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dieser Engel wird für die ewige Höllenpein des Hundes sorgen, der uns verriet."
„Das hoffe ich auch; aber mittlerweile bleibe ich bei meiner Ansicht, daß es nicht notwendig ist, das Land zu verlassen. Was habe ich denn getan? Ich gehöre der Liga nicht au."
„Aber Sie unterstützen die Liga mit Geld", widersprach Steinmetz ruhig. „Viermalhunderttausend Rubel, die findet man nicht aus der Straße."
„Aber auf den Rubeln steht nicht mein Name."
„Mag sein, — aber wir alle — alle die anderen — wissen, woher sie kommen. Mein lieber Paul, Sie können die Komödie nicht weiter spielen; Sie sind kein Mann, der bloß zu Sportzwecken hierher kommt; Sie leben nicht drei Monate des Jahres in dem alten Schlosse Osterno, weil Sie eine Vorliebe für mittelalterliche Festungen haben. Sie sind ein russischer Fürst, und Ihre Besitzungen find die glücklichsten, die aufgeklärtesten im ganzen Reiche. Das allein ist verdächtig. An dem Fürsten Alexis wäre noch gar mancher Verdacht zu finden, wenn die hochmögenden Herren daran denken wollten. Sie haben bisher nicht daran gedacht; aber das ist nur ein Grund mehr, warum wir unsere Vorsicht verdoppeln müssen. Sie dürfen nicht in Rußland sein, wenn die Armenliga in Stücke gerissen wird. Es ward Unannehmlichkeiten geben; der halbe Adel von Rußland ist dabei. Es wird Konfiskationen und Degradierungen geben, — für einige Gefängnis und Sibirien. Es ist besser, wenn Sie nicht dabei sind, denn Sie sind kein Ausländer. Sie haben nicht einmal einen ausländ- dischen Paß; Ihr Paß ist Ihr Adelspatent, und das ist ein russisches. Nein, es öst besser, wenn Sie nicht dabei ftnb."
„Und Sie? Was wird aus Ihnen?" fragte Paul mit lersem Lachen.
„Ich! O, bei mir ist alles in Ordnung! Ich bin ein niemand. Ich werde von allen Bauern gehaßt, weil ich Ihr Intendant und so hart, so grausam bm. Das ist den Kochmögenden der Beweis meiner Harmlosigkeit."
Paul antwortete nicht. Er setzte in Carl Steinmetz ungeheures Vertrauen, und in der Tat, kein Mensch kannte Rußland besser, als dieser kosmopolitische Abenteurer. Steinmetz war es, der hastig vorwärts strebte und sein ausdauerndes, kleines Pferd so erschöpfte^ daß es zuletzt kaum eilt Schatten seines früheren Selbst war. Steinmetz war es, der empfohlen hatte, den Reisewagen zu verlassen und in den Sattel zu steigen, obwohl sein eigener, nicht geringer Umfang ihn die langsamere und bequemere Reisemethode vorziehen ließ. Es sah beinahe so aus, als zweifelte er an seinem Einfluß auf seinen Herrn und Gefährten; das verriet sich noch mehr durch einen leisen Klang von Angst in seiner Stimme, während er sich mit Alexis herumstritt. „Sie kehren also in Twer um?" fragte Paul 'endlich nach langem Stillschweigen.
„Ja, ich darf Osterno jetzt nicht verlassen; vielleicht komme ich Ihnen nach, wenn es Winter wird. Rußland ist während der Winterszeit sehr ruhig. Haha!"
Er zuckte die Achseln und schauerte zusammen. Plötzlich aber richtete er sich im Sättel auf und starrte in das zunehmende Dunkel hinaus.
„Was ist das dort auf der Straße vor uns?" fragte er mit scharfer Stimme.
Pau! hatte es bereits bemerkt. „Es sieht wie ein Pferd aus", antwortete er; „ein verlaufenes Pferd, denn es hat tcincn iReitcT./z
Sie ritten in westlicher Richtung, und das geringe Tageslicht, das noch übrig war, befand sich auf dem westlichen Horizont. Die Gestalt des Pferdes, die sich schwarz vom Himmel abhob, nahm sich seltsam und gespenstisch aus. ES stand an der Seite der Straße und schien zu grasen.
„Ev hat einen Sattel", sagte Steinmetz endlich. „Was geht da vor?"
Das Tier war offenbar halb verhungert, denn als sie näher kamen, hörte es nicht auf, die zusammengetrockneten Wasbündel samt der Wurzel auszurupsen.
„Was geht da vor?" wiederholte Steinmetz.
Tie beiden Männer gaben den ermüdeten Steren die Sporen. Das Pferd hatte einen Reiter, aber er befand sich nicht im Sattel. Einer seiner Füße hatte sich im Steigbügel verfangen, und während das Tier von Gras- büschel zu Grasbüschel schritt, schleppte es seinen toten Lerrn auf der Erde nach sich.
2. Kapitel.
An der Wolga.
„Das fängt an unangenehm zu werden", brummte Stemm e^, während er schwerfällig aus dem Sattel stieg, „Der Mann ist tot, muß schon ein paar Tage tot fein, denn er ist ganz steif, — und das Pferd bat ihn mit dem Gesicht nach unten weiter geschleppt. Gott rm Himmel, das wird unangenehm."
Paul war abgesprungen und bereits dabei, den Fuß des Toten aus dem Steigbügel zu befreien. Er tat dies trotz der Steifheit des schweren Reitstiefels mit einer gewissen Geschicklichkeit, als hätte er eine Spitalpraxis hinter sich.
Steinmetz kam ihm rasch zu Hilfe, hob den Toten sehr sorgfältig auf und legte ihn auf den Rücken.
„Welches Pech, daß uns das zustoßen mutz", rief er aus.
Paul Alexis brauchte keine medizinischen Kenntnisse, um zu wissen, daß dieser Mann tot war. Ein Kind hätte das erkannt. Ehe Steinmetz die Taschen untersuchte, zog er fein eigenes Taschentuch hervor und legte es über das unkenntlich gewordene Gesicht.
Tas Pferd stand neben ihnen, beugte den Kopf und schnüffelte verwundert an dem Ding, das einst fein Herr gewesen war. In seinen Augen lag ein seltsamer, verstörter Ausdruck.
Steinmetz schob die schnüffelnde Schnauze beiseite. „Wenn du sprechen könntest, lieber Freund, würden wir diich brauchen; so wie die Sachen stehen, tätest dm besser daran, weiter zu fressen."
Paul war damit beschäftigt, die Kleider des Toten aufzuknöpfen. Er schob die Hand unter das rauhe Hemd.
„Der Mann ist verhungert", sagte er. „Wahrscheinlich wurde er vor Erschöpfung ohnmächtig und fiel aus dem Sattel. Der Hunger hat ihn getötet."
„Und dabei hat er die Taschen voll Geld", fügte Steinmetz hinzu, indem er die Hand aus der Tasche des Toten zog und ein Bündel Banknoten, sowie einiges Silbergeld vorwies.
In den anderen Taschen befand sich nichts, weder Papiere, nv'ch sonst etwas, was einen Ausschluß über die Persönlichkeit des Mannes geboten hätte.
Die zwei Entdecker dieser stummen Tragödie standen aus und blickten sich um.
Es war beinahe dunkel, und sie waren zehn Meilen von jeder menschlichen Ansiedlung entfernt.
„Was wollen wir tun?" murmelte Steinmetz. „Wir können doch den armen Kerl nicht begraben und kein Wort darüber reden? Wir haben es da mit einer Tragödie zu tun."
Er wandte sich zu dem Pferde, das eilig Wetter graste.
„Mein vierbeiniger Freund, es ist jammerschade, daß du stumm bist", sagte er.
Paul untersuchte den Toten noch immer mit der kühlen Ruhe jener Leute, die aus Neigung oder Notwendigkeit den ärztlichen Beruf erwählt haben. Er war Arzt ans Liebhaberei. r „
Steinmetz sah mit leisem Lachen auf ihn nieder. Er bemerkte die zarte Art und Weise, mit der Paul den Toten berührte, die geschickten Bewegungen, die etwas ehrfurchtsvolles au sich hatten.
Paul Alexis war offenbar einer jener Manner, die die Menschheit ernsthaft nehmen, und in ihrem Herzen das besitzen, was in Ermangelunng eines besseren Wortes „Mitgefühl" genannt wird.
„Geben Sie acht, daß Sie sich nicht irgend eine ansteckende Krankheit holen", brummte Steinmetz. „Man soll nicht jeden ersten besten armen Wuschick anrühren, den man tot an der Straße findet, — außer natürlich wenn man glaubt, daß er Geld bei sich hat; es wäre schade, das der Polizei zu lassen." .. .„
Paul gab keine Antwort; er untersuchte die sch lass herabhängenden, schmutzigen Hönde des Toten. Die Fmger waren mtt Erde bedeckt, die Nägel gebrochen. Ossenva hatte er sich, nachdem er aus dem Sättel gefallen war, an dem Boden und jedem Grasbüschel festgehalten.
„Sehen Sie "diese Hand an", sagte Paul plötzlich^ » ist kein Russe; derarttge geformte Hände sieht man nicyr 111 ^Sttinmvtz bückte sich und hielt seine eigenen Finger mit den viereckigen Spitzen vergleichend daneben. Paui


