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Wie gewöhnlich setzte Raffles seinen Willen durch, obgleich Rennet Addenbrooke seinen Verdruß merken ließ, als jener sich entfernt hatte, einen Verdruß, den ich in weitgehendem Maße teilte. Ich konnte Addenbrooke nur versichern, Eigensinn und Verschlossenheit seien hervorragende Züge in Raffles' Wesen, aber keiner meiner Bekannten sei halb so kühn und entschlossen; ich setzte felsenfestes Vertrauen in ihn und ließe ihn stets seinen eigenen Weg gehen. Mehr wagte ich nicht zu sagen, selbst nicht um die ärgerlichen Bedenken zu verscheuchen, womit sich, wie ich fühlte, der Rechtsanwalt entfernte.
An diesem Tage sah ich nichts mehr von Raffles, allein während ich mich zürn Diner ankleidete, erhielt ich ein Telegramm:
„Sei von morgen mittag an zu Hause, und halte Dich für den Rest des Tages frei."
Das war um 6,42 Uhr vom Waterloo-Bahnhof abgesandt worden.
Demnach war Raffles wieder in der Stadt. In der ersten Zeit unserer Beziehungen würde ich ihn aufgesnchit haben, aber jetzt wußte ich besser, wie ich mich zu verhalten hatte. Zwischen den Zeilen seines Telegramms las ich, daß er meine Gesellschaft an diesem Abend und dem nächsten Vormittag nicht begehre und daß ich ihn schon rechtzeitig sehen werde, wenn er mich nötig habe.
(Fortsetzung folgt.)
Die Geschichte der SieMadelrr.
Von Fred Hood.
Nachdruck verboten.
Die Stecknadel gehört ohne Zweifel zu den ältesten Gebrauchsgegenständen der Menschen; aber es ist sicher, daß sie in alten Zeiten eine wesentlich andere Form besaß, da sie entweder den Gräten der Fische oder den Dornen der Pflanzen nachgebildet wurde. Wie alle Werkzeuge und Geräte hat sie im Lauf der Jahrhunderte ihre Form gewechselt, um sich mehr und mehr der mannigfachen Verwendung anzupassen. Auch waren natürlich in neuerer Zeit die praktischen Fabrikationsmethoden zur massenhaften Erzeugung des kleinen Artikels von Einfluß auf die Form.
Ausgrabungen in den alten Ruinen Aegyptens und Skandinaviens, sowie an den Stätten der alten Pfahlbauten Mittel-Europas haben Stecknadeln aus Kupfer, Eisen, Bronze, Elfenbein und Holz in einigen tausend Exemplaren zu tage gefördert. Sie zeigen in der Tat dornenförmige Gestalt, d. h. ihre Stärke nimmt vom Kvpf nach der Spitze zn gleichmäßig ab. Die Nadeln waren stärker und länger als die unsrigen und die Köpfe Mannigfach gestaltet. Man fand auch Stecknadeln, durch deren Köpfe bewegliche Ringe hindurchgeführt waren; diese dienten offenbar dazu, die Nadeln auf einem Faden oder einer Schnur auszureihen. Die in Mittel-Europa gefundenen Stecknadeln zeigten zum Teil >vie unsere Haarnadeln einen doppelten Schaft. Da das in alter Zeit am häufigsten für Hausgeräte und Werkzeuge verwendete Metall die Bronze bildete, so ist es natürlich, daß auch viele Bronzenadeln gefunden wurden.
Die Erfindung von Stecknadeln aus Messingdraht wird vielfach den Franzosen zugeschrieben, doch rann auch Deutschland und Holland mit ebenso gutem Recht Anspruch auf diesen Ruhm erheben. Die Geschichte der deutschen Stecknadel-Industrie reicht sehr weit zurück, unb ist mit der gewerbfleißigen Stadt Nürnberg eng verknüpft. Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts stand die Stecknadel- Industrie in Deutschland in Blüte. Jedenfalls steht fest, daß die moderne Stecknadel-Fabrikation mit der Erfindung des Drahtziehens begonnen hat, und daß die Draht- Industrie während zweier Jahrhunoerte ein vollkommenes Monopol Deutschlands und Frankreichs gebildet hat. In England kannte man während der ersten Hülste des 16. Jahrhunderts nur eiserne Nadeln, denn die französische Messingstecknadel wurde erst im Jahre 1543 durch Catherine Howard in England eingeführt. Die fabrikmäßige Herstellung begann in Großbritannien erst im Jahre 1621, und zwar durch John Tilsby in Gloucestershire. Später entwickle sich die Industrie in Bristol und Birmingham in sehr bedeutender Weise.
Auch heut verwenden die Stecknadelsabrikanten fast ausschließlich Messingdraht, obwohl auch geschwärzte eiserne
Nadeln Verwendung finden. Sehr lange Zeit wurden die Stecknadeln nur mit der Hand gefertigt, und als die ersten Maschinen eingeführt wurden, waren sie eigentlich auch recht primitiver Art; sie konnten sich mit den in jüngeren Industrien bereits gebräuchlichen Arbeitsmaschinen nicht messen. Erst in unserer Zeit sind vollkommenere Maschinen eingeführt worden, und doch arbeitet man in vielen Gegenden noch mit den einfachen Vorrichtungen, welche schon vor mindestens 200 Jahren in Gebrauch tonten. Man darf allerdings nicht verkennen, daß die geübten Stecknadelarbeiter auch mit ihren bescheidenen Werkzeugen ganz Erstaunliches leisten. So vermag B. ein Arbeiter stündlich 30000 bis 50000 Stück sogenannte Doppelschäfte aus dem Draht zu schneiden — denn die Drähte werden zunächst für die doppelte Nadellänge zugeschnitten. Die Köpfe, welche mittels der Wippe, einer Art klein-rr Fall- und Prägewerks, angeschmiedet werden, bestehen in ihrer ursprünglichen Form aus je zwei Windungen einer feinen Drahtspirale. Es ist eine recht mühselige Arbeit, immer genau zwei Windungen von den massenhaft hergestellten Spiralen abzuschneiden, aber das geschieht mit außerordentlicher Geschwindigkeit. Geübte Arbeiter schneiden 20000 bis 40 000 Stück Köpfe in der Stunde. Tas Anköpfen mittels Wippe nimmt schon etwas mehr Zeit in Anspruch; aber ein Arbeiter kann pro Tag immer noch 10 000 bis 15 000 Stück Nadeln'anköpfen. Natürlich hat man diese Leistung durch moderne Maschinen noch zu überbieten verstanden.
Das Anköpfen mittels Wippe sei kurz beschrieben. Unter- und Oberstempel des .kleinen Falkwerks, welche etwa nur einen Qiradratzentimeter Querschnitt ausweiscn, besitzen je eine kleine, halbkreisförmige Vertiefung, welche der Hälfte eines Nadelkopfes entspricht. Beide Hälften passen ganz genau aufeinander, während für den Schaft der Nadel horizontal eine Rille in den Stempel gegraben ist. Ta die Nadel länger ist, als die Stempelbreite ansmacyt, so steht natürlich der untere Teil des Nadelschaftes s ul.ch hervor, so daß dieser vom Arbeiter angefaßt und gedreht werden kann. Derselbe arbeitet nun in folgender Werse: Mit einem angespitzten Schaft fährt er in den Haufen .Kopfösen hinein, so daß dadurch eine derselben m der Nadelspitze aufgenommen wird. Er schiebt den Kvpf s .gort bis zum oberen Ende der Nadel hinauf, hebt mittels Fußtritt den Oberstempel der Wippe, legt den Straft der Nadel wagerecht auf den Unterstempel, und zwar so, 'daß der Radelkopf in oder über der halbkugelförmtgen Vertiefung liegt; daraus läßt er den mit einem Wer- kugelgewicht beschwerten Oberstempel fallen. Das alles geschieht mit rapider Geschwindigkeit. So folgen schnell hintereinander drei bis sechs Schläge unter gleichzeitig, m Drehen der Radel; der Oberstempel lvird dabei jedesmal nur etwa einen halben Zoll hoch gehoben. Dadurch wird die weiche Spirale des Kopfes fest an den Schaft sn- gedrückt, so daß sie die regelrechte Kugelform erhält; die Festigkeit wird namentlich dadurch erzielt, daß der beim Abschneiden des Drahtes entstandene Bart mittels des Prägewerkes mit in den Kopf hineingearbeitet wird. Man sieht also, daß die Arbeit eine ziemlich mühsame ist und daß die Arbeiter (meist Knaben und Mädchen) schon eine außerordentliche Fertigkeit besitzen müssen, um die oben genannte große Tagesleistung beim Ankopsen zu bewältigen. Neuerdings baut man Maschinen, cet eenen die Stecknadelköpfe nicht „gesponnen", sondern aus dem oberen Ende des Schaftes selbst durch Anstauchen gewonnen werden, toobei sie annähernd eilte kugelförmige Gestalt
erhalten.
Zahlreich sind die Versuche, die Radeln vollständig auf mechanischem Wege herzustellen. Der Erfolg konnte schließlich nicht ausbleiben. So werden z. B alle Stecknadeln mit flachen Köpfen heute ausschließlich durch Masc-Me« aefertiat Die Fabrikation hat etwas Aehnlichkeit mit der Fabrikation der Drahtstifte. Eine automatische Vorrichtung führt den Messingdraht in die Maschine, woraufdasaus einer zangenartigen Vorrichtung hervorstehende freie drahtende durch einen Hammer zu einem linsenförmigen Kvpf gestaucht wird; eine Schneidvorrichtung trennt gleichzeitig ein der Nadellänge entsprechendes Stück ab. Die Nadeln rollen oder gleiten dann automatisch auf einer schiefen Ebene oder in einer Rinne einer Schleisvorrichtung zu, welche das Anspitzen der stumpfen Schäfte bewirkt
Bei allen Konstruktionen zur automatischen Herstellung


