Nr. 138

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(Nachdruck verboten.)

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(Fortsetzung.)

Wer spricht von dem!" rief Guenn, die Röte auf- steigender Scham auf den Wangen, heftig aus.

Ich sah ihn kommen", begann die Alte mit geheimnis­vollem Tone.In der Nacht, ehe er ankam, sah ich einen Fremden in meinem Licht. Ich wählte drei Strohhalme für 2^rch, ^eanne und Nona; als ich dann blies, flogen Jeanne »nd Nona davon, aber Du fielst in die Flamme."

Behaltet Euer Lichterorakel für Euch, Madame Nives" entgegnete Guenn wegwerfend; man sah ihr aber wohl VN, daß ihr die Sache keineswegs so gleichgiltig war, als sie vorgab. Hatte sie nicht selbst an dem Tage, als sie ihn am User sah, den alten Wandschrank daheim dreimal krachen Kören, als wolle er ihr ein Zeichen geben? Das weiß doch jeder, daß dies Unheil bedeutet. Und war nicht aus ihrem Wege durch den Wald immer ein kleiner, grauer Vogel vor ihr hergeflogen und hatte sie aus klugen, fragenden Acng- lem warnend angeschaut! Gueuu hatte sich ohnehin von Jenen Vorzeichen bedrückt gefühlt und nun wollte auch noch Madame Nives ihr bange machen; freilich glaubte sie stets Uur dre Hälfte von dem, was diese liebenswürdige Dame sprach, aber doch

Denke daran, was jch Dir gesagt habe", fuhr die unheil- £^jnbcnbe Stimme fort,in kurzer Zeit wirst Tu ihm Ml halten tote ein Lamm. Tas ist einer von den Starken mit Deinem Vater hat er neulich auch keine langen Um­stande gemacht. Der versteht's tote man Tollköpfe herum- brmgt."

Wenn er sich's jemals beikontmen läßt, zu mir zu kommen, so sage ich ihm, daß er Euch und Euren Loic malen soll."

Allgemeine Heiterkeit belohnte diese kühne Anspielung gus bte betden anerkannt häßlichen Leute in ganz Plouvenee.

Tu nichtsnutziger Balg!" knirschte Madame Nives. >Kber warte nur. Du wirst schon noch zu Kreuze kriechen. Wte heißt er denn, der schöne Mann, und wo wohnt er?" geurs " ^widerte der C'hvr,er wohnt in den Voya-

Da kann er froh sein!" rief Guenn zuversichtlich.Was für eine wackere Frau ist Madame!"

«y. ,'??unz ist auch kein Kunststück, wenn man so ein Wtrtvhaus hat und weiter nichts tut, als die Fremden anlacheln, das kann jedes."

ihr dummen Leute", rief Guenn verächtlich,was nrr?en? l$r Madames kleiner Finger ist ja klüger als r<? e möchte doch einmal les Voyageurs

ftiBw» »rC »- . Marie z. B. könnte die Bücher

führen , ein spöttischer Setten blick streifte die arme, dumme

Marie, die kaum im stände war, die Fische M zählen. Luise" ein unordentliches, saloppes Mädchenkönnte die Hauswirtschaft versehen und Madame Nives, weil sch immer s;o> sanft ist und bei allen so beliebt, würde dch Mädchen in Ordnung halten und beit Herren freundlich zulächeln. Dann wäre es aber schön in den Voyageurs'?

Ein Sturm der Entrüstung erhob sich bei diesen' Worten, den Guenn geschickt mit dem Ausruf:Dort kommt Morots Boot!" zu unterbrechen wußte.

Das ist auch so einer", knurrte Madame Nives auf thre angenehme Art,er tut den ganzen Tag weiter nichts als segeln und sich amüsieren, während wir uns abrackern müssen. Essen, trinken, schlafen und segeln ein faules Leben! Sein Vater war auch so, und sein Großvater hat stch gar auf seinem eigenen Speicher erhängt." Sie be­kreuzigte sich furchtsam.

Aber auch auf bliesen Angriff hatte Guenn eine Er- wtderung.Antwortet mir alle, die ihr hier seid : Wer ist der beste Seemann in ganz Mouvenee? Monsieur Louis. Wer tst s-o freigebig und so gütig wie er? wie Viech Menschen hat er| schon mit eigener Lebensgefahr dem sicheren Tode entrissen? wer hat für Lote Nives gesorgt, als ev setn Betn gebrochen hatte? Monsieurs Louis. Ich würde' doch nichts schlechtes hinter seinem Rücken sagen, selbst wenn ich Madame Nives wäre."

Das ist wahr, Guenn", rief der Chor bet Weiber, fte darf gerade gar nichts über Monsieur Louis sagen."-

oUnb was tut er jetzt?" fuhr Guenn mit steigendem! Etfer fort,Jetzt bringt er uns den becteur des Lannions herüber. Ich sehe ihn ivohl, der gute Monsieur Louis! was konnte er wohl mehr für uns tun als uns einen Engel vom Himmel bringen, denn wohin der becteur kommt, folgt ihm Segen und Freude, das weiß jeder, der kein Schurke oder Dummkopf ist, Schande über Euch, wenn ihr's wagt, etwas gegen Monsieur Louis zu sagen. Guenn Rodellec wtrd's mit Euch allen aufnehmen!"

lind ich sage trotzdem, daß er ein Tagedieb ist", rief Madame Nives aufs äußerste gereizt,wenn er eines schonen Tages ertrinken sollte, würde ich lachend dabei stehen. Ich hasse ihn, wie seinen Vater. Wäs aber Deinen vtelgerühmten Priester anbelangt bah, es giebt so viele Priester, viel M viele. Hohoh! Du wirst mir mit Deinen großen Augen nicht bange machen, Guenn Rodellec sieh mich nur wütend an! Bildest Du Dir denn wirklich ein,' daß ihm außer Dir irgend jemand im geringsten Dank wüßte, weil er Deinen Nannte vom Fieber geheilt hat? Tas häßliche, kleine Ungetüm, das allen nur int Wege ist!"

O seid still, seid still!" suchten die Weiber zu be­gütigen. Sogar die Roheit von Plouvenee hatte ihr« Grenzen.

Aus Guenns Gesicht war jeder Schimmer von Froh­sinn gewichen. Geisterbleich, von Leidenschaft förmliche ber­ge er t, starrte sie auf das böse alte Weib.

Ihr alter Satan!" stieß sie toutbebend hervor; Hätz-