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es gerade dem Mittelstände, der fern von der Unruhe und dem Getriebe der Großstadt sich eines behaglichen ruhigen Heimes erfreuen will, eine erwünschte, nicht zu teure Unterkunst. Kaufleute und Gelehrte, Architekten und Angestellte, deren Beruf sie täglich nach Frankfurt führt, wählen mit Vorliebe Oberursel als Wohnsitz, was sie um so eher können, da die Stadt gute Schulen besitzt und alle Lebensbedürfnisse preiswert zu haben sind. So sind, dem Bedarf entsprechend, neue Straßen mit schönen Wohnhäusern für eine oder mehrere Familien entstanden, alle von Gärten umgeben und praktisch, der Neuzeit entsprechend, ans?- gestattet.
Oberursel wird schon im Jahre 792 erwähnt, seine Kirche wurde von Ludwig dem Deutschen an das Domstift zu Frankfurt g/eschenkt. 1444 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Städtchen Stadt- und Marktrecht, es gehörte zur Herrschaft Königstein und kam mit dieser an Kurmainz, von dem es 1803 an Nassau fiel. Oberursel war Hauptort des Höhenmark, einer Waldgenossenschaft, die sich tief in den Taunus hinein erstreckte und an der 28—30 Dörfer Anteil hatten. Die erhaltenen Weistümer reichen zwar nur bis 1401 zurück, doch ist die Institution eine ursprüngliche, mit der ersten deutschen Besiedelung gleichzeitige. Die Mark war der Märker rechtlickDs Eigentum, Märker war jeder der Einwohner der berechtigten Orte, der „eigenen Rauchs hatte. Im Laufe der Zeit kam es natürlich zu vielen Uebertretungen der ursprünglichen Satzungen, jeder suchte, wenn auch widerrechtlich, möglichst viel aus dem Walde an sich zu reißen, sodaß es nach vielerlei Streitigkeiten und langen Unterhandlungen im Jahre 1813 zur endgiltiaen Teilung kam. In und um Oberursel sind viele Fabrikbetriebe und zahlreiche Mühlen, die der Ursel- Lach mit Wasser versorgt. Der Wald ist nicht sehr nahe; man muß ein gutes Stück in der Sonne pilgern, Lis er erreicht ist. Wer oben angelangt, an der Hopfschen Villa, die weit und weiß in das Land hineinleuchtet, welch umfassender Blick tut sich uns auf, in die Mainebene und nach dem Spessart, nach Homburg und auf Oberursel selbst. Jetzt srnd wir im Schatten und in der Kühle des Waldes, die uns den ganzen Tag nicht mehr verlassen, im richtigen Taunuswald. Der „Ravensteintempel" ladet zur Ruhe ein, und tote verzehren hier mit gutem Appetit das mitgebrachte Frühstück. Wie herrlich sitzt es sich hier; wir lassen die Schönheit und Einsamkeit des Ortes auf uns wirken und nichts stört uns als der Anblick der ringsumher verstreuten Butterbrotpapiere und Eierschalen. Der Tempel ist ja ein beliebter Frühstücksplatz und scheint am vorhergegangenen Sonntag fleißig besucht worden zu sein. Daß die meisten Menschen so wenig ästhetisches Gefühl besitzen und kein Verständnis dafür, wie sie die Schönheit des Waldes durch gedankenlos htngeworfenes schmutziges Papier und Ueber- reste ihrer Mahlzeiten entheiligen.
Wir biegen nun rechts in den Waldweg, der nach der Hohemark führt; eine Lokalbahn verbindet diese Ansiedluna mit Oberursel, aber wer gut zu Fuß ist und keine Eile hat, der totrb den Fußweg dahin vorziehen. Die ehemals so betriebsame „Spinnerei" mit ihrem Häuserkomplex liegt still und tot vor uns, kein Rauch entsteigt den Schornsteinen, kein Rad dreht sich, sie hat liquidieren müssen und harrt eines Käufers, der sie zu neuem Leben erwecken foll.^ Der alten Restauration Hohemark ist in dem neuen Waldlusthotel eine Konkurrenz entstanden, Sommerfrischler finden da gute Unterkunft. Dicht dabei liegt das Lehrer- innenheim, Altersheim und Erholunashaus für Lehrerinnen, ^as Haus macht einen schmucken Eindruck, von einem Garten umgeben enthält es 29 vermietbare Zimmer, Wohnung für die Vorsteherin, Bade- und Wirtschaftsräume, einen schonen, luftigen Speisesaal mit anstoßender, gedeckter Veranda, Salon, Lese- und Musikzimmer und reizende, in denen e§ sich, gxschMt vor Wind und Wetter, behaglich sitzen läßt. Das Heim ist das ganze Jahr geöffnet und bietet zu mäßigen Preisen sowohl ständige als vorübergehende Aufnahme. In erster Linie für Frank- furter Lehrerinnen Vestimtnt, finden, soweit Platz vorhanden,
S S {0 e Lehrerinnen und andere Damen der N/?^en Stande Unterkunft. Wie manche müdgearbeitete, ^ele wird sich dort erfrischen und bei be- en emem sorglosen, ruhigen Lebensabend ent- gegengehen Hochbeftiedigt von dem Gesehenen verließen F? das uns die liebenswürdige Bor-
Wte™ dom Boden bis zum Keller gezeigt
Wir verfolgen den Waldweg, der nach Cronberg führt, tiefer, heiliger Waldesfrieden umgibt uns, über uns wölben sich die Gipfel der mächtigen Buchen und Eich- bäume, durch die der dunkelblaue Himmel lacht. Der Waldesboden ist bedeckt mit farbigen Pilzen aller Art. Wir kommen an der neuerbauten Nerven- und Heilanstalt Hohemark vorbei, die in ein paar Wochen eröffnet werden soll. Nach ungefähr fünfviertelstttndigem Gehen erreichen wir das gegen Schöneberg hin am Wäldesrande gelegene Kinderheim, das diesen Sommer eröffnet worden ist. Er dient kränklichen, erholungsbedürftigen Schulkindern, Mädchen im Alter von 6—14 Jahren zum Erholungsaufenthalt. Im Parterre liegen die große Küche, Badezimmer mit Douchen und ein Raum für die Spiel- und Bücherschränke usw. Im ersten Stocke ist der Schlafsaal. Das Zimmer der Leiterin liegt daneben, auf demselben Vorplatze noch die Schlafräume für den Hausverwalter und seine Frau und das Dienstpersonal. Die jugendliche Leiterin, läßt ihre Heimkinder singen, spielen, tanzen und turnen, zieht mit ihnen in den Wald, nm Beeren zu pflücken und lehrt sie von einfachen Wald- und Wiesenblumen prächtige Sträuße binden, die dem Speisesaal dann zur Zierde dienen.
Vor den ^„Ferienkolonien" hat diese Stiftung den großen Vorzug, daß das Haus den ganzen Sommer über, später auch im Winter, benutzt wird und in hygienischer Hinsicht viel mehr Garantien bietet als die Unterkunft in Wirts- oder Bauernhäusern.
Die Sonne war untergegangen, es war Zeit, an die Heimfahrt zu denken, die von Cronberg aus erfolgte. Der Abendhimmel bedeckte sich mit feuriger Glut, die ihren Abglanz auf die malerisch vor uns liegend ■ 9"-dschaft warf. Wie schön ist doch unser Taunus, imr ■ Reize entdeckt der, der ihn mit offenem Auge un durchwandert. Warum in die Ferne schweifen, sie., .. Schöne liegt so nah, variieren wir und schließen mit den Worten unseres unvergeßlichen Stoltze, dieses wahren Taunus- freundes :
Dir neigt der holde Friede sich zum Gruße
Und Mit deine schönen Täler ganz;
Dir neiget sich die Anmut und die Muse
Und bieten dir den Schleier und den Kranz;
Dir neigt die Schönheit sich und schließt die Reihe Und druckt dir auf die Stirn den Kuß der Weihe.
E. C.
— A ls V o rb o t e d er Weltausstellung in St. Louis ist soeben ein Albuin erschienen, ivelches in Wort und Bild die D eu t s ch-Tiro le r Alpen schildert, die zu den ersten Sehenswürdigkeiten jener Ausstellung gehören werden. Bereits aus der vorjährigen Düsseldorfer Ausstellung fand das Unternehmen Zustimmung; nach den Plänen seines Erbauers, Hermann Knauer, ivird es am Mississipi in fünffacher Vergrößerung erstehen. Die von der Berliner Baufirina Boswau u. Knauer Ges. m. b. H,, übernommenen Arbeiten sind in vollem Gange
Merkrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Laune, Astern, Herrschaft, Wicke, Licht, EraSmus, Mainz, Kaiser, Stendal, Fritz, Summe.
Von jedem der vorstehenden Wörter sind 2 nebeneinanderstehende Buchstaben zu merken, die alsdann im Zusammenhang gelesen eine hohe Staatsbehörde bezeichnen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Worträtsels in vor. Nr.t Rheinländer.
Die neue Winlermode.
(Berliner Originalbericht.)
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktnr, Dresden-^.
Tie Hast und Schnelligkeit, die unserer Zeit eigen ist, findet auch ihren Ausdruck in dem schnellen Wechsel der Moden. Kaum ist eine neue Mode entstanden, so wird sie durch die Leistungsfähigkeit der mit dem Bekleidungs- wesen zusammenhängenden zahlreichen Industrien so allgemein verbreitet, daß sie ihre Exklusivität in aller Kürze wieder einbüßt. Diese Sachlage weist die Frau von Ge-


