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einer der stärksten Türme der Stadtbefestigung, die dicht hinter der Kirche Herzog. Noch kann man auf lange Strecken im Norden und Osten der Stadt den nkächtigen Wüllen und der alten Stadtmauer mit ihrem Wehrgang.folgen. Aber idyllisch und friedlich ist heute das Bild, das uns jene ferne kriegerische Zeit wie einen halbvergessenen Traum erscheinen läßt.

Lich hat dank feiner Eigenschaft als Sitz eines Herren- gcsch lech ts eine reiche Geschichte. Schon zu Karls deß Großen Zeiten taucht sein Name auf in Lorscher und Fuldaer Schenkungsregistern. Tann aber hören wir jahr­hundertelang so gut tvie nichts von dem Ort, denn daß im Licher Markwald eine Schottenkirche gestanden hat, ist unbewiesen. Wir wissen nur, daß er mit der ganzen Gegend zu dein Besitze des Cuno von Arnsburg (t vor 1093) gehört hat, der durch die Vermählung seiner Tochter Gertrud mit Eberhard von Hagen seinem absterbenden Stamme ein neues Reis anf- pfrvpfte. Ter Sohn Eberhards und der Arnsburger Erb­tochter, Conrad (10931152), nannte sich Herr von Hagen und Arnsburg und wurde durch seinen Sohn Cuno, der sich auf dem Müuzenberg ein stolzes Schloß erbaute, der Stammvater der Herren von Münzenberg. Cuno I., der Stifter des Klosters Arnsburg, ivar ein mächtiger Mann. Im Besitze der Würde eines Reichserbkämmerers vereinigte er die Herrschaft über große Gebiete in seiner Hand. Aber schon mit seinem Enkel Ulrich II. erlosch sein Geschlecht im Mannesstamm 1255. Den größten Teil der münzenberaischen Erbschaft und darunter das Licher Gebiet brachte durch Kauf oder Tausch mit den miterbeuden Schwägern Ulrichs der Gemahl von dessen Schwester Jsengard, Philipp I. von Falkenstein, an sich, der auch 1257 die Reichserbkämmerer- Wüvde erhielt. Zwar hatte Philipp von seinen beiden Söhnen, Philipp II. und Werner L, Enkel, allein nur der Stamm Werners blühte weiter und aus ihm entsproß in Werners Sohn Philipp III. der Stadt Lich ein Herr, der sozusagen ihre eigentliche Geschichte beginnt.

Philipp hatte mit seinem Bruder Cuno I. die väterliche Erbschaft so geteilt, daß ihm u. a. Torf und Schloß Lich zufielen. Im Schlosse wohnte er, wenn nicht ständig, so doch sehr häufig, mit seiner zweiten Gemahlin Mechtild, einer geborenen Landgräsin von Hessen, verwitweten Gräfin von Ziegenhain. Ein Sohn dieser Mechtild aus ihrer ersten Ehe, Graf Otto von Ziegenhain, war Pfarrer der Kirche in Lich, bis er um 1316 ein Kanonikat in Mainz erhielt. Er starb 1364 als Probst des Stiftes Fritzlar. Schon Philipps Vater hatte Lich im Jahre 1290 eineStadt" ge­nannt, aber erst 10 Jahre später, am 10. März 1300, er­teilte Kaiser Albrecht seinem Getreuen Philipp von Falken­stein für seinDorf" Lich Stadtrechte.

Um seiner Residenz Ansehen weiter zu erhöhen, er­richtete Philipp 1316 eine Kollegtatkirche für zehn Kano­niker, von denen drei Prälaten sein sollten. Im nächsten Jahre erfolgte die Bestätigung durch den Erzbischof Peter Aspekt von Mainz, der zugleich die Grundzüge der Ver­fassung des Stiftes festlegte. Der neuen Kirche wurden die Pfarrkirchen in Lich, Ober-Ohmen, Münster bei Bessingen und Bellersheim inkorporiert, d. i. ihre Einkünfte flössen dem Stift zu, das daraus die von ihm zu ernennenden Geistlichen bezahlte. Da die Besoldung der Geistlichen in solchen Fällen stets geringer als der Ertrag der Einkünfte war, so bedeutete eine Inkorporation immer eine Ver­mehrung der Mittel der Mutterkirche. Das neue Stift war der heiligen Jungfrau geweiht und heißt daher bis auf den heutigen Tag Marienstift, wie auch der erste Pfarrer in Lich heute noch den AmtstitelStistsdechant", der zweite den TitelStiftspfarrer" führt. Ebenso besteht noch eine Stiftsschule. Der Dechant war der Vorsteher des Stiftes. Die beiden anderen Prälaten waren der Scholcister, der die Domicellaren in die Schule aufzunehmen und zu unter­richten hatte, und der Cantor, dem die Schulung der Geist­lichen int Kirchengesang oblag. Die übrigen sieben Mit­glieder des Kapitels waren die Kanoniker oder Chorherren, die ursprünglich nach geistlicher Regel ein gemeinsames Lehen führen sollten. Ob das in Lich jemals der Fall war, läßt sich nicht nachweisen. Sicher ist, daß sie nur zu ge­meinsamem Chorgang verbunden waren, wie denn über­haupt das Leben nach klösterlicher Art nur von den regu­lierten Chorherren durchgeführt wurde. Tas Licher Stift aber bestand aus Weltgeistsichen.

Scbante die Stadt in ihrem Stift ein Werk des Frie­

dens, so sollte sie noch in demselben Jahrhundert stürmische Zeiten erleben. Philipp VI. von Falkenstein, ein Enkel Philipps III., war aus nicht aufgeklärten Ursachen mit Ulrich III. von Hanau, den vier wetterauischen Reichsstädten: Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen, dann aber auch mit seinen Vettern Cuno III., Erzbischof von Trier, Johann und Philipp VII., sämtlich Falken steinern, in eine schwere Fehde geraten. Ihm zur Seite standen nur Graf Johann von Dietz utti) einige Kämpen aus dem niederen Adel. Dagegen verhielten sich der Kaiser und Landgraf Heinrich von Hessen feindselig gegen ihn, indem ihn der erstere in die Reichsacht tat, der letztere aber seinen Untertan en verbot, Philipp ourch den Verkauf von Lebensmitteln oder sonstwie zu unterstützen. Die Fehde dauerte von 1364 bis 1366 und wurde erbittert geführt. Von den Gegnern Phi- as, betten sich der Dynast Konrad von Trimperg ange-

isseit hatte, eroberten dieser, Ulrich von Hanau, Johann von Falkenstein und die vier Reichsstädte Burg und Stadt Lich und die Veste Wamsberg (auf dem heutigen Breuerberg bei Lich)von des Reiches wegen", d. h. in Ausführung des bei Verhängung der Acht ergangenen kaiserlichen Befehls, Philipp mit allen Mitteln zu bekämpfen. Am 25. April 1365 trafen die Genannten eine Uebereinkunft wegen ge­meinsamer Verwaltung von Lich und Wamsberg. Darnach war jeder Teil nach Abzug der Verwaltungskosten mit einem Siebentel an den Einkünften, aber auch an etwaigen Verlusten beteiligt. Die Leitung hatten Ulrich von Hanau, zugleich für Konrad von Trimperg und die Reichsstädte, und Johann von Falkenstein. Beiden mußte die Stadt Lich huldigen, erhielt aber dafür die Zusicherung, daß ihr wegen dieses Krieges kein Leid geschehen, sie vielmehr den Schutz und Schirm der Verbündeten genießen solle. Offenbar hatten die Bürger tapferen Widerstand bei der Belagerung geleistet.

Philipp VI. ließ sich durch das Mißgeschick nicht ent­mutigen, es' gelang ihm vielmehr, sich gegen seine Feinde, denen er auch eine Niederlage beigebracht hatte, zu be­haupten, sodaß sie mit Einwilligung des Kaisers im Juli 1366 zum Frieden schritten. Der war für den tapferen Falkensteiner nicht ungünstig, denn dieser erhielt alle ihm abgenommenen Schlösser, Städte, Burgen, Land und Leute, unentgeltlich zurück mit Ausnahme der Wamsburg utib der beiden Dörfer Bessingen, der beiden Ettingshausen und Münster, die er mit 1000 schweren kleinen Gulden lösen mußte.

So war Lich wieder in die Hände seines Herrn zurück- gelangt.

Zwei Menschenalter nach den geschilderten Ereig­nissen starb das Falkensteinische Haus mit Erzbischof Werner von Trier 1418 im Mannesstamm ans und vererbte, wie es selber einst das Erbe gewonnen hatte, auf die Gcitten der Töchter.

Die Verlassenschaft wurde zunächst in drei Teile ge­teilt, von denen einer das sog. Licher Drittel bildete. Dieses enthielt u. a. Burg und Stadt Lich, die Losung am Wams- berg, Laubach, Hungen, Wölfersheim, fünf Zwölftel von Münzenberg usw. und gelangte nach einem weiteren Teil­ungsvorgang in den Besitz der Brüder Bernhard und Jo­hann, Grafen von Solms. Die beiden Brüder verwalteten ihre Besitzungen anfänglich in Gemeinschaft, dann begannen auch sie zu teilen und wir finden Lich endlich tut Allein­besitz des jüngeren Bruders Johann, der der Stifter der Linie Solins-Lich wurde. Johann starb! 1457 und liegt in der Stiftskirche in Lich begraben, wo sich auch sein Grabdenk­mal findet.

Von den Nachfolgern Johanns gewannen für Lich die Grafen Philipp und dessen Sohn Reinhard besondere Be­deutung. Ter erstere begann 1510 den Umbau der Marien- stiftskirche, der erst 1594 vollendet wurde, der letztere machte Lich zur Festung. Einer der hervorragendsten Regenten des ganzen Hauses Solms war Reinhard,, gleich seinem Vater ein gewaltiger Kriegssttann. Als Anhänger und Feldherr Kaiser Karls V. gehörte er zu den erbittertsten Feinden Landgraf Philipps des Großmütigen, dessen FestungenKassel und Gießen er auf Befehl des Kaisers schleifte. Bet Meßen erfüllte er seinen Auftrag mit besonderer Gründlichwsi. Dieser Feindschaft mit Hessen verdankt Lich seine starken Befestigungen) die Reinhard zum eigenen Schutze anzulegen gezwungen war. Bis zu seinem am 23. September 1562 erfolgten Tode hatte Reinhard der Reformatton den Etn- gang in sein Haus und fein Land verwehrt, aber ferne