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nur das obere sächsische Vogtland, welches von den Beben ziemlich heimgesucht wurde, diesmal ist das gesamte Bogt- land bis Plauen davon betroffen.
Einen besorgniserregenden, ja beängstigenden Charakter nahmen die Erderschütterungen am Donnerstag, am Frei-, tag und zum Teil in der Nacht zum Samstag an. Ans der Nnmasse der vorliegenden Berichte seien nur einige wenige charakteristische Momente herborgehoben: In Oelsnitz und Boqtsberg hatte man an den genannten Tagen das Ge-! fühl, al» ob der Boden sich hebe, in Brambach bei Oelsnrtz wurde beobachtet, daß der Boden nach den einzelnen Stößen noch Minuten lang nachzitterte. In Raun bei Brambachs erhielt das Schnlhaus in der Nahe der Grundmauern lange Risse. In Schöneck trieben die unablässigen nervenerregen-, den wellenartigen Erschütterungen viele Einwohner nur notdürftig bekleidet des Nachts auf die Straße; Aufregung und Schreck waren allgemein. Am heftigsten wurden tue Erschütterungen in den direkt auf den Felsen gebauten Häusern gespürt. In Arnoldsgrün bei Schoneck war es, als ob die Häuser hochgehoben würden; der Wasserstand verschiedener Brunnen ging nach den heftigsten Stoßen um etwa zehn Zentimeter zurück. Irr Unter-Sachsenberg ber Auerbach war die Erregung besonders groß, namentlich imter den Frauen und Kindern, da die aus Holz erbauten Häuser zu krachen begannen, die Schellengeläute in den Ställen ertönten und zahlreiche Gegenstände zur Erde fielen. Zn Treuen i. B. stürzte bei einem starken Stoße eut Kind aus dem Bett, und ein Klavier wurde ein Stuck von der Wand abgerückt. In Reichenbach gerieten tue tut Bette ruhenden Personen iu schaukelnde Bewegung. In verschie- b en eit Kohlenbergwerken des Zwickauer Bezirks fuhren die Bergleute wegen der drohenden Einsturzgefahr wieder aus. Zu 'Markneukirchen bei Zwickau waren gegen Morgen alle Wohnungen erleuchtet und hunderte von Menschen auf der Straße. In Klingerthal bei Zwickau dauerten die Stotze fast ununterbrochen an; Leuten, die sich auf dem Berge anqebaut haben, war es, als ob ihr Haus die ganze Rächt hindurch auf einem mit brodelndem Wasser gefüllten Kessel stünde. In Asch (Böhmen) waren die Erdstöße von gewaltiger Vehemenz; auch hier war alles auf der Straße, Kinder und Frauen weinten, in den Häusern erwsch das elektrische Licht; in den Felspartien ber Haslau lösten sich große Felsblöcke ab und stürzten zu Tal. In Graslch (Böhmen) wurden mehrere Häuser stark beschädigt, und auf dem Hausberge entstand eilt weitklaffender, drei Meter breiter Erdriß. Die Mauern der Gebäude kinrschten und die Dachbalken ächzten. Die erschreckten Schläfer sprangen entsetzt aus den Betten auf die Straße, viele waren nicht zu bewegen, in ihre Behausungen zuruckzukehren und htelEn die Nacht hindurch trotz der Kalte auf der Straße aus. Ein Teil der Friedhofsmauer stürzte em. Die Erregung war mitunter panikartig; man war auf alles gefaßt. Auch in Karlsbad wurden die Erschütterungen verspürt; man batte Besorgnis wegen der Heilquellen, doch sind dieselben bisher unbeeinflußt geblieben. In Greiz (Thüringen) war, wie dem ,/Vvgtl. Anzeiger" geschrieben wird, die Verwirrung gleichfalls groß, Pendeluhren blieben stehen, lose Knflänk »l« IW. u»d i-rbraA". und die Empfindung einzelner war, als ob sw auf Wellen schaukelten. Von den Bewohneril einer ganzen Straße blieb nicht einer im Hause, da man glaubte, die Mauern stürzten ein. Ueberall waren die Stone von donnerahnlichem Rollen begleitet, vielfach aber auch, namentlich in Asch, von kanonen- schußartigen Detonationen.
daß der „Messias" schon in seinen Anfangsversen die ersten Keime der von Wilh. Jordan vor einem halben Jahrhundert bewußt erneuerten Stabreimpoeste enthält DaS Kunstgesetz Homers, -die architektonische Anord- ililug des epischen Stoffes bei Homer hat Klopstock noch nicht entdeckt, und die charakteristische Ausstattung des epischen Verses mit rhapsodischen Hauchen, die die tönende Deklamation so wesentlich fördern, verspottete er sogar gelegentlich einmal. . , ■
Schöneres und Bleibenderes beim als Epiker hat Ktop- stock als Lyriker in seinen Oden geschaffen. Hier ist er wahrhaft klassisch, vermählt er den Geist des Altertums mit bent seiner eigenen Zeit. Die herrlichsten sind ferne Liebesgesänge an „Fanny" (lute er seine Koustne Marte Schmidt nannte) und an „Eilli" (Meta Moller, ferne spatere Gattin) und seine dem Baterlande und seiner großen Geschichte und Sage gewidmeten Oden. Die germanisch-nor- dische Mythologie hatte schon den Jüngling mächtig gefesselt; der Messias hatte ihn abgewaudt von seinem anfangs betretenen Psade vaterländischer Dichtung. Als er sich von dieser Bürde befreit hatte, da faßte er den Plan, eine nationale dramatische Kunst dem deutschen Volke zu geben. In mehreren kraftvoll wuchtigen Oden schon hatte er Deutsch- lands alte Heldengestalten, hatte er Hermann und Thusnelda zu neuem Leben erweckt und der Jugend einen köstlichen Quell tüchtiger Gesinnung, geistiger Hoheit, lebensfroher Kraft erschlofsen; nun ging er daran, den Befreier Germaniens in einem Dramencyklus zu verherrlichen. Hier führte er für die Chorgesänge den Namen „Bardiet" (von barditus") ein. Er verwechselte dabei mit den „Barden", den Sängern der Kelten, die „Skalden", die Sänger der nordischen Stämme. Doch wie seine anderen, seine biblischen Dramen, sind auch diese verschollen, mit Recht; denn sie bedenten den unglücklichsten Wurf, beit der Dichter getan bat. Wie mancher unter unseren Neueren die deutsche Sagenwelt nach dramatischen Stoffen mit Glück durchstöbert m kluger Berücksichtigung des neu erstarkten deutschen Patriotismus, so entsprach auch jener Zett die Don Klopstock betätigte dramatische Verherrlichung vaterländischer Heldenzeit in gewissem Sinne einem Zeitbedürfnis. Mer der Dichter "vermochte nicht mehr wie einst die Sprache zu meistern; kalt und gedrechselt klingen nicht nur m seinen, übrigens ganz und gar undramatischen Dramen bte Verse des alternden Poeten, die Gedanken sind geschraubt, der Satzban wird grillenhaft, der Ausdrnck dunkel und künstlich, es überwuchert ungemein die Reflexioii.
Verständnislos steht der alte Klopstock auch denjüngeren Dichtern seiner Zeit gegenüber. Der einst so Liebenswürdige, so gesellig Frohe, der milde Kinderfreund und Berherrlicher be« Eislaufs, der noch nahe an der Siebzigerecke zum zweitenmale zu heiraten sich hatte entschließen können (Johanna Elisabeth von Winthem, die Nichte seiner ersten Gattin), begriff die neue Zeit nicht mehr. In deut letzten Lustruin seines Lebens war ob feines Grollens und Zürnens gegen die Jüngeren, die Kommenden, des silberhaarigen tatenumgebenen Greises beredter Mund fast verstummt; nur selten nocki klang ein Vers auf vom langsam dahinsiechenden Barden. _ , ,,
Seine Zeit kommt nicht mehr heran, er hatte sich schon bei Lebzeiten überlebt. Aber auch in den spätesten Zeiten des deutschen Volkes verdient er nicht nur genannt, sondern auch gekannt zu werden als einer der edelsten Deutschen, dessen Flammenworte hinströmten zum Ruhme unseres Vaterlandes.
Tie Erdbeben in Sachsen und Böhmen dauern, wie der „Darmst. Ztg." aus Plauen i. B. unterm 8. März geschrieben wird, noch immer an und unterscheiden sich von den Erderschütterilngen früherer Perioden nicht nur durch die außerordentliche Heftigkeit und Dauer der einzelnen Stöße und deren enorm große Anzahl — au einzelnen Orten wurden allein an einem Tage in der Zett von 2—3 Uhr früh nicht weniger als 30 Stöße beobachtet — sondern vor allem dadurch, daß das 6etc. Gebiet sich nicht Mehr auf das sächsische und böhmische Vogtland beschränkt, sondern sich auch weiterhin ins Erzgebirge und dessen Vorläufer in Sachsen, bis nach Greiz und Rudolstadt, also auf Thüringer Gebiet und über Hof und Eger bis nach Graslitz und Karlsbad ausgedehnt hat. Auch war es sonst
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(Nachdruck verboten.)
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(Auslösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Anagramms in vor. Nr.r
Zeigt die trübe, dunkle Seite
Dir auch oft das Leben,
Fst's vom Bild doch nur der Schatten,
Um das Licht zu heben. Anastasius Grün.)
Redaktion: Curt Plato. - No'atronsdruck und Verlag der Trühl'scke« UniversMs-Vuch- und Meindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


