Ausgabe 
15.4.1903
 
Einzelbild herunterladen

LSS

zählte, die ihn in einem so lächerlichen und unwürdigen Siebte §eißt?/z

Ich denke, daß, wenn er ein Mann von mehr Urteil und Schicklichkeitsgefühl gewesen wäre, er etwas ausfindig gemacht haben würde, wert, ausfindig gemacht zu wer­den, statt im Laufe der Sache einen Narren aus sich zu machen."

Nun, mein lieber Clifford, Du bist unvernünftig, wie alle Leute, die an Deiner Krankheit leiden", sagte Conybeare, indem er sich erhob und eine richterliche Stellung vor dem Kaminfeuer annahm.Weil Du dieses junge Mädchen bewunderst, hülst Du sie eines Verbrechens für unfähig, das, nach meiner Meinung, klar genug auf sie zurückgeführt worden ist. ^^Wenn die Frau, die Lowndes sah und der er folgte, nicht Miß Claris war, wie kam es dann, daß sie, als sie verfolgt wurde, sich geradeswegs in deren Zimmer geflüchtet hat? Konnte Miß Claris eine Schlafgenossin haben es war nur ein Bett im Zimmer ohne es selbst zu wissen? Und wenn sie eine Schlafgenossin gehabt hätte, würde nicht jemand im Hause von dieser Tatsache gewußt haben? Und würde nicht das plötzliche Verschwinden dieser Person, selbst in einem so unschuldigen Wesen wie Miß Claris, Verdacht erregt haben müssen?"

Aber ich glaube ja von der ganzen Geschichte kein Wort. Lowndes hatte vor Schlafengehen zu viel Whisky getrunken, und da er den Kopf voller Geschichten hatte, die ihr ihm erzählt habt, so träumte er, daß er eine Frau in seinem Zimmer sah, und schickte sich zur Ver­folgung einer nur eingebildeten Person an. Ihr wißt, er gießt zu, daß ihm garnichts gestohlen wurde. Der einzige Teil der Geschichte, den ich glaube, ist seine idio­tische Jagd durch die Tür, iwd das Fenster und das Bad in dem Fluß, das ihn ernüchterte."

Schon gut", sagte Conybeare.Es geht mich nichts an, ob Du Lowndes glaubst oder nicht. Wir wollen den Gegenstand fallen lassen."

(Fortsetzung folgt.)

Handtvebereien skandinavischer Frauen.

Von M. Kossak.

(Nachdruck verboten.)

Von jeher waren die kunstgewerblichen Frauenarbeiten in skandinavischen Landen hochberühmt. Leider gerieten sie im Laufe der letzten Jahrzehnte sowohl bei der Außen­welt, wie bei den nordischen Frauen selbst etwas in Ver­gessenheit; die letzteren stellten zwar ihre Kleidung und den Schmuck ihres Hauses her, ihre Erzeugnisse gelangten aber in verhältnismäßig nur geringer Menge auf den Markt. Heute jedoch genießt dieHeimatkunst" allenthalben großes Ansehen. Auf Anregung kunstverständiger Männer und Frauen und unter dem Protektorat allerhöchster Persön­lichkeiten haben sich Vereine gebildet, die den Zweck haben, die schönen, alten Techniken wieder zu neuer Blüte zu bringen. DieNorske Husflids forenings" erstrecken, wie ich bei meiner kürzlichen Bereisung dieses Landes konsta­tieren konnte, ihre Tätigkeit über ganz Skandinavien. In Kunstgewerbe-, Volks- und Mädchenschulen werden Frauen, Mädchen und Kinder in den betreffenden Techniken unter­richtet, und in den meisten Städten giebt es Spezialgeschäfte oder doch zum mindesten Verkaufsstellen, in denen die fer­tigen Arbeiten ausliegen.

Vorzüglich fallen uns beim Besichtigen derselben die prächtigen Webereien und Stickereien auf. Gerade in der Textilindustrie leisten die skandinavischen Frauen vorzüg­liches. Ihre Arbeiten auf diesem Gebiete besitzen eine Eigenart, welche deren Nachahmungen in anderen Ländern nicht annähernd erreichen. Die von ihnen benutzten Muster sind teilweise den Bauernstuben und Nationalkostümen ent­nommen, welche man in einzelnen großen Städten, z. B. in den Museen von Gothenburg und Christiania, findet. Der nordische Stil ist jedoch in allen Arbeiten in ver­blüffender Reinheit vorhanden. Dadurch wird den Gegen­ständen ein so ausgesprochener Charakter ausgeprägt. Ms- weilen sieht man ausnahmsweise ein in irgend einer der nordischen Techniken gearbeitetes Stück, für das ein mo­dernes, wenn auch selbst beträchtlich umgestaltetes Muster verwertet worden ist. Weitaus die meisten Muster zeigen Flächenornamente geometrischer Art; solche mit Mnutz-

ung figürlicher Motive trifft man eigentlich nur bei einem bestimmten Genre von Lederapplikation, doch ist auch hier der Charakter der Flächenmusterung streng gewahrt. Bild- webereien, gleich denen der Scherrebecker Wandteppiche, wer­den in Skandinavien nicht ausgeführt; zum mindesten sind es nicht Gegenstände der Hausindustrie. Es kann ja sein, daß man sie versuchsweise hier oder dort einmal her- gestellt hat; jedenfalls habe ich kein einziges Stück der Art gesehen, noch von einem solchen gehört. Der altmodische Stil für Textilwaren ist dem maurischen überaus ähnlich; manche Motive findet man in dem Filigranwer! der Al­hambra wieder.

Wohl die am häufigsten geübte Webetechnik der nordi­schen Frauen ist eine Art Gobelintechnik. Sie verfertigen in dieser hauptsächlich Streifen von verschiedener Breite, die mannigfachste Verwendung finden. Man befestigt sie quer über Sopha und Ruhebänke, benutzt sie zu Läufern für Schaukel- und Klappstühle, wie in Verbindung mit ein­farbigem Stoff zum Bezug von Polstermöbeln, oder näht sie auch zu Vorhängen, Portieren und Draperien aller Art zusammen. Besonders schöne Streifen werden sogar einfach an die Wand gehängt und zwar so, daß sie von der Decke bis zum Fußboden reichen. Zu Teppichen fügt man sie fast nie zusammen, höchstens, daß sie gelegentlich dazu dienen, ein Tierfell einzurahmen. Schmale Streifen wer­den auch als Randeinfassung schwerer Plüschportieren be­nutzt. Man verfertigt diese Webereien auf einem ver­hältnismäßig einfachen Apparat für tiefschüftige Arbeit. Bekanntlich zerfällt die gesamte Gobelinweberei in Baste- lisse (kiefschäftige) und Hautelisse (hochschäftige) Arbeit. Bei der ersteren sind die Flächen der Kette wagerecht gespannt, während bei der letzteren die Wirkerei mit aufrecht stehen­der Kette ausgeführt wird. Was nun die Herstellung der nordischen Gobelinstreifen anbetrifft, so ist die Arbeit einer mühevollen, kunstreichen Stickerei vergleichbar, da das Ein- ziehen des Schusses aus freiet Hand geschieht und sich alle­mal nur auf wenige Kettfäden beschränkt, welche die Ar­beiterin aus dem Obersache herausbebt, um die Schlug spule unten durchzustecken. Selbstredend wird der Schuß mit Spulen eingezogen. Für jede zu bearbeitende Partie benutzt man zur Herstellung des Ober- und Untersaches besondere Schäfte. Auch werden alle Farben für sich ge­webt und die angrenzenden vorläufig außer acht ge­lassen.

Im Gegensatz zu der Gobelinwirkerei wird eine andere, deren Erzeugnisse bedeutend billiger sind, auf einem Wcb- stuhle mit senkrecht geordneter Kette ausgeführt. Hier sind die einzelnen Kettfäden unten durch Gewichte beschwert und die fertige Ware wird oben auf eine Rolle gewickelt, Kettfäden sind mehrfach um die Gewichte gewickelt und gut befestigt, können jedoch nach Erfordern leicht gelöst werden Man hat derartige Webeapparate schon ganz klein und leicht transportabel konstruiert, sodaß man sie auf jeden Lisch stellen kann. Kinder weben darauf vornehmlich bunt ge­streifte Bänder für Schürzen und andere Kleidungsstücke Recht lose und grob gewebte Bänder werden auch mit wollenen Durchbruchstreifen oder Häkeleinsätzen zu Schlaf­decken und Draperien verarbeitet. Auf den großen Web­stühlen verfertigen die Frauen dagegen entzückende, leicht durchscheinende Gardinen aus cremefarbener Baumwolle mck blatzarünen, hellroten und blauen Borten und Plenimustern. Ganz besonders schön fallen diese Gewebe aus, wenn durch Einschiebung verschiedener kleiner Vorrichtungen, wie sw modifiziert auch bei der Weberei von Spitzenstosfen üblich sind, ein gobelinartiges Muster auf einfachem Taftetgrund erzeugt wird. Die an sich sehr lockeren Gewebe gewinnen durch die Tasfetbindung eine Haltbarkeit, die ihnen sonst nicht eigen sein würde. Das Charakteristische derselben ist, daß sich die Kette für jeden Schußfaden in zwei gleiche Teile spaltet, sodaß die aufeinander folgenden Kettfaden einmal über und einmal unter jedem Schußfaden liegen. Kein anderes Gewebe besitzt so viele Kreuzungs- und Ver­bindungsstellen, wie die mit Taffetbmdung, was selbst­verständlich ihre Festigkeit wesentlich erhöht.

Ferner sind unter den nordischen Webereien die bunt» gestreiften wollenen Schürzenstoffe zu erwähnen, die in der Regel auf dem gewöhnlichen Handwebstuhl, der in vielen Gegenden Deutschlands von den Landfrauen benutzt wird, verfertigt werden. Sie weisen, was zum Teck schon durch die Einrichtung des Webstuhls bedingt wird, Querstreifung auf und ähneln, abgesehen von der größeren Mecke, auf-