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Gesetz ist so unerbittlich grausam. Ich habe das Gefühl, als sei ich in einen Sa c eingebunden, ohne mich rühren LU können — es ist zum Verrücktwerden."
„So ist Ihr Stolz also größer als Ihre Liebe."
„Nein. Gott weiß wie meine Liebe — doch wozu davon reden. Wenn sie kein Lebenszeichen mehr von mir erhält, wird sie mich bald vergessen haben."
„Und Sie glauben wirklich, Ihren Vorsatz durchführen zu können?" fragte Sir Greville mit einen: Ausdruck der Bewunderung.
„Ja, ich kann mich zu all dem zwingen, ivas sein muß."
„Das könnte ich von mir nicht behaupten, wie Sie selbst am besten wissen. Maureen aber ist ein bedeutendes Mädchen, und in Ihnen hätte sie den ebenbürtigen Mann gefunden."
„Es ist sehr freundlich von Ihnen, Sir Greville, daß sie mich Miß D'Arcys für würdig halten, aber selbst, wenn dem so wäre, das Schicksal steht dennoch mit gezücktem Schwert zwischen uns. Den schwarzen Ulanen Desmond hätte sie vielleicht noch allenfalls geheiratet, der Kutscher Terence jedoch —" fügte er mit heiserer Stimme hinzu, „steht außer aller Frage. Doch hier scheiden sich unsere Wege, ich muß vor Dunkelheit noch auf dem Pachthof sein."
„So handeln Sie eben nach Ihrem Kopf. Doch noch Eines, Desmond. Au: Mittwoch abend beabsichtigen wir einen regelrechten Angriff auf die nächtlichen Fischdiebe auf dem Leam zu machen. Wollen Sie sich uns nicht anschließen? Es wird eine ganz interessante Geschichte geben, die jedenfalls nicht ohne Kampf abläuft. Kein Irländer kann einem solchen Vorschlag widerstehen, nicht wahr?"
„Die Sache ist allerdings sehr verlockend, und wenn ich es irgend möglich machen kann, so werde ich kommen. Lassen Sie mich nur, bitte, die Zeit des Abmarsches wissen. Mus Wiedersehen!" Damit bog er in einen Ziegenpfad ein, auf dem er ein gutes Stück Weges abschnitt.
Sir Greville sah' ihm einige Augenblicke lang nach, Hann nahm er seine Mütze ab, strich sich über die kurzen, Sien Locken und seufzte tief auf, ehe er sich in der tung nach Ballybay wieder in Bewegung setzte. „Irländischer Stolz, irländischer Stolz", murmelte er im Weitergehen mehrmals vor sich hin. „Ja, ja, es giebt tatsächlich keinen stolzeren Menschen, als einen verarmten irländischen Edelmann!"
27. Kapitel.
„M a d a m e."
Die Familie D'Arcy bewohnte in Dublin ein schönes, altes Haus in Monjoy-Square — ein Stadtteil, der zwar jetzt in der großen Welt etwas aus der Mode gekommen ist, der aber noch manches prächtige Haus aufweist, das von dem Glanz früherer Tage zeugt. Die Familie bestand aus Mrs. D'Arcy, einer angeheirateten Tante Maureens und Nitas, sowie einem Sohne und zwei hübschen Töchtern, Bryda und Kathleen. Sie alle empfingen ihre englischen Verwandten aufs Herzlichste, und obwohl sie von Nitas hiibschem Gesicht und ebenso hübschen Toiletten entzückt waren, so zogen sie doch Maureen, hinter der, wie sie sich ausorückten, bedeutend mehr stecke, und die sie als eine echte D'Arcy erklärten, ihrer Schwester noch vor.
Der Monat Oktober ist eigentlich nicht gerade die Jahreszeit, wo sich Dublin in seinem vorteilhaftesten Lichte zeigt, allein die D'Arcy'schen Mädchen hatten einen großen Bekanntenkreis, so daß sich ihre beiden Gäste sehr bald inmitten des lebhaftesten Gesellschaftsstrudels befanden. Das war so ganz ein Leben nach Nitas Geschmack, wogegen Maureen es meist vorzog, durch die Straßen des alten Dublin zu streifen, oder Ausflüge zu Wagen oder mit der Eisenbahn in die Umgegend zu machen.
„Kennst Du eine alte Mrs. Desmond, die in diesem Stadtviertel wohnt?" fragte Nita eines Tages beim Frühstück so nebenbei.
„Eine „Madame" Desmond kennen wir allerdings. Ich möchte ihr Gesicht sehen, wenn jemand sich erlaubte, sie mit Mrs. anzureden", antwortete Kathleen.
„Da hätte ich nicht übel Lust, diesen Versuch zu machen", erwiderte Nita. „Wohnt sie in der Mhe?"
„In Nummer 95, sie ist so stolz als Lucifer und empfängt niemals einen Menschen, der dem Kaufmannsstande an gehört."
„Gütiger Himmel, wie vorsintflutlich!"
„Uns geruht sie noch anzuerkennen, weil wir D'Arcys sind, obwohl wir auch selbstverständlich tief unter ihr stehen."
„Sie ist überhaupt eine unausstehliche, selbstsüchtige, eitle alte Frau, die durch ihre Verschwendungssucht ihre ganze Familie ins Unglück gebracht hat, und nun auf Kosten ihres Enkels lebt. Nichts besitzt sie mehr, als ihr Haus und was dazu gehört, reizende alte Möbel, kostbare Gemälde, Silber und Juwelen — lauter Erbstücke. Mit vollen Händen wirft sie noch heute das Geld zum Feilster hinaus, hält sich Wagen und Pferde, einen ausgezeichneten Koch, Diener und Kammerjungfer, obwohhl man sagt, daß ihr Enkel keinen Heller übriges Geld habe. Sie ist ein stolzes, undankbares, zänkisches altes Weib!^
„Aber Kathleen, Kathleen!" fiel ihr die Mutter ins Wort. „Madame Desmond ist eben noch ganz aus der alten Schule, eine Dame von tadellosen Manieren."
„Ja, bei Leuten, die ihr gerade angenehm sind, das gebe ich zu. Gegen Freunde kann sie reizend sein, und wenn ihr Lust habt, ihr Silber und ihre Spitzen zu bewundern, so kann Bryda euch heute nachmittag zu ihr führen; ich für meine Person besuche sie fast nie, da sie mir wirklich zu unausstehlich ist."
„Ach ja, bitte, ich muß gestehen, daß ich gerne ihre Kostbarkeiten sähe", antwortete Maureen, wobei sie sich zu ihrer Beschämung eingestehen mußte, daß sie sich weniger durch Madame selbst, als durch die Familienkleinodien Terence Desmonds angezogen fühlte.
„Ich für meine Person werde mir den Genuß schenken", sagte ihre Schwester, „da gehe ich lieber ins Konzert. Mir sind stolze, zänkische, schwatzhafte alte Frauen ein Greuel. Ich wünsche Dir viel Vergnügen, Maureen! Doch rate ich Dir, sei vorsichtig, Du weißt schon, was ich meine", fügte sie, mit dem Finger drohend, hinzu und verließ lachend das Zimmer.
„Ja, Madame sind zu Hause", sagte ein würdevoller Kammerdiener und führte Maureen und Bryda mit feierlicher Miene ein breites, mit schönen Gemälden geschmücktes Treppenhaus hinauf in ein ungewöhnlich großes Empfangszimmer. Zuerst schien es Maureen, als sei in dem mit prachtvollen Möbeln aus dem vorigen Jahrhundert, mit Spiegeln, Nippes, Gemälden und Elfenbeinschnitzereien angefüllten Raum niemand anwesend.
„Sie haben also Ihre Cousine mitgebracht?" ertönte da plötzlich die schwache Fistelstimme einer auffallend kleinen Dame aus einem hochlehnigen Stuhl mit abgenütztem ^Ueberzug. „Guten Tag, Miß D'Arcy", fuhr sie, die mageren Finger ausstteckend, fort, während sie Maureen nut ihren stechenden schwarzen Augen, die gar nicht recht in das alte Gesicht paßten, scharf ansah. Trotz ihres Alters hielt Madame sich noch kerzengerade, und obwohl unzählige Runzeln ihr Gesicht bedeckten, waren die Züge doch noch immer schön und regelmäßig wie aus Elfenbein geschnitzt, — der Ausdruck dagegen über alle Beschreibung, anmaßend. Ihr noch immer reiches weißes Haar bedeckte eine altmodische schwarze, unter dem Kinn gebundene Spitzenhaube, das Kleid war vom schwersten dunkelbraunen Atlas, über ihre Schultern hing ein kostbarer Spitzenshawl und ihre Finger funkelten von Dramanten. , ,
Ja, ich habe meine Cousine Maureen mrtgebracht, die Sie gerne kennen lernen möchte", antwortete Bryda, sich setzend. .
„Viel Vergnügen giebts bei mir zwar nicht, aber seren Sie mir willkommen", sagte die alte Dame, ihrem Gast zunickend. „An regnerischen Nachmittagen fällt es Ihren Cousinen nämlich hin und wieder ein, zu mir zu kommen und mich ihren Freundinnen als eine Art Mertumsrarität vorzuführen."
„Aber gnädige Frau, wie können Sie so etwas sagen , antwortete Bryda mutig. „Sie selbst wünschten doch, Maureen zu sehen, weil Sie in Ihrer Jugendzeit auch eine Maureen D'Arcy gekannt haben, und dann möchte meine Cousine so gern Ihre vielen Schätze bewundern."
„Alles Erbstücke, leider habe ich kein Geld, um neue Schätze zu sammeln. Mein teurer Gatte bezahlte z. B. tausend Pfund für jene Silberstatuette dort, weil ich mein Herz daran gehängt hatte. Ich liebe die Kunst über alles und kann nichts in meiner Nähe ertragen, das billig, häßlich oder ärmlich ist."


