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ftfltegt: „Es macht nichts, zu welchem Geschäftszweig einen Geschmack oder Urteil zieht, der springende Pnnkt ist, daß mau in einen wirklich hineinkommt. Dann erfülle die volle Pflicht und etwas darüber, und dieses „mehr" ist von größter Wichtigkeit. Bewahre deine Selbstachtung als das kostbarste Juwel, es ist der einige wahre Weg, die Achtung anderer zu gewinnen:
Vermisstes.
* Geschmack der Hühnereier. Bei der Beschreibung der einzelnen Hühnerrassen wird oft auch hervorgehoben, daß die Eier der betreffenden Rasse einen besonders angenehmen Geschmack hätten. Man kann, abgesehen von den Zcherghühnern, deren Eier sich allerdings durch feinen Geschmack hervortun, nur sagen, daß derselbe weniger von der Hühnerart, als vielmehr vom Hühnerfutter und vom Alter der Eier abhängig ist. Man wird die Beobachtung machen, daß Hennen, welche viel Fleisch und Gewürm fressen, lange nicht so schmackhafte Eier legen, wie solche, welche fast nur Körnerfutter erhalten. Geradezu widerlich wird der Geschmack der Eier, wenn die Hühner viel Maikäfer fressen, sehr zuträglich für den guten Geschmack ist dagegen kochend aufgebrühte Weizenkleie, welche natürlich erst wieder kalt werden muß, ehe man sie den Hühnern verabreicht. Liegt das Ei längere Zeit, womöglich auch noch in schlechter Verpackung, so verliert es sein seines Aroma.
* Die Ehe, wie sie sein sollte. Ellen Key, eine schwedische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, hielt dieser Tage vor der Christianiaer Studentenschaft, in der auch die akademische Weiblichkeit stark vertreten war, einen Vortrag über die Ehe, die angeblich dringend einer Reform bedarf. Zur Eingehung der Ehe forderte die Vortragende für Frauen und Männer das Mündigkeitsalter. Zwischen den Gatten soll kein größerer Altersunterschied als 25 Jahre fein, damit insbesondere die Kinder nicht zu junge oder zu alte Eltern erhalten. Bor der Verheiratung sollen beide Teile ein ärztliches Attest Über ihre'kör- p erliche Gesundheit beibringen. Die Verantwortung und Versorgungspflicht den Kindern gegenüber wären für beide Teile gleich-. Ueberhanpt sollen die Gatten in der Ehe zueinander keine andere Stellung einnehmen, wie zwei Kompagnons in einem Geschäft. Auch- fei dem Grundsatz Geltung zu verschaffen, baß die Wirksamkeit der Fran im Hause ebenso viel wert sei, wie die Arbeit des Mannes, und darum müsse die Frau, die bei Eingehung der Ehe ihre eigene Tätigkeit niederlegt, vom Manne eine „Löhnung" erhalten, die nach dem Einkommen des Mannes zu bemessen wäre. Sollte die Tätigkeit der Gatten ein Wohnen an getrennten Plätzen nötig machen, dann ist betreffs der Kinder von der Anschauung auszugehen, daß die Kinder mehr die Mutter als den Vater brauchen. Nachdem jedoch ein Kind 15 Fahre alt geworden, soll ihm die Wahl gelassen werden, ob es sich der Mutter oder dem Vater anschließen tot FL Auch für die Ehescheidung giebt Ellen Key ein Rezept. Eine Scheidung soll nur nach mindestens einjähriger Ehe stattfinden können. Daun könnten die Gatten, wenn durchaus geschieden sein soll, zunächst ein Jahr von einander getrennt leben, und halten sie dennoch ihren Beschluß aufrecht, so wird die Ehe ohne Prozeß für getrennt erklärt. Ob etwaige Kinder dem Vater oder der Mutter zugesprochen werden sollen, wäre durch einen Ausschuß von Männern und Frauen zu entscheiden. Uneheliche Kinder sollen hin- sichtlich des Erbrechts mit den ehelichen gleichgestellt sein, und derjenige Mann, der ein unmündiges Mädchen verführt und um ihren Erwerb bringt, soll zur Unterhaltung verpflichtet sein. Da nun in Norwegen eine neue Ehegesetzgebung bevor steht, kann man neugierig fein, ob Ellen Keys Gedanken über die Ehe im Parlamente widerhallen. Norwegen ist ja, piit Björnfon zu reden, ein „Fortschrittsland", das vor einschneidenden und mitunter recht gründlichen Reformen nicht zurückschrickt.
Literarisches.
Eine Anzahl schöner Pigment drucke hat die Verlagsanstalt F. Bruckmanu in München zu dem Preise von 1 Mark pro Blatt in den Kunsthandel gebracht. Zunächst sei bemerkt, daß man unter diesem Namen durch di« Einwirkung von Anilindämpfen schwarz gefärbte Photographien versteht. Tie uns vorliegenden Blätter zeichnen sich durch, außerordentliche Klarheit und Plastik sowie durch die zarte Weichheit des Dones aus. Ta sehen wir die sixtiirische Madonna, diese Perle Raffaelscher Kunst. Turch dieses Blatt sollte das Schönheitsideal des Großmeisters der italienischen Renaissanee in zahlreiche Kreise des deutschen Kleinbürgertums getragen werden. Ein anderes Blatt bringt Do leis hl. Cäcilie. Auch Raffael schuf ein Bild von der Schutzpatronin der Musik. Hat man Gelegenheit, die Darstellungen Raffaels und Dolcis mit einander zu vergleichen, dann dehnt sich zwischen ihnen» eine weite Kluft aus: bei Raffael inbrünstige Hingabe, bei Tolci kraftlose, empfindsame Süßlichkeit. Ein weiteres Blatt zeigt uns Dürer als Bildnismaler. Wir sehen den markanten Kopf von Michael Wohlgemut, dem Lehrer Dürers. Welcher geistige Abstand hier wieder zwischen den beiden Italienern und dem Deutschen !Jhin kam es nicht bei, die Schönheit eines idealen Wesens aufs höchste zu steigern, ihn reizte vielmehr das Charakteristische, und namentlich da, wo es sich zu außergewöhnlichem neigt. Diesen von zahlreichen Furchen und Wülsten bedeckten Greisenkopf hat er mit einer Genauigkeit, Feinheit und Andacht gezeichnet, die ihm das schönste Weib seiner Zeit schwerlich abgezwungen hätte. Interessant ist daneben „Der Lacher" von Caravaggio, dem Begründer des Naturalismus in der italienischen Malerei. Auch er liebt di« kraftvolle Wahrheit, aber nicht den strengen Lebensernst des Deutschen, sondern die Heiterkeit, das Leben von seiner liebenswürdigen Seite, aber auch er modelliert, wie der Deutsche, scharf und plastische Ein ganz anderer wieder ist der Spanier Belasquez, der vornehme Höfling, ein Meister der Menschendarstellung von unnahbarem Stolz und in feinster, reinster, künstlerischer Ausdrucksweise. Jhnt in gewisser Weise ähnlich ist van Dyck, ebenfalls ein bevorzugter Bildnismaler der Aristokratie, aber int Gegensatz zu dem kühlen Spanier mehr ein Freund liebenswürdiger, anziehender Persönlichkeiten. Beide aber, der Spanier wie der Niederländer, erschöpfen völlig das geistige Wesen ihrer Modelle und bringen ihre äußere Erscheinung zu charaktervollstem Ausdruck. Fast noch größere Sicherheit aber als Velasauez und ganz gewiß als van Dyck besitzt Franz Hals, der größte Techniker des 17. Jahrhunderts, der in seinen großen Familienbildern das höchste Maß bon! Lebenswahrheit erreicht hat. Wie Franz Hals, so sah auch Rembrandt alles mit seinem am Studium der Wirklichkeit geschärften Ange an, er hat aber nicht so wie Hals seine Freude an der zwanglosen Wirklichkeit, sondern er richtet sein Augenmerk nur aus das Malerische. Darum liegt in seinen Bildnissen eine ganz außergewöhnliche Kraft von idealer Stimmung, die sie weit erheben über den fröhlicheren, sorgloseren Franz Hals. — Ein Vertreter der klassischen Richtung int 18.Jahrhundert war Tischbein, seine Kunst in einer Zeit des künstlerischen Niederganges ein seltsames Gemisch aus dem Studium der niederländischen Meister und der Antike. Sein „Goethe aus den Ruinen! Roms" hat seinen Namen lebendig erhalten, hier hat er mit regem Wirklichkeitssinne eine lebendig in die Zukunft schauende geistige Kraft mit einer ideal gestimmten Natur, die den Rückblick in eine große Vergangenheit eröffnet, in wirksamen Gegensatz gebracht. Aber wie unendlich klein erscheint er doch neben allen den genannten Riesen! Nur Feuerbach noch erhebt sich unter den Epigonen zu einer hochgestimmten Formensprache, dix an Raffaelscheu Adel erinnert. — Mögen die Bruckmannschen Pigmentdrucke drei weiteste Verbreitung finden. Sie sind ganz dazu angetan, Liebe für die köstlichsten Blüten der Kunst zu erwecken un« zu fördern. P. W.
Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Uhland (Uhu, Land).
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und L'crlaa tzn Brüdl'ichen Universttäts-Buck. und Cteindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen.


