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4,Auch das war noch nicht die Hauptsache, nein. Aber

das haben Sie von so oft und so viel

er schnell. Ihr Loh selbst nicht, warum, war es der Wechsel

Nein, nein, gewiß nicht. Tas kam erst in allerletzter Linie. Tie Hauptfachs war mir, meine Seele wieder frei zu haben, sonst kann ich nicht atmen. Und dann wenn ich auch lange Zeit ein Vorurteil gegen die Künstler ge­habt habe, ja, vielleicht selbst jetzt noch ein wenig habe, trotz der Erkenntnis meines Unrechts die Kunst habe ich doch immer ungeheuer geliebt. Und jetzt darf ich es Ihnen ja wohl sagen, welche getvaltige Eindrücke ich gerade durch Ihre Kunst empfangen habe. Sie sind der einzige Sänger, von dem ich eine Wagnergestalt vollkommen ver­körpert gesehen habe. Ich bewundere Wagner sehr, io ernt ich mir auch meinen Mozart und Beethoven und Weber nicht durch ihn aus dem musikalischen Paradies vertreiben lasse, und habe auch seine Schriften ein wenig studiert. Und da habe ich, wie gesagt, noch niemals jemanden gefunden, der seine Absichten so bis ins kleinste zur Tüt mackt und dabei doch eine starke Individualität in jedem Augenblick so sehr bewahrt. Aber anderen, klügeren Leuten ja schon besser gehört, daß ich"

Von niemandem lieber", sagte tat ihm ungeheuer wohl, er wußte Mar es die Freiheit ihres Urteils, von Krieg zum Frieden, was ihn so sanft berührte? Jedenfalls blieb das Gefühl und erfüllte ihm die Brust mit angenehmer Wärme.Tas also hat Sie dazu be­wegt?" setzte er fragend hinzu. Er wolle sie gern wieder sprechen hören.

i kicher, wurde rot, zauderte noch eine Sekunde und sagte dann, ihn fest anschauend, und die Augenlider sehr schnell bewegend:Herr Rauchmann, ich habe Sie um Verzeihung zu bitten." . 0 ö

«Wieso, gnädiges Fräulein?"

, e®?0 t# Sie beleidigt habe, vorgestern auf der Fahrt. Ich habe Ihren Stand beschimpft, ohne genügende Ursache dafür zu haben. Nach einem einzigen Beispiel, oder auch nach einem halben Tutzend, darf man über eine ganie Menschenklasse nicht aburteilen; das haben Sie-mir vor­gehalten, und Sie haben reckt gehabt. Mein Stolz hat es zuerst nichtzugeben wollen; ich habe mich tüchtig gegen die Erkenntnis gewehrt, daß ich im Unrecht war. In dieser Nacht habe ich wenig geschlafen, da ist es mir klar geworden. Und wenn ick etwas für richtig erkannt habe, dann, führe ich es gern möglich schnell zu Eiide. Darum bin ich denii auch hier und bitte um Verzeihung."

Sie beschämen mim, gnädiges Fräulein".

Einen Moment betracktete sie ihn wieder prüfend ein wenig unzuftieden, wie es schien.Sie sagen das in einem Ton wie jede andere HSflichkeitsphrase. Ich glaube. Sie sind mir doch n.chs böse. Tas täte mir sehr leid; denn ich kann Sie versicyern"

. Ta sie stockte und abbrack, führte er den Satz zu Ende, wie er sich ihn dachte. Sein Ton war jetzt wärmer und herzlicher.Taß es Ihnen nicht leicht geworden ist, diese Bitte um Verzeihung auszusprechen, 'meinen Sie? A.OS5 kann ich mir vorstellen. Ich denke mir's furchtbar schwer sogar."

Nun, ganz schlimm ist es auch nicht." Sie lächelte bor sich hin; es war ein feines, humoristisches Lächeln. Probieren Sie's doch einmal."

Probieren, wieso?"

Mir scheint eigentlich. Sie sind an der Reihe damit. Tenn so ganz korrekt haben Sie mir gegenüber sich doch auch wohl nicht verhalten."

Ich um Verzeihung bitten?" Er runzelte die Stirn und preßte die Lippen zusammen; als er aber <K>ith ansah, und ihren Augen begegnete, die jetzt ganz fest und offen auf ihn blickten, da fühlte er eine plötzliche Wandlung, in seinem Innern.Recht haben Sie eigent­lich", sagte er freundlich.Probieren wir's also einmal. Eins, zwei, drei, los: Ich bitte hiermit feierlichst um Verzeihung."

Er hatte ihr die Hand entgegengehalten, und sie schlug fröhlich ein.Gewährt, gegenseitig. Und von heute ab gute Freundschaft, nicht wahr?"

Gute Freundschaft, gewiß."

Es wäre ja sowieso garnicht durchzustihren gewesen mit unserem Kriegszustand. Hier auf dem engen Raum, wo man sich täglich und stündlich begegnet"

Also nur darum?"

Wille hob gleichfalls die Hände und stimmte ein in den Die Sängerin lächelte lieblich und verbeugte sich wreder und wieder, noch einmal bedauernd und ent­schuldigend an ihre Kehle fassend, während die Hönde der beiden feindlichen Menschen, die kein Wort Mehr zu einander sprachen, zu gleichem Beifall ineinander klangen. Nun erhob sich Rauchmann rasch, verbeugte sich leicht gegen feme Nachbarin, noch flüchtiger gegen die beiden anderen Tanien und verließ den Saal.

Ter Sänger hatte inzwischen auf seinem Zimmer heizen lasten; die Zweige von Olivenholz knisterten im niedrigen Ofen, es war behaglich und warm. Rauchmann trat für einen Augenblick aus den Balkon hinaus, doch floh er alsbald in das Zimmer zurück. Es regnete noch immer fort; auf dem schwarzgrauen, bewegten See ließen die weißen Wellenkämme sick auch jetzt erkennen und das Anschlägen der Brandung ans Ufer tönte unfreundlich em­por. Eine Weile noch ging der Sänger auf und nieder, sein Blut war seltsam erhitzt und in Wallung, dann streckte er sich auf die eiserne Bettstatt, prüfte mit Rauchern den Zustand seines Halses, wunderte sich nach deutscher Art abermals ein paar Minuten lang, daß es ^uch in Italien schlechtes Wetter gab, und versank trotz des Widerspruches erregter Nerven bald in Schlaf.

Beim Erwachen am anderen Morgen begrüßte ihn ein warmes, dunkelgelbes Licot, das vom Fenster herkam. Sich umwendend, sah er die festen, braunen, hölzernen Fenster- laden, die er geschlossen hatte, von außen gleichsam an- gegluht, so daß der Spalt zwischen ihnen mit einem Licht- strom von jener dunkelgelben Färbung angefüllt war. Auch den Regen hörte der Sänger nicht mehr und das Wellenrauschen tönte gedämpfter. Sollte wirklich, rasch erhob er sich, eilte zum Fenster und schlug die Laden zu­ruck, um gleich die Augen geblendet zu schließen vor dem gewaltsam hereindringenden Sonnenlicht. Tann aber I schaute er blinzelnd zwischen den Lidern hervor - warum mußte er dabei schon wieder an Edith imd an ihr zwinkern­des Anschauen denken? und sah die Welt da draußen leuchtend verwandelt. Ter Himmel war blau, der See von gleicher, nur tieferer Farbe, die Sonne warm, hell Und lachend!

Nun, ganz so übel schien Italien denn doch nicht zu drunten war ja auch ein Garten mit allerlei Grün, letzt im Februar! Ein wenig anders, als in Deutsch- land, sah es Wotan heute schon aus! Sein Hals, damit war es noch dasselbe, das fühlte er, zu seinem Erstaunen eigentlich; bei solchem Sonnenschein mußte es doch bald besser werden. Jedenfalls konnte man es unter so ver- wandelten Verhältnissen eine Weile mit anschauen iind durfte es wohl wagen, die Koffer auszupacken.

guter Laune kleidete Rauchmann sich mit behaa- I kicher Langsamkeit an und sand, als er fertig war, daß I der Helle, aber doch noch warme Anzug, den er sich vor- I besucht hatte, ihm vortrefflich stand in dem klaren, voll | heremflutenden Lichte. Mit sich selbst zufrieden, stieg er hinunter in den Speisesaal zum Frühstück. Er war einer I der letzten; seine Nachbarinnen fehlten auf ihren Plätzen, und nur gegenüber an der anderen Seite der Tafel sah er .em paar fremde, mit Eifer und Zweckbewußtsein kaueride Gesichter. Ter Kakao war gut, und das erhöhte noch des Sangers zufriedene Laune.

Ten Mantel umhängend, trat er nach dem Frühstück ui den , Garten hinaus, in den leuchtenden | Sonnenschein. Hier draußen war es wirklich ganz nett! | Rauchmann verstand nicht viel von Blumen und Pflanzen, | ~ eL' butte sich niemals arg. darum gekümmert, j cber das sah er doch, daß ein paar Palmen und andere I nnmergrune Sach>en hier wuchsen, und das ja, das dort waren ZrtronenbäuMe mit gelben, reifenden Früchten! I Prt-r du ^dstne, die brannte schon jetzt in der Morgen- I k^uhe so krafng, die Gäste des Hotels wandelten, meist I ^bpe Hut und Mantel, auf dem rasch getrockneten Kies I

"'bder, nein, Italien war in der Tat nicht I so übel. 1 I

Um nun wirklich an seine Koffer zu gehen und aus- zupacken, wandte sich Ranchmann zum Hause zurück. In dem Moment aber, als er die Tür zu,n Flur öffnete prallte er ein wenig zurück; denn er sah sich Edith un­mittelbar gegenüber, die in den Garten hinaustrat Er grüßte mit derselben kühlen, fremden Höflichkeit, wie am Abend zuvor, sie aber neigte den Kopf tiefer und fteund- |