Freitag den 13. Mar?.

Nr. 38

1903.

MIM Ä

(Nachdruck verboten.)

Ein Einbrecher aus Passion.

Bolt E. W. Hornung.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von F. Mangold.

(Fortsetzung.)

Mr. Bennet Addenbrooke hatte reich ausgestattete Ge­schäftszimmer in Wellington Street, war aber nicht zu Hause, als wir dort eintrafen, allein er war ,^ben nur einmal hinüber aufs Gericht" gegangen, und nachdem wir kurze Zeit gewartet hatten, erschien ein lebendiger, ent­schlossen aussehender Herr mit zuversichtlichen, e^was feier­lichem Ausdruck und schwarzen Augen, die sich weit öffneten, alS er Raffles' ansichtig wurde.

Mr. . . . Glaspool?" riet der Anwalt aus.

Das ist mein Name", entgegnete Raffles mit trockener Unverschämtheit.

Wer nicht tm Adreßbuch", antwortete der andere schlau.Mein Herr, ich habe Sie W viele Wickels nehmen sehen, ccks daß ich mich täilschen könnte."

Einen kurzen Augenblick sah Raffles giftig aus, dann zuckte er lächelnd die Achseln, lind das Lächeln wurde zu einem cynischen Kichern.

Diesmal haben Sie das Wickel genommen", sagte er, aber Erklärungen halte ich für überflüssig. Ich bin in größerer Bedrängnis, als ich unter meinem eigenen Namen einräumen wollte, das ist die ganze Geschichte, irnd ich Möchte mir die tauserrd Pfund Belohnung verdienen."

Zweitausend", antwortete der Sachwalter,und der Mann, der sich nicht scheut, einen ander,: Namen anzu- nehmen, ist gerade einer von der Sorte, die ich nötig habe, mein Verehrtester. Tie Angelegenheit soll übrigens streng vertraulich behandelt werden", schloß er mit einem bezeichnenden Blick auf mich.

Selbstverständlich", entgegnete Raffles,aber in der Anzeige ist auch von Gefahr die Rede."

,La, eine gewisse Gefahr ist mit der Sache verbunden."

Dann sind drei Köpfe mehr wert, als §toeL Ich sagte vorhin, ich hätte tausend Pfund nötig; mein Freund hier bedarf des zweiten Tausend. Wir sind beide in großer Geldverlegenheit und besorgen dieses Geschäft entweder zu­sammen oder gar nicht. Müssen Sie auch seinen Namen wissen? Ich würde ihm den wahren nennen, Bunny."

Mr. Addenbrooke betrachtete die Karte, die ich für ihn hervorgesucht hatte, mit emporgezogenen Augenbrauen, dann trommelte er mit den Fingernägeln darauf, und seine Ver­legenheit verriet sich in einem verblüfften Lächeln.

Um die Wahrheit zu sagen, sehe ich mich einer großen Schwierigkeit gegenüber, räumte er endlich ein.Das Ihrige ist das erste Anerbieten, das ich erhalten habe- Leute,

die sich erlauben können, lange Telegramme abzusende,r> beantworten die Anzeigen im Daily Telegraph gewöhne lich nicht in solcher Eile, aber andererseits war ich auch nicht darauf gefaßt, von Leuten Ihrer Stellung Anerbieh, nngen zu erhalten. Offen gestanden, und wenn ich mir die Sache recht überlege, weiß ich doch nicht, ob Sie die Rich-t tigen für mich sind Herren, die Mitglieder vornehmer Klubs sind! Ich hatte mehr die hm abenteuerlichen Massen im Auge."

,Mir sind Abenteurer", sagte Raffles ernst.

Aber Sie achten die Gesetze", entgegnete er, wobei seine schwarzen Augen verschmitzt funkelten.

Wir sind keine berufsmäßigen Spitzbuben, wenn Sie das damit sagen wollen", versetzte Raffles lächelnd,aber wir sind sehr nahe am Schiffbruch, und für tausend Pfund pro Kvpf würden wir schon viel tun. Was meinst Du, Bunny?"

Alles", antwortete ich.

Der Sachwalter trommelte auf seinem Pulte.

Dann will ich Ihnen sagen, was ich von Ihnen ver^ lange, lmd es steht Ihnen ja immer frei, abzulehnen. Un> gesetzlich ist es wohl, aber es ist eine Ungesetzlichkeit in einer guten Sache; da liegt die Gefahr, und mein Klient ist willens, dafür zu bezahlen. Auch für den Versuch, im Falle des Mißlingens. Das Geld ist Ihnen also sicher, wenn Sie einwilligen, die Gefahr zu übernehmen. Mein Mient ist Sir Bernard Debenham von Bvoom Hall, Esher."

Ich Fenue seinen Sohn", warf ich dazwischen.

Auch Raffles kannte ihn, allein er sagte nichts, und sah mich mißbilligend an, während sich Mr. Addenbrooke mir zuwandte.

Dann haben Sie den Vorzug, einen der ausge­wachsensten jungen Lumpe in der Stadt und fons et origo der ganzen Schwierigkeit zu kennen", sagte er.Wenn. Ihnen der Sohn bekannt ist, wird Ihnen wohl auch der Vater, wenigstens dem Rufe nach, nicht unbekannt sein, und in diesem Falle brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß er ein sehr eigentümlicher Herr ist. Er lebt allem in einer wahren Schatzkammer, die noch keine Augen, außer seinen eigenen, jemals erblickt haben. Er soll die schönste Ge­mäldesammlung in Südengland besitzen, obgleich das me- inand beurteilen kann, da sie noch kein Mensch gesehen hat. Gemälde, Fiedeln und alte Möbel sind seine Steckenpferde, und er ist ohne Zweifel sehr exzentrisch. Auch läßt sich nicht leugnen, daß er seinen Sohn sehr exzentrisch behan­delt hak. Jahre lang hat ihm Sir Bernard die Schulden bezahlt, allem vor kurzem hat er sich ohne die geringste Warnung nicht nur geweigert, das noch ferner zu tun, sondern er hat dem jungen Manne auch das Jahrgeld ent­zogen. Nun will ich Ihnen erzählen, was vorgefallen ist, aber zunäck muß ich Ihnen sagen, oder Vielwicht ent-, sinnen Sie L,., dessen auch so, daß ich dem jungen Debenham In einer kleinen Patsche beigestanden habe, worein er vor ein