Freitag den 15. Mai.

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1903. Nr. 71.

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(Nachdruck verboten.)

Das Gasthaus am Strande.

Roman in zwei Bänden von Florence Warden.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.

(Fortsetzung.)

Er hatte aber eine empfindliche Stelle berührt und sie fing leise zu weinen am

Armer Onkel!" schluchzte sie.Es brach mir fast das Herz, als er mich nicht mehr erkannte. Und dann, als sie ihn Wegnahmen"

Wegnahmen?"

Ja. Er war ganz harmlos und würde sich immer 3ig von mir haben leiten lassen. Tie Polizei aber kam

nahm ihn mit fort"

Tie Polizei?"

Ja."

Sie hat uns beide, seitdem wir denBlauen Löwen" verließen, immer verfolgt", flüsterte sie.Und ich weiß, sie suchen durch ihn hinter das Geheimnis Du weißt, was ich meine zu kommen. Ist das nicht furchtbar?"

Elifford antwortete nicht sogleich Ihm schien, daß die Aussichten, das Mädchen zu retten, für ihn in der Tat immer kleiner würden. Ihre völlige Hoffnungslosigkeit, ihre krankhafte Furcht, hatten ihn angesteckt. Während der kurzen Stille, die zwischen ihren Fragen und Antworten lag, schien sie immer aufzuhorchen und sich anzustrengen, jeden Don, der von außen kam, zu vernehmen. Der Schrei eines kleinen Gassenbubens ließ sie zusammenfahren; ein Karren, der rasch um die Ecke fuhr, trieb ihr das Blut zu Kopf. Die Nerven des armen Kindes waren völlig er­schüttert.

Elifford blickte verzagt auf sie hin. Selbst die starke Liebe, die jede Probe bestanden hatte, war scheinbar macht­los, ihr mehr als einen nur augenblicklichen Trost zu geben.

Mein Liebling", flüsterte er,laß mich Dich! für die Nacht in die Stadt bringen. Ich will Dich geradeswegs zu Deiner Tante führen und Dich in der möglichst kürzesten Frist heiraten und England mit Dir für immer ver­lassen."

Nell fuhr zurück uiti> starrte ihn an.

Tu verstehst mich nicht', sagte sie.Die Sache ist jetzt wirklich im Gange. Tie Polizei verheimlicht nicht, daß man endlich genug in Händen hat, um vorgehen zu können. Ich habe den stärksten Grund, den allerstärksten, zur Annahme, daß sie mich no»ch heute zu holen kommen."

Um Dich gefangen zu setzen?" schrie Elifford heiser.

Nein, nicht sowohl das." Und sie schauderte. Dann aber kam noch ein stärkerer Ausdruck des Schreckens ihr tn die Augen.Vielleicht ist es das aber doch! vielleicht

ist es wirklich das, was sie beabsichtigen", wisperte sie unsicher.Sie sagten, daß sie nur meine Aussage brauch? ten. Aber aber"

Sie zögerte stockte Cliffords Herz war bedrückt. Sicher konnte keine Jury, die je zu Gericht saß, dieses hilflose, sanfte Mädchen zu etwas' anderem, als einem un­bewußt begangenen Verbrechen verurteilen. Er würde sein Leben verpfändet haben, daß sie an diesem geheimnisvollen Verbrechen ebenso unschuldig der Absicht nach wäre, als er es' der Tat nach war.

Mein Liebling, mein armer Liebling, natürlich wollen sie nichts als Deine Aussage" sagte er heiser.

Seine Stimme schwankte jedoch und seine Augen waren umflort. Er suchte sie auszumuntern, sie zu ermutigen, und ihr Dinge zu sagen, die er kaum fühlen konnte. Tas Mädchen schien ihn fast nicht zu hören. Plötzlich-, inmitten seiner vergeblichen Anstrengungen, sie zu trösten, stand sie rasch auf.

Sie sind da", sagte sie.

Elifford fuhr auf. Er hatte nichts' gehört. Nells ge­duldige Ohren waren aber schärfer als seine. Einen Augen­blick später pochte man an die äußere Tür. Tann wurde an die Tür des Zimmers geklopft. Er blickte wild um sich und ergriff sie beim Arme, um sie hinter dem kleinen Sofa zu verbergen. Sie aber lächelte traurig und schüttelte den Kopf.

Herein", sagte sie.

Und wie sie es vorausgesagt hatte, mit unheimlich sicherer Weissagung, meldete sich ein Beamter der Polizei in Stroan, sehr höflich, mit vielen Entschuldigungen und wohlwollend bei ihr an.

Bedauere unendlich, Miß, Sie stören zu müssen", sagte er.Doch mutz ich Sie bitten, mich bis Stroan zu begleiten, nur um vor Gericht etwas auszusagen, das uns ein bißchen weiterhilft."

Das ist keine Werhaftnehmung?" fragte Elifford, seine Aengstlichkeit zu verbergen suchend.

Nein, Sir."

Nells weißes Gesicht aber schien den Glauben zu ver­raten, daß es doch eine wäre.

20. Kapitel.

Endlich ein Fingerzeig.

Es gab in dem Unglück, das über Nell hereingebrochett war, für Elifford doch einen Lichtstrahl des Trostes. Trotz allem Zittern ihrer Glieder und der Blässe ihres Gesichts schien sie durchs die Ankunft der Polizei sich eher erleichtert als bedrückt zu fühlen.

Mit völliger Selbstbeherrschung wendete sie sich an den Beamten und sagte:Darf ich mit Mr. King noch allein sprechen, ehe ich gehe?"

Gewiß, Miß. Vielleicht wäre es Ihnen angenehm, mit Mr. King bis nach Beach zu gehen; wir werden ein Cah