Ausgabe 
11.2.1903
 
Einzelbild herunterladen

K

Ach, er vertrieb sich eben die Zeit, so gut er konnte. Doch da wären wir ja wieder. -Ob die anderen wohl schon zurück sind?"

Nita, Katie", rief Bryda, ins Wohnzimmer tretend, ich kann euch die angenehme Mitteilung machen, daß Maureen einen recht günstigen Eindruck auf Madame er­zielt hat. Sie forderte sie sogar noch ganz besonders zürn Mrederkommen auf und nannte sie ,mein liebes Kind'."

Na, das kennt rnan!" sagte Katie.Sie wünscht eben einen Goldfisch für ihren Enkel zu angeln."

Ach, ich flehe euch an", rief Nita, die in einen eben abgegebenen Brief so vertieft war, daß sie nur die Worte Fische und angeln hörte,wenn ihr mich lieb habt,, so laßt wenigstens hier die Fischereigespräche bei Seite." (Schluß folgt.)

Etwas von der Kunst des Blumenbindens.

Im Februarheft der MonatsschriftDeutsche Kunst und Dekoration" (Verlagsanstalt Alexander 'Koch in Darmstadt) schreibt Marie Luise Becker-Berlin über die Kunst des Blumenbindens:

Wie die einzelnen Völker im Laufe der Jahrtausende zur Natur standen, das lehrt uns ein Blick in die Kunst­geschichte der Blumenbinderei. Auf Mumientüchern und Särgen finden sich die bunten ägyptischen Malereien, die stilisierte Jrisborte und die Blumensträuße der Aegypter. Cs sind steife, schlank emporstcigende, hohe ornamentale Gebilde: Der Kulturmenschverbesserte" die Natur und schuf sich ein Ornament aus der blühenden, bewegten Pflanze. Genau wie die ägyptische Pflauzenborte stilisierte man im alten Reiche die Blumen zum Strauße: man zer­pflückte die Blüte und fügte sie künstlich jedenfalls mit Hilfe einer Leirn-Masse in die ideal gedachte, feste Kunst- sorm, die als Natur-Motiv allerdings in der Blüte selbst begründet war. Außerordentlich treu folgte man auch der wirklichen Blüten-Form, denn es lassen sich die verschie­densten Blumenarten in diesen ägyptischen Ornamenten nachweisen jede Feinheit der Struktur, jeder Linienreiz ist beobachtet und zeichnerisch festgehalten, das Ganze aber unbedingt immer streng nach dem festgefügten ornamen­talen Schönheitsidelae des hochgebildeten, kulturdurch- drungenen Aegypten umkomponiert. Fruchtkränze um­schlangen die Tempelsäulen in Griechenland und Rom. Eine üppige Vegetation, eine verschwenderische Natur gestattete den Völkern, in Blüten und Früchten zu schwelgen. Alle Bindereien aber waren dem Charakter der herrschenden Ornamentform angepaßt, stilisiert. Die raffiniert verfeinerte Blumenzucht der Renaissance und Barockzeit brachte erst die eigentliche Kunst der Blumenverweudung empor. Noch geben uns alte Stickereien und Stoffe, von letzteren be­sonders die aus der Zeit Ludwigs XIV. und Ludwigs XV., ein klares Bild der damaligen Kunst der Blumenbinderei, und fast unbegreiflich ist der Uebergang von jener immer­hin schon recht feinsinnigen Bindekunst zu dem, ivas die Mitte des vorigen Jahrhunderts an Blumenverarbeitungen ausweist. Waren wir damals besser als die Aegypter? Eine Papiermanschette imitierte, roh ausgeschlagen, eine kostbare Spitze, oder eine billige, hartgestärkte Spitze umgrenzte die Pappform. Dicht und regelmäßig aneinandergedrängt waren dort die einzelnen Blüten auf Draht gespießt, sie bildeten ein Ornament, einen Stern oder gar einen Namenszug. Arme Mutter Natur, wie mißhandelte man deine Kinder! Heute ist jede Blüte uns heilig, mehr noch. die Pflanze. Wie sie gewachsen, wie die Gotteshand sie geschaffen, die sie in Wald und Garten pflanzte, so ist sie schön, so ist sie ein Kunstwerk. Nicht nach der Idee der Kuustform soll sie stili­siert werden, sondern ihre Verwertung soll sich nach dem Wesen der Blumen und nach der Linienharmonie ihres Wachstums richten. Das ist Bindekunst: zum rechten Zweck das rechte Material, kein zum unrechten Zweck vergewal­tigtes Material! In schlanker Vase ein Blütenstiel, nicht zurechtgedrückt und an Drahtstützen gebogen nein, in seiner ursprünglichen, ureigenen, urschönen Form, auch nicht mit anderen, fremden gemeinsam, sondern allein für sich und fertig in sich. Hier ist weniger die Hand zu üben als das Äuge. Das Auge sucht den rechten Zweig für diese oder jene Vase, das Passende zur Stimmung des Zimmers,

ihtbahiou: Curl PIato.

des Wassergefäßes, es fügt nur zusammen, was sich atu einanderschmiegen kann und miteinander durch Farbe und Wuchs harmoniert. Innigste Naturliebe, feinstes Natur-, Verständnis ist die Seele moderner Blütenverwertung. Die Japaner lehrten es uns. Dort giebt es Bindeschulen, in denen junge Mädchen durch stundenlange Uebungen lernen müssen, was sich uns, sehen wir so einen japanischen Blüten-, zweig in schlichter Vase, so selbstverständlich und einfachf zeigt. Heute ist jede Blüte uns wert, die Wald und Wiese,' Treibhaus und Gratenland uns gaben, jede einzelne eine Kunstform der Mutter Natur, ein zauberhaftes, indi-, viduelles Stück Schönheit, in sich vollendet. Und so sei sie denn auch verwertet!

Kreislauf der Wissenschaft.

Ich hab' einst kolossal studiert, Mit Wissen meinen Geist verziert, Und jetzt nach zwanzig Jahren, Da kommt die Wissenschaft und lehrt Daß vieles grade umgekehrt, Als damals ich's erfahren.

Ich aber scher' mich wenig drum Und lern' die Sache nicht erst um, 'Ne Ahnung, 'ne entfernte. Sagt mir, eh' um sind zwanzig Jahr, Jst's Meiste wieder wie es war, Als ich die Sache lernte.

E. B.

Vermischtes.

In der Schule. Folgende Geschichte wird von einem Schüler erzählt, der die Talente seines Lehrers ebenso­wenig anzuerkennen schien, wie der letztere die seines Schülers. Der Lehrer sprach über die Blutzirkulation.

Menn ich auf dem Kopfe stände", sagte der Lehrer, so würde alles Blut nach dem Kopfe strömen, nicht wahr?"

Niemand widersprach.

Nun", fuhr er fort,ivarum strömt denn alles Blut nicht in die Füße, wenn ich auf den Füßen stehe?"

Weil," erwiderte der erwähnte Schüler,Ihre Füße nicht leer sind."

Der Wahrheit die Ehre. Vater:Ich höre, mein Junge, daß Du kürzlich mehrere Unwahrheiten aus­gesprochen hast. Das betrübt mich von Herzen. Sprich stets die Wahrheit, selbst wenn Du Dir dadurch Strafen zuztehst. Willst Du es mir versprechen?"

Sohu:Ja Vater."

Vater:Schön, jetzt geh und sieh, wer eben geklingelt hat. Sollte es der Steuererheber sein, so sage ihm, ich sei nicht zu Hause."

Er hat an sie gedacht. Mutter:Tommy, hast Du den ganzen Kuchen aufgegessen, ohne an Deine Schwester zu denken?"

Tommy:O ja, Mama, ich habe die ganze Zeit an sie gedacht. Ich dachte immer, sie würde kommen, ehe ich damit fertig bin."

Zifferblatträtsel.

(Nachdruck verboten.)

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

Statt der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr sind die Buchstaben AA, B, D, EEE, L, NN, 8, T derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren;

1 3 kroatischer Titel,

1 4 Bindemittel,

1 5 Hause Menschen,

1 6 Teile des Billards,

2 6 Gebirge in Amerika,

5 8 Schwimmvogel, 811 nützliches Tier. 912 biblischer Ausdruck, 11 3 alttestamemarischer Name.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr.r a, Maus, Bier, Leid, Wiese, Gran, Asche, Sonne, Fisch, Angel, b. Haus, Eier, Neid, Riese, Iran, Esche, Tonne, Tisch, Engel.

Henriette.

Nctationsdruck und 2 erlog der Brübl'schen UniversitätS-Buch» und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.