Nr. 7.
1903.
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(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer.
(Fortsetzung.)
„Der Teufel soll mich holen, wenn das nicht eine famose Idee ist!" murmelte der Mann mit den Zügeln, „ich wollte, ich wäre auch auf diesen Gedanken gekommen — aber Terence ist immer so flink mit seinen Entschlüssen. Fortgeschossen ist er wie ein Pfeil, und läßt mich hier mit einem zappeligen aufgeregten Viergespann sitzen. Hoffentlich gehen sie mir nicht auch noch durch." Dann wandte er sich zu bcn Insassen des Wagens und fragte scherzend: „Hat vielleicht jemand Lust zu kutschieren?"
Mer niemand wollte sich dazu verstehen. Nachdem die Reisenden dann eine kurze Strecke zurückgelegt hatten, bemerkten sie einen verstört aussehenden Herrn, der in atemloser Hast auf sie zugelaufen kam, und keuchend die Worte hervorstieß:
„Der Wagen — der Wagen — der andere Wagen, haben Sie ihn nicht gesehen, wo ist er?"
„Auf der Landstraße, eine Meile weiter nach Bally- bay zu."
„Meine Frau und meine Schwägerin sind darin. Sind sie unverletzt?"
„Na, ich denke wohl!" erwiderte der stellvertretende Rosselenker. „Der Kutscher dieses Postwagens ist über den Berg gelaufen, um den Weg abzuschneiden, und die Pferde womöglich zum Stillstehen zu bringen. Wenn dies irgend einer in ganz Irland zu stände bringen kann, so ist er es."
„Was für einen Weg ging er?"
„Hier die Schafweide hinauf. Hoffentlich kam er zur rechten Zeit an."
„Beim Himmel, wenn nicht, so sind sie jetzt alle mause- tot", sagte ein behäbiger Pächter, „denn kein Pferd der Welt kann den Umrang am Teufelellenbogen im Galopp nehmen."
Sir Greville hörte diese tröstliche Bemerkung wohl kaum, mehr. Schon rannte er wieder vorwärts und zwar in einer Gangart, bei deren Anblick seine Londoner Freunde vor Erstaunen Mund und Mgen aufgesperrt hätten.
; Fünftes Kapitel.
Terence.
! Die endlos erscheindende Anhöhe übte schließlich doch «eine beruhigende Wirkung auf die Pferde aus. Die nicht mehr ganz jungen Stangenpferde fingen an, sich ihres Ungestüms zu schämen, nur der Schecke und das übermütige .Sattelpferd hatten sich noch nicht ganz von der Ein
wirkung des roten Sonnenschirms erholt. Trotzdem hoffte Maureen, daß die größte Schwierigkeit nun überwunden und sie im stände sein werde, das Fuhrwerk siegreich an seinen Bestimmungsort zu führen — vorausgesetzt natürlich, daß sich kein weiterer Zwischenfall ereignete. Als sie die Anhöhe erreicht hatten, wandte sie sich zu ihrem vor Angst zitternden Gefährten und sagte: „Ich glaube, ich kann die Pferde jetzt anhalten, bitte steigen Sie ab' und legen Sie den Hemmschuh an".
„Ich verstehe nichts von Hemmschuhen", brummte er.
Mit Ausbietung all' ihrer Kräfte brachte Maureen die Pferde endlich einen Augenblick zum Stillstehen, und sagte dann mit zorniger Miene und in gebieterischem Toner „Verlassen Sie sogleich den Wagen."
„Das war ohnedies meine Wsicht", antwortete er, blitzschnell vom Wagen springend. Kaum fühlte er festen Boden unter den Füßen, so brach er in wütende Verwünschungen über das erbärmliche Fuhrwerk und über die ganze Posteinrichtung aus.
„Warten Sie nur, mein liebes Fräulein, ich will den Hemmschuh schon anlegen", rief der alte Rektor. Rasch und geschockt führte er sofort seinen Vorsatz aus, während die beiden vorderen Pferde ungeduldig tänzelten und Lady Fanshawe mit weinerlicher Stimme bat: „O, Maureen, Maureen, laß mich auch aussteigen."
Mer das Gespann hatte sich bereits wieder in Bewegung gesetzt und trabte jetzt ruhig und langsam bergab. Schon war mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt, als der Schecke in plötzlich wiedererwachendem Uebermut ausschlug und den Kopf des hinteren Pferdes traf, worauf dieses über den Strang schlug. Im Nu entstand eine unlösbar erscheinende Wirrnis unter den vier Pferden, bei deren Anblick auch Maureens Mut zu schwinden begann. In diesem verhängnisvollen Augenblick gewahrten die Reisenden einen Herrn, der in höchster Eile quer über die Felder daherlief, sich über eine Hecke schwang, und ehe man sich's versah, den beiden Vorderpferden in die Zügel fiel. Die Wirkung war verblüffend. Beruhigend sprach er auf den Schecken ein, streichelte dessen aufgeregten Kameraden, richtete ein ermutigendes Wort an die Stangenpferde, und schwang sich auf den Bock.
„Nun ist alles in Ordnung", rief er, sich nach rückwärts wendend. „Die Tiere kennen mich, und werden jetzt so fromm gehen wie die Lämmer. Sie brauchen sich nicht im geringsten mehr zu ängstigen."
Die Veränderung, die seit dem Eingriff des Fremden mit den Pferden vor sich gegangen war, grenzte in der Tat an das Wunderbare. Schon der Klang seiner Stimme und das Gefühl seiner starken Hand genügte, das wilde aufrührerische Quartett in vier reumütige, ehrbare Pferde zu verwandeln. Maureen war aufs höchste erstaunt, über die spielende Leichtigkeit, mit der er die Tiere in ruhigere Gangart brachte.
„Bedauere, daß ich Sie Ihres Amtes entsetzen mußte",


