wird. Im Teil „Dekorative Kunst" ist Wilhelm Kreis, dem Schöpfer zahlreicher Bismarck- säulen und des Eisenacher Burschenschaftsdenkmals, ein besonderer reich illustrierter Aufsatz gewidmet; R. von Schneider bringt die Fortsetzung von „Zuerst der Hof und dann das Haus", worin er diesmal an Beispielen, die er den Bebauungsplänen von München, Köln und Dresden entnimmt, die Nachteile der jetzt üblichen Bauweise nachweist, und an Gegenbeispielen zeigt, wie leicht sich diese hätten vermeiden lassen. Den übrigen Inhalt des umfangreichen Heftes bilden viele, teils farbige Abbildungen von Jnnenräumen, Beleuchtungskörpern, Vorsatzpapieren, Stickereien und ein ebenfalls reich illustrierter Aufsatz über die „Gesellschaft für dekorative Kunst" in Kopenhagen, sowie eine Fülle kleiner Notizen und Mrtteilungen.
Vermischtes.
* Hebet Petropolis, die deutsche Kolonie in Brasilien, plaudert Ernst v. Hesse-Wartegg in der „Voss. Ztg." Er erzählt u. a. folgendes: Was Petropolis so entzückend macht, ist nicht nur seine Lage und sein das ganze Jahr über mildes angenehmes Klima, sondern vor allem die Umgebung. Schon deshalb, weil ihr ganzer Charakter an unsere schönen Thüringer und Schwarzwaldtäler erinnert, mit ihren deutschen Bauernhäusern, ihren Blumen- und Gemüsegärten und saftig grünen von klaren Bächen durchrauschten Matten, und dem darauf weidenden Vieh. Auf den Straßen deutscher Verkehr, deutsches Wesen; blond gelockte Knaben, die mir „Grüß Gott" zuriefen und pralle deutsche Schulmädchen, ihre Zöpfe nach Gretchenart geflochten. Wären die vereinzelten Palmen, die Bananenstauden und dunkelgrünen mit goldgrünen Früchten bedeckten Orangenhaine nicht gewesen, ich hätte mich in Deutschland wähnen können. Sogar die Namen der Straßen und Täler sind großenteils deutsch geblieben, und entsprechend der Heimat der Ansiedler, hauptsächlich Preußen und Hessen, deren es schon im Jahre 1851 unter 2750 Seelen 1300 bezw. 900 gab. Tantals war die Kolonie in zwölf Bezirke abgeteilt mit den bezeichnenden Namen: Bingen, Ingelheim, Moseltal, Nassau, Westfalen, Niederrhein, Mittelrhein, Worms, Darmstadt, Castell, Untere Pfalz, Obere Pfalz. 1857 wurde Petropolis zur Stadt erhoben. Ein Deutscher, G. F. Busche pries damals den mächtigen Gönner der Stadt, den Kaiser, in schwungvollen deutschen Versen, die in der portugiesischen Hauptzeitung, dem „Mereantil" veröffentlicht wurden, und an deren Schluß er sich zu folgender Prophezeiung versteigt:
Redaktion: August
Wie schön sind Deine grünen Talesäründe, Wie blüht die Jugend voller Lust und Leben Der nächsten Zukunft frischen Mut zu geben. Damit sich Kraft an eig"ner Kraft entzünde;
Die Ahnung sagt's und sicher wird's geschehn Petropolis wird einst Brasil-Athen!
Vorläufig hat es damit noch sein gut Bewenden und die deutschen Franziskaner, die Hauptträger der Wissen- schaft und Künste, werden recht fleißig sein müssen, soll die Prophezeiung von Brasil-Athen erfüllt werden. Dafür blüht auch, heute noch „die Jugend voller Lust und Leben", im Moseltal liefen die Jungen hinter meinem Wagen her und bettelten um ein paar Münzen, und was die „Schönheit der grünen Talesgründe" betrifft, so ist sie womöglich nod) gewachsen. Noch mehr als die Fahrt durch das Mosel- und das Biugertal fesselte mich der Ausflug den rauschenden Piabanha entlang durch das von zwölf- bis fünfzehnhundert Meter hohen Bergen eingeschlosfeue Tal nach Caseatinha. Der Fluß bildet dort einen romantischen Wasserfall, und die ganze Gegend ist ein Stückchen Berner Oberland, statt von Schweizern von H e s s e n b e v ö l k e r t.
Literarisches.
In manchem Naturfreund regt sich der Wunsch, auf Reisen eine anziehende Landschaft in einfacher Farbenskizze- festzuhalten. Diesem Bedürfnis kommt Hattons „Skizzierende Aquarellmalerei", die im Verlage von Otto Maier in Ravensburg zum Preise von 1.50 Mk. in deutscher Ausgabe erschienen ist, entgegen. Für eine flüchtige Skizze ist es doppelt notwendig, das charakteristische einer Szenerie rasch und bestimmt zu erfassen und eine Methode des Malens anzuwenden, welche es ermöglicht, den empfundenen Eindruck erschöpfend und wahr wiederzugeben. Darin liegt aber die Hauptschwierigkeit für den Anfänger, der nur schwer vermag, wesentliches und unwesentliches zu scheiden und deshalb leider gar oft nach entmutigenden Mißerfolgen den Pinsel wieder zur Seite legt. Hattons Buch wird den Lernenden vor Mißerfolgen bewahren, denn es birgt in knappeb Fassung eine Fülle klarer und gründlicher Belehrung. Unter stetem Hinblick auf echt künstlerische Auffassung wird das technisch notwendige und methodische klargelegt. Vom Verlage wurde dem Buch ein praktischer Anhang beigegeben mit einer Beschreibung der Farben und Winke zu geeigneten Mischungen für allerlei Darstellungen, ferner allerhand „Kunstgriffe" und technische Vorteile, die dem Anfänger wichtig sind. Außerdem führen 6 farbige Tafeln die Entstehung einer Skizze vom ersten Pinselstrich bis zur Vollendung in 6 Stufen vor Augen, eine Beigabe, welche mehr nützt als viele weitschweifige Darlegungen.
— Jungmuttersorgen. Eine Anleitung zur Pflege des gesunden S ä u g l i n g s für Mütter und Pflegerinnen. Von Tr. med. Wilhelm Fischer. Schwabacher Verlag in Stuttgart. — Durch „Jungmuttersorgen" soll jede junge Mutter zum Wohle des Kindes wissenschaftlich und praktisch auf richtige Wege gebracht werden, um darauf selbständig ihren Säugling gesund erhalten und gesund heranziehen zu können. Tie Anordnung nach Zeiträumen ergibt sich aus folgenden Kapitel-Ueberschriften: In Erwartung. — Die Säuglingskleidung. — Die Ernährung. Tie Ankunft. — Der erste Tag. — Ter zweite Tag. — Der dritte Tag. — Ter vierte Tag. — Vom fünften bis vierzehnten Tage. — Tie dritte und vierte Woche. — Der zweite Monat. — Tas zwette halbe Jahr.
Buchstabenrätsel.
Nachdruck verboten.
Mit ü zeigt,s Glanz und Macht, Mit i hat's Berg und Haus Mit o zeigt's grüne Pracht.
Und lockt uns ost hinaus.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Wortspieles in vor. Nr.r
a. Notar, Eros, Selma, Noten, Torte, Eris, Rain, Launen, Siam.
b. Ornat, Rose, Amsel, Tonne, Otter, Reis, Iran. Ulanen, Mars.
R. Lange, Gießen.
Göb. — Rotationsdruck und T erlag der Brübl'schen Universitäts-Buch« und Cteindruckerei.


