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schifteten, er hörte dis (öeränsch, mit dem bte übereinandergeschichteten Möbel weggerückt wurden. Und einen Augenblick später rannte der eine der Polizisten die Treppe hinauf, un Clifsord vorüber, der jetzt eilig herunterging.
Als er den Fuß der Treppe erreichte, hörte er, den der andere Munn schweigend begrüßte, oben ein starkes Rütteln un der Tür des verschlossenen Zimmers. Worauf der Poli- zeimann oben seinem Gefährten unten rasch zurief: „Willm, geh hinaus — und gieb unter dem Fenster acht — auf dieser Seite des Hauses — rasch."
(Fortsetzung folgt.)
Zum hundertsten Geburtstage von Justus v. Liebig mögen Erinnerungen eines Müncheners aus Liebigs Hause willkommen sein. „Mn gemütlicheres, einladenderes und bei aller Einfachheit großartiger geführtes Heim als das Liebigsche läßt fich nicht denken. Luise von Lob eil erzählt in ihrem interessanten Buche: „Unter den vier ersten Königen Bayerns", daß v. Bölderndorff einmal die Wette gewann: man könne sich jederzeit bei Liebig zum Mittagstisch setzen, und niemand werde wissen, daß man gar nicht eingeladen sei." Der eben genannte Münchener lernte 1854 Liebig kennen, als er im Anfang der Fünfziger stand. „Er war eine schöne Erscheinung. Seine edlen, regelmäßigen Gesichtszüge flößten sofort Achtung und Zuneigung ein, die großen, nußbraunen Augen, unter dunklen, schattigen Brauen hervorschauend, schienen den mit Liebig Sprecherchen bis ins Herz blicken zu wollen. Oesters pflegte Liebig Beispiele zu erzählen, wie bahnbrechende Entdeckungen langem, hartnäckigem Suchen widerstanden und dann plötzlich unerwartet dem Forscher in den Schoß sielen. Etwas derartiges ist die Geschichte seines Fleischextraktes, durch welchen der Name des Chemikers vielleicht populärer wurde, als durch alles, was er sonst geleistet. Mitte der fünfziger Jahre erkrankte die älteste Tochter Liebigs, Agnes, am Typhus (Agnes heiratete später den Aesthetiker Carriere), und in ihrer Rekonvaleszenz wollte es mit der Ernährung nichtkriecht gehen. Der besorgte Water war, wie ich mich bei meinen Besuchen selbst überzeugen konnte, längere Zeit emsig beschäftigt, auf die verschiedenste Art Fleisch zu bearbeiten, sodaß es alles Fette und Schwerverdauliche abgeben müsse und nur das absolut zur Ernährung Taugliche übrig bleibe. Eines Tages sagte Liebig: „Jetzt glaube ich, habe ich es", und er ließ mich eine braune Brühe versuchen, die ungefähr so schmeckte wie'jetzt der Fleischextrakt. So blieb die Sache einige Jahre. Der Extrakt wurde in der Münchener Hofapotheke auf besonderen Wunsch für Kinder, Kranke und Schwächliche bereitet, aber nur aus Gefälligkeit. .Als Liebg eines Tages von einem zum Tee anwesenden exotischen, schwarzgebräunten Herrn aus Uruguay hörte, daß man dort die Häute von Tausenden von Rindern nach Europa schaffe und das Fleisch oft unverwertbar in den Steppen für die Raubvögel und wilden Tiere bleibe, rief er plötzlich: „Heureka!" Wir sahen erstaunt auf ihn, aber er sprach nicht weiter. Einige Jahre später nahm Liebig in seinem Arbeitszimmer ein Porzellantöpfchen vom Fenstersims. „Erinnern Sie sich noch jenes Abends, wo der Südamerikaner zum Tee bei mir war? Ja? Nun sehen Sie, in solchen Töpfchen befindet sich jetzt das Fleisch, welches eh^edem nutzlos zu Grunde ging." Oft erzählte Liebig von der schönen Zeit, wo er in Paris bei Gay Lussac und Renard experimentierte. „Ich war nämlich damals schon verheiratet", pflegte Liebig beizufügen, indem er seiner Frau einen schalkhaften Blick zuwarf. „Jawohl", sagte Frau von Liebig, als er wieder einmal schwärmte, „eine schöne Zeit, wo Dir Dein Experimentieren beinahe das Leben gekostet hätte." Liebig war in Paris bei einer Knallsilberexplosion nicht unerheblich verwundet worden. Liebig ist wohl kaum jemals jein Experiment mißglückt. Um so angenehmer war es daher, daß ein solches Mißglücken, allerdings nur durch das Ungeschick eines Famulus, gerade in einer Vorlesung erfolgte, welcher König Maximilian II., die Königin Marie und der Hofstaat beiwohnten. Liebig war im Herbst 1852 nach München übergesiedelt. Geibel, Dingelstedt, Kobell hielten populäre Vorträge. Auch Liebig begann daher im Februar 1853 mit einigen populären Experimental-Vor- lesungen int großen chemischen Hörsaal. Bei der schon erwähnten Explosion im Hörsaal verletzte sich Liebio an
der Hand, die Glassplitter flogen umher. König Maximilian war ganz ruhig geblieben, desto aufgeregter war die Königin Marie. Aus Rand und Band waren die Hofherren, lauter Gegner der Neuberufenen; man hörte sogar das Wort „Attentat". Dies rief wieder auf der anderen Seite das törichte Echo hervor, man habe den Famulus bestochen, um Liebig und damit alle neu nach München Berufenen beim König in Ungnade zu bringen. In Ungnade fiel Liebig nicht, und er erzählte damals eine kleine Anekdote aus seiner Darmstädter Zeit. „Man hatte einst meinen Gönner, den Großherzog Ludwig I. von Hessen, gegen mich als eilten Ungläubigen einzunehmen gesucht, und ein sehr frommer Kammerherr fragte: „Wissen Königliche Hoheit, daß Liebig Materialist ist?" Der Großherzog erwiderte scheinbar erstaunt: „Auch der Sohn? Der Vater hat dort in der Ecke seinen Materialladen; aber der junge Liebig ist doch ein Professor und nicht Materialist." In Wahrheit war aber Liebig eine echt religiöse Natur.
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* Wie sich Kinder den Mond vor stellen. Ten oft seltsamen und phantastischen Gedankengängen nachzugehen, die sich für die Kinder mit großen Natureindrücken verknüpfen, gewährt dem psychologischen Beobachter einen starken Eindruck auf das Kindergemüt zu machen, und es sucht sich seine geheimnisvolle Erscheinung auf die mannigfachste Art zurechtzulegen. Ein amerikanischer Psychologe veröffentlicht in dem soeben erschienenen Heft des American Journal of Psychology das Ergebnis einer interessanten Umfrage, die bei 184 Schülern und Schülerinnen der staatlichen Normalschule von Worcester veranstaltet wurde, um die Vorstellungen, die sich seit früher Kindheit bei ihnen an den Mond knüpften, festzustellen. Elf davon konnten sich in frühester Kindheit von dem Gedanken nicht frei machen, daß der Mond herunterfallen könnte, und sie wagten deshalb nicht, ihn anzusehen. In sieben Fällen wurde eine Frau mit einem Kinde int Mond gesehen, die für die Jungfrau mit dem Christkind erklärt wurde. Vierzig Kinder erklärten, sie hätten lange Zeit geglaubt, daß der Mond sich bewege, ihnen folge, und daß sie sich fürchteten, weil sie ihm Inicht entkommen konnten, da er immer mit ihnen mitkam. Einige empfanden diese Begleitung des Mondes auch wie einen Schütz, aber den meisten war er unbequem und unheimlich. Einige Kinder sahen eine große Zahl von kleinene Tieren im Mond, 65 konstatierten einen Mann int Monde, und einige davon glaubten, ein Gesicht darin zu sehen, das auf sie herunterblickte. Wiele spürten immer einen Kälteschauer beim Anblick des Mondes, während andere jahrelang davon bezaubert waren, sich nach ihm sehnten und womöglich ihr Bett zum Fenster rückten, damit er in der Nacht voll ins Zimmer schiene. — Ein anderes Kind erinnerte sich, daß es den Mond zuerst im Alter von fünf Jahren erblickte und äusrief: „O, da ist Gott. Hallo, Mr. Gott." Sechs glaubten ihn mit Elfen bevölkert. Ein Kind sagte, daß, wenn er rot aussähe, das Mondwetter so warm wäre, daß die Elfen ihn verliehen und zu den Sternen wanderten. Ter Mann im Monde spielte in der Phantasie vieler eine große Rolle, sie beschäftigte sich mit seinem Aussehen, seiner Einsamkeit, und dies weckt immer ein zärtliches Mitgefühl im Kinderherzen. Zwei Kinder hielten den Mond für das Haus Gottes, eins sah das Gesicht Gottes darin, das sein ^Verhalten billigte oder mißbilligte. Ein fünfjähriger Knabe glaubte, daß ein Mann mit einem mit Monden beladenen Wagen umher- ginge und sie aushängte, und daß jeder Ort seinen eigenen Mond habe. Einem anderen wurde es sehr schwer, zu glauben, daß sein Bruder in Newyork denselben Mond sähe. Ein Kind sah im Monde eine große Zahl von toten Menschen und Tieren, ein anderes glaubte, es wäre ein Polizist darin, der die Leute beobachtete. Einige machte der Anblick des Mondes träumerisch und still, andere stimmte er zur Lustigkeit. Ein Mädchen stellte sich eine Sternegesellschaft vor, die den Mond zum Ehrengast habe; ein anderes sah eine alte Frau darin, die den Kindern zu ihren Füßen Geschichten erzählt. Ein Mädchen sieht eine Art von Vorsehung im Mond, weil das Mondlicht sie einmal davor bewahrte, in eilt tiefes Loch zu fallen. Ein kleines Mädchen hielt es lange Zeit für sündhaft, über- bauvt vom Mond zu sprechen, da er viel zu schön war.


