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Mittwoch den 11. Februar.
1903. — Nr. 22
(Nachdruck verboten.)
Eine verhängnisvolle Fahrt.
Roman von B. M. Croker.
Autorisierte Uebersetzuug aus dem Englischen von Alwina Vischer.
(Fortsetzung.)
Keine Antwort. Langsam gingen die Beiden neben einander den Hügel hinunter.
„Sie brachten das scheinbar Unmögliche fertig, sich Reitpferde zu verschaffen. Sie gewannen gewisse Briefe zurück — Sie sehen, meine Fran sagte mir alles — Cie brachten ein schweres Opfer, um einen Wagen zu erlangen."
Auf eine Erwiderung wartend, hielt er inne. Endlich begann Terence zu sprechen:
„Ich war unschlüssig, ob ich Ihre Frage beantworten sollte oder nicht, glaube aber, daß ich Ihnen als Mann von Ehre eine offene Antwort schuldig bin. Ohne das geringste Recht dazu zu haben, riß ich ein fremdes Pferd aus einem fremden Stall, ich jagte bei Nacht über den Slievberg, ich stellte mich Lovell gegenüber und opferte mein Geheimnis nm einen Wagen zu erlangen. Dies alles tat ich nicht, wie Sie sich vielleicht einbilden, aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern — doch ich habe Wohl genug gesagt. Sie verstehen mich."
„Sie taten es für Maureen. Sie lieben sie."
„Ja, Sie sind ihr Beschützer, und deshalb sage ich Ihnen die Wahrheit. Ich bin nicht leicht zu entflammen, aber als ich meinen Wagen auf die Seite lenkte, um dem durchgehenden Gespann auszuweichen, das ein Mädchen mit braunem flatterndem Haar und mit den Zügen einer Heldin lenkte, und dann ein Mann neben mir rief: ,Das ist ein Mädchen nach meinem Geschmack!' — da fanden diese Worte lauten Wiederhall in meinem Herzen. Im grausamen, alltäglichen Leben freilich, da paßt dieses Mädchen nicht zu einem Kutscher — selbst nicht, als ich noch aufrichtig glaubte, sie sei Ihre arme Verwandte."
„Eine arme Verwandte?" wiederholte Greville. „Sie besitzt fast eine halbe Million Pfund."
Terence nickte ungeduldig und fuhr fort: „Während Sie mit Mrs. Duckitt fischten und Ihre Gattin sich mit Lovell unterhielt, beobachtete ich, wie Miß D'Arcy fröhlich die Gegend durchstreifte und sich mit den schlichten Webern und Fischersleuten anfreundete. Streng hielt ich mich von ihr fern, denn selbst ein ungebranntes Kind kann das Feuer fürchten. Manchmal aber, an einem schönen, heitern Morgen, während meine Pferde munter vor mir hertrabten, schwoll mir der Mnt, und ich begann mir aus- zumaleu, was alles geschehen könnte, wenn meine Großmutter sterben — sie ist jetzt neunzig — und die verschwundene Urkunde wieder aufgefunden würde. Dann
wollte ich meine Verhältnisse regeln, und Miß D'Arcy meine Hand anbieten."
„Haben Sie ihr niemals eine Andeutung gemacht?"-
„Nein. Ich sprach überhaupt nur sechsmal mit ihr, und sie denkt wohl nicht einmal im Traume an mich."
„Ich aber bin überzeugt, daß sie Sie gern hat, und von uns sollen Ihnen keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Holen Sie nur Ihren Frack ans seinem Versteck hervor und kommen Sie zu uns nach London. Meine und auch Nitas beste Wünsche sollen Ihnen zur Seite stehen."
„Nein, nein, ich danke Ihnen. W steht außer aller Frage, daß Miß D'Arcy sich nicht das Geringste aus mir macht. Zudem ist sie eine reiche Erbin, und vom Geld meiner Frau leben — nein, der Gedanke ist mir unerträglich."
„Wollen Sie damit sagen, daß Sie auf Maureen t)cr§id)teTi ?/z
„Ja. Wohl jeder Mann hat in seinem Leben einmal Aehuliches durchzukämpfen", sagte er, sein hübsches, ernstes Gesicht dem kleinen Baronett zuwendend. „Ich habe nur das Unglück, diese Erfahrung in einem Alter machen zu müssen, wo das — Vergessen nicht mehr so leicht ist."
„Aber warum die Hoffnung aufgeben? Dem Mutigen lacht das Glück. Mädchen, !vie Maureen, giebt es nicht viele auf der Welt — sie ist zwar manchmal ein wenig ungestüm und formlos- aber ein fleckenloser Diamant und ihr Herz ist klar wie ein Krystall."
„Und vielleicht auch ebenso kalt und hart. Was würden wohl Ihre Bekannten dazu sagen, Sir Greville, wenn sie hörten, daß Sie, ein reicher und in der großen Welt hochgeachteter Mann, einen unbekannten, bettelarmen Kutscher zu überreden suchen, sich um Ihre junge, schöne Verwandte, eine reiche Erbin, zu bewerben. Sie würden sicherlich erklären, daß Sie Ihrer Sinne nicht mehr mächtig seien."
„Ich wünsche ja aber auch gar nicht, daß Maureen den Kutscher Terence heirate", erwiderte der andere ein wenig ärgerlich.
„Nicht?"
„Nein, dagegen würde ich sie für ein beneidenswertes Mädchen halten, wenn sie sicy mit dem Nachkömmling von Macarthy Mor, Fürsten von Desmond, vermählte."
„Um in einem Schloß ohne Dach zu wohnen, und von der Luft zu leben. Nein — «ein, führen Sie mich nicht in Versuchung. Das Einzige, was ich tun kann, ist, meine Gefühle nicht aufkommen zu lassen."
„Und Sie werden das auch sicherlich zu stände bringen, daran zweifle ich nicht. Für einen Irländer haben Sie ein ungeheuer großes Maß von Selbstbeherrschung."
„Selbstbeherrschung heißt so viel als Selbstachtung. Aber ein leichter Kampf ist das nicht. Oft schon drohte ich der Versuchung zu unterliegen, nach Dublin zu reifen, Miß D'Arcy als Ihresgleichen entgegenzutreten und da» ganze Erbschaftsgericht zum Kuckuck zu jagen. Aber das


