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Hamor vollendete in aller Mnße seine Skizze. Als er i das Buch in die Tasche schob, bemerkte er, daß Guenn in ! geringer Entfernung von ihm ganz allein stand. Staunton hatte richtig beobachtet, der Ausdruck ihres Gesichts war kein ganz glücklicher. Sie war viel zu aufrichtig und ungekünstelt, um bei ihren jetzigen nahen Beziehungen zu Hamor, ein scheinbares Interesse am Geplauder der andern an den Tag zu legen, auch "dachte sie nicht daran, ihr sehnliches Verlangen nach seinem Beifall unter äußerlich zur Schau getragener Gleichgiltigkeit zu verbergen. Ihre unschuldigen Augen waren mit ängstlich fragendem Ausdruck auf ihn gerichtet, krampfhaft wand sie die Hände in einander.
„Gerechter Himmel, sie wird am Ende gar anfangen zu weinen!" dachte Hamor erschrocken und schritt auf fie zu. Mit freundlich prüfendem Blick musterte er ihren Anzug. Er sah, daß das neue Halstuch mattrot war, so wie er gesagt hatte, daß er es liebe, auch das grobe, blaue Kleid hatte eine ihm wohlgefällige Mischfarbe, imb obwohl Guenn sehr enttäuscht gewesen wäre, hätte sie gewußt, daß er das Muster ihrer bretonischen Spitze gcrr nicht bemerkte, so wurde er Wohl gewahr, daß ein werches, luftiges Etwas das liebliche Gesicht umrahmte. Er zog den Hut, machte eine tiefe Verbeugung und sagte mit der größten Förmlichkeit: — „Madame!"
Guenn war entzückt; jeder kleine Scherz Hamors ivar für sie stets der geistreichste und köstlichste Witz. „Ich gefalle ihm", jubelte ihr Herz; vergessen war alles Warten, aller Zweifel, die reinste Freude strahlte aus ihren Zügen; errötend und schelmisch lächelnd, machte sie ihm ihre tiefste Verbeugung. „Monsieur!" — erwiderte sie gravitätisch und kaum im stände, ihres Herzens Fröhlichkeit zu verbergen. Schon im nächsten Augenblick war sie mitten unter der Menge und verteilte aufs freigebigste, alle die freundlichen Worte und Blicke, die sie zurückgehalten, bis ihr Schicksal entschieden, war.
„Ich gefalle ihm! Jetzt kann ich so glücklich sein, ivie ich will!" Sie drückte und schüttelte Jeanne vor Vergnügen und hob sie zuletzt hoch in die Höhe.
„Willst Du Drch an den Kraftproben beteiligen, Guenn?" fragte Alain bewundernd. „Das Lüpfen hat noch nicht begonnen."
„Nein, Alain; das war ein Extraspaß. Ich mußte Jeanne wirklich aufrütteln, sie sah gar so schläfrig aus. Es ist eine Schande, beim Gnadenfest so trübselig dreinzuschauen. Nimm Dich doch zusammen, Jeanne!"
„Dann nimm mir, bitte, nicht allen Atem vorweg", bat Jeanne schüchtern, „ich möchte fürs Tanzen auch noch welchen übrig haben."
„O, Alain, heute wollen ioir tanzen, wie noch nie zuvor!" rief Guenn, ihrem Verehrer einen beredten Mick zuwerfend.
„Gewiß", erwiderte der junge Mann heiter, „heute ist das Dorf so voll, von nah und fern ist alles herbeigeströmt; wir wollen ihnen schon zeigen, wie man in Plouvenec tanzt, he, Guenn?"
Sie lächelte und nickte ihm freundlich zu; der betörte Bursche ließ sich nicht träumen, daß alle Städter von nah und fern, daß die ganze lärmende und scherzende Menge für Guenn nichts war, im Vergleiche zu jenem einen fremden Manne, daß sie nur um dieses einen Zuschauers willen so sehnlich danach verlangte, mit der Gavotte zu beginnen, nur in seinen Augen die Gewißheit ihres Triumphes zu lesen begehrte. —
(Fortsetzung folgt.)
Ile Kffege der WalurschönhciLen.
Wie der Tourist in 9tr. 16. l. I. berichtet, hat zur Pflege der Naturschönheiten die Abteilung für Finanzen, Gewerbe und Domänen des elsaß-lothringischen Ministeriums folgende bemerkenswerte Verfügung erlassen: „Zu den Naturdenkmälern zählen Felsen, alte Baume u. dgl. Wo solche vorhanden sind, sollten sie sorgfältig erhalten und ourch Hinleitung von Wegen zugängliche oder sichtbar gemacht und interessante alte Bäume nur dann gefällt werden, wenn hierzu zwingende Notwendigkeit vorliegt. Schöne Bäume und Baumgruppen sollen namentlich an vielbesuchten Orten, freien Plätzen, Gewässern, Wegen usw. mehr als bisher erhalten und gepflegt werden. In der nächsten Umaebuna der Orte, insbesondere der Kurorte, soll bei der
Einrichtung des Forstbetriebes erwogen werden, ob nicht im öffentlichen Interesse Kahlhiebe und rasche Verjüngung zu vermeiden sind und parkartig zu wirtschaften ist. Auch bei der Anlage von Wegen soll darauf Bedacht genommen werden, ihnen, unbeschadet des Zweckes ihrer Herstellung, eine solche Richtung zu geben, daß sie durch besonders schönes Gelände oder an Naturdenkmälern vorbeiführen. Bezüglich der Baudenkmäler, über deren Erhaltung besondere Bestimmungen bestehen, wird darauf hingewiesen, daß es Aufgabe der Forstverwaltung ist, für ihre Freistellung sowie für Beseitigung von zerstörend wirkendem Baum- und Strauchwuchs von dem Gemäuer zu sorgen und geeignetenfalls durch Erhaltung verschönernder Bäume und Baumgruppen zur Hebung des Landschaftsbildes beizutragen. Als Hauptmittel, im Wirtschaftswald verschönernd zu wirken, wird die Erziehung gemischter Bestände bezeichnet; es könnte aber auch durch Anpflanzung von Einzelstämmen und Gruppen verschiedener geeigneter auch ausländischer Holzarten an Bestandesrändern, Gewässern, freien Plätzen jeder Art, an Wegen, Schneisen und Kreuzungspunkten, sowie durch Erhalten von Vorwüchsen in einförmigen Verjüngungsschlägen zur Verschöuerung des Waldbildes beigetragen werden. Ein weiteres vorzügliches Mittel, den Genuß des Waldbesuches zu erhöhen, sei die Schaffung von Aussichtspunkten durch Durchhau, indem es oft nur der Wegnahme weniger Stämme bedürfe, um überraschend schöne Ausblicke zu erschließen." Obgleich die hessische Regierung die Naturdenkmäler auch unter entsprechenden Schutz stellt, so wäre es doch auch für den Odenwald und Vogelsberg re. von hohem Werte, wenn die betr. Hoch- und Tiefbau- und Forstbeamten eine Verfügung in ähnlichem Sinne erhielten; denn dann könnten die Bestrebungen der Berschönerungsvereine, der Abteilungen des Vogelsberger Höhenklubs und des Odenwaldklubs eine ganz außerordentlich wertvolle Unterstützung erfahren, die heute noch fehlt ja teilweise in gegebenem Falle versagt wird.
25 Jahre Todesursachen-StattM.
Unter diesem Titel ist in dem dritten Vierteljahres, heft zur Statistik des Deutschen Reichs, 1903, ein Bericht erschienen, der bearbeitet ist auf Grund der Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts und des Kaiserlichen Statistischen Amts. Er behandelt die Sterblichkeit in den deutschen Orten mit mehr als 15 000 Einwohnern in dem Zeitraum 1877 bis 1901. Diese Städte hatten 1877 7,3 Millionen, 1891 aber 17,5 Millionen Einwohner. Das Ergebnis ist hocherfreulich insofern, als die Todesziffer im allgemeinen und der Anteil gewisser epidemischer Krankheiten an den Todesfällen im Besonderen in den 25 Jahren bedeutend gesunken ist.
Der Bericht bemerkt dazu: „Diese Sterblichkeitsherab- minderung ist ein Ergebnis des Fortschrittes auf vielen Kulturgebieten. Sie ist ein Ruhmesblatt in der-Geschichte der deutschen Städte und der der Medizin; aber auch die Gesetzgebung darf einen breiten Teil des Erfolges für sich beanspruchen. Haben die Städte durch Kanalisation, Wasserleitung, Straßenbesprengung, Besserung in den Abortverhältnissen und in der Beseitigung der Abfallstoffe, Schaffung von Licht und Luft durch breite Straßen und grüne Plätze, Anlage von Bädern und Spielplätzen, bessere hygienische Bedingungen, so haben die Fortschritte der Medizin und Chemie, die antiseptische und aseptische Behandlung der Wunden und die Bekämpfung der Ausbreitung der Infektionskrankheiten mittels der Desinfektion, das Behringsche Serum, die vermehrte Zahl der Aerzte und des Heilpersonals, der Heilanstalten und Genesungsheime für die Erkrankten bessere Aussichten auf Heilung und für die Umgebung der Kranken besseren Schutz gegen Ansteckung geschaffen. Von Leistungen der Gesetzgebung und Verwaltung seien hier nur das Jmpfgesetz, das so wesentlich war für das Verschwinden der Pocken, das Krankeuversicher- ungsgesetz, die Arbeiterschutzverordnungen und die schärfere Nahrungsmittelkontrvlle genannt." — Erfreulich ist auch die stetige Verminderung der städtischen Selbstmordziffer.
Sehr unerfreulich ist, daß die Todesfälle an akuten Darm kraukh eit en (einschließlich Brechdnrch- fall) in dem angegebenen Zeitraum in fast f ortw ähr ende m W a ch s e n begriffen sind. Da an einigen Krankheiten dieser Gruppe (Brechdurchfall, Durchfall, Magen- und Darmkatarrh) besonders viel ganz junge Kinder sterben,


