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Von Zigarettenrauch- und einen Augenblick später begegnete sein Blick dern des Franzosen ohne den leisesten Blitz des Erkennens.

Die beiden Herren absolvierten das ganze lange Diner, ohne von einander Notiz zu nehmen. Als das Mahl vor­über war, schrieb Wassili seine Zimmernummer in großen Ziffern auf die Etiquette seiner Flasche St. Emilien, wie sparsame Geschäftsreisende im Hotel zu tun pflegen. Bald daranf drehte er die Flasche um, so daß Herr von Chaux- ville nicht umhin konnte, die Ziffer zu lesen, und verließ miit einer Verbeugung den Saal.

In seinem Zimmer angelangt, warf der geniale Wassili mehr Holz in den Ofen, zog die zwei stereotypen Fauteuils an den Tisch und zündete alle Kerzen an. Dann klingelte er und ließ verschiedene Liqueurs bringen. Auf dem Zimmer Nr. 44 im Hotel de Moscou' sollte offenbar etwas wie eine Bewirtung stattfiirden. Es dauerte nicht lange, so kündigte ein diskretes Klopfen die Ankunft des erwarteten Gastes cm.

Herein !" rief Wassili, und Herr von Chauxville stand vor ihm mit einem Lächeln, das die Franzosen ,cräne' nennen.

Das ist ein Vergnügen, das ich in Twer nicht er­wartete", sagte Wassili mit seiner hölzernen Stimnre.

Ein unerwartetes Vergnügen, lieber Freund, kommt nie gelegerr. Ich zweifle nicht, daß mein Anblick Sie nicht erfreut."

Im Gegenteil; wollen Sie Platz nehmen?"

Ich glaube schwerlich, daß mein Erscheinen Ihnen gelegen kam", fuhr der Barou fort, indem er sich auf den angebotenen Stuhl niederließ.Herren von der hm! vom Inneren Amte ziehen es vor, wie ich weiß, in aller Ruhe zu reisen inkognito", fügte er harmlos hinzu.

Man pflegt seinen Namen nicht über die Dächer zu schreien, besonders, wenn er nicht ganz unbekannt ist", antwortete der Russe mit einem Aufblitzen des Stolzes in seinen Augen.Aber zwischen Freunden, lieber Baron, zwischen Freunden"

Ja, was machen Sie also in Twer?" fragte Chaux- ville mit erniunternder Offenheit.

O, das ist eine lange Geschichte, aber ich will sie Ihnen erzählen unter der gewöhnlichen Bedingung." Nämlich?" fragte der Baron, indem er sich eine Zigarette anzündete.

Wassili aeceptierte das Zündhölzchen mit einer Ver­beugung und folgte dem Beispiel des Barons. Dann sandte er ein harmloses Rauchwölkchen §it dem schmutzigen Pla­fond empor.

Tauschgeschäft, mein lieber Baron, Tauschgeschäft!"

O, gewiß, gewiß!" antwortete Chauxville, der wußte, daß Wassili höchst wahrscheiulich über seine vergangenen und künftigen Bewegungen vollständig unterrichtet war. Ich bin im Begriff, ein paar alte Freunde in diesem Gou- vernement zu besuchen, die Lanowitsch in Thors."

Ah!"

Sie kennen sie?"

Wassili zog die Schultern empor und machte eine leichte Gebärde mit seiner Zigarette, als wollte er sagen:Was soll diese Frage?"

Der Baron warf einen scharfen Blick auf ihn. Wußte dieser Manu, daß er, Claude von Chauxville, Etta Alexis liebte und folglich ihren Gatten haßte? Wie viel oder wie wenig wußte oder ahnte dieses undurchdringliche Individuum?

Ein kurzes Schweigen herrschte, während jeder der beiden Männer sich seinen Gedanken hingab. Plötzlich klopfte sich Wassili mit dem Zeigefinger auf die Brust.

Ich, ich war es, der jene gefährliche Bewegung die Armenliga im Keim erstickte", sagte er.

Tas weiß ich."

Hören Sie, lieber Baron!" Der geniale Wassili beugte sich vor und klopfte mit einem Finger auf das Knie Chauxvilles, als klopfe er an die Tür seiner Aufmerk­samkeit.

Ich bin ganz Ohr, mein lieber Herr", antwortete der Franzose etwas kühl; denn er erinnerte sich, daß er von Wassili augenblicklich keiner Gefälligkeit bedurfte, und fand dessen Benehmen etwas zu vertraulich.

Das Weib das mir die Papiere der Armen­liga verkaufte, dinierte vor vierzehn Tagen bei mir

in Paris", sagte Wassili, indem er, um jedem Worte Nach­druck zu verleihen. Staccato auf das Knie seines Gegen­übers klopfte.

Tann, lieber Freund kann ich Ihnen zu der Gesellschaft, in der Sie sich bewegen nicht gratulieren", antwortete Chauxville, ihn nachäffend.

Bah! Sie ist eine Fürstin."

Eine Fürstin?"

Ja, und Sie kennen sie, Herr Baron! Sie war bei mir in Begleitung ihres hm! ihres Gatten, des Fiirsten Pawel Alexis."

In der Tat, das war eine Neuigkeit.

Ter Baron lehnte sich im Stuhl zurück und fuhr sich mit der schmalen, weißen Hand langsam über die Stirn, als wische er etwas Geschriebenes von einer Tafel, als seien seine Gedanken ans seiner Stirn ausgeschrieben, und er wische *fie fort

Mer kann die Gedanken zählen, die er aus solche Art verschwinden ließ? Sein erster Gedanke war, daß er Etta gezwungen hätte, ihn zu heiraten, wenn er dies drei Monate srüher gewußt hätte. Tiefer Gedanke bekam noch tausend Abzweigungen. Mit Etta als Frau wäre er gewiß ein anderer geworden. Man weiß nie, welche Wirkung ein unerfüllter Wunsch haben kann; man kann nur uach Analogien urteilen, und vereitelte Wünsche scheinen die Menschen ost zu Schurken zu machen.

Tiefe verspätete Nachricht führte jedoch nur zu Bösem. Im Nu sah Claude von Chauxville Pauls Geheimnisse sich ausgeliesert, Paul in seinen Händen. Paul in der Ver­bannung, in Sibirien, wo der Tod so leicht kommt, und Pauls Witwe als feilte, Chauxvilles Gattin.

Er wischte alle diese Gedanken fort und zeigte Wassili ein Gesicht, das so ruhig und impertinent wie gewöhnlich

aussah.

Sie sagten: ,Hm, ihr Gatte'. Was bedeutete dieses kleine ,Hm', lieber Freund?"

Wassili erhob sich und schritt zur Tür, die von dem Salon, in dem sie saßen, ins Schlafzimmer führte. Man konnte dieses Schlafzimmer auch durch eine zweite Tür betreten und jedes Gespräch hören, das im Wohnzimmer stattfand. .

Tie Nachforschung war offenbar befriedigend, denn Wassili kehrte zurück; aber er setzte sich nicht wieder, sondern lehnte sich au den großen Porzellanosen.

Ich habe wohl nicht nötig, Ihnen die Antecedentien der Fürstin zu erzählen", Hub er an.

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"(sie verheiratete sich vor sieben Jahren mit Robert Beaumont."

Ter Baron nickte.

Wo ist Robert Beaumont?" fragte Wassil: mit seinem maskenähnlichen Lächeln.

Tot", antwortete der andere ruhig.

Beweisen Sie es."

Herr von Chauxville blickte rasch in die Höhe, und die Zigarette fiel ihm aus der Hand. Sein Gesicht war gelb und verzerrt, seine Lippen zitterten sonderbar.

Großer Gott!" flüsterte er heiser.

In seinem Kopse lebte nur noch ein einziger Gedanke, der plötzliche, wilde Wunsch, Etta gegen eine ganze Welt zu verteidigen. .

Wassili lehnte ruhig au dem Ofen und erzählte seine

Vor mehr als einem Jahre wurden mir Papiere angeboten, die von einer großen Verschwörung n: diesem Lande handelten", sing er an.Nachdem ich gewiße Er­kundigungen eingezogen hatte, nahm ich das Anerbieten an und bezahlte für die Dokumente einen fabelhaften Preis. Eine dicht verschleierte Dame --- ich, hatte sie me vorher gesehen brachte sie mir; ich stellte keine Fragen, sondern zahlte ihr einfach die bedungene Summe. Spater stellte sich heraus, daß die Papiere, wie Sie vielleicht wissen, dem Grafen Stephan Lanowitfch gestohlen worden waren, demselben Grafen Lanowitsch, dessen Familie Sie jetzt in Thors besuchen wollen. Nun, das smd lauter alte Geschichten. Es ist anzunehmen, daß Robert Beau­mont der Dieb der Papiere war uyd _ daß er fte hierher brachte, höchstwahrscheinlich sogar in dieses Hotel, wo seine Frau wohnte. Er übergab ihr die Papiere, und fte brachte sie mir nach Paris. Ehe sie jedoch mit ihnen nach Petersburg kam, mußte Graf Lanowitsch sie vermißen und