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1903c — Nr. 136
Samstag önt 12. September.
(Nachdruck verboten.)
Les IWkrmUchtii m tztt Brckßye.
.Von B. W. Howard.
(Fortsetzung.)
Plötzlich ward Hamor, durch ein heftiges Drängen der Menge, in den inneren Kreis gestoßen und sah sich mit einemmale vom unbeteiligten Zuschauer in eine handelnde Person verwandelt.
Dicht vor ihm waren zwei Männer in einer rohen, wüsten Rauferei begriffen. Tie Umstehenden folgten dem Vorgang mit Aufmerksamkeit, doch wagte keiner sich hinein- zumischen. Ter eine der Kämpfer, ein untersetzter Seemann zwischen 40 und 50 Jahren, Ich lug in sinnlosem Zorn aus seinen Gegner ein, der, obschon jünger und weniger stark, doch ganz wacker das Feld behauptete. Beide waren augenscheinlich stark betrunken. Hamor beobachtete sie mit Widerwillen und Abscheu, nur niühsam unterdrückte er den Wunsch, selbst handelnd einzugreifen. So lange sie sich ihrer natürlichen Waffe, der Faust, bedienten, hielt er sich indes zurück, aber als es denr kleineren der Kämpfenden gelungen war, seinen Widersacher zil Boden zu werfen und er nun unfing, ihn mit den Sabots zu bearbeiten, fühlte er sich plötzlich von hinten gepackt, eine unnachgiebige Hand preßte ihm die Ellbogen kräftig zusammen und hielt ihn trotz seines wütenden Sträubens wie int Schraubstock gefangen. Unterdessen hatte der zu Boden Geworfene wieder festen Fuß gefaßt und holte aus, um seinem jetzt wehrlosen Feind einen Schlag ins Gesicht zu versetzen.
„Zurück Tu elender Feigling!" rief Hamor mit auf- .steigendem Lorn. „Haltet ihn zurück, Ihr Leute, hört Ihr utzcht?" wandte er sich dann an die gasfeirde Menge. Durch einen drohenden Blick aus dem Auge des Angreifers aufmerksam gemacht, hatte er gerade noch Zeit, seinen Ge- jentgelten sowie sich selbst durch eine rasche Wendung vor einem neuen Schlage zu schützen. Zugleich bemerkte er jedoch am Aufhören aller weiteren Feindseligkeiten, daß ihm von anderer Seite her Hilfe gekommen sein müsse. Schnell wandte er sich um und sah, wie ein großer, dunkler Mann E ^sh'I^rrock den trunkenen Schiffer, nicht vermöge seiner aerstlichen OLepgewalt, sondern mittelst seiner außerordent- hindert ' ^^kblkraft, an der Fortsetzung des Kampfes ver- _ sagte der junge Priester, „laß ab vom Streit,
Tu stehst ja, rch btn stärker als Du und ich gebe Dich erst [rex'0an& ruljig nach Hause gehen willst; Du sprechen unterwegs, denn wenn Du sprichst, fängst Du doch wieder an zu streiten, sei ruhig und geh' heim. Damit führte er den fast Willenlosen durch die Menge tn der Richtung seines Heimwegs. Wie ein echter Seemann mjt wiegendem Schritt, kehrte der Priester darauf zurück, der seinen finster dreinblickenden Gefangenen in
zwischen sreigegeben hatte. „Geh auch Du heim, Rodellec!" sagte er in bestimmtem, festem Tone, „Du hast heute gemtgj gehabt vom Fischfang, vom Trinken Und vom Raufen^ schlafe Deinen Rausch zu Haus aus." Das Licht der nächsten Laterne fiel voll auf sein ernstes, eindrucksvolles Antlitz.
Rodellec weigerte sich, unter Flüchen und Drohungen/ er wolle Hoel den Schädel eiuschlagen, sowie jedem, der es! wage, ihm noch einmal in den Weg zu treten. Auf die Arme seiner Freunde gestützt, mit unheildrohender Miene und geballten Fäusten rückte er aus Hamor an.
„Mit Euch lasse ich mich! in keinen Kampf ein", sagte der junge Mann ruhig und kalt. „Wir sind ja nicht in Hader mit einander. Sehe ich! Euch aber einen Menschen init den Sabots tut Gesicht herumtrampeln, so werde ichs Euch verwehren, wenn ich kann."
„Verdammter Kerl", ries Rodellec vorwärts dringend.
Ter Priester, der kein Auge von den Beiden verwandt hatte, trat jetzt an Hamors Seite.
„Geh heim, Rodellec", wiederholte er streng und gebieterisch, „Du weißt, Du darfst mir nicht trotzen. Eilt Priester kämpft nicht, das weißt Du recht gut, wenn Du! nüchtern bist, er verwehrt aber anderen das Raufen, wenn er die Kraft dazu hat, und zum Glück ist das manchmal der Fall." Er richtete seine stattliche Figur zu ihrer ganzen! stolzen Höhe empor. Heftige Verwünschungen murmelnd/ verließ jetzt Rodellec schwankenden Schrittes den Scham» platz seiner Taten.
Eine kleine Gestalt schlüpfte eilig durch die Menge und folgte ihm. Es war Hamors zürnende Widersacherin, das Mädchen mit dem offenen Haar, er erkannte sie an ihren Augen. Jetzt war die schimmernde Pracht unter dem'seltsamen weißen Häubchen verborgen, welches das junge Gesicht aufs lieblichste umrahmte. Sie begegnete seinem Auge mit einem harten, feindseligen Blick, wohingegen sich der Priester eines warmen Lächelns zu erfreuen hatte.
„Bon soir, monsieur le recteur", sagte sie mit einem kleinen Knix und war auf und davon. Hamor bemerkte, wie der Pfarrer ihr mit sinnendem Ausdruck nachschaute,
„Monsieur le eure", wandte er sich freundlich zu dem Geistlichen, „endlich komme ich dazu, Ihnen zu danken für —"
„O, das ist nicht der Rede wert, ganz und gar nicht", suchte der Geistliche abzuwehren; schien und fast linkisch erschien jetzt sein Benehmen, er war nur noch der einfach« Landpfarrer, der dem Fremden mit schlecht verhohlenem! Mißtrauen und allen Vorurteilen seiner Rasse gegenübertrat, „es war wirklich nicht viel, was ich getan", wiederholte er in sichtlicher Verlegenheit.
„Ich gebe ja zu, daß es nicht viel war", entgegnete Hamor mit seiner ganzen natürlichen Liebenswürdigkeit, „aber ich muß sagen, daß, was auf dem Spiele stand, für mich von einigem Wert ist; handelte es sich doch! um meinen Kopf! Ich war sehr froh, als ich einen so mächtigen Verbündeten mir zur Seite hatte." Der Priester lächelte.


