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artige Zusammensetzung schließen muß. In der Dat hegt diese auch vor. In der Seeluft ist in reichem Maße Koch- salz vorhanden. Es mag das zunächst absurd klingen, da jeder weiß, daß beim Verdampfen von Wasser die in ihm gelösten Salze nicht mit verdampfen können. Und doch finden wir in der Seeluft erhebliche Mengen Salz, welche sich sogar durch den salzigen Geschmack der eingeatmeten Luft verraten. Gerade dieser starke Gehalt der Seeluft an Salzen macht sie so ungemein wichtig und wohltuend für den ganzen Gesundheitszustand des Menschen. Es ist daher durchaus nicht immer nötig, Seebäder zu nehmen, sondern oft genügt schon der Aufenthalt in der staubfreien, salz- reichen Seeluft, um auf die Gesundheit wohltuend einzuwirken.
Ich will nicht schließen, ohne eines Punktes Erwähnung getan zu haben: man könnte geneigt sein, anzunehmen, daß das Meer mit seiner reichen Fauna und Flora auch eine bedenkliche Menge schädlicher Bakterien enthalte. Dem ist nicht so, im Gegenteil, alle im Meere vorkommendün Mikroorganismen sind für den Menschen vollkommen unschädlich, sodaß in dieser Richtung das Meerwasser viel gesünder genannt werden muß, als jedes Süßwasser. Mr Deutsche sind nun im Besitz von Seebädern jeden Charakters und haben es wirklich bequem, das gerade für den betreffenden Fall nützliche auszusuchen, und doch ist die Frequentierung der Seebäder nicht so, wie man denken sollte. Wer allerdings in das Seebad reist, um Toiletten zu sehen und sehen zu lassen, vielgängige Tiners zu vertilgen, Reunions und Konzerte zu besuchen, kurz, fashio- nable zu leben, der wird niemals den unendlichen Wert des ewigen Meeres kennen und begreifen lernen.
Gemeinnütziges.
* Die Ernährung kleiner Kinder leidet oftmals unter merkwürdigen Vorurteilen, und selbst manche Aerzte wissen sich gerade auf diesem Gebiete von veralteten, durch die Ueberlieferung gleichsam geheiligten Anschauungen nicht frei zu machen. So gilt es vielen als ein geradezu strafwürdiges Verbrechen, kleinen Kindern stark fetthaltige Nahrung zu geben. Das ist, wie Geh. Sanitätsrat Küster in der Aerztlichen Rundschau ausführt, so verkehrt wie möglich. Die natürliche Nahrung für Säuglinge ist — abgesehen von der Muttermilch — die Milch von gesunden und natürlich genährten Kühen. Je fettreicher sie ist, desto besser ist sie. Es herrscht nun in weiten Kreisen eine außerordentliche Angst vor zu fetter Milch. „Als ich" — so berichtet Küster — „im Beginne meiner praktischen Tätigkeit empfahl, wenn Kinder nicht recht gediehen, der Milch noch Butter zuzusetzen, wurde dieser Vorschlag allgemein belächelt. Nur ein Arzt stimmte mir bei und meldete mir, daß die Bauern in seiner Gegend, in Oberschlesien, von alters her das von mir vorgeschlagene Verfahren mit Erfolg anwendeten. Geradezu bedenklich für die Ernährung wird diese Furcht vor Fettnahrung, wenn die Säuglingsperiode vorüber ist. Das Kind trinkt weniger Milch, erhält also auch weniger Butter als bisher. Ein Ersatz wird nicht geschaffen, im Gegenteil. Mit Butter beschmierte Semmeln gelten selbst in reichen Häusern als eine Verschwendung. Hat nun das Kind das Unglück, einen Ausschlag zu bekommen, dann ist es mit der Fettnahrung ganz aus. Das Kind wird immer elender. Da endlich wird Lebertran — der ja stichts anderes als Fett dar-
— verordnet, und siehe da, das Kind fängt an auszublühen, weil durch das Fett erst wieder eine normale, zweckmäßige Ernährung stattfindet. Unglaublich ist"
so meint Küster — „die Gedankenlosigkeit, erst Fett, ernem alten Vorurteil zuliebe, zu entziehen und dann Fett mit Löffeln zu geben. Freilich geschieht dies in abergläubischen Annahme, daß beim Lebertran nicht das Fett, sondern der geringe Gehalt an Jod die Wunder verrichte."
* Strohhüte zu waschen und zu bleichen. Weiße Strohhüte lassen sich, nach dem „Prakt. Wegweiser", Wurzburg, nicht durch bloßes Abwaschen mit Wasser und Serfe wieder weiß machen. Sie müssen nach dein Waschen und Abspülen in reinem Wasser in eine Lösung von 30 Gramm unterschwefligsaurem Natron in 1 Liter Wasser eingeweicht, herausgenommen und nochmals hineingebracht werden, nachdem zuvor nocb 30 Gramm Salzsäure
zugegeben wurden. Das Gefäß wird gut zugedeckt. Wenn der Hut rein weiß ist, was schon nach kurzer Zeit der Fall ist, wird er herausgenommen, gut gespült, getrocknet, mit Gelatine-, Gummi- oder Agarlösung überzogen und wieder getrocknet. In der Salzsäure-Natronmischung dürfen die Hüte nicht zu lange verweilen, da die sich entwickelnde und bleichende schweflige Säure das Stroh brüchig machen kann.
* Ein Missionar in Indien von Tigern zerrissen. Den schrecklichen Tod eines östreichischen Missionars in den indischen Dschungeln schildert ein Brief, der von einem Amtsgenossen des Verstorbenen in der nieder- östreichischen Stadt Waidhofen an der Wbs aus Bettiah in Bengalen eingetroffen ist, und folgendermaßen lautet: „Unsere Mission hat einen großen Verlust erlitten durch den Tod des P. Cosmas, der, 39 Jahre alt, bereits zehn Jahre in unserer Mission eifrigst tätig war. Eines Morgens begab er sich nach dem acht Stunden entfernten Grenzgebirge Nepal, um die für uns im Gebirge erbaute Sommerfrischehütte mit Frater Jeremias, der bereits dort weilte, einzurichten. Gegen Mittag erreichte P. CoSmas das Gebiet zum Aufstieg. Seinen ihn begleitenden Packträgern befahl er öfters, zu rasten, er wolle ihnen vorauseilen und von oben her Hilfe senden. Frohen Mutes, seine Sachen samt dem geladenen Gewehr auf dem Rücken, stieg er durch Schluchten und auf schmalen Pfaden die Höhe hinan, bis er zu einer mit hohem Gras und Gestrüpp bedeckten Stelle kam. Da stürzte aus dem Versteck t'n Tiger hervor, schlug dem armen Pater die Zähne in die linke Halsseite und ritz ihn nieder. Der Pater hatte nicht mehr die Kraft, ein Gewehr loszudrücken, da sich sogleich auch die Jungen der Bestie an ihn hängten. Rach, einigen Stunden kamen seine Träger zur Stelle und waren erstaunt, des Paters Hut zu finden; sie blickten umher und sahen dann einen Schuh, etwas weiter das Gewehr, Blut und Kleiderfetzen, aber keinen Körper. Sie ahnten gleich, was geschehen, fast atemlos eilten sie zu der kaum eine halbe Stunde entfernten Hütte und erzählten dem Frater Jeremias ihr Erlebnis. Sogleich ging man mit Waffen, Trommeln usw. auf die Suche aus. Es war 6 Uhr abends- als mau zur Unglücksstelle kam. Man fand des Missionars Tasche, das Brevier, seine Uhr voll Blut, sie zeigte y23 Uhr und stand still, den Pater aber fand man nicht. Mit allem Eifer wurde bei Tagesanbruch den Spuren gefolgt, bis man endlich nach langem Suchen einige Körperteile sand, und zwar die Hände, die nahezu unversehrt waren, und den Kopf, der voll Beulen, aber doch zu erkennen war. Frater Jeremias wickelte die Ueber- reste in Leinwand, trug sie den Berg hinab, wo er mit ihnen sofort auf einem Ochsenwagen nach dem 18 Stunden entfernten Bettiah eilte, um die Schreckenskunde zu berichten. Eine ungeheure Menschenmenge sammelte sich an. Nach der gerichtlichen Inspektion wurden die Leichenrefte in der Kirche unter Blumen aufgebahrt. Tausende Menschen aller Konfessionen umstanden weinend die Bahre, als ckbeuds das Begräbnis stattfand. Die Tiger, die den P. Cosmas und ftüher schon acht Menschen gefressen haben, sind nun getötet: die Kugeln der Engländer haben ihnen den Garaus gemacht."
* Die Erscheinung der Kaiserin. Nach bisher ungedruckten Quellen verösfentlicht Germain Bapst in Richard Fleischers „Deutscher Revue" (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart und Leipzig) einen Aufsatz über „Napoleon III. und Italien", der sich mit der Vorgeschichte des französisch-österreichischen Feldzuges vom ^ahre 1859 beschäftigt. Dem Kaiser, der ohne jeden Kriegsplan nach Italien zog, erschienen, so führt der Verfasser u. a. aus, das Festungsviereck und besonders Verona in der Phcrw- tasie wie ein neues Sebastopol. Und nun erzählt Herr Bapst folgende interessante Episode: Schon 1853 hatte! Napoleon den Kapitän Lanssedat beauftragt, sich Verona genau anzusehen. Ter Kapitän wurde, nachdem er dort die Krokis mehrerer Forts ausgenommen, von den Oestsr- reichern als Spion verhastet. Tank der Geistesgegenwart der Frau Lanssedat, die die Reißfedern und die Zirkel versteckte und die Krokis im Futter des Hutes, den sie trug, verbarg, konnte nichts gesunden werden, was ihren Mann belastete, und er wurde, nachdem er 48 Stunden in Hast


