— 671
statten, wenn man an der Biegungsstelle etwas Erde fortnimmt. Der Stamm wird dann mit einem kräftigen Haken am Boden befestigt und muß flach liegen. Gänzlich zu verwerfen ist es, nur die Krone niederzubiegen und den Stamm ungeschützt zu lassen, weil derselbe an der Bieg- ungsstelle in strengen Wintern häufig erfriert. Zuweilen kommt es vor, daß spröde Stämme beim Niederlegen ein- Lrechen. War die Bruchstelle schlimm, ist es am besten, man wirft den Stamm weg und setzt sofort eine junge Pflanze an seine Stelle, weil die hart verletzte Rose doch fortwährend kränkeln und wenig. Freude bereiten würde. Ist dagegen die Verletzung nur leicht, so wird die Bruchstelle sofort mit Leinen und Band fest umwickelt und mög-- lichst noch mit einigen Stäben fest geschient. Solche Invaliden verheilen oft im nächsten Sommer vollständig und können noch Jahre lang ihren Platz mit Ehren behaupten.
Nm die Rosen allmählich in den Ruhestand zu versetzen, empfiehlt es sich noch, daß man ihnen von Ende Oktober an nach und nach das Laub nimmt. Gänzlich zu verwerfen aber ist es, voll belaubte Rosen zu decken, weil das Laub unter der. Schutzdecke in Fäulnis übergeht, Vie sich dann sehr leicht auf die Zweige überträgt und verheerender wirken kann als strenger Frost. Wenn ich das letzte Laub entferne, schneide ich zugleich alle langen Zweige, die beim Einwrntern hinderlich sind und im Frühling doch unter der Schere fallen würden, mit fort, ebenso wird alles unreife Holz entfernt.
Vermischtes.
* Die Rauchsucht in Oesterreich. Der ungeheure Verbrauch von Zigarren und Zigaretten in Oesterreich ist seit langem als die Ursache der Häufigkeit verschiedener nervöser Störungen betrachtet worden. Die Bemühungen, die Rauchsucht einzudämmen, haben jedoch zu keinem Erfolg geführt. Der Verkauf des Tabaks ist in Oesterreich Regierungsmonopol, und vielleicht hat man deshalb die Bekämpsting des übermäßigen Tabakverbrauchs nicht gerade mit großer Energie verfolgt. Jetzt hat nian srch em ent Experiment zugewandt, dessen Gelingen die Einnahmen aus dem Monopol nicht schädigen würde. Es sind zwet neue Zigarrensorten eingeführt worden, die eine nur geringe Menge, nämlich 0,7—0,8 v. H. Nicotin enthalten, während die anderen Sorten von diesem Giftstoff 1,4—2,9 vH. besaßen. Die Verminderung des Gehalts an Nikotin wird durch das Waschen der Tabakblätter in reinem Wasser während einiger Stunden bewirkt. Man wird sich Muhe geben, den Erfolg dieser Zigarren mit möglichster Wiftenschaftltchkeit zu ermitteln, jedoch dürfte ein echter Raucher ihnen von vornherein wenig Vertrauen entaeaen- brmgen.
*Der Handel m it Fr au enh a ar. Dieser Handel, jo schreibt die „Neue Freie Presse", ist über die ganze Welt verbreitet. Der Konsum ist massenhaft. Vor allem handelt es sich darum, den Haarbedarf aller jener Frauen zu befriedigen, die mit Kummer ihre Haarfülle schwinden sehen; sie können sich einen Ersatz dafür verschaffen, der so natürlich aussieht, daß nur die Verschwiegenheit des Boudoirs das sorgsam gehütete Geheimnis kennt. Der Handel mit Frauenhaar zerfällt in zwei Teile — in den Handel mit natürlichem und künstlichem Haar. Letzterer steht unter dem Protektorat der Mode, und befindet sich gerade jetzt stark in Blüte. Die Amerikanerinnen, die nachgerade für die europäische Mode tonangebend zu werdeu beginnen, stecken bei dem Arrangement ihrer Frisuren letzt viel falsches Haar auf den Kopf, und diese Haargami- ^iren werden nun auch in Europa stark nachgcahmt.
Folge dieser Mode wird voraussichtlich eine wesentliche Verteuerung der Frauenhaare sein, und wenn man bedenkt, daß es jetzt schon einige Sorten der Haare gibt, die tatsächlich mit Geld ausgewogen werden, so dürfte sich bald mancher Ehemann die eigenen Haare darüber ausreißen, wie teuer ihm die Haare seiner Frau zu stehen kommen werden, die sie nicht mehr hat und die ersetzt werden sollen. Jede Rasse und fast jede Nation hat ihr besonderes Haar, das sich in Qualität und Farbe meist von dem anderer Rassen und Nationeil unterscheidet. Je nach dem Volksstamm, dem das Haar entnommen ist, ist der Preis des Haares höher oder geringer. Je weiter nackt Norden, um so wertvoller wird das Haar, und je weiter nach Süden, desto billiger wird es; hier spielt nicht nur
die Feinheit des Haares eine Nolle, sondern vornehmlich auch die Farbe und der Glanz. Wegen der blonden Farben in allen Nüaucen ist besonders das deutsche Frauenhaar und das Haar der Schwedinnen sehr geschätzt, und eilte der kostbarsten Qualitäten ist das aschblonde Haar, da es nicht naturgetreu gefärbt werden kann, und echt sein muß, während das Haar der Italienerinnen und der Mädchen aus dem Süden zu den billigen Sorten gehört. Als seltenste unter den Haarqualitäten gilt das silbergraue Haar; diese Sorte, echt und laug, ist, wie versichert wird, kaum zu bezahlen; es hängt dies damit zusam sich alle Frauen, die ein schönes, weißes Haa ,t
nennen, nur in den seltensten Fällen ihres Haa .kes berauben, um es zu verkaufen, während die N achfrage nach dieser Haarnüaitce sehr groß ist. Man muß sich dann damit behelfen, gebleichtes Haar, das aber bald als solches erkannt wird, als Surrogat zu verwenden. Das gröbste und billigste Haar ist das sogenannte „Chiiiesen- haar". Die Chinesinnen erneuern nämlich ihre Frisur meist erst nach Wochen und Monaten, und der Abfall, das sogenannte „Wirrhaar", das sich dabei vom Kopfe löst, wird von ihnen verkauft und kommt in den Handel. Es gibt aber auch ein imitiertes „Chinesenhaar", das von einer Flachsart, die in Frankreich wächst, gewonnen wird. Doch die vegetabilische Faser kommt bald zum Durchbruch; das Haar wird grün und muß dann immer wieder nachi- gefärbt werden.
Kleine praktische Kittsßläge.
— „Sparen, ohne zu entbehren", ist eine große Kunst, die von der Hausfrau ausgeübt dem Familienleben zu wahrem Segen gereicht. Ohne Uebertreibung darf man sagen, daß auf diesem Gebiete ein altbewährtes Hilfsmittel in der Küche schon seit manchen Jahrzehnten Großes bewirkt hat: „Echtes Liebig", das ausgiebigste und im Verhältnis billigste Fleischs-Extrakt, oft nachgeahmt, nie auch nur entfernt erreicht, vereinigt eine ganze Reihe von Vorzügen, von denen die Ersparnis von Zeit, Mühe und Geld in erster Reihe steht. Eine auf diesem Felde praktisch und theoretisch sehr erfahrene Dame erklärte einmal, daß die richtige, vernünftige Anwendung des „Liebigs" zu den allerersten Dingen gehöre, mit denen sich eine Kochbeflissene vertrant machen müsse.
Are Wallmoden 1903—4.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktnr, Dresden-iX.
Reichhaltiges Modenalbmn und Schnittmusterbuch zu 50 Pf. daselbst erhältlich.
Wohl auf keinem anderen Gebiete spiegelt sich die Mode deutlicher, als auf dem Gebiete der Ball- und Gesellschaftskleider, denn nicht allein, daß bei der eigentlichen Festtoilette jeder so vorteilhaft wie möglich zu er- scheiiien strebt, es sind jetzt auch die Ballkleider meist so vergänglich, daß man nur in einzelnen Fällen eine -vvilette von einer Saison mit in die andere übernehmen kann. Die schönen Zeiten sind vorüber, wo ein gutes Seidenkleid zwei, drei und noch mehr verschiedene Garnierungen aushielt, denn jetzt bildet Chiffon, Seiden- moufselin, Seidcngaze usw. die Sehnsucht der tanzlustigen Jugend. Wohlverstanden, „es bildet die Sehnsucht", und sehr oft wird es wohl aucq dabei bleiben, denn nicht alle Väter sind im stände, ihren Töchtern so kostbare und dabei so vergängliche Tanzkleidcr anzuschaffen.
Man hat auch reizenden Ersatz für derartige Stoffe, welche ebenso duftig und zart aussehen und doch nicht so vergänglich sind. So sind z. B. die bedruckten Voilestoffe in ganz hellen Farben und vor allem in entzückenden Mustern zu haben. Kleine Pompadour-Streu- blümchen, Bomben, Punkte, Ringe usw. beleben den glatten Untergrund in höchst reizvoller Weise. Daneben ergibt indischer Mull in allen Farben einen höchst praktischen Ersatz für Chiffon, besonders wenn er plissiert werden soll. Er wirkt ebenso duftig und leicht ivie Chiffon, ist aber bedeutend haltbarer. Das Neueste ist jedoch wieder einmal Crepe de chine, jener wundervolle, glauzreiche, weich- fallende Seidenstoff, welcher das Gruudmaterial der kost. baren, gestickten Kimonos japanischer Fürstinnen bildet.


