Ausgabe 
11.4.1903
 
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Wauden.MW sind uns Moses und bie Propheten und einen Gott brauchen wir nicht!" Aber sie haben nur einen andern Moses, andere Propheten, und eine» andern Gott. Wer kennt nicht das häßliche Wort von demAutoritäten-Schwindel", und doch sieht man die Massen, die es anwenden, ihren Autoritäten blindlings folgen. Auf den Geistern lag lange die kalte, finstere Winternacht. Wohl ging die Sonne der Wissenschaft strahlend auf und ihr weißes Licht beleuchtete die Art der Dinge. Es leuchtet hinein in das Gehirn, und unter ihrem Strahl wächst und blüht der Baum der Erkenntnis. Wohin dies Licht aber nicht dringt, das sind die verschleierten Rätsel vom Anfang und Ende vom Leben und Sterben. Sie erhellt den Verstand, aber sie erwärmt nicht das Herz, weil sie sich nicht an das Gemüt wendet und wenden kann. Und da das Herz in seiner Zweifel Not keine befriedigende Antwort von ihr auf seine bangen Fragen erhält, so blickt das Auge hilfesuchend umher, bis es, vielleicht von Wolken verhüllt, den Stern erspäht, der ihm den Trost giebt, der nirgend sonst zu finden war: den Trost des Glaubens, der uns erhebt über die Zweifel des grübelnden Verstandes, heraus aus der Oede einer toten, winterlichen Flur. Denn,der Glaube ist die gewisse Zuversicht dessen, das man hofft und nicht zweifelt an dem, das man nicht sieht."

Wenn |eiS: nun aber keinen Unglauben, sondern nur rechten und falschen Glauben giebt welches ist dann der rechte? Das ist der Glaube, der der Wahrheit am nächsten kommt.

Und was ist Wahrheit?

Nun, das ist das, was dich innerlich still und zufrieden macht, was dir die Kraft giebt, trotz des Dunkels und der Länge des Winters geduldig und ergeben des Frühlings zu harren, das Leid zu ertragen und selbst den: Ende freudig entgegenzusehen. Das ist die Gewißheit des hoffenden Glau­bens, den man deshalb nicht gering achten soll. Denn er ist eine Macht, die Berge versetzt, dienie das Böse will und stets das Gute schafft". Eine solche Macht kann nur dem Guten entstammen. Und da das Gute auch das Wahre sein muß, so kann dieser Glaube auch der Wahrheit nicht fernstehen.

So ist denn Ostern das Fest des überwindenden, siegen­den Glaubens, der tröstlichsten Hoffnung.

Ich bin die Auferstehung und das Leben!"

Dies Osterwort klingt wie eine Siegessanfare hinaus in die Welt, wie einst die Botschaft der Engel zur Weihnachts­zeit. Gegenüber diesem verheißungsvollen Anfänge:Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wider­fahren soll", folgte als letztes und doch nicht als letztes das Wort der Erlösung:Es ist vollbracht", das Opfer des Sterbens; vollbracht ist aber erst am Tage der Auf­erstehung der Sieg des Lebens über den Tod und seine Schrecken. Darum wollen wir uns freuen des wiederkehren­den Lebens.

Und wir werden es können, wenn wir wieder lernen, den Blick mehr nach oben als nach unten zu richten, uns frei zu machen von den Beschwerden der Erde, ihre Güter nach ihrem Werte zu taxieren und den Geist über die Ma­terie zu stellen. Heute ist ja Ostern! Der fiische Odem dieses Tages weht uns an mit belebender, heiligender Kraft, lieber grünenden Gräbern trillert die Lerche ihr jubelndes Lied und die Glocken läuten:Auferstehen!"

Heiliges Ostermorgenrot,

Scheuche du die Schatten, Die uns in des Muters Not Ganz umsponnen hatten! Laß' uns Lenzesblüten schau'n. Mach das Herz uns offen: Gieb uns wieder das Vertrau'« Und ein gläubig Hoffen! > : Erich zu Schirfelhl.

(Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden-

Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen-

(Fortsetzung.)

Willie, aus der Pfeife, die er eben angezündet hatten paffend, war der erste, der sprach- indem er Otto anblickte.

Nun, und was ist jetzt Deine Meinung von nuferer: schönen Freundin?" fragte er.

Meine Meinung ist, daß sie eine Diebin und einet sehr verwegene, wenn nickt eine höchst, geriebene ist. Jene Ohrringe enthielten echte Perlen und Rubinen- sehr altmodisch gefaßt, doch nicht ohne Wert."

Und Du glaubst nicht, daß sie ihr geschenkt worden fein könnten?"

Lieber Freund, so überlege doch nur! Hat man wohl über die Tatsache zu erröten, ein Geschenk von einem alten Manu und seiner alten Tochter erhalten zu haben? Und doch wurde sie zweifellos rot. Sodann ziehe die Unwahrscheinlichkeit der Sache noch in Betracht. Die Bostals sind arm wie Kirchenmäuse. Werden sie da wohl Dinge wie diese Ohrringe haben? Nun, und wenn sie sie haben werden sie sie dann wohl verschenken? Der alte Mann könnte von ihrem schönen Gesicht ver­blendet, es vielleicht tun, doch nicht die knauserige ält-, liche Dame."

Es wird besser sein, wenn Du Clisford von dem- was Du denkst, nichts sagst."

Das will ich auch nicht. Wohl aber beabsichtig«: ich-, zu versuchen, ihn aus dieser Umgarnung zu be­freien; und um meinen Plan zur Ausführung bringen zu können, darf er nichts davon argwöhnen. Er wird- Du kannst daraus wetten, nicht viel von ihr sprechen. Er wird unsere Spottreden fürchten. Und wir werden so schweigsam wie er sein. Und wenn er mich nach meiner Meinung über die Ohrringe fragt, so werd' ich natürlich sagen, daß sie wertlos sind. Verstehst Dn?'<

Willie nickte. Er trug es Clisford nicht länger nach, ihn ausgestochen zu haben, er war nur zu froh, selbst vor einem Sturz in dieselbe Fallgrube bewahrt geblieben zu sein.

Doch war nicht zu erwarten, daß Nell, als Gesprächs­gegenstand, unter den drei Freunden ganz zu vermeiden war. Als Clisford wieder zu den beiden andern stieß, forderte er sie sofort kühn zur Aussprache über di« Ohrringe heraus.

Er ging jedoch nicht von dem Gesichtspunkte aus, wie es Otto erwartet hatte.

Arme, kleine Nell!" rief er scheinbar unbefangen, was die beiden anderen aber nicht täuschte.Sie ist in sehr aufgeregter Gemütsverfassung wegen dieser Ohr­ringsgeschichte."

Weshalb sollte sie's fein? Warum so viel Wesen um eines Tands willen machen, der letzte Weihnachten aus. einem Knallbonbon gefallen sein könnte."

O nein!" sagte Clifford.Sie sind nicht salsch, diese Ohrringe, sie sind echt, nicht eben viel wert, aber in ihrer Art gut. Sie wurden ihr von den Bostals zum Geburtstag geschenkt."

Was war dann dabei rot zu werden", führ der leicht erregbare Willie heraus.Es ist ja nichts Schlimmes dabei, ein Geburtstagsgeschenk von einem alten Fräulein und einem alten Mann zu erhalten. Wie?"

Gewiß nicht. Der Grund ihres Errötens lag darin- daß sie von ihrem Onkel darüber so angelafsen wurde- und ihr beiden Kerle sie sofort mit verdächtigen Augen anblicktet, als ob ihr glaubtet, sie habe die elenden Dinger gestohlen."

Und Dn glaubst nickt, daß sie's tat?" platzte der. Unbesonnene heraus.

3ord wendete sich mit Wut gegen ihn.

glaube es so wenig, daß ich ich ich"

Hier aber brach er kurz ab und konnte durch keine Kunst der Ueberredung von seinen Freunden bewogen werden, zu gestehen, was zu tun er beabsichtigt hatte.

Conybeare und Jordan kamen aber, als sie wieder gsammen allein waren, zu einem Beschlüsse, der sie de« ahrheit sehr nahe brachte.