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Wieder Nachricht über den Stand der Dinge geben. Also nur ja keine Sorge nm mich!"
„Aengstige Dich nicht! Das ist leicht gesagt", fuhr Nita, den Brief zusammenfaltend fort. „Greville gesteht so wie so immer nur die Hälfte von dem, was ihm fehlt. Ach, und fast wäre er an stelle des armen Terence getroffen, worden! Schrecklich! Ich werde morgen mit dem Einuhrzug abreisen. Du wirst natürlich nicht mitkommen wollen?"
„Doch, selbstverständlich!"
„Um Gottes Willen, Maureen, was ist Dir? Du siehst ja aus wie der Tod. Du wirst mir doch nicht in Ohnmacht fallen?"
„Nein — nein", antwortete sie, auf einen Stuhl taumelnd.
„Ach ja, richtig, die Geschichte muß auch Dir nahe gehen — der arme Kerl war ja sterblich in Dich verliebt. — Hier, trinke einen Schluck Wasser."
„Was willst Du damit sagen?" rief Maureen, das Glas so heftig fortstoßend, daß die Hälfte seines Inhalts herausspritzte.
„Ach Moll, ich hätte es Dir ja nicht sagen sollen — es entfuhr mir nur so."
„Sage mir sofort alles, aber schnell, schnell!"
„Nun also, Greville schrieb es mir. Als er Terence neulich noch einmal für alle seine Güte dankte und seine Verwunderung darüber aussprach, wie er für zwei Fremde solch große Opfer habe bringen können, gestand ihm Terence, daß er alles um Deinetwillen getan habe, daß er Dich liebe und es für seine Pflicht halte, Greville als Deinem nächsten Verwandten, die Sache anzuvertrauen. Greville habe ihn nun nach besten Kräften ermutigt, aber umsonst. Terence sagte, Du machest Dir nichts aus ihm und sollest auch von seiner Liebe niemals etwas erfahren. Einst habe er sich wohl Mit der Hoffnung getragen. Dich zu seinem Weibe machen zu können, die Kenntnis von Deinem Reichtum aber habe ihn abgehalten."
Atemlos hielt sie inne.
„Und was weiter?"
„Er sagte, Tu dürfest niemals etwas von seinen Gefühlen erfahren, er aber -werde Dich niemals vergessen."
„O, Nita, Nita, warum hast Du mir das nicht früher gesagt?"
„Aber mein liebes Kind, ich weiß es ja selbst erst seit drei Tagen und hatte überhaupt nicht einmal das Recht, es Dir zu sagen."
„Und ich werde ihn vielleicht nicht mehr am Leben treffen!"
„So ist er Dir also nicht gleichgiltig, Maureen? Wie entsetzlich, wenn der einzige Mann, der sich Deine Neigung zu erringen wußte, sterben würde!"
Maureen antwortete nicht. Hastig wandte sie die Blätter eines Kursbuchs um, auf das unaufhaltsam ihre Tranen niederströmten.
„Um sieben Uhr morgens geht auch schon ein Zug, mit dem wollen wir doch fahren."
„Gut, je früher, desto Lesser. Ich werde Tante Lizzie und den Mädchen sagen, daß ich wegen Greville abzureisen gezwungen sei, was ja auch wahr ist, und daß Du mir Gesellschaft leisten wollest. So kann niemand ahnen, daß Deine Sorge um den Enkel der alten Madame Dir fast das Herz bricht. Bleib inzwischen hier, meine arme liebe, liebe Moll, ich werde alles in Ordnung bringen", fügte sie, ihr einen herzlichen Kuß gebend, hinzu. „Ueberlasse nur ruhig alles mir."
Nita kam ihrem Versprechen getreulich nach; sie tras alle Vorbereitungen, telegraphierte an ihren Gatten um Quartier für sich und Maureen, kündigte ihre Abreise der schmerzlich enttäuschten Familie D'Arcy an, und schon am Abend des folgenden Tages hatten die beiden Schwestern die Station Carra erreicht. Es war beinahe dunkel, als das Fuhrwerk die wohlbekannte Ballybayer Straße entlang rasselte. Vor dem Hotel hatten sich eine Menge Menschen versammelt, die sich leise und mit ernster Miene unterhielten, und auf Nachricht von Terences Befinden warteten.
Unter dem Torweg empfing sie Greville mit verbundenem Kopf.
„Wie geht es ihm?" fragte Nita nach der ersten hastigen Begrüßung.
„Noch lebt er, aber sein Zustand ist sehr ernst; er phantasiert und hat hohes Fieber. Mr brachten ihn sogleich hierher in ein Zimmer au ebener Erde: seine alte
Kinderfrau und sein Hund sind bei ihm und bewachen ihn eifersüchtig."
„So werden wir wohl kaum zu ihm gelassen werdend sagte Nita.
„Nein, nein, es hat keinen Wert. Um des Himmels Willen, Maureen, was hast Du? Was ist geschehen?"
„Ich möchte zu ihm gehen", antwortete sie mit leiser Stimme.
„Du? Ach so, ich verstehe. Ja, Du sollst ihn sehen. Komm nur mit."
Leise schritt er ihr voran einer entlegenen Türe zu.
Wenige Augenblicke später hatte Maureen die Schwelle überschritten. Zuerst starrte Frau O'Hara sie Verständnis-- los an, dann aber ivinkte sie ihr, näher zu kommen. „Also so steht es mit Ihnen, mein liebes Fräulein. Gott helfe Ihnen!" flüsterte sie. „Niemand soll es Ihnen wehren, noch einen letzten Blick auf ihn — ach, auf den Letzten der Familie Desmond zu werfen."
Terence lag auf einem schmalen Feldbett. Sein Gesicht war schon ganz entstellt, die fiebrisch glänzenden Augen tief eingesunken. Mit leiser, hastiger Stimme sprach, er halbverständliche, unzusammenhängende Worte vor sich hin. Cudlich trat eine Pause ein, erschöpft schloß er die Augen.
„Sehen Sie, so geht es die ganze Zeit", sagte Frau O'Hara. „Manchmal sinds die Pferde, die ihn beschäftigen, manchmal Miß Konstanze oder auch seine Soldaten, am meisten aber eine junge Dame, die, wie ich vermute, Sie selbst sind."
„Frau O'Hara, hier ist der Doktor", unterbrach sie Sir Greville, den Kvpf zur Türe hereinsteckend. „Komm inzwischen mit mir, Maureen."
Maureen schloß während der langen Oktobernacht kein Auge; immer wieder schlich sie an die Türe des Krankenzimmers, um sich Nachricht zu holen. Bei Tagesanbruch vernahm sie, daß der Verwundete eingeschlafen, daß Eis eingetroffen und ein zweiter Arzt unterwegs sei. Am späten Nachmittag trat Frau O'Hara verstohlen in Mau- reens Zimmer und sagte:
„Er weiß, daß Sie hier sind; er muß Ihre Stimme gehört haben, obwohl Sie doch immer nur flüsterten, und das sogar außerhalb der Türe der Krankenstube."
„Darf ich zu ihni gehen?"
„Wie Sie wollen, aber ich glaube, er würde seinen letzten Atemzug um Ihren Anblick geben."
Terence hatte jetzt das Bewußtsein wiedererlangt. Von Kissen unterstützt, lag er halb ausgerichtet da, seinen Hund neben sich. Der jammervolle Ausdruck des Tieres hätte selbst ein steinernes Herz zu rühren vermocht. Als Mau- reen eintrat, lächelte Terence nmtt und sagte:
„Wie gut von Ihnen! Sie sehen, wir sind zugerichtet, wie nach einer Schlacht. Die Pflege Ihres Schwagers rief Sie wohl hierher. Er wird aber gewiß bald wieder ganz hergestellt sein."
„Und — Sie selbst?" stammelte sie mit weißen Lippen.
„Auch mir wird es hoffentlich bald gut gehen. Ich habe eine große Bitte an Sie, Miß D'Arcy. Wollen Sie Lost zu sich nehmen?"
„O, wie können Sie so reden!"
„Der arme Kerl wird mich am meisten vermissen, und ich weiß, daß Sie Hunde gern haben. Sehen Sie nicht so traurig aus, ich fürchte mich nicht vor dem Tode. Die wenigen Verwandten, die ich habe —"
„O Terence", rief sie, „Sie zerreißen mir das Herzk Und ich — wollen Sie nicht um meinetwillen leben?"
Er wandte den Kopf und sah sie ungläubig an.
„Ja, um meinetwillen", wiederholte sie, indem sie auf die Kuiee niedersank, und seine brennende Hand in die ihrigen nahm. „Ich weiß, es ist kühn, es ist nicht mädchenhaft, was ich jetzt tue, aber in diesem wichtigsten Augenblick meines Lebens muß ich sprechen. Wenn Sie fort in eine andere Welt gehen, mein lieber Terence, so nehmen Sie wenigstens den 'Gedanken mit, daß ich Sie liebe!"
„Daß Sie mich lieben?" wiederholte er mit heiserer, fast schluchzender Stimme.
Die Worte waren so unerwartet gekommen, daß sie ihn wie ein Schlag trafen. Ein Schauer durchlief seinen! Körver — etwas Warmes, Beseligendes schien sein


