Ausgabe 
11.5.1903
 
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Wit Ihnen gesprochen zu haben; Sie mögen überzeugt seich daß ich es nicht vergessen hätte, wenn es der Fall gewesen wäre."

Ich wohne in der Nachbarschaft Strvans", sagte MU Lansdowne.

Clifford fuhr heftig zusammen und sein Gesicht be­wölkte sich

Ich habe Sie oft dort gesehen", fuhr das Mädchen! fort,und ich kenne mehr als einen! Ihrer dortigen Freunde sehr genau."

Ich habe jetzt keine Freunde bort", sagte Clifford mit einem plötzlichen Uebergang zu Ernst, und Bitterkeit in Do«! und Wesen.

Nun, Sie hatten aber dort einmal Freunde, wie ich glaube. Miß Bostal und ihr Water, der Oberst, würden sich wohl verletzt fühlen, zu hören, daß Sie sie nicht mehr? zu Ihren Freunden zählen."

Die Bostals o ja", antwortete Clifford aleichgiltig. Ich! kenne sie; doch, würde Miß Theodora mich schwerlich zu ihren Freunden rechnen. Jch> verlor meinen Platz in chrer Schätzung, wenn ich darin überhaupt je einen ge­habt, als sie mich eines Sonntags im Anzug eines Touristen von Eourtstairs nach Stroan spazieren gehen sah."

Miß Lansdowne lächelte.

Sie ist ein seltsames kleines Geschöpf", sagte sie- Sie hat aber ein sehr gutes Herz, Wenn man sie das Berschwinden eines jungen Mädchens beklagen hört, das sie sehr gern hatte und gegen das sie sehr gütig war" und Miß Lansdowne blickte, während sie sprach unverwandt von Clifford weg, so kann man nicht an der Tiefe ihrer Gefühle zweifeln."

Clifford schwieg einige Augenblicke. Dann ioarf er einen Blick auf das Gesicht des Mädchens, sah, daß es Vertrauen verlangte, und erriet, daß ihre letzten Worte sorgfältig er­wogen waren.

Sie meinen, daß Miß Claris verschwunden ist?"

Ja. Sie haben, wie ich vermute, davon schon gehört?"- fragte sie mit scheinbarer Gleichgiltigkeit.

Natürlich,"

Und daß niemand etwas weiteres weiß, als daß ft? und ihr Onkel den Ort verlassen haben?"

Clifford antwortete, indem er dabei kaum seine Ge­mütsbewegung zu verbergen suchte:Ich ging selbst an den Ort hinunter, fand das Haus verschlossen und leer- und niemand konnte mir etwas weiter sagen, als daß George Claris irrsinnig geworden wäre, sich in einer Irren­anstalt befände und seine Nichte den Ort gleichzeitig ver­lassen hätte. Wenn Sie mir etwas mehr sagen könnten^ würde ich Ihnen sehr dankbar sein."

Ich weiß nicht mehr als Sie. Man kann nur ver­muten oder nur die Vermutungen anderer wiederholen."-

Nun, lassen Sie mich diese Vermutungen hören."

Man sagt die Leute glauben, daß das MädcheU ebenfalls eingesperrt sei."

Rr. 69,

1903

H.'Noll. Gl'g-s'sep!

MorttÄg den 11. Mai.

(Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden.

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen.

(Fortsetzung.)

19. Kapitel.

Die Polizei kommt, Nell zu holen.

Es war ungefähr ein Monat nach dem Schiffbruche, der so ungewöhnliche Folgen für denBlauen Löwen" und seine Bewohner gehabt hatte, daß Clifford King, sehr wider Willen, sich zum erstenmale in diesem Jahre auf einem Balle befand. Das Tanzen war ihm verhaßt, er nahm, wenn er irgend konnte, nie eine Einladung zu einem Balle an, und wenn er sich auch! dazu gezwungen sah, so leistete er ihr doch keine Folge. Allein diese Festlichkeit war eine ganz außergewöhnliche, da sie zu Ehren der jüngsten Schwester Otto Conybeares staitfand, die dabei zum ersten­male in die Gesellschaft eingeführt wurde, daher die nach ihm ausgeworfenen Netze ihrem Zwecke entsprochen hatten.

Als er jedoch einmal da war, fand er den sich ihm barbietenden Anblick so schön, daß er es nicht für ein Mär­tyrertum halten konnte, gekommen zu sein. Die Bäume waren , groß und herrlich'mit Farnkraut und Maiglöckchen geschmückt,ganz wie am Ostersonntag eine Kirche", wie Otto Conybeare sagte.

Clifsords Aufmerksamkeit wurde früh am Abend von dem Anblick eines Mädchens auf sich! gezogen, dessen Gesicht ihm bekannt war und das ihn wieder und wieder ansah, als ob sie erwartete, von ihm erkannt zu werden, obschon er sich ihres Namens nicht erinnern konnte. In der Tat, je öfter er ihren Augen begegnete, desto sichrerer fühlte er sich, ihn gar nicht zu kennen.

Es währte nicht lange, so sah er sie mit Otto sprechen und einen Seitenblick nach ihm hin werfen.

Nun", dachte er,werde ich auf den Grund des Ge­heimnisses! kommen."

Tenn er hatte bisher keine Gelegenheit gefunden, seines Freundes oder irgend eines anderen habhaft zu werden, der ihm sagen konnte, !ver sie wäre. Otto kam geradeswegs auf ihn zu.

Ich wünsche, Dich Miß Lansdowne vorzustellen", sagte er.

Lansdowne! Der Name war ihm ganz unbekannt. Doch sobald er vvrgestellt worden war, löste sich das Rätsel.

Ich wünsche so sehr. Sie kennen zu lernen, Mr. King", sagte das Mädchen, das angenehm, ungezwungen und liebenswürdig war.Ich kann sehen, daß Sie mich nicht kennen, und doch kenne ich Sie sehr gut."

Tas, ist nicht ganz richtig", sagte Clifford.Ich er­innere mich Ihres Gesichts vollkommen; es ist nur Ihr Name, der mir unbekannt ist. Ich bin gewiß, nie zuvor