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Thhmert ruhig und übersah dabei vollständig Rodellecs ihm entgegengestreckte Hand.

Meine lieben Kinder", begann Rodellec mit weiner­licher Stimme,sie sind alles) war mir. armen, altem Manne geblieben ist, seitdem uns Barba verlassen hat und ein schöner Engel geworden ist."

Vergiß nicht, daß Du mit mir sprichst", sagte Thhmert kalt abweisend.Verschwende Deine Worte nicht. Du änderst damit nichts an dem, was nur wir beide wissen. Tu bist kein alter Mann, sondern in Deinen besten Jahren. Barba ist freilich ein Engel geworden, der Herr erbarme sich ihres reinen Herzens (dabei bekreuzte er sich in­brünstig), aber Guenn und Nannte leben noch und ich wünsche zu verhindern, daß sie durch die Brutalität eines Trunkenen vor der Zeit den Engeln zugesellt werden."

Hat nnch das unnütze Mädel bei Euch verklatscht?" rief Rodellec zornig, mit der Faust aus den Tisch schlagend.

Ich habe seit mehreren Tagen nicht mit Guenn ge­sprochen. Eine innere Stimme sagt mir, wann' ich zu kommen habe, Rodellec."

Rodellec bekreuzte sich hastig. Es giebt wohl kaum einen bretagnischen Bauer, der nicht an das Wiederkehren der abgeschiedenen Geister glaubt, und Barba war Thy- merts Cousine! Dort zu Lande lebt ein Ueberrest der an­betenden Verehrung für die alten Druidenpriester und Bar­den heute noch unter dem abergläubischen Volke, trotz des vertraulichen Verkehrs, in dem es zur Geistlichkeit steht.

Ich habe sie neulich aus Versehen getroffen", brummte Herds unbehaglich. Des Pfarrers Antlitz verfinsterte sich merklich.

i.. (Fortsetzung folgt.)

Trunksucht und Geisteskrankheit der Frauen,

TieDeutsche Medizinische Wochenschrift" berichtet: In einer der letzten Sitzungen des Psychiatrischen Vereins in Berlin sprach Sanitätsrat Tr. Reip aus Arendsee über die Trunksucht und ihre Entstehung bei 74 geisteskranken Frauen (in einer öffentlichen Irrenanstalt) und kam zu dem Ergebnis, daß vorwiegend Schnaps getrunken würde, und daß diese Frauen nicht durch Gelegenheit zur Trunk­sucht gekommen wären, sondern dadurch, daß es entartete Personen überhaupt waren. Geheimrat Jolly äußerte Be­denken gegen diese Anschauung und meinte, daß nicht nur entartete Frauen trunksüchtig seien, während Reip bei der Ansicht festhielt, daß bei Frauen, welche der Trunksucht verfielen, die Gelegenheit zum Trinken immer nur als auslösendes Moment wirke. Bei 28 Patientinnen sei die erbliche Belastung festgestellt, bei den übrigen spreche ihre Lebensführung für eine degenerative Abstammung.

Geheimrat Guttstadt hob hervor, daß die Trunksucht unter geisteskranken Frauen überhaupt nicht häufig vor- komme, und machte folgende Mitteilungen: 1901 find in sämtlichen Irrenanstalten Preußens 36 358 Frauen Und 43 669 Männer, zusammen 80027 Personen verpflegt wor­den; unter den Frauen befanden sich 769 gleich 2,37 v. H. Trunksüchtige, von den Männern waren dagegen 6247 gleich 17,47 v. H. als Trinker bezeichnet. Außerdem befanden sich 1381 Männer und 91 Frauen wegen Delirium in den An­stalten. Diese Zahlen sind für diese Frage nicht vollständig genug, da die Personen mit Delirium zum kleinsten Teil den Irrenanstalten zugehen.

Aneinfacher Seelenstörung" litten mehr Frauen als Männer, nämlich 25119 gegen 23 881 Männer, von diesen waren 4482 gleich 18,77 v. H. Trinker, während von den Fs-En nur 574 gleich 2,29 v. H. trunksüchtig waren. Den höchsten Prozentsatz von trunksüchtigen Frauen lieferte die paralytischeSeelenstörung", an welcher 1536 litten, von denen 541 gleich 13 v. H. trunksüchtig waren. DieSeelen­storung mrt Epilepsie" hatte für die Männer wieder einen ungünstigeren Prozentsatz) für die Frauen einen günstigeren «ufzuwersen, es waren nämlich von 5602 Männern 951 gleich 17 v. H. Trinker, während unter 3867 behandelten Frauen nur 90 gleich 2,83 v. H. als trunksüchtig bezeichnet worden k ..Am günstigsten verhalten sich dieImbezillität"!

dwJdrotie". Wegen dieser Krankheit befanden sich 7^.^Juamiliche Personen in den Anstalten, von denen 187 gleich 2,36 v. H., und 5522 weibliche Personen, von denen 20 gleich 0,36 v. H. trunksüchtig waren. Unter 550 nicht geisteskranken Männern waren 86 gleich' 16 v. Hi, und von

223 nicht geisteskranken Frauen waren 9 gleich 4 v. Hi zu den Trinkern gerechnet worden.

Aus diesem Material ließen sich für die Frage, die der Vortragende behandelt hat, ebenfalls wertvolle Gesichts­punkte bearbeiten. Auffallend ist z. B., daß in sämtlichen Irrenanstalten 1900 behandelt sind: 240 Lehrerinnen, 98 Erzieherinnen und 192 weibliche Personen, welche auf dem Gebiete der Gesundheitspflege tätig ivaren, darunter 59 Krankenwärterinnen, 102 Ordensschwestern und Diako­nissinnen und 29 Hebammen. 120 weibliche Personen waren vor ihrer Ausnahme der Prostitution ergeben; davon litten 53 aneinfacher Seelenströung", 29 anparalytischer See­lenstörung", 23 auSeelenstörung mit Epilepsie", 12 waren als Idioten und Imbezille und 3 wegen Säuferwahnsinn­eingeliefert worden. Diese Zahlen lassen den Schluß zu, daß das Studium der Frage, üt welcher Beziehung Airo­ls olismus und Geisteskrankheit der weiblichen Personen stehen, für die Berufstätigkeit und ihren angeblichen Ein­fluß auf die Entstehung von Geisteskrankheit der Frauen beachtenswerte Fingerzeige liefern würde. Ob z. B. Pflege­rinnen und Wärterinnen in Krankenhäusern und Irren­anstalten Gelegenheit erhalten, innerhalb oder außerhalb der Anstalten der Trunksucht zu fröhnen, die zum Ausbruch der Geisteskrankheit führe, oder ob dies bei degenerierten) erblich belasteten Personen allein vorkomme usw., diese Frage ließe sich gewiß aus den wertvollen Angaben, dre in dem Zählkartenmaterial der Irrenanstalten enthalten sind, und durch anschließende Rückfragen zur Entscheidung bringen.

Daß in den sogenannten KUeipen mit Damenbedienung auch den Frauen Gelegenheit zur Trunksucht gegeben wird, geht aus der Tatsache hervor, daß z. B. in Berlin in gewissen Lokalen ftir icdes Glas Mer, das getrunken Wirch die Kellnerin 5 Pf. erhält; 3 bis 4 Mark soll auf diese Weise eine Kellnerin täglich verdienen. Das Radfahren der Frauen wird ebenfalls als Gelegenheit zum Trinken vielfach erwähnt.

Das königlich Statistische Bureau würde gewiß zur Unterstützung solcher wichtigen Arbeiten gern das bezügliche Material zur Verfügung stellen.

Vermischte».

* DieAn d en ken" v o n un t e r w e gs. Im Kunst- Wart schreibt F. Avenarius: Etwas sehr Schönes, das es früher gab, waren dieGalanteriewaren"-Läden. Ta sah man z. B. die berühmten Glasthermometer in Form von Streitäxten, die Berliner Siegessäulen als Zigarrenständer und die Jockeymützen als Tintenfässer mit Hufeisen und Federhaltern. Diese Galanteriewaren, so sagen die Ge­lehrten, starben, als das Kunsthandwerk wieder auflebte. Sind sie aber auch wirklich tot? Lebt nicht wenigstens rhr Geist immer noch, auf die Gelegenheit lauernd, sich wreder in üppiger Formen-Mannigfaltigkeit zu verkörpern? Freilich lebt er noch und trotz aller modernen Kunstbeweg- ung unb, trotz aller tun st ge sch ichtlichen Totenscheine wandelt er noch in porzellanenen, gläsernen, blechernen und papier- nen Leibern umher. Ein Gebiet beherrscht er sogar noch, beherrscht er ganz und gar, beherrscht er als Tyrann: die Industrie derReiseandenken". Wäre ich ein Spötter, ich wagte die Frage: hat jemals ein Mensch ein geschmackvolles Reiseandenken" gesehen? In dem besuchtesten Reiseartikel­laden eines unserer besuchtesten Badeorte fand ich neulich in einem Schaufenster:

1. Einen Schwimmgürtel aus Stoff, der alsRahmen" einen Kalender umgab;

2. Blumenvasen aus Porzellan in Form von Gieß­kannen, aus die je ein Leuchtturm gemalt war;

3. Krawattennadeln mit Fahnen, auf welchen sich je eine Ansicht befand;

4. eine Perlmuttermuschel als Schiff, eine ebensolche als Segel dazu, auf ihr darauf der ortsübliche Leuchtturm als Ansicht;

5. einen plastisch nachgemachten Seehundskopf, dem aus der Stirne ein Uhrhalter entwuchs;

6.100. ohne Ausnahme gleichwertiges.

Und solcher Läden giebt es an dem einen Orte ein halbes Dutzend. Alle die stein- uiid beinerweichenden Nou- veautes von ehedem sind da noch. Und sie finden aus­nahmslos ihr dankbares Publikum. Der Wunsch, Reise- andenken sich selbst mitzunehmen und seinen Lieben mit-.