Mlia den römischen ShawtS. Unter den Farben herrschen SchitAachrot, ein leuchtendes Grün und Gelb vor. Neuerdings verwendet man diese Stoffe auch als Dekorations- sbawls Lum Draperieren von Staffeleien, Spiegeln, Bildern und dergleichen mehr. Namentlich die Fremden kaufen sie viel für diesen Zweck. Seitdem dies geschieht, hat man Sorge getragen, die Farben mannigfaltiger zu Wahlen; mit Rücksicht auf den modernen Stil, der im ganzen gedampfte und gemischte Töne bevorzugt, verwebt man jetzt viel mattblaue Wolle — ähnlich wie türkisblau, nnt letch- tem, grauen Anflug — sowie resedagrüne und pastellrvsa. Die Stoffe verlieren dadurch aber viel von ihrer nationalen Eigenart.und werden von den Landfrauen in diesen matten Farben nie getragen.
Im nördlichen Norwegen, besonders im Innern des Landes, findet man zuweilen auch noch die Damastwollenweberei Ihre Produkte sind unvergleichlich schön, aber da die Arbeit als'Hausindustrie sehr mühselig erscheint, so wird sie für Erwerbszwecke wenig geübt. Aehnlrche Sachen werden ja fabriksmäßig so sehr viel billiger hergestellt, und wenn sie auch nicht annähernd den ganz individuellen Reiz der Handwebereien besitzen, so wird dieser im allge- meilten doch nur von Kennern geschätzt. Die nordischen Frauen benutzen für die Arbeit immer noch den uralten Zampel- und Kegelstuhl. Daß sich vermöge desselben die herrlichsten Wirkungen erzielen lassen, beweist uns die Tatsache, daß vor einem halben Jahrtausend tn Spanien Stoffe von fast unerreichter künstlerischer Schönheit darauf gewebt wurden. Diese meist für kirchliche Zwecke bestimmten Gewebe mit ihren buntfarbigen Damastolumen in -sewe und Gold bilden heute noch bewunderte Schaustücke tn Museen. Die nordischen Stosse dieser Art sind durchtveg aus Wolle verfertigt, doch kommen für einzelne Stellen der Musterung ausnahmsweise auch Seidenfäden zur Benven^ una Der Name „Zampel"- oder Kegelstuhl schreibt sich daher, daß die Zugschnüre, welche die Bindungen emporheben, entweder mit hölzernen Kegeln versehen oder an einem Zampelstock befestigt siud, der sich hinter dem Stuhl am Boden befindet. Auch in ^apan sind solche B-ebstuhll. heute noch vielfach gebräuchlich. Hauptsächliche webt man in Norwegen in dieser Technik Brusttücher, welche die Frauen zu ihrem Festtagsputz tragen. In der Ausstellung des Hus- flidsforening in Christiania waren eine Anzahl le acht modifizierter" Nationaltrachten ausgestellt, die man zu Morgenkleidern für Damen bestimmt hatte. Da die meisten dieser Trachten einen schlafrockähnlichen Zuschnitt haben, so eignen sie sich sehr gut für diesen Zweck; es war eigentlich nur nötig, sie etwas zu verlängern. An diesen Kleidern, die ebenfalls vorwiegend von Reisenden gekauft wurden, kamen sämtliche nordische Webetechniken zur Verwendung; man hatte sie demnach auch mit den erwähnten Wollendamast- küchern ausgestattet.
Ms vor kurzem wurden die kongreßstoffähnlichen Gewebe, auf denen die nordischen Frauen ihre schönen Handstickereien aussühren, aus den Fabriken gekauft, neuerdings verfertigen sie dieselben jedoch wieder häufig selbst, lieber die Beschaffenheit dieser Gewebe ist nur zu sagen, daß sie aus der gleichen Menge gleichstarker Ketten- und Einschlagfäden bestehen, die sich rechtwinklig kreuzen. Es ist das primitivste Webesystem, das es überhaupt giebt.
Vereinzelt hat man in jüngster Zeit Versuche mit der Quästchenweberei gemacht. Man benutzt dazu den kleinen Handapparat, der in Deutschland zur Herstellung der sogenannten Polenteppiche erfunden ist. Die Technik kann daher auch kaum als eilte nordische bezeichnet werden. Ich sah darin auch nur einen einzigen, für den Langstuhl besti-mm- ten Läufer, den eine Bauernfrau aus der Nähe von Gothenburg verfertigt hatte.
Die zu den.Webereien benutzte Wolle färben die Frauen sich in der Regel selbst. Sie verwenden dazu vorzugsweise Indigo, Campecheholz, Rotholz, Curcuma, Krapp, Cochenille und Kermes; doch besitzt wohl so ziemlich jede Bauernfrau ihre eigenen ererbten oder selbst ausprobierten Rezepte zur Mischung von Färbeflüssigkeiten. . Anilinfarben verwerten sie nie, da sie aus absolute Echtheit der Farben den höchsten Wert legen.
Für die Frauen!
„Wiener Mode", XVI. Jahrgang, Heft 14, Ausgabe vom 15. April 1903. Jede Nummer dieses in Mode- und Toilettedingen maßgebenden Damenjournals beweist tüchtiges Können und auserlesenen Geschmack. Das 52 Seiten umfassende Heft isst vorzüglich illustriert, es enthält allein 25 Vollfiguren, 27 neue Hutmodelle, 11 Blusenmodelle, die verschiedenartigsten Spitzen, Stickereiniuster und Aufputze, neue Sommerschirme, Blusengürtel mit modernen Schließen, Straßen-, Gesellschafts- und Theatertoiletten, Touristen- und Sportkostüme, Herrenmoden und Kinderkleidung. Der Handarbeitsteil bringt Vorlagen aller Art im modernen Stile und die Fortsetzung der Filetarbeitslehrbriefe. Die meist fesselnden Beiträge aus dem literarischen und künstlerischen Leben der Gegenwart tm unterhaltenden Teile der „Wiener Mode" verleihen, vereint nut vorzüglichen Abbildungen, dem Unternehmen einen doppelten Charakter, insofern nämlich, als das Familienblatt mit der Modenzeitung verbunden erscheint und das Abonnement auf eine zweite Zeitschrift für das Haus erspart wird, um so eher, als der Praxis in Küche und Hauswesen ein besonderer Teil in dem Journal eingeräumt ist. — Vierteljährlicher Tlbonitementspreis 2.50 Mk. Zu beziehen dura, jede Buchhandlung, durch die meisten Postanstalten oder direkt vom Berlage der „Wiener Mode", Wien VI/2, Gnmpcn- dorferstraße 87. .
vermischtes.
Diebe in Frauenkleidern. Einer Diebsorganisation ungewöhnlicher Art ist die Pariser Polizei auf der Spur. Unter der Bezeichnung „Die Neun" haben sich neun )unge Bursche» voll nettem Aussehen zusammengetan, um vornehme Familien in ungestörter Weise anszurauben. Zu diesem Zwecke entfernten sie zunächst mit Hilfe eines Haarentfernungsmittels Bart und Schnurrbart, legten Frauenkleider an und übten die Kunst, tn Blick und Geberdeu Frauen nachzuahmen. Hierauf erlernten sie das Frisieren und suchten nun mit gefälschten oder erborgten Zeugnissen Stellen als Kammermädchen in reichen Häusern. Hier und da nahm man an der tiefen Stimme der Kammerzofe Anstoß, zumeist aber setzte man sich angesichts der vorzüglichen Zeugnisse über diesen unsympathischen Punkt hinweg „Die Neun" scheinen in ihrem Dienst sehr tüchtig gewesen zu sein; sie waren für ihre Gebieterinnen voller Aufmerksamkeiten, und es wurde festgestellt, da!ß sie sich nie unpassend benahmen. Nach einigen Monaten, wenn das neue „Kammermädchen" mit dem Inhalt aller Kasten, Schubfächer usw. genau vertraut war, pflegte eine gründliche Leerung aller Behältnisse zu erfolgen, welche wirklich Wertvolles bargen, während andere Fächer ganz unberührt blieben. Dieser Umstand, welcher darauf htntoies, daß nur eine int Hause gut Bescheid wissende Person den Diebstahl verübt haben konnte, lenkte in einem Falle den Verdacht auf die Kammerfrau. Eine nähere Untersuchung ergab, daß die tiefe Stimme der niedlichen Zofe ihre physiologische Begründung hatte, was die bestohlene Dame noch mehr entsetzte, als der Verlust ihrer Kostbarkeiten. Hast gleichzeitig verließ in einem anderen Hause eine Kammerfrau, die ebenfalls eine männliche Stimme hatte, aber sonst als vorzüglich gerühmt wurde, den Dienst ganz plötzlich, ohne daß Verluste bemerkt worden wären. Sie oder vielmehr er hatte noch nickt Gelegenheit gehabt, die Plünderung durchzuführen und „drückte sich" aus Furcht, entdeckt zu werden. Die Polizei kam jedoch auch der Nummer zwei auf die Spur. Zur Ergänzung der „Neun" fehlen allerdings noch einige Nummern, und zwar, tote es schemi, gerade die interessantesten. Der Pariser Polizeipräfekt gievt jedoch die Hoffnung nicht aus, in seinem Depot „alle neune zu versammeln.
Charade.
Ich wollte heut das Ganze spielen, Doch leider soll cs wohl nicht sein. Ein Freund hat sich verletzt das Erste, Den andern lud für heut man ein Zum Zweiten, dort muß flott er tanzen; Da kommt er lieber nicht zum Ganzen.
(Auflösung tu nächster Rümmer.)
Auflösung der Gleichung in vor. Nr.r a Herz, b Egon, c Wien, cl Aal; x Herzegowina.
Reaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Rcrlag der Br« bl'scke« llniv«stäts-stnU. und Cteindrnckeret (lfietsä Erben» m Gießen.


