Mittwoch den 13. Mai.
Nr. 70
8KU
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1903.
M
(Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.
(Fortsetzung.)
Miß Bvstal ging mit ihren raschen, vogelartigen, kleinen Schritten um seinen Stuhl herum und legte ihm saust die Hand aus die Schulter.
„Lieber Papa", sagte sie flüsternd, „erkennst Du nicht Mr. King. Er war hier letzten Sommer. Du erinnerst Dich doch, nicht?"
„O ja, ganz getviß, natürliche erinnere ich mich- Theodora", antwortete der Oberst mit einem leichten Stirnrunzeln bei der Anspielung auf den eBerlust des Gedächt- nisses. „Setzen Sie sich, Mr. King, und erzählen Sie uns, was die große Welt macht."
Clifford sah, daß der alte Mann jetzt in einem Augenblick wieder er selbst geworden war und daß nur die Last einer geheimen Sorge ihm sein verändertes Aussehen gegeben hatte. Es tat ihm leid-, als Miß Theodora ihren Water sofort an die Beängstigung erinnerte, dieEeide bedruckte.
„Ich wünschte, lieber Papa", sagte sie, nachdem Clifford den ihm angebotenen Stuhl eingenommen hatte, „daß Sie Mr. Clifford etwas von der schrecklichen Verfolgung erzählten, der wir unterworfen gewesen sind, seit der „Blaue Löwe" geschlossen worden ist."
„Es ist kein ansprechender Gegenstand", warf der Water ein, dessen Gesicht bei ihren Worten verfiel, „doch will ich Ihnen die Sache erzählen, wenn sie erzählens^- wert ist."
Clifford, obschon er wirklich gespannt daraus war, die Geschichte zu hören, versicherte, als er sah, daß sein Wirt keineswegs danach verlangte, sie zu erzählen, es selbst nicht weiter zu wünschen. Miß Theodora aber bestand darauf.
„Wohlan", sagte der alte Herr, „es ist einfach dies. Wenigstens ein halbes Dutzend Mal, seit der „Blaue Löwe" verlassen dasteht, sind wir nachts' durch Stöße und Schläge an unseren Türen und Fenstern belästigt worden. Und obschon wir alles mögnlihe getan, ausfindig zu machen, wer uns auf diese Weise verfolgt, sind wir doch nicht im stände gewesen, es zu tun."
„Und haben Sie keine Idee, keinen Verdacht?"
Der Oberst schüttelte beunruhigt und ängstlich den Kops. Seine Tochter aber spitzte die Lippen und sah schlau dabei aus'.
„Ich habe eine Erklärung", sagte sie.
Und sie wartete daraus, daß man sie nach dieser Erklärung fragen würde. Clifford äußerte die erwünschte Neugierde.
„Ich glaube", fuhr sie im Don der Ueberzeugung fort, >chaß es dieselbe Person -ist, die hinter all den Geheim
nissen steckt, unter denen wir in letzter Zeit hier gelitten haben."
„Unsinn, meine Liebe", unterbrach sie der Vater schnell und nicht ohne Gereiztheit. „Was in der Welt sollte solch eine Person von uns wollen? Wir haben im Hause nichts- das des Stehlens wert wäre. Und wenn wir es hätten- glaubst Tu wohl, daß die Person, die so überaus geschickt zu entwischen und der Gerechtigkeit zu entkommen verstand, versuchen würde, uns die Türen einzuschlagen? Das ist Unsinn, Theodora."
Tie Dame sah aber halsstarrig aus. Clifford machte eine Bemerkung.
„Wenn Sie das glauben, warum machen Sie nicht bei der Polizei eine Anzeige? Man würde der Person einen Hinterhalt legen und Sie jedenfalls sicher von der Belästigung ihrer Besuche befreien."
Zu Cliffords Verwunderung nahm des Obersten Bostal Gesicht einen Ausdruck der Unruhe an, den er vergebens zu verbergen suchte. Miß Theodora aber brach triumphierend in die Worte aus: „Das ist gerade, was ich ihm auch sage, Mr. King, er will aber nichts« davon hören. Vielleicht gelingt es Ihnen besser, ihn zu überreden, als mir."
Ter Oberst lehnte sich, statt der Antwort, zurück in den Stuhl uno zog die kleinen dünnen Arme der Dochten sich rund um den Hals.
„Ich glaube immer", sagte er nach einer längeren Stille, während welcher Clifford von einem seltsamen Verdachte beschlichen ivurde, „daß es besser ist, Aergernisse, die vorüber und abgetan sind, nicht wieder aufzurühren. Ich habe vielleicht selbst den Verdacht, daß die Störungen, die wir erleiden, mit den unheimlichen Geschichten zusammenhängen, über die wir so vieles gehört haben. Gleichwohl will ich mich nicht hineinmischen und lehne es ab, die Hilfe der Polizei anzurufen. Wir dürfen nicht vergessen, daß, indem wir diese unbekannte Person, die uns belästigt, der Strafe überliefern, wir möglicherweise noch andere in Gefahr bringen können."
„Welch andere, Papa?" fragte Miß Dh!eod!ora barsch
Aber der Oberst wollte nicht antworten. Er gab dem Gespräche eine andere Wendung, und der so interessante Gegenstand wurde nicht wieder berührt, bis Clifford, nach dem er sich von dem Obersten beurlaubt hatte, in der Halle neben Miß Theodora stand.
„Wissen Sie, warum ich heute yierherkam?" fragte er jetzt.
„Nicht uns' zu besuchen?" fragte sie. „Wir hätten es vermutlich auch kaum hoffen können."
„Doch, es geschah, Sie zu besuchen und Ihnen für Ihren Glauben an Nell zu danken. Ich traf in der Stadt mit Miß Lausdowne zusammen und sie sagte mir, daß Sie die einzige Person wären, die noch an ihre Schuldlosigkeit! glaubte."
Allein zu seinem Verdruß seufzte die kleine Dame und sah vor sich nieder. Endlich sagte sie: „Ich habe, solang


