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Bitte, verlieren Me keine Worte. Ich tat nur meine Pfsicht eine doppelte Pflicht, denn ich stehe in Post­diensten."

Wohnen Sie in Ballybay?"

,La, d. h. ich bringe die Nächte und gewöhnlich auch die Sonntage dort zu; die meiste Zeit aber bin ich mit den Postwagen unterwegs es ist mein Beruf."

Bei diesen Worten wandte er den Kvpf halb zu ihr hinüber und sah sie scharf an.

,Lch bin nur ein armer Kutscher. Glaubten Sie, ich sei Vergnügungsreisender?" Und wieder erschien das halb spöttische Lächeln um seinen Mund.

Miß T'Arcy hatte das allerdings geglaubt, und so traf sie diese plötzliche Ankündigung wie ein unerwarteter Schlag. Trotzdem hielt sie seinen Blick ruhig aus, als sie antwortete: Ob Sie ein Bergnügungsreisender sind oder nicht, weiß ich nicht, jedenfalls aber halte ich Sie für einen Gent­leman."

Einen Augenblick blitzten seine ernsten, leuchtenden Augen ruf, und seine Lippen zuckten eigentümlich. Tann aber entfernte. er sorgfältig mit einem leichten Peitschen­schlage eine Fliege vom Rücken des einen Sattelpferdes uno antwortete lachend:Nun, wenn Sie nach Ballybay kommen, werden Sie es schon bestätigt hören, daß ich nichts weiter bin, als der Kutscher Terence. Tort drüben am Strande kommt Ihr Reiseziel übrigens schon in Sicht."

Daraufhin verfiel er in Schweigen, und es machte den Eindruck, als nehme ihn die Führung seiner Pferde vollständig in Anspruch. Mehr als eine halbe Stunde lang herrschte eine sonderbare eine peinliche Stille zwischen ihm und Miß D'Arcy. Er nahm an, daß der jungen Dame, nun sie seinen Beruf kannte, nichts mehr an der Fortsetzung eines Gesprächs mit chm liege, ja, daß sie vielleicht sogar finde, er habe die gesellschaft­lichen Schranken ohnehin schon überschritten, und so hüllte er sich in stolzes Schweigen. Das Aussehen und Benehmen, der Mut und die Kaltblütigkeit dieses seltsamen Kutschüxs hatten ihre Phantasie angeregt und nicht nur ihre Neu­gierde, sondern auch, was noch schlimmer war, chr In­teresse geweckt. Es entging ihr nicht, wie freundlich alle Leute, die sie auf ihrem Wege antrafen, die Fuhrleute sowohl, als die mit Torf oder Seetang beladenen Männer diesem Terence zunickten oder ihm einen fröhlichen Gruß entgegenriefen. Auch fühlte sie wohl, daß es an ihr gewesen wäre, zu sprechen, und dennoch fand sie angesichts Kiner fest geschlossenen Lippen nicht mehr den Mut dazu. Nun fuhren sie auch schon die lange Hauptstraße von Ballybay entlang und vor das Hotel, aus dem der Wirt und ein Kellner mit einer langen Leiter herausgestürzt kamen, um sie zu empfangen.

Sechstel Kapitel.

Wichtige Belehrungen.

Miß T'Arcy mußte sich nach ihrer Ankunft in Ballybay zuerst einige Stunden ihrer Schwester widmen, deren Nerven sich durch die Erlebnisse im Postwagen noch in hochgradiger Aufregung befanden. Erst als Lady Fanshawe, in ein loses, seidenes Morgen kleid gehüllt, mit einem Weichen Kissen im Rücken und einem Roman in der Hand, auf das Sofa gebettet lag, wurde Maureen entlassen. Fröhlich eilte sie nun in ihr Zimmer, um die Kleider zu wechseln und ihre Koffer auszupacken, wobei sie sich des entlehnten Taschentuchs erinnerte, und es einer neu­gierigen Prüfung unterzog. Es war von guter weißer Seide und roch ein wenig nach Tabak. Sorgfältig faltete sie es zusammen, schrieb auf einen kleinen Briefbogen: M. D'Arcy mit bestem Tunk", steckte beides in einen Um- schlag, und klingelte nach dem Zimmermädchen. Eine kleine, lebhafte, rothaarige Irländerin erschien, bei der sich Mau­reen nach der Wohnung des Kutschers Terence erkundigte; sie übergab ihr das Päckchen mit dem Auftrag, es sogleich

Vne. AEsse M bringen, nicht ahnend, welche Deutung Öte ^iwfnchtige kleine Botin dieser Handlung unterschob.

^ady Fanshawe nahm das Mittagessen in ihrem Wohn­zimmer ein, Sir Greville aber erschien mit seiner Schwä­gerin pünktlich an der Tafel, wo er von mehreren Be- kannten aufs herzlichste begrüßt wurde. Die Zahl der Gaste mochte etwa vierzig betragen, unter denen Sir Gre- vitle seiner Schwägerin einen alten General und dessen Tochter, drei Brüder aus Leeds, eine aus Vater, Mutter und Sohn bestehende Birminghamer Familie, und vor allem eine Mrs. Duckitt bezeichnete, die er seit mehreren

Jahren kannte und als eine besondere nette Frau schilderte. Er sprach dabei die Hoffnung aus, daß sie ein angenehmer Umgang für Maureen und seine Frau sein werde. Voll Interesse sah Maureen zu der kleinen Frau hinüber, die am anderen Emde des Tisches saß. Sie war eine schlanke, heiter aussehende Dame, mit hübsch frisiertem Haar und einer eleganten rosa seidenen Bluse. Zwei Reihen blendend weißer Zähne hoben sich vorteilhaft von den weichen, bräun­lichen Tönen des sonnenverbrannten Gesichts ab. Mrs. Duckitt ahnte wohl, daß über sie gesprochen wurde, denn sie nickte Sir Greville freundlich zu.

Nach Tisch muß ich euch mit einander bekannt machen", sagte er.Sie wird noch eine bessere Führerin für Dich fein, als ein Bewohner des Orts, denn sie kennt seit Jahren Land und Leute im Umkreis."

Kommt sie immer ganz allein hierher?'"

,La, gewiß, sie ist vollständig unabhängig, wie es nur eine reiche, kinderlose Witwe in mittleren Jahren sein kann. Sie hat zwar eine Kammerjungfer bei sich, die jedoch nicht viel von ihr in Anspruch genommen wird, da Mrs. Duckitt sich schon in aller Frühe auf den Weg macht, und häufig vor abends sieben Uhr nicht zurück­kehrt."

Nach dem Essen zerstteute sich die Tischgesellschaft teils ins Freie, teils auf die Veranda. Mrs. Duckitt nahm Miß D'Arcy bereitwilligst unter ihre bewährten Fittige, während Sir Greville von einigen alten Bekannten zu­rückgehalten und in ein eifriges Gespräch verflochten wurde.

Vor allem will ich Ihnen jetzt die Brücke zeigen", sagte Mrs. Duckitt.Hut brauchen Sie keinen, wir sind hier nicht im Hydepark."

Allerdings nicht", erwiderte Maureen, indem sie ihre Blicke über die weite Bucht, über das mit Heidekraut be­wachsene Torfmoor und über die Berge schweifen ließ, deren dunkle Felsvorsprünge schroff ins Meer abfielen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Newyorker Polizei.

Bon E. Osten.

(Nachdruck verboren.-

Je umfangreicher und komplizierter der Bettieb einet Sicherheitsbehörde ist, umsomehr giebt sie z»;r Korruption Veranlassung. Gerade in dm größten Städten, wo die große Zahl von Subalternbeamten den Vorgesetzten die Aufsicht erschwert, neigen die Polizisten besonders dazu, ihre Gewalt zu mißbrauchen. Tas gilt so ziemlich von allen Großstädten; in Newyork aber hatte die Korruption vor einigen Jahren einen so großen Umfang angenommen, daß man sagen Sonnte, die Polizei diene ebenso gut dazu, Verbrecher der strafenden Gerechtigkeit zu entziehen, als dieselben zu verfolgen. Tiefe jedenfalls sehr begründeta Behauptung hat kein Geringerer aufgestellt, als Theodore Roosevelt, der vor feiner Wahl zum Präsidenten der Ver­einigten Staaten Präsident der Newyorker Pvlizeikommission wurde und die ganze Polizeittuppe reorganisierte. Seine Energie und Gerechtigkeit haben wahre Wunder vollbracht, während früher Erpressungen, welche Polizeibeamte gegen Verbrecher ausübten, wie viele andere Vergehen im Amte an der Tagesordnung waren.

Unter dem neuen System einer gerechten Verwaltung hat jetzt ein tapferer und befähigter Mann alle Chancen, bei der Newyorker Polizei glänzende Karriere zu machen. Auch der Geringste kann zu den höchsten Stellen aufrücken. Mut, Verwegenheit und Pflichttrene sind die wichtigsten Vorbedingungen zur Beförderung. Ter Beruf des Polizisten verlangt es aber fast täglich, Tumultuanten und gefähr­lichen Verbrechern gegenüberzutteten, und häufig findet er Gelegenheit, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, oder aus einem brennenden Gebäude ins Freie zu tragen, durch­gehende Pferde aufzuhalten usw.

Tie meisten Bewerber für den Polizeidienst in Neto- York sind Handwerker und Handlungsgehilfen. Toch kommt es auf die Vorbildung weniger an, als auf die spezielle Befähigung für ihre Aufgabe. Ter Jahresverdienst dieser Leute vor ihrem Einttitt bei der Polizei beträgt 2400 bis 4000 Mk. Im Polizeidienst aber erhalten sie bald nach Beendigung der Probezeit 6500 Mk. Von diesem Gehalt kann man bei bescheidenen Ansprüchen auch in Newyork