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Man hat jetzt in Crepe de chine verschiedene Qualitäten und Preislagen, sodaß er auch gewöhnlichen Sterblichen zugänglich ist, denn im allgemeinen bildet er eines der kostbarsten Materialien für Ballkleider, und auch eines der Schönsten. Als Ersatz dafür gilt eine leichte Pougee-Seide. Dieselbe ist weniger hoch im Preis und nimmt sich be­sonders bei gereihten und plissierten Arrangements sehr gut aus. Auch die reich mit Spitze inkrustierten und in Stüfchen gesteppten modernen Arrangements lassen sich vorzüglich in dieser leichten Seide Herstellen und wirken besonders dann gut, wenn das Oberkleid weißfarbig und auf andersfarbige Unterlage gearbeitet ist.

Doch nun zu den Schnittformen. Die Wandlung zum Bauschenden, Breiten, gegenüber dem Vorjahre ist eine ganz auffallende, wenngleich man nicht von einer durch­greifenden Aenderung sprechen kann, denn an Neuheiten im schlanken Stil fehlt es ebenfalls nicht. So z. B. taucht wieder einmal das Prinzeßkleid mit seinen schlanken und anschmiegenden formen auf. (Siehe Modell Nummer 276.) Wenn es sich nicht, wie speziell nach vorliegendem Modell, um ein direktes Ballklerd handelt, so wird es ja um Schultern und Aermel ebenfalls breit und bauschend gehalten, wie es die jetzige Mode vorschreibt; der Rock hingegen bleibt schlank und schleppend und erhält höch­stens um den unteren Rand eine volle Garnitur von Plisses, Volants oder ähnlichem. So wundervoll ein gut

geschnittenes Prinzeßkleid an einer vollen und großen Figur aussieht, so vorsichtig müssen kleine und vor allem unebenmäßige Gestalten damit sein, denn es bringt jede körperliche Unschönheit in unnachsichtiger Weise zur Geltung.

Ta sind entschieden die modernen, stosfreichen Musen- formen und faltigen Röcke vorteilhafter, denn durch sie ist es eher möglich auszugleichen und zu beschönigen, wes­halb sie jufy mehr zur allgemeinen Mode eignen. Am charakteristischsten, sind die modernen Röcke. Vorbei ist alle Schlankheit, die sich oft zur unschönen Knappheit steigerte, vorbei auch die Vielen so unangenehme Schleppe. Leicht und gefällig kommt der Rock unter dem hohen Gürtel hervor und fällt in vollen Falten rings um die Gestalt. Dabei sind die Falten um die Hüften so minimal, daß die Figur noch, vollkommener erkennbar ist, besonders wenn einer der vorgenannten duftigen Stoffe dazu verwendet wird. Außerdem wird er meist in Form einer Hüftpasse eingereiht, so daß überhaupt von einer Verbreiterung der Hüften noch nicht die Rede sein kann. Erst in der un­teren Hälfte kommt die starke Fülle in Form eines dicht eingereihten Volants in Anwendung, (siehe Modell 286), welches von verschiedenen Seiten das Gerücht von der Wiederkehr der Krinoline entstehen ließ. Diese Volants erscheinen uns jedoch verhältnismäßig harmlos gegenüber den Quergarnituren ä la 1830, denn jene sind noch zu sehr

Modell No. 274.

Modell No. 276.

Z

Modell No. 286.

Nachklang der so allgemein beliebten Volantröcke, welche dadurch nur auch in leichten und duftigen Stoffen aus­führbar wurden, während diese uns eher als die Morgen­röte einer neuen Sonne am Mvdehimmel erscheint. Ob diese Sonne wirklich die Krinoline sein wird? Wir bezwei­feln es stark, denn das Publikum hat durch seine stark ablehnende Haltung, schon manche von den Schneidern lan- zierte Modeform zum Fallen gebracht und die Abneigung gegen die Krinoline ist eine allgemeine. Doch warum muß es denn gleich die Krinoline selbst sein. Vergessen wir nicht, daß sie eigentlich nur den Kulminationspunkt einer Mode darstellt, welche jahrzehntelang die Welt be­herrschte die Mode der faltigen stosfreichen Röcke.

Für unsere heutige AbteilungDie Tänzkleider" ist die neue faltige, dabei söbleppenlose Rockform mit den modernen, duftigen Rüschenbesätzen, den quergesetzten Bän­dern und Spitzeneinsätzen und vor allem mit der runden Rocklänge entschieden zweckmäßiger als der enge Schlepp­rock und was zweckmäßig ist, ist schön, heißt einer der wichtigsten Grundsätze, den die moderne Kunst aus­gestellt hat.

Jedenfalls sieht es fest, daß die neue Mode sich nicht nur tn den Grundformen, sondern auch! in allerlei Kleinig- Ebcken an die Mode von 1830 anlehnt, wie man auch deutlich an den neuen Ball- und Gesellschaftstaillen sehen kann. Für nicht ausgeschnittene Taillen sind es die Achseh- Passen, welche zur Erzeugung der abfallenden Schulter­

linie benutzt werden (siehe Modell 286) und für die ausge­schnittenen Taillen ist es die Form des Ausschnittes selbst, indem dieselbe mehr breit als tief gehalten wird und oft sogar die Schultern mit entblößt, wie es ja bekanntlich seinerzeit Mode war. Dazu kommt der hohe, meist direkt auf die Futtertaille gearbeitete Miedergürtel, welcher vorn in eine scharfe Schneppe verläuft und dadurch die Figur schlanker erscheinen läßt. Für junge Mädchen mit zierlichen Figuren bilden diese hohen Miedergürtel gerade für die Ballsaison einen willkommenen Ausputz, denn in abstechen­der Seide gearbeitet, eignen sie sich vorzüglich dazu, ein sonst ganz schlichtes Kleid wirkungsvoll zu beleben.

Als größte Neuheit für die Frauenwelt finden dieFavorit-Schnitte" für Selbstverfertigung sonne Modernisierung aller Arten Kleidungsstücke eine immer steigende Verwendung. Die Vorteile, die diese vorzüglich passenden, leicht verwendbaren Schnitte bieten, sind aber auch so in die Augen springende, daß keine Frau, die sie kennen lernte, ferner darauf verzichten will. Die Aus­wahl der Schnitte erfolgt nach dem soeben erschienenen, großartig ausgestattetenMvden-Album und Schnittmuster- buch", welches viele Hundert neue Modelle enthält,, also mehr bietet, als das Abonnement einer Modenzeitung und nur 50 Pfg. kostet. Zu beziehen durch dieInter­nationale Schnittmanufaktur, Dresden-N." oder deren Agenturen.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck uud A erlog der Ertili'schen llniversitäts°Tuck> und Steindruckerei, R. Lange, Gteßen.