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bibelots, jener Nippsachen und Kunstgegenstände, die glänzendes Zeugnis von dem unerreicht feinen Geschmack und Schönheitssinn des Pariser Kunstgewerbes und der unerschöpflichen Erfindungsgabe des Pariser Arbeiters ablegen. Tas nächste größere Gebäude, das der Redner eingehender schildert, ist das Hotel de Wille, ein mit reichem Skulpturenschmuck versehener, höchst anmutiger Renaissancebau, nach dem letzten Kriege an Stelle des ehemaligen von den Communards eingeäscherten Stadthauses erbaut, welches der Schauplatz so vieler entscheidender Ereignisse in bewegter Zeit war. Aus der reichen Geschichte dieses Baues wählt der Redner die tragikomische Szene aus, die sich hier abspielte, als Lamarttne, der geistreich^ Dichter, Philosoph und Staatsmann, während der Februarrevolu- tton der unangenehmen Verpflichtung, die nicht durch Schönheit ausgezeichneten Vertreterinnen der Freiheit zu küssen, mit großer Geistesgegenwart durch die Bemerkung entging: „Sie haben sich standhaft und mutig wie Männer verhalten: Männer aber küssen sich nicht, sondern schütteln sich die Rechte!" — Der glänzenden Rue de Rivoli mit ihren Arkaden folgend, kommen wir nun an dem alten Turm St. Jacques und dem Denkmal der Jungfrau von Orleans vorüber nach dem vornehmsten, ausgedehntesten und berühmtesten Gebäude der Weltstadt, dem Sonore. Ernst ein königliches Schloß von geringer Ausdehnung, ist dieser Bau nach mannigfachen Erweiterungen unter Ludwig XIV., Napoleon I. und III. der größte Palast der Welt geworden. Berühmt durch seine Architektur, den Reichtum seines Säulen- und Skulpturenschmucks, noch berühmter durch die herrlichen Kunstschätze, die er als Nationalmuseum Frankreichs birgt, ist er unerschöpflich in seiner Fülle des Schönsten und Interessantesten, was die Kunst aller Völker und Zeiten geschaffen. Aus dieser Fülle wählt der Redner aus: la galerie d'Apollon mit den Krondiamanten sowie einer Sammlung geschnittener und edler Steine, la falle des Cariatides, Bonus de Milon. Nach einem Hinweis auf die Rekonstruktionsversuche, die sich mit der durch göttliche Hoheit ausgezeichnete Statue beschäftigt haben, schließt der Redner seinen fesselnden Vortrag mit den Worten, die Goethe int Jahre 1827 unter dem Eindruck des Besuches des erst 24jährigen Parisers Ampöre zu Eckermann sprach und welche die auffallend reiche Entwicklung dieses jugendlichen Geistes durch die mannigfache Anregung erklären, welche Paris, die Stadt der Kunst, Literatur und Wissenschaft, die Stätte großer historischer Erinnerungen, die Wirkungsstätte der führenden Geister einer großen Natton, auf Schritt und Tritt gewährt.
Vermischter.
* Was ist schlechte Luft. Im allgemeinen wird dre Kohlensäure, also das durch die menschliche Atmung erzeugte Gas, als hauptsächlicher Luftverderber betrachtet. Es ist nun aber festgestellt, daß die Kohlensäure an sich wenig oder gar keinen Einfluß auf die Gesundheit hat. Menschen können 2—3 Stunden ohne merkliches Mißbehagen in einer Luft atmen, die neben ihrem vollen Gehalt an Sauerstoff noch 20 v. H, Kohlensäure enthält, und tn gewöhnlicher Luft ist die Gegenwart von 1. b. H. Kvhlen- jaure ohne schädliche Wirkung. Wenn die Kohlensäure in der Luft jedoch durch die menschliche Atmung nur um ein Zehntel v. H. vermehrt wird, so erhält die Luft eine höchst ungesunde Eigenschaft. Zwischen der Kohlensäure, die man z. B. aus kohlensaurem Kalk entwickeln kann, und der von Menschen ausgeatmeten Kohlensäure besteht selbstverständlich keinerlei chemischer Unterschied. Wenn trotzdem hier und dort die Wirkung eine so verschiedene ist, so liegt der Schluß nahe, daß die vom Menschen ausgeatmete Kohlensäure noch einen giftigen Begleiter hat, der sich bisher Nachforschungen entzogen hat. Solange wir ihn nicht kennen, bleibt natürlich nichts anderes übrig, als die Verunreinigung der Luft an der Menge der in ihr enthaltenen Kohlensäure zu messen. Ter schädliche Einfluß, der durch menschliche Atmung verdorbenen Luft ist bekannt; er besteht r.tR?*iöerfuft, Unbehagen, schwerem Kopfschmerz und Uebelkett. Außerdem kann kein Zweifel daran bestehen, daß em Aufenthalt in schlechter Luft den Erwerb anderer Krank- Herten begünstigt. Namentlich steht höchst wahrscheinlich die Ejgung zu Erkältungen mit einem vorausgegangenen Ein- sluß schlechter Lust in naher Beziehung. Die durch Atmung
verdorbene Luft verrät sich durch den Geruch, und es ist eigentlich merkwürdig, daß die chemische Analyse den Stofs noch nicht gefunden hat, dessen Anwesenheit für unsere Nase offenbar wird. Solange hier unser Wissen nicht weiter vorgedrungen ist, läßt sich gegen die bösen Einflüsse schlechter Lust eben nichts weiteres tun als eine möglichst weitgehende Anwendung genügender Lüftung aller zum menschlichen Aufenthalt bestimmten Räume.
* Glückliches Mecklenburg! Im „Güstrower Anz." liest man folgende Anzeige: „Ein Junge, der konfirmiert ist, findet hochfeine Stellung als Mhfütterer. Näheres . . . ." Schon Goethe sagt von Mecklenburg: „Hier ist das Wohlbehagen erbliche, Die Wange heiter wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund."
Literarisches.
— Georg Reicke, Im Spinnenwinkel. Roman aus einer kleinen Stadt. Berlin und Leipzig, Schuster unb Löffler. — Tiefen Roman schrieb Georg Reicke, noch ehe er seinen Posten als Berliner Bürgermeister antrat. Tie Kleinstadt (Heiligenstadt nennt sie Reiche und meint damit wohl das Städtchen Heyligenbeil in seiner ostpreußischen Heimat), in die der Referendar (Accessist) Gerhart verschlagen worden ist, besitzt ein ganz gefährliches Exemplar des modernen Mädels, bezeichnenderweise im „Spinnenwinkel". Alice hat bereits einen Bräutigam begraben, der ein großer Künstler, aber auszehrend war. Nun sucht sie nach einem Ersatz, und wie es scheint, mit Vorliebe: unter den beim Amtsgericht sich ablösenden Referendarem Unter den Verehrern, deren Photographien das Album vouj Alice, der Tochter des Physikatsarztes (Kreisarztes) einschließt, nimmt Gerhart die einundzwanzigste Stelle ein. Tie Sache zwischen beiden wird rasch ernsthaft, natürlich hat das moderne Mädchen dabei die Führung. Ter Referendar schwankt zwischen Poesie und Jurisprudenz hin und her, zwischen Wollen und Nichtwollen. Alice mutet ihm zu, die Jurisprudenz zu lassen, Schriftsteller zu werden und sie mit nach Berlin zu nehmen, alsbald, als Frau oder als Geliebte. Auf einen langen Brautstand will sie sich nicht einlaffen. Während Gerhart noch immer nach einem Entschluß ringt, hat sich Alice kurz resolviert; sie greift auf einen früheren Verehrer aus der Zahl der Zwanzig im Album zurück und verlobt sich mit ihm. Da kommt dem Referendar endlich die Entschlußkraft wenigstens so- wett, daß er feinen Eltern schreibt, er wolle Schriftsteller werden. Von der Erscheinung Alicens gibt uns GeorgReicke: einen Begriff, indem der Referendar sie einer Wachspuppe ähnlich findet in einem Pelzladen, an dem er täglich in Leipzig vorbeigegangen, und die er, da man das Schaufenster abends nicht erleuchtete, unter ihrem Pelzbarett immer s» traurig dunkel und schmerzlich still in das winterlich belebte Straßenleben hatte hinausblicken sehen. Von ihrem inneren Wesen urteilt Alice selbst: „Ich halte es für ein unberechtigtes Verlangen, hinter eine Seele kommen zu wollen. Ein Mensch ohne Schleier ist recht herzlich langweilig und selten bedeutend. Nimmst Tu den Seelen ihren Schleier, so sind sie sehr nüchtern und alltäglich." Aus dem Gefühl dieses Mangels heraus sucht sie leidenschaftlich nach einer Seele bei anderen. Da sie diese bei Gerhart nicht gefunden hat, gibt sie ihn auf. Alice gehört offenbar in das Geschlecht der geheimnisvollen Heldinnen, wie sie Paul Heyse liebt. Das Milieu der kleinen Stadt im preußischen Osten, in der die einfache Geschichte verläuft, ist sehr hübsch nach dem Leben geschildert und immer erfreut Reicke durch die Prägnanz seiner Sprache und den überraschenden Erfolg seiner Ideen.
Zifferblatträtsel.
Nachdruck verboten.
I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII
An Stelle der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr sind die Buchstaben D, EEE, I, K, NN, BRR, W derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren:
1—6 Vorname
3—6 Luftbewegung
1—7 Pflanz- und Werkzeug
4-8 Asiat
7—11 Teil des Hauses
9—12 Teil der Frucht
9—2 Deutscher Schriftsteller.
SMattwn: Auaust Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


