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Ter finstere Priester kehrte zurück zu seinen strengen Pflichten, seinen Bußübungen, seinen Gebeten; der glückliche Maier zu seiner Kunst. Ein jeder zog seine Straße.
Die Iortschritte im Wau der Inngfrauöayn.
Das Berner Oberland ist eine Fundgrube ausgesuchter Naturschönheiten, die alljährlich viele Tausende von Menschen anlocken. Durch zwei Bahnstränge, von Lauterbrunnen und vom Grindelwald, konnte man schon bisher vom Schlüssel des Berner Oberlandes, Interlaken, in diese Wunderwelt eindringen. Doch erst mit der Jungfraubahn ist der kühnste Eingriff geschehen und der Anfang gemacht worden zu der höchsten Tourenbahn Europas. Bei der Kleinen Scheidegg beginnt die eigentliche Bergbahn, deren Wagen in Einrichtung und Betrieb unseren Straßenbahnwagen gleichen. Durch Turbinen im Lauterbrunnental wird von der Lütschine die elektrische Kraft gewonnen. Die Starkstromleitung ist es auch, die die Kraft gibt zum Weiterbau der Jungfraubahn, zur Beleuchtung der Wagen, zur Heizung. des Werkhauses usw.
Mit dem im Jahre 1899 verstorbenen, genialen Ingenieur Guyer-Zeller ist der geistige und materielle Gründer des großen Werks dahingegangen. Unter seinen Stach- ölgern hat sich Oberingenieur Gobat verdient gemacht; einen Händen war die Bauleitung vier Jahre lang anvertraut. Seiner und der Energie des Direktors Straub ist es zu danken, daß nicht jene Zweifler recht behielten, die bei Guyers Tod meinten, nun sei mit dem Gründer das ganze Jungfrauprojekt zu Grabe getragen worden.
Von der Kleinen Scheidegg führt das Zahnrad nach einem kleinen Tunnel einer aussichtsreichen Paßhöhe entlang zunächst zum Mgergletscher (2323 Meter), dessen Haltestelle ein gutes Restaurant besitzt. Von da bringt uns der elektrische Wagen ruhig und sicher durch einen langen Felsentunnel zur Station Rotstock (2521 Meter). In diesem Sommer ist der Bau bis zur Station Eigerwand (2867 Meter) gediehen. Letztere ist ausschließlich dem Felsen des Eiger abgerungen. Das künstlich geschaffene Gewölbe ruht auf natürlichen Säulen, besitzt Felsengalerien zur Aussicht und gewährt Raum für die Station samt Betriebsgebäude und Wandelgang. Von dieser sicheren Freistatt kann man getrost in das Schneegestöber hinausschauen und dem Schauspiel der über das natürliche Schutzdach niedersansenden Lawinen ohne Bangen anwohnen. In der Tiefe sieht man die Wengernalpbahn von der Kleinen Scheidegg nach Grindelwald talabwärts ziehen, und hinter den Häuptern der Jaulhornkette grüßen die Schützer des Vierwaldstätter Sees — Bürgenstock und Rigi.
Unter Führung des jetzigen Bauleiters, Oberingenieur Peter, wird an den: Riesenwerk fortgearbeitet. Abgeschlossen von der übrigen Welt ist die Arbeiterschar mit rhren Ingenieuren auch des Winters an der Arbeit; im Innern der Felskolosse, im geschützten und warmen Tunnelgang, strebt sie unablässig aufwärts. In zwei Jahren dürfte dicStation Eismeer (3160 Meter) dem Verkehr übergeben werden können. Dann erst tvird die eigentliche Metscherwelt erschlossen und das gewaltige Exkursivns- gebiet des Aletschgletschers näher gerückt sein. Die folgende Spurstrecke soll den Mönch im Gestein mit 6,6 Prozent Steigung durchschneiden und bis zur Station Jungftau- joch (3396 Meter) führen. Ihr wird sich das Schlußglied mit 25 Prozent Steigung anreihen und in der Felsenstation Jungfrau (4093 Meter) endigen. Mittels elektrischen Auszugs wird man alsdann von hier durch einen 73 Meterlangen Schacht zum Gipfel der Jungfrau (4166 Meter) emporgehoben werden. Und damit wäre dein Meisterstück dre Krone ausgesetzt.
Vermischte».
. n $a l t! Es i|t ein gutes Zeugnis, wenn man von Menschen sagen kann: Er hat Takt. Dieses kleine Mort hat lm öffentlichen und privaten Leben eine weittragende Bedeutung. Alan kann's eigentlich gar nicht mit eenem kurzen Satze definieren, denn allzu verschieden sind fc96"' tn £.enen bie verschiedenartigsten Menschenkinder E bezeugen können, was man Takt nennt. Die gelehrteste Wershert, der glänzendste Reichtum und das vornehmste Aeußere formen das Fehlen eines persönlichen Taktes weder erietzen, noch entschuldigen. Andererseits kann der ärmste
Teufel einen feinen Takt bekunden — also von Bildung und Besitz hängt diese Sache nicht ab. Man tvird nicht fehlgehen, wenn man ihre Wurzel vielmehr in der individuellen Herzensbildung sucht, in jenem feinen und feinsten Unter- scheldungsvermögen für sittliche Werte, das nur langsam bei fortgesetzter Selbstzucht heranreift. Zuletzt kommt's auf eine innermenschliche Gemütswelt hinaus, die, einmal vorhanden, wie ein freundlicher Leitstern den Weg zeigt, auch dann, wenn so die gewöhnlichen Rechts- und Verstandesnormen versagen. Goethe läßt den Pfarrer in „Hermann und Dorothea" sagen: „Denn was Verstand und Vernunft nickt immer vermögen, vermag oft ein solch glücklicher Hang, der unwiderstehlich, uns leitet" Das erfordert freilich nicht selten eine gewisse Selbstverleugnung, gewissermaßen eine Zurückstellung des eigenen werten Jchs. Dem anderen Raum geben und sich selbst, auch wenn man ein geistiges oder sonstiges Uebergewicht hat, etwas Reserve auserlegen, das ist eine schwere Kunst, aber gerade hierin besteht Wohl ein wesentliches Stück des persönlichen Taktes. Es ist das em zartes Schonen der Empfindungen und der ganzen Eigenart des Mitmenschen. Deshalb sollst man auch die taktvollen Formen im geseNsckaftlichen Leben nicht ohne werteres und samt und sonders als konventionellen Firlefanz verfckreien. Manchen, auf den ersten Wick fast albern erscheinenden Etikette- und Höflichkeitsbräuchen liegt doch ein tiefer, taktvoller Sinn zu Grunde, und um dieser Haupt- sache willen kann man schon einmal ein paar kleine Unbequemlichkeiten mit in Kauf nehmen. Gesellschaftliche Formen sind zuweilen eine ganz vortreffliche Schule zur Selbst- beherrschung und damit zur Förderung des persönlichen Taktes. Schon die häusliche Erziehung kann in dieser Hin- srckt sehr viel tun; nennt man doch einen im Leben taktvollen Mcnscken unwillkürlich einen Menschen von guter Erziehung. Im deutschen Volkstum, auch in dem der Vergangenheit, stößt man auf eine Fülle von Zügen zarter Rücksicht- nahme. Es ist dies ein Stück echter deutscher Gemütstiese. Tie Formen und Aeußerlichkeiten wechseln — aber zum Glück hat man auch heute noch in unserem Deutschland ein besonders feines Gefühl dafür, was taktvoll ist, und was mcht!
* Rauchende Genies. Goethe hatte gegen alle Lebensgewohnheiten, die seinen ästhetischen Auffassungen mcht ganz entsprachen, eine große Abneigung, und damals wurde von vielen Seiten gerade vom ästhetischen Stand- Punkt aus gegen das Rauchen eifrig angekämpft. Gleich- wohl muß Goethes Ausspruchs zu dem er sich durch feine Tabakfemdschaft verleiten ließ, umsomehr Wunder nehmen, als eure ganze Zahl berühmter Männer, denen mau die Geuralrtät nicht absprechen kann und die alle vor Goethe oder mck ihm gleichzeitig gelebt haben, dem Tabakgenuß rLcht flerßrg huldigten. So war Schiller, wenn auch kein Raucher, so doch ein hervorragender Schnupfer, während Herder im Rauchen nach dem Zeugnis mehrerer Zertgenossen recht Bedeutendes leistete. Klop stock rauchte so stark, daß ein witziger Kopf an einem Berliner literarischen Stammtisch, zu dem auch der gleichfalls dem Rauchen eifrig ergebene Lessing gehörte, zur allgemeinen Herterkeit ben Scherz machte, man sollte Klopstock alle ungelesenen Exemplare seiner „Messiade" zusenden, damit er genug Fidibusmaterial hätte. Ebenso schmeckte dem Dichter der „Luise" und des „siebzigsten Geburtstages", Botz, das Pserfchen so vortrefflich, daß er zu sagen pflegte, das Raucken könnte unmöglich eine Sünde sein, sonst könnte cs nick t so gut schmecken. Das Rauchen wurde nämlich damals von mehreren Geistlichen als eine schwere Sünde erklärt. Schon lange vor dieser Zeit hatte sich der große englische Dichter Milton dieser Leidenschaft hingegeben, tvas übrigens der Theorie vieler RauchLapazitäten widerspricht. Es herrscht nämlich gerade unter den leidenschaftlichen Rauchern vielfach die Meinung, daß man, um zum voll- tänbigen Rauchgenuß zu gelangen, den Tabak nicht nur chmecken, sondern auch den Rauch sehen müsse. Das gehöre zum Ganzen. Milton hatte sich aber die.Leidenschaft erst angewöhnt, als er völlig erblindet war, und benutzte es als Zeitvertreib, in einsamen Stunden. Der berühmte englische Satiriker Swift erklärte feige unstillbare Zuneiaung zu dem edlen Kraut damit, daß er sagte: „Wenn ich nicht rauche, fällt mir nichts ein." Auch Byron äußerte sich wiederholt, daß ihn das Rauchen bei seiner dichterischen Produktion anrege. Interessant ist die Veranlassung, die den berühmten englischen Machemattker und Astronomen


