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schwaches Herz mit neuem Leben zu füttert. „Sterben ist kein zu hoher Preis für solche Worte!" flüsterte er, indem er ihre Finger an seine Lippen führte und sie küßte.
Terences wunderbare Genesung wurde teils seiner eisernen Gesundheit, teils Frau O'Haras aufopfernder Pflege zugeschrieben — niemand aber kant es in den Sinn, an Miß D'Arcy zu denken!
29. Kapitel.
Beim Einkauf der Brautausstattung.
Noch einmal verwandelt sich der Schauplatz unserer Erzählung in Madame Desirtzs "Ausstellungsräume, wo ioir tote damals Lady Flashe und Lady Fanshawe finden. Die Damen sind zwar anscheinend in die Betrachtung von Modellhüten versunken, tatsächlich aber mustert jede verstohlenerweise mit kritischen Blicken die Frühlingstoilette der andern.
„Maureen wird also nun doch einen Irländer heiraten", sagte Lady Flashe, „und wenn auch keinen Kaminfeger, so doch einen Kutscher!"
„Wer sagte Ihnen, er sei ein Kutscher?" fragte Lady Fanshawe, indem sie ein duftiges.Hutgebilde auf ihr rotes Haar drückte.
„Mr. Foulcher."
„Mr. Foulcher? — Die alte Schmeißfliege! Es ivundert mich, daß Sie überhaupt mit ihm Verkehren."
„Ich weiß wohl, daß er eine scharfe Zunge hat und eine unverschämte Schwatzbase ist, aber trotzdem mag ich ihn nicht ganz vernachlässigen."
„Das heißt. Sie fürchten sich etwas vor ihm. Na, jedenfalls geht er mir aus die Nerven. Daß Maureen einen Irländer heiratet, das ist wahr, und zwar einen, der von der ältesten Familie des Königsreichs abstammt."
„Erzählen. Sie mir doch mehr von ihm. Was für eine Art Mann ist er?"
„Ein ernster, gesetzter junger Mann von tadellosen Manieren und hübschem, elegantem Aeußern, dazu ein großartiger Sportsmann."
„Wohl einer von Ihren einstigen Verehrern?"
„O nein, im Gegenteil, er konnte mich anfangs gar nicht leiden. Ich aber beabsichtige, eine sehr liebenswürdige Schwägerin zu werden, denn ich habe ihn ungeheuer gern."
„Es kommt nicht ost Vor, daß das Gernhaben nur auf Ihrer Seite ist. Nun möchte ich aber noch allerlei Gerüchte bestätigt haben. Ist es wahr, daß er keinen Pfennig hat?"
„O nein. Seit seine Großmutter gestorben ist und einige Urkunden, die jenes abscheuliche alte Frauenzimmer versteckt hat, zum Vorschein gekommen sind, hat er etwa dreitausend Pfund im Jahr, außerdem große, allerdings mit Hypotheken belastete Besitzuttgen und entzückende alte Familienkostbar- keiten, darunter prächtige Diamanten."
„Ist es wahr, daß die Beiden einen Fluchtversuch machten, weil Sie und Sir Greville die Heirat nicht zugeben wollten, daß sie dann aber eingeholt und zurückgebracht wurden?"
„Auch das ist nicht richtig", erwiderte Lady Fanshawe, sich abwendend, um ihr dunkelrot gewordenes Gesicht zu verbergen. „Das wissen Sie natürlich auch wieder von dem abscheulichen alten Foulcher. Es ist alles nicht wahr. Tie jungen Leute haben sich stets tadellos betragen, und ich verdanke meinem künftigen Schwager mehr, als ich ihm jemals vergelten kann."
„Vergelten? Sie gaben ihm ja Ihre Schwester, mehr kamt man doch nicht verlangen! Ist das Brautpaar sehr verliebt?"
„Ja, obwohl sie ihre Liebe nicht vor den Leuten zur Schau tragen."
„Und wann soll die Hochzeit sein?"
„Im nächsten Monat. Ich bin eben im Begriff, einen Teil der Ausstattung zu bestellen. Maureen hat mir freie Hand gelassen, und manche von den Kleidern, die ich aussuchte, siud wahre Kunstwerke. Was halten Sie von gelbem Sammet mit Zobelpelz?"
„Das wird sie ja niemals tragen. Nita, ich muß gestehen, daß ich diesen wunderbaren Irländer sehr gerne kennen lernen möchte, der Maureens kaltes Herz und großes Vermögen errungen hat, und für den Sie schwärmen, trotzdem Sie ihm gleichgiltig sind. Wann bekommt man ihn denn einmal zu sehen, meine Liebe?"
„Er ist gegenwärtig in London."
„So ist es am Ende der Herr, der gestern abend im Theater neben Maureen saß?" fragte sie ungewöhnlich lebhaft.
„Ja, natürlich", erwiderte Nita mit triumphierender Miene.
„Ah so!"
„Sieht er nicht elegant und hübsch aus?" fragte sie lächelnd.
„Mit einem irländischen Bauern hat er freilich keine Ähnlichkeit. Mein Mann sagte mir, er habe bei den schwarzen Ulanen gestanden, allein der alte Foulcher erzählte —"
„Liebe Dulcie, ich sage Ihnen, wenn Sie mir gegenüber noch einmal den Namen des alten Schwätzers in den Mund nehmen, so sind wir geschiedene Leute. Wissen Sie luas, schicken Sie Ihren Biktoriawageu nach Hause und kommen Sie mit mir zum Gabelstühstück. Ich hoffe bestimmt, Ihnen dann meinen Schwager Terence vorführen zu können."
Zum Kriegs) chre 1762
Herzog Ferdin uü von Braunschweig gegen die Franzosen in Hessen.
(Nachdruck verboten.)
Das Kriegsjahr 1761 hatte ohne besondere Ergebnisse auf dem westlichen Kriegsschauplätze in Deutschland geendet. Die französische Armee lehnte mit dem rechten Flügel ihrer Winterquartiere an Mühlhausen, während sie sich auf der linken Flanke an die Eder und in die Gegend von Marburg ausdehnte. In der Umgegend von Frankfurt kantonnierten 21 Eskadrons und 15 Bataillone; ein anderes Korps stand 'atm Rhein bei Wesel und Düsseldorf. Die Armee des Herzogs von Braunschweig lag in ihren Winterquartieren im Münsterschen, im Bistume Paderborn und an der Weser bei Holzminden. Auf beiden ©eiten wurde die Ruhe während des Winters benutzt, die Truppen zu ergänzen und sie kriegstüchtig zu machen.
Die Lage des Herzogs von Braunschweig >var mit Beginn des Jahres 1762 durch den Sturz des englischen Ministeriums Pitt und den Eintritt des Lords Büte in dasselbe schwieriger geworden. Die Einflüsse einer Friedenspartei drohten, die Tätigkeit des Herzogs lahm zu legen; spärlich und widerwillig bewilligte man die versprochenen Hilfstruppen und Hilfsgelder. Man war dort geneigt, einem vorteilhaften Frieden mit Frankreich das Bündnis mit dem Preußenkönig Friedrich II. zu opfern. Begreiflich wird es daher, wenn der Herzog an seinen Freund Westphal schreibt: „Ich wünschte, daß ich endlich aus dieser verwünschten Galeere befreit werde." Trotzdem erfüllte der Herzog treu seine Pflicht, wenn sich auch für ihn bei dem zweideutigen und widerwilligen Verhalten Englands trübe Aussichten für das kommende Jahr eröffneten.
Durch die Kriegserklärung Englands au das mit Frankreich Verbündete Spanien im Januar 1762 wurden die feindseligen Bewegungen der beiderseitigen Truppen in Deutschland fortgesetzt. Wäre jetzt dem Herzoge die nötige Unterstützung seitens Englands zu teil geworden, so mußte es ihm gelingen, die Franzosen über den Rhein zu werfen und damit einen vorteilhaften Frieden nicht nur für England, sondern auch für die beteiligten deutschen Kontingente zu erlangen, zumal ein günstiger Moment für die Kriegführung der Alliierten eintrat. Durch die Jntriguen am französischen Hofe war der tüchtige Herzog von Brvglio des Oberkommandos enthoben und an seine Stelle der unfähige Günstling der Marquise von Pompadour, Prinz Soubise, berufen worden, der neben dem Marschall d'Eströes und mit Unterstützung des Prinzen Coudo die französische Heeresleitung in Deutschland übernehmen sollte.
Die französische Hauptarmee in Hessen zählte 80 000 Mann; Prinz Conde vereinigte am Rhein 40 Ö00 Mann, während dem Herzoge von Braunschweig nur 70 000 Mann zu Gebote standen.
Der Plan der Franzosen ging dahin, ben Herzog bis Minden und Bielefeld zurückzutreiben und ihm dort eine Schlacht zu liefern. Nachdem am 29. April Soubise und am 17. Mai d'Eströes bei Kassel eingetroffen waren, wurden die französischen Truppen bei Göttingen und Kassel enger herangezogen. Der HerÄoa, dem die Absicht des Feindes


