Ausgabe 
13.7.1903
 
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Ein Bild vom alten Goethe wird in verschiedenen neuen Briefen entworfen, die der eben erscheinende 24. Band des Goethe-Jahrbuchs veröffent­licht. In einem von Ludwig Geiger mitgeteilten Brief« an Usteri vom 11. September 1826 schreibt Therese .Huber:

Herder und Luise gingen nach vier Tagen nach Weimar ich blieb noch bei meinen Geschwistern. An Herders Sippschaft lag mir- nichts, und eine Wallfahrt nach Goethe ist nicht meine Sache. Ich war mit Goethe in drei Epochen zusammen, er ist in meinen Augen der Napoleon der litej- rarischen Welt, aber von dem 80jährigen Goethe erwart« ich keine Uebermenschlichkcit, um vor ihm Weihrauch zu streuen, ging ich nicht hin. Wie er jung und lebendig war dankend nnd gerührt die Trümmer betrachten, das könnte ich; damit aber wäre ihm nicht gedient. So ließ ich'S bleiben. Lnise, die in Weimar war, fand ihn mini­steriell höfisch, einen schönen Greis in höfischer Umgebung, aber ohne einen Funken Gemüt noch Erinnerung der Ver­gangenheit, wo Herder sein Mitbuhler an Celebrität, und ich ein schönes Weib war. Betrifft es Trümmer, so sehe ich die der Vorzeit lieber als die der Mitzeit."

Und an Karoline Pichler schreibt Therese Huber unternr 29. Januar 1827:

. . . Luise war bei Goethe in Jena nnd ist mit Weh­mut erfüllt über den Mann. Sein Körper hat der Zeit widerstanden es soll ein prächtiger Greis sein! Sein Geist ist nicht getrübter, wie die Natur es unerbittlich- bedingt in hohen Jahren, aber Egoismus nud Hochmut haben ihn mit kaltem Hauche gelähmt, sodaß er sich von seinen Schmeichlern und Speichelleckern täuschen läßt nud sich selbst das Trugbild eines geistvollen Alten spielt, höflich und abgemessen repräsentrerend und von seiner Wichtig­keit überzeugt, wird um ihn die Bewunderung in jeder Form: als knechtische Aufwartung, zärtliche Empfindsam­keit, ästhetische Rauchwolke. Luise saß eine Viertelstunde mit schwerem Herzen bei dieser Komödie und ging weinend davon. Dem "starb das Herz zuerst ab, und spukt noch der verwitterte Geist.---"

Sympathischer als dieses tendenziös gefärbte Bild be­rührt das, was Frhr. v. Matthisson in einem bisher un­gedruckten, von L. Bobs mitgeteilten Briefe aus Wörlitz am 14. Juni 1824 a-n C. V. von Bonstetten schreibt:

--In Weimar (d. 15. May) war mein erster Gang

zu Goethe, der soeben von Jena zurückkam, wo er seinen ältesten und besten Freund Knebel (den trefflichen Ueber- setzer des Lukrez) besucht hatte.

Kräftig und mit völlig gerader Haltung trat mir der alte Dichterkönig entgegen. Jede Spur der schweren Krank­heit war verschwunden. Selten schuf die Natur wohl ein Auge aus gediegenerem Feuerstoff, als das 'Kuge Goethes, das trotz der schwarzen Schatten des Alters, fernen Glanz ebenso klar und ungetrübt erhalten hat, wie das Deine. Dein Latium ist ihm besonders lieb. Ich soll Dich seiner vieljährigen Achtung versichern. Er wäre Dir so gern im Leben begegnet. Unser Gespräch begann mit Dir, dann ging es über auf die verschiedenen Epochen, in welchen Goethe und ich seit 1783 einander begegnet waren. Auf mein« Frage,'ob er nichts weiter für den Faust tun werde, war die Antwort:Das ist größtenteils schon geschehen." Schon hatte ich Abschied genonunen, als ihm plötzlich noch etwas einznfallen schienO, tvarten Sie noch einen Augenblick! Ich muß Sie noch einem alten Freunde vorführen." Nun ging er, einen Schlüssel zu holen und öffnete ein Zimmer, wo mir Knebels ähnliches Bild ein gar freundliches: Will­kommen! zulächelte. Lieber, lieber Knebel! rief ich aus, Hiib Goethe schien sich meiner Ueberraschnug zu freuen."

Vermischter«

* Eine Duell ge schichte. Aus Lemberg erhält die Wiener Allg. Ztg." Ende Mai folgenden Bericht: ,, Auch hier ist vor einigen Monaten aus den Kreisen der Bürger­schaft die Anregung zur Bildung einer Anti-Duell- Liga hervorgegangen, und es muß mit Genugtuung fest- gestellt werden, daß die seither gegründete Vereinigung zur Bekämpfung des Duellnnsngs bereits namhafte Erfolge aufweisen darf. Nicht bloß der Umstand, daß die Beitritts­erklärungen immer zahlreicher werden, berechtigt zu dieser Konstatierung, sondern auch die allgemeine Anerkennung, die ein jüngst erflossenes Urteil eines Schiedsgerichts der

sfäre geeignet ist, der- :d Anhänger zu sichern.

Liga in allen Kreisen der hiesigen Gesellschaft gefunden hat. Ein junger Mann aus angesehenem Hause ^bewarb sich um die Gunst einer hübschen verheirateten Dame aus der besten Gesellschaft und von tadellosem Ruf. Als er sah, daß alle seine Bemühungen erfolglos blieben, fand er den sonderbaren Mut, die Dame Frau X. zu ver­dächtigen, sie habe einem anderen Herrn der beschul­digte Herr war übrigens ein Freund des Verleumders: die gleiche Gunst erwiesen, die sie ihm nun verweigere.. Ein energischer Hinauswurf war die unmittelbare Folge. Frau X. teilte die ganze Affäre sofort ihrem Manne mit, und binnen wenigen Stunden war der Verleumder in der gründlichsten Weise entlarvt. Beide Herren, welchen der Verleumder nahegetreten war, beschlossen nun, sich eine Satisfaktion zu verschaffen. Herr X. wollte den Verleumder zum Zweikampf herausfordern, doch einigte er sich mit dem verleumdeten Herrn Herrn N mit dem er gleich­falls sehr befreundet ist dahin, daß letzterer die Be­strafung des Verleumders überuehme. Herr Y. fand noch am Abend desselben Tages Gelegenheit, den Verleumder auf einem Ball durch eine Ohrfeige zu belehren, was er von seiner Handlungsweise denke. Am nächsten Tage er­schienen bei Herrn D. zwei Offiziere mit der Aufforderung, dem Gezüchtigten ritterliche Satisfaktion z,w geben. In. dem Moment jedoch als die beiden Kartellträger von der Vorgeschichte der Affäre unterrichtet waren, legten sie sofort ihre Mandate nieder. Herr Y., welcher Mitglied der Anti* Duell-Liga ist, proponierte ein Schiedsgericht der Liga, Ein solches konstituierte sich unter dem Vorsitze des Land- tagsabgeordneten Ritter v. Vivien und verurteilte den Ver­leumder zu dreijähriger Verbannung nach Ame- rika. Kurz nach Fällung dieses Erkenntnisses verließ der Verurteilte unsere Stadt, um jenseits des, Ozeans seme Strafe abzubüßen. Der Vorfall wird nun in der, hiescgen Gesellschaft lebhaft diskutiert. Man wird wohl nicht fehl* gehen in der Annahme, daß die Affäre geeignet ist, der Anti-Duellbewegung neue Freunde und Anhänger zu sichern. Allgemein wird das Erkenntnis des Schiedsgerichtes und die empfindliche Strafe des Schuldigen als dw denkbar beste Lösung oer ganzen Affäre anerkannt. Eine Aus- traaung mit den Waffen hätte sich in diesem Falle gewiß iilckit als ein entsprechender Schutz der beleidigten Ehre daraestellt Der Schuldige ist der wohlverdienten Strafe zugeführt worden, und zwar'dnrch das Erkenntnis eines. $ottü)tctit tvcit, übet UTlb

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Bekämpfung des Duellunfugs bedeutet übrigens auch der ueuerduigs gefaßte Entschluß der hiesigen Studenten­schaft, der Anti-Duell-Liga alsakademische Vereinig- una" l kolo akademickie") beizutreten. Die Resolution, die beschlossen wurde, verurteilt in schärfster Weise das Duell und fordert die akademische Jugend ^uff. sich an dem Kampfe gegen den Zweikampf in energischster Weise zu beteiligen.__

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)t an und setzt mit dem vierten Zuge matt. (Auflösung in nächster Nummer.)

Schachaufgabe.

Von K. Traxler in Vescli.

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Redaktion: August Götz. NUatiotiSdnick und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Vuch- und Steindruckeret. N. Lange, Gtetzen.