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Newton zum Rauchen verleitet hatte. Newtott konnte, ebenso wie später der allbekannte Berliner Mediziner Hu fei- land, nicht begreifen, daß der Tabak einen Genuß verschaffen könne, und er nahm sich vor, der Sache wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Er prüfte nun den Tabakgenuß so lange, bis er sich ihn angewöhnt hatte, und als er so weit war, sagte er: „Ich habe zwar noch immer keine wissenschaftliche Erklärung gefunden, aber einen Grund weiß ich doch schon: ich rauche, weil mir's schmeckt." Auch der große Philosoph Kant ist in ähnlicher Weise vom rauchenden Theoretiker zum Praktiker geworden, und als ihm seine Haushälterin darüber Vorhaltungen machte, berief er sich auf Newton. Die gute Frau wußte aber nichts von Newton und fragte, wer das wäre, worauf der Philosoph erwiderte: „Wenn Ihr es auch wüßtet, würdet Ihr vom Rauchen doch nichts verstehen." Unter den Feldherren aus Goethes Zeit war Blücher ein fanatischer Raucher. Seine Leidenschaft hinderte ihn aber nicht, jdürch Befehl das Rauchen aus offener Straße zu verbieten; doch glaubte er sich selbst den Genuß der Pfeife auch unterwegs nicht Versager! zu sollen. Da kam er aber bei einer Schildwachß schlecht an. Der Wachtposten verlangte dem alten Haudegen ohne weiteres die Pfeife ab, da das Rauchen auf der Straße verboten wäre. „Kerl, Du bist wohl des Teufels!" wetterte der Marschall. „Ich rauche ja aus Gesundheitsrücksichten." Tie Ausrede'hals ihm nichts, er mußte die Pfeife abgeben, bekam sie aber später wieder gegen ein Lösegeld von zweji Talern.
* Eine Ausstellung von heiratslustigen Jungfrauen soll — so läßt die Turiner „Stampa" sich erzählen — in New York eröffnet worden fein. Die Idee ist echt amerikanisch und entspricht einem tiefgefühlten Bedürfnisse der in den großen Städten lebenoen unverheirateten Acmkees. Die Amerikaner müssen, wie bekannt, mit ihrer Zeit sehr geizen, und ein recht smarter Aankee verliert lieber 100 Dollars als eine Stunde seiner kostbaren Zert- Ein Dankeejüngling findet daher, selbst wenn er das Bedürfnis, einen eigenen Herd zu gründen, noch so lebhaft empfindet, nur selten Zeit, sich die Frau zu suchen, die bereit wäre, mit ihm gemeinsam ein neues Heim ins Leben zu rufen. Um ihm nun die Brautjagd zu erleichtern, ist in Newyork die erwähnte ständige Ausstellung von inehr oder minder reifen Jungfrauen, die gern heiraten möchten, eröffnet worden. Die Ausstellung ist in einem geräumigen, elegant eingerichteten, aus mehreren großen Sälen bestehenden Lokal untergebstacht worden. Das erste Zimmer ist der Photoaraphiensaäl; in ihm sind die — größtenteils sehr geschmeichelten — Photographien der Heiratskandidatinnen ausgestellt. Jedes Bild ist von einer kurzen Biographie der Kandidatin begleitet; man findet in diesem „curriculum Vitae" den Vor- und Faniiliennanren der heiratslustigen Jungfrau, Angaben über ihre Familie, ihre Beschäftigung, ihre Mitgift, kurz alles, was einen Mann interessieren kann. Der Eintritt m diesen Bildersaal ist für jeden Mann, der im Besitze eines sauberen Kragens, unzerrissener Hosen und ganzer Schuhe ist, frei. Wenn nun ein Jüngling in seiner Brust die ersten Symptome der herrlich knospenden Liebe empfindet, braucht er nur diese Ausstellung weiblicher Schönheiten zu besuchen. Findet er dort, was mehr als wahrscheinlich ist (denn die Auswahl ist groß), ein weibliches Wesen, das seinen mit kleinen Liebes- reguugen verknüpften pekuniären Ansprüchen entspricht, so braucht er nur ein elektrisches Läuteiverk in Bewegung zu setzen. Sofort öffnet sich eine Tür, und gegen Zahlung einer kleinen Summe hält der Jüngling seinen Einzug in die inneren Gemächer, wo er sofort mit der oder den Danien seiner Wahl sprechen kann. Das „Sprechen Sie mit in einer Mutter!" ist in Amerika unbekannt, weil es überflüssig ist, denn Amerika ist bekanntlich das Land der schrankenlosen Freiheit, ergo können die jungen Damen ohne mütterlichen bezw. schwiegermütterlichen Segen über Herz und Hand verfügen. Wenn das Fräulein den Heiratsantrag annimmt, ist die Sache gemacht und die Neuverlobten können, wenn sie wollen, sofort in die Möbelabteilung gehen und alles, was sie für ihren jungen Haushalt brauchen, einkausen.
Literarisches.
— Marianne Mewisr Der Sonntagsmänn. Novellen. Verlag von F. Fontane u. Co., Berlin. Preis 3 Mk. Wie feine Mosaikarbeit mutet uns das Buch der hochbegabten Verfasserin an, und doch ist es ein vollblütiges Werk, das sehr ernst zu nehmen ist, ja, das sich stellenweise zu ergreifender Tragik aufschwingt. Mit fast virtuoser Kenntnis des Lokalkolorits und der historischen Verhältnisse sind die im mittelalterlichen Italien spielenden Novellen „Der Sonn- taasmann" und „Der Cicisbeo" geschrieben; bei ersterer bilden die Regierung Ferdinands II. von Doskana und die Pest, die ums Jahr 1630 Florenz verwüstete, den geschichtliche Hintergrund, auf dem sich in seiner Detailmalerei ein lichtes Bild ergebt: Die zarte Liebesgeschichte der schönen Bianca und Ihres Domenichino, des armen Malers Feltrt. Voll poetischer Einfachheit ist die Geschichte des „Cicisbeo", der seiner schönen Herrin treu und aufopfernd dient, bis er bei der Erfüllung des Auftrages, ihre verwaiste Nichte sicher in ihre Arme zu führen, sein Herz an die schöne Laura verliert. Aber in der Sumpfluft hat die Signorina den Todeskeim geatmet; halb bewußtlos wird sie ihrer Anverwandten überbracht. Der Cicisbeo muß sie sterben sehen, ohne feinem Schmerze Ausdruck geben zu dürfen, der den Ruf der Geliebten gefährden könnte. Für die fesselnde und liebliche Handlung der „Madonna int Schnee" wußte die Dichterin ein interessantes, großartig geschildertes Milieu zu finden: Das Haus eines streng gläubigen Mennoniten, eines „Taufgesinnten", im hohen Norden von Westpreußen. Hervorragend sind die Novellen: „Schweigen", in der mit packender Erzählungskunst die Seelenkämpfe einer durch schlechte Erziehung dem Laster des Trunkes verfallenen Frau, und der „Weg nach Damaskus", eine ergreifende Episode aus dem Leben eines jungen Geistlichen, zur Darstellung gelangen. Und mit wunderbarer Wirkung heben sich auch die überall eingestreuteU Naturschilderungen ab, in denen die Dichterin sich als Meisterin offenbart. Die Lektüre des Buches wird jedem der Leser Genuß bereiten. Es hält schwer, zu entscheiden, welcher Novelle der inhaltsreichen Sammlung der Vorzug zu geben ist. t ,
— Kunst- und Literatur-Freunde seren auf den soeben von der Verlagsanstalt F. Bruckmann, A.-G. in München herausgegebenen Bücherkatalog hingewiesen. Glänzende Autornamen sind in dem Kataloge mit einer stattlichen Reihe erlesener Werke vertreten und ein reicher Btlder- schmuck, unter dem bisher zum Teil nur wenig bekannte Porträts von Bismarck, Böcklin, Goethe, Homer, Kant, Rembrandt, Wagner u. a. hervorzuheben sind, verleiht ihm in den Augen des Kunstfteundes einen besonderen Reiz.
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(Auflösung in nächster Nummer.)
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Auflösung des Kreuzrätsels in Nr. 167:
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Redaktion: August Götz. — Notatiansdruck und » erIon der Brüdl'schen Universttäts-Buch. und Eteindruckerei. R. Lange, Güßen.


