KreiLag den 16. Oktoöer.
1903.
M
(Nachdruck verboten.)
JO UschemüHti; in iet BreiWt.
Don B. W. Howar d.
(Fortsetzung.)
.. . b. h. ivas der bretagnische Bauer- gewöhnlich unter diesem Begriff versteht, war ihr natürlich nichts Unbe- lanntes. Das war .aber eine dicke, schmierige Flüssigkeit, die m Zinnbüchfen aufbewahrt und fast ailsschließlich zum Reinigen der Wasche, selten nur für die Hände verwandt wurde Das feine, süß duftende Stück Seife, das sie Hamor und die anderen Maler benutzen sah, ehe sie hinab zum Frilhstnck gingen, hatte sie zuerst, ivie alles fremdartige, nur mißtrauisch betrachtet, jetzt aber bekam es in ihren Augen die größte Mächtigkeit. Sie fing an, sich ihrer braunen Hande zil schanOn. Der Unterschied zwischen ihren uiid Hamors Händen, den zu bemerken sie täglich Gelegenheit Wte, konnte doch nur von dem kleinen, weißen Seifen- stück herrühren! Es würde ihn gewiß freuen, wenn ihre Hande so glatt uitb weiß wären, wie die seinen. Wie viel hübscher würde es sich auch auf dem Bilde machen. Es kam jn nur auf einen Versuch an. Was hätte sie nicht alles S'etait, um ihm zu gefallen! Seife mnßte sie un- r“)nlßt Jaden; auch nach dem Besitz eines Spiegels ging
Trachten. Nun, Gott sei Dank, noch fehlte es einem klugen Mädchen nicht an Mitteln und Wegen, auch ging die Past dreimal wöchentlich nach Quimper, und der alte Andre, der Postkutscher, gehörte zu Guenns besonderen Freunden . ^snes Morgens schlich sie sich schon vor sechs Uhr nach dem Po>thof, wo der Quimperer Bote, bereits fix und fertig, tm Begrstf stand, sich auf den hohen Bock zu schwingen, um unter lautem Hü und Hott, zuerst vor die beiden Gast- hauser und dann zum Dorfe hinauszufahren. Der qut- mutige Postbüte dachte bei sich, es sei das dämmerige Mor- genllcht, das sie so blaß erscheinen ließe, da er aber gewohnt to.“r' lerne derben Späße mit ihr zu treiben, konnte er's nrcht unterlassen, sie neckend zu fragerr: ob Alain ihr etwa untreu geworden sei? Guenn hatte keine treffende Antwort rn Bereltichaft; schnell drückte sie ihm ein Päckchen in die
"verkauft cs für so viel Ihr bekommt", bat sie unt schmerzlicher Hast.
• r/s iR’g benn, Sin& ?" fragte er leichthin; ihm war's daß rhm die Dorfschönen alle möglichen Besorgungen und Handelsgeschäfte auftrugen.
„Ach, nur mein Haar", antwortete sie mit leisem Schaudern — Die Schere war so kalt gewesen, wie sie er- barmungslos durch die schwere, lockige Haarmasse fuhr und erne Flechte nach der andern von ihrem Haupt trennte, schon allein den knirschenden Ton zu hören, hatte sie ganz krank gemacht. Sie wußte Wohl, wie töricht das war: „man braucht ja fern Haar nicht und darf es unter der Coiffe
doch nicht sehen lassen", überlegte sie bei sich, aber sie war ooch so daran gewöhnt, die Weichen, glänzenden Wellen morgens und abends bis zil ihren Knien herabhängen zu, sehen Als sie nun heute früh dieselben Haare vom Boden aufhob, ioar es ihr, als hielte sie ein Stück ihres eigenen Lebens m der Hand;, darum autf), jetzt diese Blässe, dieses Schaudern, das sie iiicht imstande war, zu überwinden, so tapfer sie aud) dem Boten zuzulächeln versuchte: „Bringt nur nur so viel Geld mit als möglich - und nicht wahr, Ihr sprecht mit niemand davon?"
.. hm", machte der Alte und betrachtete sie kopfschüttelnd. „Wenn ich ein junges Ding wäre, wie Du, würde
meine schönen Locken nicht nm bunten Tand und Flitterkram abschnerden. Und den willst Du doch?"
Guenn nickte.
„Für das Guadenfest?"
Sie nickte wieder.
„Ich möchte wohl wissen, wer der Glückliche ist", dachte alte, schlaue Bursche bei sich; laut setzte er hinzu:
„Er ist s nicht ioert, mein liebes Kind, keiner von uns ist ein solches Opfer wert, mein Wort darauf."
Guenn errötete bis an die Schläfen und wandte sich schnell zum Gehen.
„Was soll das heißen?'« dachte der Bote, „wo ist ihre schlagfertige Zunge hingekommen? Bohons, voyonss ma petite Guenn", rief er gutmütig, „komm zurück, wir'haben; unseren Handel noch nicht abgeschlossen. Denke an Simsvn, dem schnitt man die Haare ab und nahm ihm damit seine Starke. Sei vorsichtig, kleines Mädchen, daß es Dir nicht auch so geht!" ‘
. , sagt das nicht, — nur das nicht, guter Andres rief Guenn, ihn mit gefalteten Händen flehentlich anblickend. Wenn sie nicht mehr stark war, würde sie ja Hamor nicht mechh gefallen; er bewunderte ihre Kraft und Gewandtheit
„Nun, nun, nur ruhig, was ist denn in Dich gefahren, so habe ich Dich ja noch niemals gesehen. Du armes, geschorenes Lamni. Ich werde Tein Bließ schon verkaufen, nur sei wieder munter, mein Mädchen, und gebrauche Dein Mundwerk wie zuvor. Wenn Guenn Rodellec ihre Zungenfertigkeit einbüßt, ist's nicht mehr lustig in Plouvenec!'< Nachdenklich kratzte er sich den Köpf und sah sie so ernste haft an, als besorge er ein nationales Unglück.
Sie lachte hell auf: „Oh, ich bin noch keck genug; ich bleibe immer die alte Guenn, habet.nur keine Angst, Andre! Nun aber haltet Euch nicht länger auf; heute abend, wenn Ihr zurückkommt, warte ich auf Euch vor den Voyageurs. Bringt mir soviel als möglich, Ihr lieber, guter, bravep Andre!" setzte sie schmeichelnd hinzu, ihm einen freundschaftlichen Schlag auf den Aermel seines Ueberrocks versetzend.
„Jawohl, Dein lieber, guter, braver Andrö! hat sich was!" brummte der Alte, während er das Paket mit dent wertvollen Inhalt in die innerste Tasche seines RockeH


