744
Vermiete»
lich
er
.eitern abend habe ich etwas von Ihnen , gesehen, die Sängerin, wissen Sie, es war ein Himderilireschein, den Sie der Annen auf den Teller legten. Ich habe es gesehen, durch Zufall, meine’ Augen sind scharf."
„Und ich will Ihnen sagen, warum ich es getan habe weil es für mich in der Welt nichts Unglücklicheres gibt, als einen unvollkommenen Künstler, der nicht kann, was er tvi.II 11
„Sehen Sie, das hat mich getroffen. Gneil großen Künstler» beleidigt ;n haben, war mir schon unangenehm, aber einem guten Menschen wehe zu tun, das ist mir unmöglich. Und seit gestern abend weiß ich, daß Sw ein guter Mensch sind."
(Fortsetzung folgt.)
Redaktion: «uzust Gütz» — Motatienkdruck und Derlaa der Brühl'schen UniverMM-V«O und Steindruckerei. R. Lange, Gießen
gottesdienMchen Amte. Als wir ihck verließen, hatten wir den Eindruck, daß er seiner Rolle lebte, daß sie ihm zu Fleisch und Blut geworden war. Und die Aufführung des Passionsspiels bekräftigte diesen Eindruck. Die Art, wie er gegen alle landlänfigen Schauspielerregeln jedes äußere Ueicheu des Affekts zurückdrängte und in allen Momenten der Handlung und des Leidens den Grundton der unerschütterlichen Milde und Sanftmut festhielt — war trotz einer gewissen Monotonie nicht nur originell, sondern auch höchst eindrucksvoll. Unvergeßlich ist mir namentlich bte Szene, in der Christus die Wechsler aus dem Tempel jagt. Keine Spur von Erregung, Zorn oder auch: nur moralischer Entrüstung war in dem Gehaben dieses Christus. Ruhig, wie unter dem Eindruck einer inneren Nötigung, sprach er die Textworte, ganz leise rührte er mit der Geißel in seinen Händen, und, als bann bie Hinausgewiesenen, tote von einem Tonnerschlag getroffen, hinausstürzten, hatte mau bte unvergleichliche Wirkung des Wunderbaren. Schau- spieler toitrben das eine „Nuanee" nennen; aber es war nichts Einstudiertes, sondern natürlicher Ausdruck der Innerlichkeit, der Intuition, die einer ganz naiven Etn- bilduuciskraft entsprang. Mayr hat später — tn höheren Jahren — die Christusrolle an Lang abgetreten und stch bdinit begnügt, den verbindenden Text zu den Bildern zu sprechen; das merkwürdige weihevolle Wesen ist ihm bis an sein Lebensende eigen geblieben.
bezetchuen. Auflösung in nächster Nummer
Auflösung deS Merkrätsels in vor. Nr.r
Wiedehopf.
bürtig 'an. Es sollte zu Weihnachten als Geschenk für unsere jungen Mädchen heraugezogen werden.
Töchter-Album. Begründet von Thekla von Gumpert. Herausgegeben von Berta Wegner-Zell, ^ahr- gang 1903. (49. Band des ganzen Werkes.) Mtt 10 Farbendruckbildern, drei Beilagen und zahlreichen Abbildungen im Text. Elegant gebuttden 7,50 Mk. — Ein Jahrbuch, das sich nun fast ein halbes Jahrhundert aus der Hohe erhalten hat, bedarf keiner besonderen Empfehlung mehr. All die Familien des In- und Auslandes, tn denen es nun seit Generationen eingebürgert, wtssett am besten, welch einen Schatz an Unterhaltung, Belehrung und Forderung des Gemütslebens unserer Heranwachsenden Jugend jeber dieser umfangreichen Bände bietet.
DreigroßeTondichter, Karl Maria von W e b er, Franz Schubert, Felix Mendelssohn - Bar tholdy. ^n biographischen Erzählungen von Gn.cav Hocker. Mtt^dret Porträts. Elegant gebuttden 3 Mk. Glogau, Karl Flemming. Ten Lebensgang dieser Drei schildert der Verfasser tn „-------, wahren Lebensbildern, die Mer, der für Musik, ihre Cut
miiderter Gestalt. Seine Bewegungen,waren sanft und feter- wtcklungsgeschichte und ihre großen Meister Sinn hat, gern hatte sich offenbar ganz in seine Rolle htneut- ^wder und wieder lesen wird.
seine Sprechweise war langsam, letse uno doch | ______
gelebt — _T-_,_____.........,
nachdrücklich, hatte etwas ttatürlich Pathetisches, das sich in I seltsamer Weise mit der Mundart verband. Er erzählte I gern, ohne daß ivir die Rolle der Interviewer spielen I mußten. Er sprach davon, daß er öfter von Fremden, bte I mit dem Theater zu tun haben, ausgesucht werde, so sei I kürzlich Herr v. Pilsen aus Berlin bei ihm gewesen (er 1 l
meinte offenbar den .Hoftheaterindentanten von Hülsen; I nse Bnckstaben zu
der Name einer Station an einer vielbenutzten Bahn nach Statt der Stiche snd'edesnal M Die eingesügten Bayern lag ihm eben näher). Dann berichtete er davon, setzen, so daß^bekanntt HatKw-rt« äi!cI)eS Laut
daß er im Vorjahre (1870) zum Militär einberufen ge- 1 Buchstaben müssen tm Ityannnenyang Wesen, aber durch die Gnade des Königs um, seiner Ober- ammergauer „Verpflichtung" willen vom Kriegsdienst be- freit worden sei. In diesem Zusammenhänge, wie in anderen Mitteilungen sprach er von seiner Christusdarstell- nng nicht wie von einem Spiele, sondern wie von einem
FÄllriitsel.
Nachdruck verboten.
—tttic, U ' alb, W । ■ te.
* Der Christusdarsteller Mayr. Der Hingang des Oberammergauer ChristusdarstellerS Mayr, der am 1. Dezember in München (auf der Deckertschen Klinik) dahinqeschieden ist, weckt 'Erinnerungen an die altere Blütezeit des berühmten bayerischen PassionssptelA. Ein Ge- denkutann jener Tage schreibt der „Voss. Ztg. : ^ch lernte Mayr zu einer Zeit kennen, da sein Ruhm eben tm Aufgange war, und da seine Mitbürger von Oberammergau ihn noch nicht zu ihrem Haupte, zu ihrem Gemeindevorsteher
erkoren hatten. In Gesellschaft des von Gattin und Sohn Stttmitllt*
begleiteten Schauspielers Edmund Sauer, der spater den | ®
Berlinern als'trefflicher Heldendarsteller des Kgl. Schau- Königin Luise. BonElisab eth Halden (Agnes spielhanses bekannt geworden, reifte ich tm August 1871 Breitzmann). Mit Lichtdruck. Oktav-Format. In vornehmem nach Oberammergau, wo sonst bie Passionsspiele am Attv- z Lein enb and. Ladenpreis 4 Mk. (Verlag von H. I. Met- gang des Jahrzehnts stattfanden, diesmal aber des Krieges bin(.er itt Berlin SW. 48.) lieber das Leben der Königin wegen um ein Jahr später, als sie - dem Herkommen Luise, die für alle Deutsche stets das Ideal edler Weib- gemäß — angesetzt waren. Es war ein seltsamer über» ltd)lteit gwweu wird, beschert uns Elisabeth Halden ein kost- raschender Eindruck, die Apostel in ländlicher Tracht, wie ^ches Buch. Es ist ihr gelungen, neben dem Geschick der sie später Uhde mit allem Raffinement künstlerischer Absicht Königin, das in erster Linie fesselt, unser Interesse auch dargestellt hat, den Petrus mit dem charakteristischen runden I bett Kreis der übrigen handelnden Personen auf das Haarschopf und der von einem Backenkraiiz umringelten i ^ghafteste zu erregen. Tas geschmackvoll und vornehm aus- halbmondförmigen Glatze, den, Johannes mit den langen, | aestattete Buch reiht sich an Tiefe des Gemüts und Innigkeit straften blonden Haaren zu feiten des länglichen, glatten I E^pfindulig den anderen Werken der Verfasserin eben- Jünglingsgesichtes, ihren Geschäften nachgehen zu sehen. । ■■ -------- -ra f'-
Chriftus-Mayr, von dem damals schon viel gesprochen wurde, war nicht sichtbar; da wir den Wunsch hatten, ihn im Privatleben kennen zu lernen, wandten totr uns an den Avant, der durch einen überaus üppigen, verwilderten Haarwuchs kenntlich! war (er wurde und wird wohl auch, noch heute als kraftstrotzelider Urmensch dargestellt) und der im Gegensatz zu seinem unzivilisierten Aussehen überaus gefällige Vater der Menschheit geleitete uns sofort zu feinem verehrten Mitbürger. Wir traten in bie Parterrestube eines sehr schlichten Bauernhäuschens, in eine Bildschnitzer Werkstatt, deren Meister (offenbar von keinem „Lanipenfteber belästigt) seiner täglichen Beschäftigung oblag und sich bet unserem Eintreten erhob, um uns mit einer leuyten, abgemessen feierlichen Verbeugung zu empfangen. Mayr war eine frappierend interessante Erscheinung; schlank, hoch, der bleiche Kopf mit dem langen, gewellten Haar und dem schmalen Bollbart fesselnd durch die bleicheu, felueu, etwas knochigen Gesichtszüge und das milde Licht in den tiefliegenden Augen — der nazarenische Christustypus in ge-


